POSTHUM - Morten & Jon

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Im Escape Metal Corner in Wien hatten wir zuletzt unheimlich viel Spaß. Jon hat sogar ein PUNGENT STENCH-Shirt als Geschenk bekommen!

POSTHUM machen dunkle Musik, sind aber freundliche und aufgeweckte Kerlchen. Mit der STORMBRINGER-Redaktion sprachen Morten und Jon über das neue Album "Lights Out", ewiggestrige Black Metal Fans und den schwarzen Arnold Schwarzenegger.

Veröffentlicht am 17.09.2012

Hallo Jungs, euer zweites Album hört auf den schönen Namen "Lights Out" und für mich klingt das gute Teil wesentlich fröhlicher als euer Erstwerk, das doch stärker im Mid-Tempo-Bereich verankert war. Wo seht ihr denn die größten Unterschiede zum Debütalbum und welche Themen habt ihr dieses Mal aufgegriffen?

Hey Robert, wir sind ja der Meinung, dass "Lights Out" ein dunkleres Album geworden ist. ".Posthum" drehte sich um einen jungen Mann der versucht, sich selbst zu befreien. Er distanziert sich von all den Idealen und Gedanken der herkömmlichen Gesellschaft und flüchtet in die Wildnis. Am Ende folgen ihm auch andere Menschen. Es war in vielen Bereichen ein Konzeptalbum. "Lights Out" hingegen folgt keinem roten Story-Faden. Wir haben beim neuen Album auch die Dynamik und progressive Elemente erweitert, was so nicht geplant war, aber durch das Proben einfach passiert ist. Wir haben einfach beschlossen, die Ideen fließen zu lassen und uns in keinster Weise zu limitieren. Selbst wenn das bedeutet, dass wir uns liebgewonnene Pfade damit verlassen.
"Fröhlicher" ist ein starkes Wort. Die Themen und Ereignisse auf "Lights Out" verbinden wir eher mit Träumen/Albträumen, Dunkelheit, die Art und Weise, wie wir die Welt zerstören, Unruhe und Angst, Manipulation, Wut und Frust gegenüber dem Leben, das wir eben leben sollen. Die Inhalte unterscheiden sich stark voneinander und jeder Song steht prinzipiell für sich selbst. Kein Konzeptalbum und sicher nicht "fröhlicher"!

Für das neue Album seid ihr bei Indie Recordings untergekommen. Wie hat sich diese Kooperation ergeben und hattet ihr auch andere Möglichkeiten?

Indie Recordings sind ja mittlerweile schon einige Jahre im Geschäft und es scheint zumindest so, als ob sie sich am stärksten um einheimische, norwegische Bands kümmern würden. Sie waren an der Spitze der Liste mit Labels, mit denen wir arbeiten wollten. Als sie Interesse an POSTHUM zeigten gab es gar keine Diskussion mehr darüber, mit wem wir künftig zusammenarbeiten würden.

"Lights Out" hat also eine dunkle, düstere Atmosphäre, klingt andererseits aber auch sehr aufregend und reif. Wie lange habt ihr an dem Album gebastelt und habt ihr auch auf ältere Songs zurückgegriffen?

Nachdem wir unser erstes Album veröffentlichten, wussten wir gar nicht so genau, wie wir ein weiteres fertigen sollten. Wir haben wirklich wahnsinnig viel Arbeit und Energie reingesteckt und waren ziemlich ausgelaugt. Aber die Zeit verging und plötzlich waren wir bereits wieder mitten im Songwriting. Der Prozess dauerte dann ziemlich genau zwei Jahre. Von Herbst 2009 bis zur Aufnahme im August/September 2011. Wir habe jedenfalls nicht auf älteres Material zurückgegriffen. "Lights Out" schrieben wir von der Startlinie.

Sehr mystisch ist euer Cover-Artwork ausgefallen. Was repräsentiert es denn genau?

Du siehst einen Menschen, der sich zurücklehnt und sich an den hinter ihm liegenden Bergen, der Ewigkeit ausruht. Das Artwork ist verlinkt mit den Träumen/Albträumen, der Dunkelheit und der Natur, die uns zum Schreiben von "Lights Out" inspirierten. Es entwickelte sich zum wahren Gesicht des Albums, wir konnten es unmöglich anders wiedergeben.

Ihr sagt von euch selbst, dass ihr keinesfalls eine depressive Band seid, aber die Grundstimmung auf "Lights Out" ist ja doch melancholisch. Wir würdet ihr euch sonst beschreiben?

