VARG - Patrick "Hati" Zasch

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Wer uns nach nur einem Song oder gar nach einem Albumtitel den Rücken kehrt, hat nicht verstanden, um was es bei VARG geht.

Das Wolfsrudel von VARG kann man nach Album Nummer drei in ebenso vielen Jahren durchaus als Workaholics bezeichnen. Gitarrist Hati nahm sich für uns Zeit, um über anonyme Internetmauler, Religionen und Charterfolge zu sprechen.

Veröffentlicht am 01.10.2012

Hey Hati, danke für die Zeit! Erst einmal Gratulation zu eurem neuen Album „Guten Tag“. Drittes Album in ebenso vielen Jahren. Woher nehmt ihr die Inspiration und Zeit, um so schnell, so viel Qualität zu veröffentlichen?

Hi, vielen Dank! Wieso schnell? "Wolfskult" ist schon wieder eineinhalb Jahre alt. Genügend Zeit also, sich in Ruhe auf ein neues Album vorzubereiten. Das ist schließlich unser Job – unser Leben!
Inspiration bietet das ganze Leben, der Alltag und natürlich andere Musik. Wir sind alle nicht nur Musiker sondern hören selbst leidenschaftlich gern Musik aus unterschiedlichen Sparten. Wenn man mit offenen Augen und Ohren durchs Leben geht, erhält man genügend Input. Zwar ist dieser nicht immer positiv, aber gerade dann erfährt das Songwriting eine neue Ebene, in dem es als Ventil funktioniert. Als Beispiel kann hier „Guten Tag“ oder „Was nicht darf“ genannt werden.

Auf dem neuen Album habt ihr nicht nur Punkrock („Guten Tag“) und Neue Deutsche Härte („Was nicht darf“) eingebaut, sondern seid allgemein etwas vom Pagan Metal Konzept abgekommen. War das bewusst so? Die ersten Reaktionen eurer Fans waren ja gespalten. Da gibt es Kritik und Lob gleichermaßen…

Wie schon erwähnt, beeinflussen uns verschiedene Musikrichtungen. Ich für meinen Teil bin großer Anhänger der Deutschrockszene, wohingegen Fenriers (Drummer - Anm. d. Verf.) Herz für die pagane Richtung schlägt. Unterm Strich hört jeder von uns unterschiedliche Musik, daher ist es das natürlichste der Welt, wenn wir uns auch anderweitig ausprobieren. Wäre VARG ein Kunstprodukt, dann könnten die Fans noch zehn Alben im "Wolfszeit"-Stil bekommen. Wir würden uns Schwerter zulegen und unsere Bandfotos im Wald machen. Das Resultat wäre aber, dass wir uns selbst kopieren würden. Diese Motivation kann kein ehrlicher Musiker haben!
VARG hat kein festgelegtes Konzept. VARG ist für uns mehr eine Lebenseinstellung, ein großes “Tu was du willst!”.
Wer uns nach nur einem Song oder gar nach einem Albumtitel den Rücken kehrt, hat nicht verstanden, um was es bei VARG geht. Nach diesem Album trennt sich die Spreu vom Weizen und das ist gut so!

Sänger Freki mag die Pagan Metal Schublade ja überhaupt nicht. Im Promozettel wird auch vom „Wolf Metal“gesprochen. Ist so eine neue Schublade denn wirklich nötig?

Schubladen sind dazu da, Bands schnell mal irgendwo einzuordnen und den Überblick zu behalten. Das würde ich nicht so verteufeln. Unsere Schublade war nun mal „Pagan Metal“ und das mag zu "Wolfszeit" noch passen, aber schon auf "Blutaar" kamen neue Elemente hinzu, was den reinen Pagan-Begriff schon stark verwässert hat. Ich verstehe sogar manche Kritiker, die uns vorwerfen, keine richtige Pagan-Band zu sein. Das sind wir auch nicht und ich denke es gibt einige andere Bands, welche das Heidentum und deren artverwandte Thematiken aus musikalischer Sicht besser verarbeiten als wir. Ich denke da z.B. an HELRUNAR oder WARDRUNA.
Bei uns geht es eher darum die Thematik zu verkörpern, aber nicht darum, sie in ein ganz bestimmtes musikalisches Korsett zu verpacken. Daher ist es okay, wenn wir unsere eigene Schublade aufmachen, denn in dieser können wir tun und lassen was wir wollen – und das machen wir ja so oder so immer.

