Paradox - Charly Steinhauer

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Was es mit KING DIAMOND als Busfahrer auf sich hat und warum in Lissabon die Fans die Bühne zerlegten, lest ihr hier im folgenden Interview mit PARADOX-Mastermind Charly Steinhauer .

Die süddeutschen Melodic-Thrasher PARADOX liefern mit Ihrem sechsten Studioalbum "Tales Of The Weird" ihr wohl bestes und vielseitigstes Werk seit Ihrem Klassiker "Heresy" aus dem Jahre 1989 ab.

Text: manfred
Veröffentlicht am 19.11.2012

Die süddeutschen Melodic-Thrasher PARADOX liefern mit Ihrem sechsten Studioalbum "Tales Of The Weird" ihr wohl bestes und vielseitigstes Werk seit Ihrem Klassiker "Heresy" aus dem Jahre 1989 ab. Es gibt endlich wieder eine stabile Besetzung, die neuen Songs hämmern ohne Ende und man findet endlich wieder zu alter Stärke zurück. Was es mit KING DIAMOND als Busfahrer auf sich hat und warum in Lissabon die Fans die Bühne zerlegten, erzähle uns gut gelaunt Mastermind Charly Steinhauer .

Hi Charly, erst mal Gratulation zum neuen Album! Kannst du zur aktuellen CD schon ein Fazit ziehen? Wie bist du zufrieden damit?

Wir sind alle sehr zufrieden mit dem Endprodukt. Für mich persönlich ist es das definitiv beste PARADOX-Album. Nicht weil es das aktuellste ist, sondern weil es die erste CD ist, mit der wir dank Victor Bullok auch nach dem Mix noch hochzufrieden sind. Zudem ist es das vielleicht vielseitigste Album, bei dem es nach mehreren Durchläufen noch immer Feinheiten zu entdecken gibt . Ich denke, dass ich hier auch meine beste und melodischste Gesangleistung abgeliefert habe und die Solos von unserem neuen Saitenhexer Christian Muenzner sind sowieso unfassbar und nicht von dieser Welt. Daniel, unser neuer Drummer, hat die Felle schön gegerbt und man hört, dass wir bei den Aufnahmen richtig Spaß hatten.

Zudem haben wir mit Achim "Daxx" Hömerlein einen neuen Textschreiber, der tolle Arbeit abgeliefert hat. Ich höre mir das Album immer noch sehr gerne an, obwohl ich es schon sicher hundert Mal gehört habe. Ich bin einer meiner härtesten Kritiker aber diesmal zündet es einfach und das Gesamtresultat passt.

Das geniale Cover-Artwork stammt wie bei den letzten beiden Scheiben wieder von Claudio Bergamin und verbreitet eine ordentliche Endzeit-Stimmung. Soll hier eine bestimmte Message vermittelt werden oder wolltet ihr einfach ein cooles Cover?

Natürlich wollten wir ein cooles Cover, aber auch eines, welches ein bisschen an unsere erfolgreichste CD „Heresy“ erinnert und zugleich die Theorie des Maya-Kalenders (Weltuntergang 2012) in Anlehnung des Song "Day Of Judgement" wiederspiegeln sollte.

Ihr habt diesmal mit Achim „Daxx“ Hömerlein, dem ehemaligen Gitarristen und Sänger von VENDETTA einen externen Texter mit ins Boot geholt. Gibt es hierfür bestimmte Gründe?

Vorher hatte unser ex-Gitarrist Kai Pasemann die Texte verfasst. Daher mussten wir uns nach einem anderen umsehen und haben in unserem langjährigen Freund "Daxx" einen genialen Texter gefunden. Er hat perfekte Arbeit abgeliefert und ist zudem ein absolut feiner Mensch.

Weil wir gerade bei den Texten sind. Hier scheint ihr ja diesmal verstärkt Wert auf die Message gelegt zu haben. Denn begleitend zu den Texten findet man im Booklet der CD auch immer einen kurzen Info-Text zum Inhalt des Songs. Gibt es hier einen roten Faden durch die Songs oder haben wir es gar mit einem Konzeptalbum zu tun?

Es ist kein Konzeptalbum, aber es zieht sich dennoch ein kleiner roter Faden durch, denn fast alle Texte handeln von Problemen, mit denen wir Menschen es auf der Welt zu tun haben. Sei es Umweltverschmutzung durch Profitgier, die offensichtlich steigende Jugendkriminalität oder die Volksverdummung durch das Fernsehen, bei denen viele Menschen an das glauben, was Ihnen erzählt wird. Aber die wahre Realität sieht oft anders aus. Es dreht sich einfach nur um Geld, Profit und Macht.

