Dragony - Siegfried Samer und Andreas Poppernitsch

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Wenn du deine epischen Hymnen über Einhörner und Elfen im Heldentenor rausschmetterst, dann musst du schon auch die Fähigkeit haben, da ein bisschen über dich selbst zu schmunzeln.

Die Wiener Jungs von DRAGONY haben im November des vergangenen Jahres ihr erstes Album fertiggestellt, das nunmehr den Titel „Legends“ trägt und in der nationalen und internationalen Presse bereits für einiges Aufsehen gesorgt hat – so findet ihr auch bei STORMBRINGER etwa eine umfassende Listening Session und Album-Reviews. Mittlerweile haben die Burschen auch einen Label-Deal bei LIMB Music eingefahren, und das Debütalbum ist am 22. Juni in Europa erschienen. Jetzt hatte ich die Gelegenheit, Siegfried Samer und Andreas Poppernitsch von DRAGONY zum Interview zu bitten.

Text: manfred
Veröffentlicht am 06.07.2012

SB: Zuerst mal vielen Dank, dass ihr euch die Zeit nehmt, uns ein paar Fragen zu beantworten!

SS: Ja bitte gerne doch, keine Ursache! Wir freuen uns über das Interesse!

SB: Also reden wir doch gleich mal über euer erstes Album „Legends“! Immerhin hat es doch relativ lange gedauert, bis man mal von euch etwas zu hören bekommen hat – woran lag das?

AP: Naja, wir haben zuerst mal 2008 zwei Demo-Songs aufgenommen, damit wir zumindest ein paar Hörproben für unsere Websites und so haben, haha… Aber ein komplettes Album dauert ja dann doch länger, und ist auch um einiges aufwändiger zu produzieren.

SS: Ich sag da immer, gerade als junge Band, wenn du noch nicht so viel Erfahrung mit Studioarbeit hast und auch noch nicht viele Jahre in anderen Bands gespielt hast, dann brauchst du mindestens 3-4 Jahre, in denen du zusammen spielst, bist du mal auf einem Niveau bist, wo es überhaupt erst Sinn macht, ein Album aufzunehmen. Denn vorher kommt bestenfalls eine Demo raus – und heutzutage muss man sich halt darüber im Klaren sein, dass man mit einer Demo oder auch einer netten EP einfach nicht mehr weiterkommt. Das freut dann zwar die Mutti, die Omi und die Freundin, aber um wirkliches Interesse zu generieren, braucht man einfach ein Full-Length Album, weil auch die Labels heutzutage nicht mehr die Ressourcen haben, eine Band von null aufzubauen und teure Albumproduktionen vorzufinanzieren. Und das wiederum braucht Zeit und Geld, haha.

SB: Wie alles im Musikbusiness! Wie sieht’s jetzt da bei euch eigentlich aus, hat sich die CD-Produktion schon gelohnt?

SS: Haha naja, davon, die Produktionskosten wieder reinzubekommen, sind wir natürlich noch meilenweit entfernt – und das wird auch wahrscheinlich nicht gelingen, jedenfalls nicht so bald. Aber darum geht’s ja auch nicht in erster Linie; wenn du nur aufs Geld schaust, dann bist du im Metal ja sowieso falsch. Entweder du machst diese Musik, weil du sie gern hast und dahinter stehst – oder du kannst gleich wieder einpacken. Die große Kohle gibt’s anderswo zu holen. Aber das wissen glaub ich die meisten Bands wie auch die Fans selber gut genug; gerade in der heutigen Zeit, wo das Musikbusiness natürlich noch viel schlechter läuft als noch vor zehn, zwanzig Jahren.

AP: Ja es geht einfach mal darum, den Namen bekannter zu machen, und sich zu präsentieren – und das geht eben am besten über ein ordentliches Album, das auch nach was klingt. Und gerade als Newcomer rennen dir die Labels und Plattenfirmen nicht gerade die Tür ein; schließlich gibt es ja schon viele etablierte Bands aus dem Genre, die schon ihre Fanbase haben und mit denen auch Plattenfirmen dann logischerweise Geld verdienen können. In Newcomer musst du als Label erstmal viel Geld in die Promotion pumpen, und dann ist es ja immer noch ungewiss, ob gerade diese Band dann beim Publikum ankommt.

