Gus G. (Firewind, Ozzy) - Gus G.

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Mit Ozzy, Slash und co. auf der Bühne zu stehen ist ein Traum!

Gus G., der sympathische Gitarrengott aus Griechenland und inzwischen OZZY-Gitarrist stand mir geduldig Rede und Antwort und plauderte über seine Aktivitäten bei OZZY und FIREWIND.....

Text: El Greco
Veröffentlicht am 23.06.2012

Gus, freut mich, dass wir nun die Chance bekommen, etwas miteinander zu plaudern. Beinahe hätte es schon vor ein paar Jahren geklappt, als ich in Thessaloniki war. Damals konnte ich meine Cousine leider nicht begleiten, als sie ausging und dich dann zufällig in einer Metal Bar in Thessaloniki traf. Umso mehr freut es mich, dass wir nun etwas zeitverzögert die Chance bekommen haben uns zu unterhalten...
Gus G (lacht): Ja, dann wird es ja Zeit etwas von Grieche zu Grieche zu plaudern.....

So ist es! Was ich gleich mal wissen will: Wie begann eigentlich alles? Wann hast du zu musizieren begonnen und welche Motivation hattest du, damals mit dem Gitarre spielen zu beginnen?
Gus G.: Es lief alles ganz einfach ab: Mein Vater besaß eine Peter Frampton Platte, die ich im Alter von 10 Jahren zum ersten Mal hörte. Danach war es um mich geschehen: Ich liebte diese merkwürdigen Geräusche, die Frampton mit einer Gitarre erzeugen konnte. Dann habe ich meinen Vater angebettelt, mir eine Gitarre zu kaufen - was er auch getan hat.... ;-)

Das ist durchaus ungewöhnlich - einem Kind gefällt ein Rockgitarrist und der Vater kauft ihm daraufhin ohne zu Zögern eine eigene Gitarre? Sowas hört man nicht oft.....
Gus G.: Ja, so war es tatsächlich. Meine Eltern haben mich von Beginn an unterstützt - auch dann als ich meine eigenen Bands hatte. Das ist sicher ungewöhnlich. Ich würde zwar nicht soweit gehen, zu behaupten, dass Griechenland eine "rock culture" hat, aber immerhin gab es bereits früh viele Leute, die sich für Rock und Hard Rock-Musik interessierten. Zum Glück auch meine Eltern.

Sehr löblich! Also war Peter Frampton dein erster Gitarrenheld. Wie ging es dann weiter - mit welchen Metalheroen bist du aufgewachsen? Wer hat dich beeinflusst?
Gus G.: Damals waren METALLICA und GUNS 'N' ROSES sehr populär. Auch ich habe sie geliebt und ihre Sachen sehr oft gehört. Dann mit 14 erhielt ich ein Tape von einem Freund mit einem BLACK SABBATH-Album, und zwar "Master of Reality". Spätestens dann war ich der Musik endgültig verfallen. Wie Tony Iommi spielt, beeindruckt mich auch heute noch. BLACK SABBATH zählen demnach immer noch zu meinen großen Favoriten.

Und dann hast du bereits mit 18 Jahren (Anm.: 1998) FIREWIND gegründet. Wie kam es dazu, diese Band zu gründen?
Gus G.: Nun ja, von einer Band würde ich da nicht sprechen. Denn zu Beginn war ich FIREWIND. ;-) Der Name hat mir einfach gefallen, da hat mich wohl ULI JON ROTH (Anm: "Electric Sun"!) beeinflusst. Aber zunächst war das nur ein Name, unter dem ich Demos aufgenommen habe und noch nicht wirklich eine Band. Dementsprechend erschien erst 2002 das erste Album unter dem Namen FIREWIND....