Nicht ganz so schlau bin ich aus dem Intro„Willkommen“ geworden. Ist doch eine nette Einleitung zu„Guten Tag“, doch irgendwie etwas zu kurz geraten oder?

Der Song „Guten Tag“ ist im Prinzip wie ein Schlag ins Gesicht. Da quatscht man auch nicht lange um den heißen Brei herum. Von 0 auf 100 in ein paar Sekunden! Der perfekte Einstieg in ein Album wie „Guten Tag“.

Mit „Anti“ scheint auch wieder ein richtiger Abrechnungs-Song auf dem Album gelandet zu sein. Seid ihr immer noch mit so viel Kritik konfrontiert? Wie viel Zeit wird noch vergehen müssen, um die Vorwürfe der „Rechtslastigkeit“ abstreifen zu können? Wie stark beschäftigt euch dieses Problem als Privatpersonen?

Ich denke, dass mittlerweile jeder verstanden hat, dass wir als Band und auch privat alles andere als rechts sind, der Song hat damit auch wenig zu tun. Die Hetze hat sich auf eine andere Ebene bewegt und geht mittlerweile nicht nur gegen uns, sondern verstärkt gegen unsere Fans. Mich persönlich macht es wütend, wenn Leute mit VARG-Shirts bespuckt werden oder im Internet öffentlich bloßgestellt werden. Im Zeitalter von Internet und Facebook hat das alles eine neue Dimension bekommen. Ich habe bei „Anti“ einen Teil des Textes beitragen können und für mich war es das besagte Ventil. „Erfolg bringt den Neid“ haben wir mal gesungen und das trifft heute mehr denn je den Nagel auf den Kopf. Wir selbst können damit umgehen, aber wenn ein junger Mensch im Internet öffentlich fertig gemacht wird, dann muss ich kotzen. Leider stellen sich diese Hetzer auf Konzerten nie persönlich vor, sondern verstecken sich in ihrer anonymisierten kleinen Internetwelt.

Auch die Kirche bekommt auf dem Album ordentlich Fett ab. Zurzeit werden ja weltweit viele Missbrauchsskandale aufgedeckt und die Lage scheint sich zumindest zu bessern. Hätte eine Religion deiner Meinung nach eine Daseinsberechtigung, wenn sie mit sich und anderen Religionen im Reinen ist?

An dieser Stelle kann ich nur für mich sprechen, da ich denke, dass jeder in der Band eine andere Meinung zur Religion hat. Wenn innerhalb einer Religion alle Menschen gleich sind, Frauen nicht unterdrückt werden, Priester sich nicht an kleinen Kindern vergreifen und vor allem nicht das Geld im Vordergrund steht, dann hat jede Religion seine Daseinberechtigung. Wenn ein Mensch in Momenten der Trauer seinen Halt bei irgendeinem Gott findet, dann ist das okay. Wichtig ist nur, dass man seine Religion und seine Ansichten für sich behält und nicht versucht sie anderen aufzuzwingen. Leben und leben lassen!

Zwei Songs sind mit Gastbeiträgen von ELUVEITIE- und KORPIKLAANI-Musikern veredelt. Wie gut sind denn eure Beziehungen innerhalb der Szene? Können sich da richtige Freundschaften abseits des Geschäfts entwickeln?

Auf jeden Fall! Ich persönlich freue mich jetzt schon wahnsinnig drauf, mit ELUVEITIE im Dezember auf Tour zu gehen, da wir uns mit ihnen sehr gut verstehen. Wenn du auf Tour bist, verbringst du mit diesen Menschen sehr viel Zeit auf engem Raum. Entweder du wächst zusammen oder du frisst dich auf. Letzteres ist allerdings noch nicht passiert! An dieser Stelle seien auch noch MILKING THE GOATMACHINE und EISREGEN erwähnt, mit denen es immer wieder eine Freude ist! Und auch wenn man nicht viel Kontakt hat, wie es z.B. bei GURD der Fall ist, hat sich in der kurzen Zeit der Neckbreakersball-Tour eine richtige Freundschaft entwickelt.