Daher sind glaube ich einfach die Bands selbst gefragt, hier etwas zu tun. Wenn du nur daheim im stillen Kämmerlein darauf wartest, dass jemand kommt und dich „groß rausbringt“, dann kannst du da lange darauf warten.

Im Prinzip geht es glaub ich den meisten Bands in erster Linie auch gar nicht darum, jetzt groß abzusahnen oder weltberühmt zu werden – man möchte einfach gute Gigs in schönen Locations vor ein paar Leuten spielen, und wenn am Ende des Tages noch ein bisschen Geld übrig bleibt und man nicht Länge mal Breite draufzahlen muss, dann ist man eh schon happy. Aber gerade am Anfang musst du natürlich weitaus mehr investieren, als du rausbekommst – und zwar an allem; Zeit, Geld, Arbeit, Mühe. Das geht einfach nicht, wenn du dann nicht hundertprozentig hinter der Musik stehst.

SB: Aber gerade bei euch ist das ja nicht so einfach – ihr schreibt ja auch in eurem Promotext, dass ihr eure Sache mit ein wenig „Augenzwinkern“ betreibt. Wie passt das dann mit „hinter der Musik stehen“ zusammen?

SS: Oh, das ist ganz einfach: Ich glaube, man muss einfach unterscheiden, ob man sich selbst oder seine Inhalte immer todernst nimmt, oder ob man die Musik an sich todernst nimmt. Ich finde ja Bands wie MANOWAR, HAMMERFALL oder RHAPSODY OF FIRE großartig, aber manchmal nehmen die sich einfach selber viel zu ernst. Wenn du deine epischen Hymnen über Einhörner und Elfen im Heldentenor rausschmetterst, dann musst du schon auch die Fähigkeit haben, da ein bisschen über dich selbst zu schmunzeln. Das heißt aber nicht, dass du deswegen deine Heldenarien in schlechter Qualität rausschmettern solltest oder deine Band lustlos performen darf.

Denn letztlich geht’s darum, dass das Publikum unterhalten werden soll. Wir alle lieben diese Fantasy-Sachen, die ja ein großer Teil unseres ganz klassischen, traditionellen True Metal-Konzepts sind, und auch unser Publikum steht da drauf – und deswegen wollen wir das auch authentisch und in sehenswerter Form präsentieren. Klar darf und soll es reine Spaß-Truppen auch geben, aber eine Sache nur verarschen kann man schnell mal; schwieriger wird es glaub ich, wenn man eine Sache mit Enthusiasmus betreibt und wirklich überzeugend rüberbringen will – das darf und soll auch Spaß machen, aber es soll dem Publikum auch was für sein Geld geboten werden, egal ob das jetzt für CDs oder Live-Shows ausgegeben wird.

AP: Und darum finden wir, dass eben auch eine hochwertig produzierte CD mit gut ausgearbeiteten Songs dazugehört, genauso wie eine stimmige Live-Performance. Das Package muss halt passen.

SB: Stichwort Live-Performance: Was darf man denn von einer DRAGONY-Liveshow erwarten? Mit wem würdet ihr denn gerne mal gemeinsam auf Tour gehen?

AP: Viel Glorie! Haha!

SS: Und Epik! Aber klar, bei uns dominieren natürlich einfach diese gewissen „Over The Top“-Momente. Große Chöre, dramatische Melodiebögen, und natürlich die klassischen Power Metal-Elemente wie schnelle Gitarren und Doublebass. Und dieses gewisse Element der Theatralik und des überdimensionierten Pathos, das muss natürlich rüberkommen. Gerade das findet man ja heutzutage so oft in großen Hollywood-Blockbustern wie „Lord Of The Rings“, aber natürlich auch in Science-Fiction-Filmen wie „Transformers“… Für uns als „kleine“ Band ist sowas natürlich nicht reproduzierbar, aber im Rahmen unserer Möglichkeiten versuchen wir dann schon, dem Publikum auch solche Elemente zu bieten.

Immerhin haben wir bei unserem ersten Festivalauftritt vor einigen Wochen beim METALFEST Austria die erste „Wall of Unicorns“ inszeniert, haha… ich denke, das ist ausbaufähig!

AP: Allerdings! Unicorns Unite!