Aber eine richtige Band seid ihr auch damals nicht gewesen, oder? Ich habe mich gewundert, wie die Veröffentlichungen so gut werden konnten, wenn man bedenkt, dass der Band andauernd Line Up Changes widerfuhren, euer damaliger Sänger auf einem anderen Kontinent lebte etc. (Stephen Fredrick / Südafrika). Ich denke, man merkt euch an, dass ihr heute eine richtige Band seid und FIREWIND als Einheit agieren....
Gus G.: Danke! Das sehe ich genau so! Damals war es in der Tat so, dass wir zwar als Band einige Veröffentlichungen schafften, aber nicht wirklich als Band agierten. Ich kannte manche der Typen in meiner "Band" kaum, da wir uns eben nie sehen konnten und in erster Linie über Computer kommunizierten. Dies führte dann auch zu ständigen Veränderungen im Line-Up. Ich denke, wir sind seit "Forged By Fire" eine "richtige" Band!

Die seit "Allegiance" (2006) zu ihrem besten Line Up gefunden hat, das seither auch fast unverändert blieb...
Gus G.: So kann man das sagen. Nun agieren wir als eingeschworene Einheit, leben (meistens zumindest) im selben Land etc. Das macht natürlich vieles einfacher. Ja, es läuft sehr gut in der Band.

Womit wir beim neuen Alben "Few Against Many" wären. Meiner Meinung nach klingt es ganz anders als die Vorgänger "Premonition" und "Days of Defiance", die wiederum ziemlich ähnlich klangen. Sehe ich das richtig? Wie würdest du das neue Album im Vergleich zu den Vorgängerwerken sehen?
Gus G.: Ich stimme dir absolut zu! "Few Against Many" ist heavier, aber auch gleichzeitig abwechslungsreicher und organischer. Der Fokus liegt eher auf den Gitarren als auf den Keyboards. Auch der Klang ist ganz anders - nahmen wir bislang in Europa auf, gingen wir dieses Mal in die USA. Ich wollte einfach mal etwas anders machen und einige neue Elemente hinzufügen. Das mag vielleicht nicht jedem gefallen, aber es langweilt mich, dauernd nur zu wiederholen, was wir schon mal gemacht haben.....

Wobei ja trotzdem alles nach FIREWIND klingt. Nur eben etwas gereift und vor allem um einiges abwechslungsreicher als ich es mir erwartet hätte....
Gus G.: Freut mich sehr, dass du das so siehst! Ich sehe es nämlich genau so.... ;-)

Dann nenne mir doch mal deine Lieblingssongs des Albums und erkläre mir, warum du diese Songs so sehr schätzt....
Gus G.: Das ist sehr schwierig zu sagen. Dann würde ich mich für "Few Against Many" entscheiden, einen Song, der sehr hart, beinahe schon thrashig klingt. Und auch "Losing My Mind", der fast "grungy" klingt, und sich immer weiter entfaltet und den Hörer wohl auch überrascht.

Dieser Song ist auch einer meiner Lieblinge. Wie verlief der Songwritingprozess bei diesem Song? Wie entwickelte sich dieser Track?
Gus G.: In diesem Fall habe ich den Song geschrieben und es verlief eigentlich ganz einfach. Es war einfach einer dieser Tage, an dem die Kreativität floss und es mir leicht fiel, zu diesem Ergebnis zu kommen. Das ist schwer zu beschreiben - es passiert ganz natürlich und man hört diese Musik im Kopf, die man dann auch unbedingt spielen will. . Einfach formuliert: Ich habe einfach vor mich hin gespielt und das kam raus dabei. Wer die Songs schreibt, ist unterschiedlich. Allgemein habe ich auf "Few Against Many" aber eine größere Anzahl an Songs geschrieben als dies bei den Vorgängeralben der Fall war. Aber auch Bob, Apollo und co. kommen natürlich mit Songideen an.....