Als Kollege Reini vor gut zwei Jahren euren Bassisten Managarm interviewte, meinte dieser: „Also ich persönlich habe weder etwas gegen Dudelsäcke noch Instrumentalkram. Ab und zu kann man sich das schon anhören. Aber so etwas selbst zu machen –darauf kann ich verzichten.“ Spricht jetzt schon irgendwie gegen den Dudelsack-Gastbeitrag von ELUVEITIEs Päde auf„Wieder mal verloren“ oder? Zwar nicht selbstgemacht, aber doch verwendet.

Das könnte man meinen. Er hat aber auch gesagt, er stehe nicht auf “Fidelmusik”, dafür aber auf starke Melodien – und starke Melodien haben wir auf "Guten Tag" zuhauf. Ich denke, dass war auch eine der Maximen, nach denen er und Freki bei diesem Album gearbeitet haben: Songs mit großen Melodien zu schreiben.

Seit „Wolfskult“ seid ihr auch in den Mainstream-Charts vertreten. „Guten Tag“ wird das mit ziemlicher Sicherheit auch schaffen. Ist Derartiges wichtig für euch? Überwiegt die Freude über das Erreichte oder nervt einen da denn nicht doch wieder das haltlose„Scheiß Mainstream“-Geplärre aus diversen Ecken?

Das ist ein Punkt, den ich innerhalb der Szene einfach nicht verstehen kann. Statt sich zu freuen, dass eine Metalband diese verkorkste Popwelt infiltriert und zeigt, dass es mehr gibt als weinerliche 3-Akkord Songs am Klavier, (nichts gegen Klavier!), zerreißen sie sich das Maul darüber, dass man kommerziell wird. Es ist schier unglaublich ein Album wie „Wolfskult“ oder auch „Guten Tag" als Kommerz zu bezeichnen. Und natürlich sind wir stolz darauf. Letztlich sind wir immer noch die Band aus Coburg, welche schon seit ihrer Jugend Musik macht. Wir haben uns vom Proberaum bis in die Charts gekämpft und ich denke darauf darf man auch stolz sein.

Im Oktober seid ihr mit einem Hammerpackage auf der traditionellen Heidenfest-Tour in Europa unterwegs. Zielt die leichte Stilabänderung auf dem neuen Album auch darauf ab, vielleicht mal für RAMMSTEIN zu eröffnen oder neues Publikum zu erschließen, um sich in Genre-fremderen Touren einbauen zu können?

Ehrlich gesagt haben wir soweit noch gar nicht gedacht. Um für RAMMSTEIN zu eröffnen braucht es allerdings mehr, als einen Song wie „Was nicht darf“ auf dem Album. Abgesehen davon gibt es mittlerweile viele RAMMSTEIN-Copy Bands und diese eröffnen eben nicht. Ehrlich gesagt will doch auch keiner RAMMSTEIN 2.0 sehen.
Wenn man allerdings deinen Gedanken mal weiterspinnt, wäre das - und da kann ich glaub ich für jeden in der Band sprechen - eine unglaubliche Ehre mit solch einer Band die Bühne zu teilen. Konkrete Pläne gibt es aber aktuell noch nicht!

Nachdem ihr eure Alben momentan wie Maschinen veröffentlicht – seid ihr eigentlich schon wieder dabei, das nächste einzutüten und es Mitte 2013 zu präsentieren?

Klar, wir haben vor jeden Monat ein Album zu releasen! Vielleicht sogar zwei, wenn wir's schaffen! Managarm hat bereits 76 neue Songs geschrieben, die müssen wir jetzt nur noch alle anhören und aussortieren.

Hast du noch ein paar letzte Worte, die du euren Fans und den Stormbringer-Lesern mitgeben willst?

Danke für die Unterstützung und dass ihr diesen Weg mit uns gemeinsam geht. Ihr seid die wahren Wölfe!
Wir sehen uns auf dem Heidenfest!
Skal!


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