SS: Und mit wem wir gerne auf Tour gehen würden… hmm… da gibt’s natürlich einige Kandidaten, haha. Ich persönlich würde natürlich gerne mit HAMMERFALL touren, da mich diese Band letztlich ja zum Power Metal gebracht hat, und wir auch stilistisch sehr ähnlich sind. Aber natürlich wären auch andere Acts toll, wie derzeit wohl SABATON oder auch STRATOVARIUS und natürlich EDGUY…

AP:: Ja EDGUY oder GAMMA RAY wären auch super, haha! Ach was, mach ma gleich eine Triple-Headliner-Tour mit METALLICA und AC/DC! Und vielleicht noch IRON MAIDEN… hahaha…

SS: Aber wenn wir „heimisch“ bleiben wollen… dann stehen logischerweise SERENITY ganz weit oben auf der Wunschliste, weil wir mit den Jungs ja schon öfters gespielt haben und das immer toll geklappt hat.

SB: Eine Frage interessiert mich schon seit langem: Wie kam es eigentlich zu der Umbenennung der Band? Ihr hattet ja früher einen anderen Namen…

SS: Richtig, angefangen hat alles mit „The Dragonslayer Project“. Dies auch, da wir ja ursprünglich eigentlich vorhatten, eher ein Studioprojekt zu machen, und eine Rockoper á la AVANTASIA aufziehen wollten. Doch dann hat die ganze Sache eine ziemliche Eigendynamik entwickelt, wir wurden zu einer „echten“ Band… und irgendwie passte dann das „Project“ im Namen einfach nicht mehr. Außerdem war der Bandname natürlich zu sperrig und man hatte irgendwie immer Erklärungsbedarf, warum und wieso dieser Name, haha…

Und dann hatte Andi die Idee mit DRAGONY, und zuerst fanden wir’s eher lustig und hätten es fast als Scherz abgetan… aber dann wurde uns bald klar, dass dieser Name eigentlich hervorragend passt, und alles zusammenfasst, wofür die Band steht: Klassische Power Metal-Themen mit einer Prise Humor. Und tja, anlässlich der Albumproduktion 2011 wurde es dann einfach Zeit, den neuen Namen einzuführen, und seither gibt’s uns als DRAGONY.

SB: Ihr habt ja jetzt auch den Deal mit Limb Music an Land gezogen, Gratulation dazu nochmals! Wie ist es dazu gekommen, und wie läuft die Zusammenarbeit bisher?

SS : Vielen Dank! Ja, als das Album fertig war, haben wir natürlich zahlreiche Promoexemplare an diverse Labels, Magazine usw. geschickt, und auch von Limb kam dann ein Angebot. Da wir unserer Meinung nach stilistisch hervorragend ins Programm von Limb passen, und deren Angebot auch sehr gut war, ist es uns dann doch recht leicht gefallen, bei Limb zu unterschreiben.

AP: Bislang läuft auch alles richtig klasse, die Betreuung ist super und die gesamte Crew von Limb steht sehr hinter dem Produkt. Wir hoffen jetzt natürlich, dass auch das Interesse bei den Fans entsprechend groß ist, und dass wir durch Live-Shows und Promoaktivitäten noch mehr Aufmerksamkeit erregen können, damit sich das Album auch entsprechend verkauft.

SB: Gutes Stichwort! Gibt’s eigentlich schon Zukunftspläne, jetzt wo das Album mal erschienen ist?

AP: Ja klar, jetzt müssen wir natürlich ordentlich Gas geben und schauen, dass das Album auch ordentlich promotet wird! Wir haben auch für dieses Jahr noch einige Gigs geplant, wie etwa am 25. September einen Support im Wiener Viper Room für Tim „Ripper“ Owens, und auch für November haben wir etwas geplant…

Aber ich denke, dass es erst 2013 so richtig losgehen wird; auch da haben wir schon ein paar gute Angebote für Gigs bekommen – es tut sich also richtig was!

SB :Das ist gut zu hören, kann man dazu schon genaueres wissen?

SS: Dafür ist es leider noch ein bisschen zu früh. Aber dessen ungeachtet werden wir uns jetzt natürlich wieder eifrig ans Songwriting machen, damit wir möglichst bald mit einem zweiten Album nachlegen können.

SB: Habt ihr dafür schon konkrete Vorstellungen? Wird es wieder ein Konzeptalbum werden?