Über einen weiteren Song würde ich gerne mit dir sprechen. Du wirst es bereits ahnen: "Edge of Dreams" - Eine Pianoballade mit APOCALYPTICA als Unterstützung? Wer hätte sich das gedacht?
Gus G.: Ja, ich hätte es mir selbst nicht gedacht, dass so etwas mal bei FIREWIND veröffentlicht wird. Bob Katsionis brachte diese Idee ein und ehrlich gesagt war ich zu Beginn dagegen. Aber dann habe ich darüber nachgedacht und mir gedacht: Fuck it! Wir machen dieses Mal sowieso einiges anders als sonst. Also warum sollten wir nicht auch das mal probieren? Dann kam ich auf die Idee, Celli zu inkludieren....

Und dann hast du mal bei APOCALYPTICA angeklopft und sie haben dir ein paar Tage später ihre Parts geschickt, oder wie darf man sich das vorstellen?
Gus G.: Es lief tatsächlich fast so ab.... Unser Management schickte eine e-mail an das Management der APOCALYPTICA Jungs. Wir hatten bis dahin keinerlei Verbindung zu den Musikern und kannten sie nicht besser. Aber sie hörten sich den Song an, fanden Gefallen daran und haben dann in weiterer Folge ihre Teile beigesteuert.

Stichwort Live Gigs und FIREWIND: Ich habe gelesen, dass ihr bald in China touren werdet. Ich bin mir dessen bewusst, dass ihr in Asien immer recht groß gewesen seid. Aber China? Das ist doch noch Neuland für Metalbands.
Gus G.: Stimmt, wir hatten unsere ersten internationalen Gigs eigentlich in Japan, wo wir immer gut aufgenommen wurden. China, ja, wir waren auch überrascht. Eines Tages erhielten wir von jemandem plötzlich die Nachricht, dass wir dort Gigs spielen könnten. Und natürlich wollten wir das sofort in Anspruch nehmen. Wir waren noch nie dort und wollen gerne überall auf der Welt spielen. Wer weiß, vielleicht wird China mal ein wichtiger Markt für Metal? Auf jeden Fall freuen wir uns sehr darauf, dort spielen zu können!

Und wann kommt ihr wieder nach Österreich? Wie waren eure bisherigen Erfahrungen in Österreich, das ja nicht unbedingt als Hochburg der traditionelleren Metalsubstile gilt....
Gus G.: Als wir zu euch kamen, hatten wir zunächst auch geringe Erwartungen, weil wir ja wussten, dass Hard Rock und Melodic Metal in Österreich nun nicht besonders angesagt sind. Aber dann waren wir sehr positiv überrascht. Das Publikum hat uns herzlich willkommen geheißen und überhaupt fühlten wir uns sehr wohl. Ich war enttäuscht, als ich sah, dass wir aktuell nicht in Österreich spielen werden. Hoffentlich klappt es bald wieder! Spätestens 2013 möchte ich auf jeden Fall wieder mit FIREWIND in Österreich spielen!

Wobei du ja immerhin mit OZZY & FRIENDS in Wien spielen wirst (Anm: Am 26. Juni in der Stadthalle). Wie fühlt es sich an, dir die Bühne mit so großen Gitarrenhelden wie z.B. Slash zu teilen?
Gus G.: Mit Ozzy, Slash und co. auf der Bühne zu stehen ist einfach ein Traum! Ich kann mich erinnern, als ich als Jugendlicher seine Licks immer und immer wieder gespielt habe. Nun Teil dieser Tour zu sein ist natürlich fantastisch....

Na dann lass uns mal etwas über dein Engagement bei OZZY sprechen. Wie kam es damals dazu? Man hat ja immer diese romantische Vorstellung, dass ein bekannter Musiker einen jungen Musiker anruft und ihn in seine Band holt. Die Logik sagt: Das funktioniert in der Praxis nicht so.....
Gus G.: In diesem Fall hat mich das Management per e-mail kontaktiert und mich eingeladen, in den USA vorzuspielen, was ich natürlich annahm. Ich war damals natürlich mehr als überrascht, da ich nicht mal wusste, dass Ozzy einen neuen Gitarristen sucht. Also das hätte sich wohl niemand gedacht....