Das Wort "depressiv" kombinieren wir mit hoffnungslos und negativ. Vielmehr fühlen wir auf dem neuen Album starke Erfahrungen, die möglicherweise nicht für jeden gut sind. Es geht mehr darum, in unseren Köpfen und Seelen durch das Beschreiben dieser Gefühle und die Energie in Musik und Lyrics Frieden zu finden. Ambient ist vielleicht eine bessere Bezeichnung als depressiv. Aber natürlich gibt es auch kraftvolle, aggressive Momente auf "Lights Out". In unseren Köpfen ist das Album nicht Down-Tempo oder mild. Obwohl wir POSTHUM vor acht Jahren ins Leben gerufen haben, fühlt sich für uns alles noch so an, wie am ersten Tag. Es ist schwierig in die Zukunft zu sehen, wir können unmöglich sagen, wo uns unser musikalische Weg hinführen wird. Das passiert auf natürlichem Wege.

Gegründet vor acht Jahren, bis zum Debütalbum habt ihr aber trotzdem ganze fünf Jahre gebraucht. Warum denn eigentlich?

Morgen hat 2003/2004 begonnen Schlagzeug zu spielen. Jon hat etwas Gitarre gespielt, war aber eigentlich Pianist. Also hat es natürlich ziemlich lange gedauert, bis wir auf dem technischen Level waren der uns erlaubt, ein Album rauszubringen. Also haben wir die meiste Zeit mit Proben verbracht. Nach einer gewissen Zeit waren so weit, unsere eigenen Songs zu schreiben. Wir haben niemals Cover-Songs gespielt, noch nicht mal im ersten Jahr unseres Bestehen, als wir so durch die Gegend gestolpert sind. Es gibt CDR's mit Songs, die vor ".Posthum" endstanden sind, die werden aber wahrscheinlich nie das Tageslicht erblicken...

Würdet ihr eure Musik als Black Metal bezeichnen? Wie kann man Black Metal heutzutage noch definieren?

Wenn die Menschen heute an Black Metal denken, dann kommen ihnen sofort die frühen 90er Jahre in den Sinn. Zur selben Zeit töten sie aber die Idee eines Genres, das weit mehr zu bieten hat als das Geschreibsel und den Hype der Medien. Die Leute und Bands wollten Teil einer Szene sein und haben auf diesem Weg allen gehorcht. POSTHUM geht es mehr um die Essenz des Black Metal. Wo er begann und nicht wie er geworden ist. Wir sind nie auf diesen "Hooray-Train" aufgesprungen, sondern haben stur und fokussiert unsere eigene Richtung eingeschlagen, unseren Instinkten gefolgt und die Natur, Einsamkeit und das Chaos als Inspiration benutzt. Wir haben uns nie als Black Metal Band bezeichnet, denn dann wären wir in der eingangs erwähnten "21. Jahrhundert-Denkweise" der Menschen und Medien begraben.

Im Oktober seid ihr für ein paar Shows durch Norwegen unterwegs. Plant ihr auch eine Europa-Tour? Wieviel Zeit bleibt euch eigentlich für POSTHUM neben eurem Alltagsleben?

Wir wollen wirklich so schnell wie nur möglich auf eine Tour aufspringen! Es liegt nicht in unseren Händen wo und wann, aber wir werden Europa definitiv beackern! Es wäre auch großartig wieder nach Österreich zu kommen. Das wäre dann bereits das vierte Mal. Im Escape Metal Corner in Wien hatten wir zuletzt unheimlich viel Spaß. Jon hat sogar ein PUNGENT STENCH-Shirt als Geschenk bekommen!
POSTHUM ist der Ausgang aus unserem Alltagsleben. Dort werden wir inspiriert, dort fühlen wir uns leicht und frei. Alles andere sind Dinge, die man eben tun muss, um zu überleben. Die Band und ihre Musik sind aber stets in unseren Köpfen und Herzen.

Schöne Worte. Gibt es noch weitere letzte für eure Fans?

Danke an alle, die zu unseren Shows kommen und gekommen sind. Es war einfach großartig und wir hoffen inständig, bald wir bei euch zu sein. Und falls ihr es noch nicht wisst: Das lustigste Bild, das wir je gesehen haben hängt in der Zappa Bar in Innsbruck. Es ist die schwarze Version von Arnold Schwarzenegger!


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