SS: Hm, das lässt sich derzeit noch nicht sagen. Ein paar Ideen sind natürlich schon da, aber das werden wir wohl erst wirklich sehen, wenn die ersten Songs fertig sind. Auch was Gastauftritte anlangt hätte ich natürlich schon ein paar „Wunschkandidaten“, aber ob auch das realisiert werden kann, wird sich erst noch zeigen.

SB: Ihr habt ja diesmal viele Gäste auf dem Album – wie kam es zu dieser Zusammenarbeit? Wie seid ihr überhaupt an Ralf Scheepers von PRIMAL FEAR rangekommen?

SS: Haha, ja das hat sich lustig ergeben – unser Gitarrist Daniel hat damals einfach Ralf auf Facebook kontaktiert und ihn gefragt, ob er nicht Lust hätte, bei sowas mitzuwirken… Ralf hat dann um ein Demo gebeten, und da es ihm offenbar ganz gut gefallen hat, hat er dann eingewilligt, mitzumachen.

AP: Das lief auch alles super einfach und unkompliziert… Ralf hat eine grandiose Performance abgeliefert, uns dann einfach seine Sachen geschickt und voilá… das war’s auch schon!

SS : Über seinen Beitrag haben wir uns natürlich besonders gefreut, aber auch die anderen Gäste darf man nicht vergessen: Hier hat ja auch jeder einzelne ganz großartige Arbeit geleistet, um unser Album noch spannender und abwechslungsreicher zu gestalten. An dieser Stelle möchte ich mich daher nochmals ganz herzlich und in aller Form bei allen Mitwirkenden bedanken, vor allem natürlich bei Katie Joanne und Phil Porter von SIREN’S CRY, Tom Tieber und Van Alen von ECLIPTICA und Tom Buchberger von SERENITY, der beim Bonustrack „Sparta“ ein Hammer-Solo abgeliefert hat. Dieser Song wird übrigens vorerst offiziell nur auf der Japan-Edition des Albums erhältlich sein. Ein Erscheinungsdatum dafür steht derzeit noch nicht genau fest.

SB: Was werden DRAGONY tun, um sich in Zukunft noch mehr profilieren und in einem Genre, das durch viele gleichartige Bands ja schon fast übersättigt ist, durchsetzen zu können?

SS: Hm, also ich denke, wir werden einfach unseren Weg konsequent weitergehen. Wir versuchen ja nicht, unser Genre neu zu erfinden – aber wir versuchen sehr wohl, wieder ein bisschen Spritzigkeit reinzubringen. Ich erinnere mich ja noch an damals, als grade HAMMERFALL ihren großen Durchbruch hatten, eben mit Alben wie „Legacy Of Kings“, „Renegade“ und „Crimson Thunder“, oder auch Acts wie RHAPSODY und STRATOVARIUS auch hoch im Kurs standen… alle diese Bands liefern zwar noch immer hochwertige Produkte ab, aber ganz diesen Esprit wie damals haben sie auch nicht mehr. Und da versuchen wir nun eben, nachzulegen.

Wir werden also weiterhin am Songwriting feilen, die Kernelemente bei DRAGONY, wie eben die dicken Chöre, epischen Momente und auch die kitschigen Einlagen beibehalten, aber dennoch das Spektrum um neue Elemente erweitern und so die Songs noch interessanter zu gestalten.

AP: Außerdem denke ich, dass unsere Fans ganz genau verstehen, worum es bei DRAGONY geht – und das ist einfach der Spaß an dieser Art von Musik. Und da darf auch mal gelacht werden, und da darf auch herzhaft zu dicken Chören mitgegrölt werden.

SB : Ja das klingt ja alles ziemlich danach, dass ihr doch schon recht klare Vorstellungen habt, wo es hingehen soll in der Zukunft! Das wär’s auch schon von meiner Seite, das Schlusswort gehört euch.

SS: Ja, vielen Dank nochmal für das Interview und den Support von STORMBRINGER… Wir möchten uns ganz herzlich auch bei allen Fans, Freunden und Familien bedanken, die uns bislang so tatkräftig unterstützt haben und das hoffentlich auch weiterhin tun werden – und tja, wir hoffen natürlich, dass möglichst viele Leute unser Album „Legends“ kaufen und auch richtig viel Spaß damit haben!

Stay glorious… und Unicorns Unite!!


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