Tja, dann scheine ich ein Orakel zu sein. Ich kann mich erinnern, meiner Freundin beim Hörgenuss eines youtube-Videos auf dich gezeigt und gemeint zu haben: "Falls Zakk mal bei Ozzy aussteigt, sollte dieser Typ ihn ersetzen...."
Gus G.: (lacht) Wirklich?!?! Wow, das ist wirklich cool und wohl das größte Kompliment, das man hören kann! Du bist nun tatsächlich der Dritte, der mir so etwas sagt. Und ich sage jedes Mal: 'Das passiert ungefähr 1x in 100.000.000. Jahren... wie kommt ihr auf diese Idee? Es sagte mal jemand, dass es auch nicht viele junge Gitarristen gäbe, die sich sowohl dem Stil der 70er/80er als auch dem der modernen Zeit widmen. Viele der Gitarristen, die beides beherrschen und mögen, sind bereits arrivierte Stars, aber es gibt eben nicht so viele junge Talente, die genau dies machen und machen wollen....

Da fällt mir ein Ausspruch ein, den ich mal wo gehört habe: "Es gibt nicht vieles auf dieser Welt, das sicher erscheint. Aber man kann sicher sein, dass Ozzy immer ein tolles Gitarrentalent an seiner Seite hat..."
Gus G.: (bricht in schallendes Gelächter aus): Ja, dann scheine ich etwas richtig zu machen. Haha, Diesen Satz muss ich mir merken! Der könnte auch dem Madman gefallen....

Wie fühlt man sich bei den Auditions? Wie nervös warst du damals?
Gus G.: Also vor dem Vorspielen war ich sehr nervös. Ich bin durchaus schüchtern, auch wenn mir das viele nicht glauben. Aber als ich dann dort stand und vorspielte, war das alles vergessen. Dann gab es nur mich, die Gitarre und die Songs.....

Wie kam das Management von Ozzy damals eigentlich auf dich?
Gus G.: Ich weiß es selbst nicht genau. Irgendwie war ich auf deren Radar geraten. Aber ich konnte es mir selbst auch nicht erklären....

Es gab mal das Gerücht, dass du Blasko (Anm: Ozzy-Bassist) mal ein Tape zukommen hast lassen und dies so in die Wege geleitet wurde?
Gus G.: Nein, das stimmt so nicht ganz. ich habe schon öfter mit Blasko gesprochen und er kennt meine Arbeit ganz gut. Kann schon sein, dass er mich vorgeschlagen hat, bzw. gemeint hat, dass es da so einen Typen aus Griechenland gäbe, der ganz gut Gitarre spielen kann. Aber ich könnte es nicht definitiv sagen, wie das so vor sich ging.....

Wie erging es dir bei der Aufnahme zu "Scream"? Wie bist du da in die Rolle reingewachsen? Habt ihr eher als Band geprobt oder hat jeder einfach seinen Part eingespielt?
Gus G.: Wir haben zu Beginn sehr viel geprobt! Das war auch nötig, um eine Chemie zu den anderen Musikern aufzubauen. Zum Glück funktionierte das von Beginn an sehr gut. Und Ozzy ist sowieso ein Wahnsinn. Ich habe selten einen netteren und lustigeren Menschen getroffen. Ozzy ist immer gut drauf und wirklich ein unglaublich witziger Kerl.

Ich hätte ja noch einige Fragen an dich, aber wie ich sehe, ist unsere Zeit leider schon wieder vorüber. Aber vielleicht können wir unser Gespräch ja zu einem anderen Zeitpunkt fortsetzen.... Ich wünsche Dir auf jeden Fall viel Erfolg und viel Spaß auf Tour!
Gus G.: Selbstverständlich, würde mich freuen! Vielen Dank - Vielleicht sehen wir uns ja dann mal "on the road"! Take care!


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