Es gab ja wieder zwei Besetzungswechsel. Statt Roland Jahoda sitzt jetzt Daniel Buld, den mancher vielleicht von euren fränkischen Kollegen von HATRED noch kennt hinter den Kesseln und die Lead-Gitarre bedient seit Anfang 2012 kein geringerer als Christian Muenzner, der auch noch bei den Tech-Deathern von OBSCURA in die Saiten greift. Chris zählt momentan zu den besten Gitarristen, die Deutschland zu bieten hat. Wie kam es zu den Wechseln und wie schätzt du die neue Besetzung ein?

Es ist meiner Meinung nach die ULTIMATIVE Besetzung, welche ich mir immer gewünscht habe und ich hoffe, dass sie mir etliche Jahre erhalten bleibt. Wir kommen alle aus der gleichen Gegend. Lediglich unser Basser Olly Keller lebt mit seiner Frau in Hannover.

Ich habe guten Kontakt zu "Micky" Wehner (ex-VENDETTA), der den Kontakt zu Daniel Buld hergestellt hat. Der wiederum kannte Christian Muenzner. Christian hatte sich schon vor zehn Jahren mal bei mir beworben. Jetzt hat es endlich geklappt und ich bin sehr glücklich, ihn in der Band zu haben. Er ist auch festes Bandmitglied und nicht wie manche glauben derjenige, der nur die tollen Solis eingespielt hat.

In den letzten Jahren war es an der Live-Front leider wieder sehr ruhig um euch. Woran lag´s und wird sich das in absehbarer Zeit wieder ändern? Wie sehen die Pläne für die nähere Zukunft aus?

Durch den großen Line-Up Wechsel mussten wir 2010 etliche Konzerte u.a. Prog Power USA canceln, was uns sehr leid tat. Mit dieser Besetzung ist es wieder möglich Konzerte zu geben. Wir starten am 8. März 2013 in Luzern/Schweiz. Danach wollen wir etliches nachholen, was wir in den letzten drei Jahren gezwungenermaßen versäumt haben. Und wir sind schon alle richtig heiß, die Bühnen Europas zu zerlegen.

Apropos live : In 25 Jahren Bandgeschichte sammeln sich doch sicher einige nette Tour-Anekdoten an. Gibt es ein besonders witziges, peinliches oder bewegendes Ereignis, an dem du uns teilhaben lassen kannst?

Hier gab es eine Menge unvergesslicher Erlebnisse. Das Dynamo Open Air 1988 mit EXODUS, TOXIK, vor 22000 Zuschauern, Wacken, Bang Your Head, Keep It True.
In Athen sind wir nach einen Konzert in Ausschreitungen gekommen und uns sind die Gasgeschosse der Polizei um die Ohren geflogen. Eine Woche nachdem wir in Madrid gespielt haben, ist der gleiche Flieger abgestürzt. In Norwegen haben wir mit TWISTED SISTER, OPETH und anderen tollen Bands im Olympiahotelgelände gespielt und 2009 sind wir mit dem Privatauto 2.600 Kilometer in den Norden gefahren um in Nordfinnland ein Konzert mit DEATH ANGEL, AGENT STEEL etc. zu geben. Ein außergewöhnlich schöner Horrortrip durch Schweden, hehe. Ein sehr gewagtes, aber tolles Ereignis.

Und das Peinlichste passierte so Anfang der 80er-Jahre bei einem KING DIAMOND-Konzert. Damals war die Band noch relativ unbekannt und keiner wusste, wie er ohne Schminke aussah. Naja, und ich saß ohne zu ahnen mit ihm eine Stunde im Tourbus und malträtierte ihn, wer den dieser KING DIAMOND sei und wo er ist. Er zeigte dann auf einen Typen der neben dem klapprigen Bus der Vorband stand und stellte ihn mir als KING vor. Voller Freude ließ ich mir meine LPs signieren, bis sich dann später rausstellte, dass der echte KING neben mir im Bus saß und ich mir soeben ein Autogramm vom Busfahrer geholt hatte. Dumm gelaufen.

Gibt es eine Show, die dir in besonderer Erinnerung geblieben ist?

Da gibt es viele, aber als wir 1988 in Lissabon auf einen Festival vor über 50.000 Leuten spielten, war es schon sehr beeindruckend. Nicht so prickelnd war allerdings, dass die Fans vor Begeisterung die Bühne zerlegt haben, nachdem das Konzert aufgrund mangelnder Sicherheitsmaßnahmen abgebrochen werden musste. Die Bühne wurde gestürmt aber glücklicherweise stand schon ein Bus bereit, der uns rechtzeitig in Sicherheit brachte und wir uns schnell verdrücken konnten.

Rückblickend auf mittlerweile sechs Alben: Welches liegt dir besonders am Herzen?

Jedes Album liegt mir besonders am Herzen, denn jedes erinnert mich an eine besondere Zeit und erzählt seine eigene Geschichte.
Aber meine persönlichen Favoriten sind sicher "Tales Of The Weird" und "Heresy".

Mir sind beim neuen Album einige Parallelen zu eurem Klassiker „Heresy“ aufgefallen. So ist auf dem Cover ein Kuttenträger und im Hintergrund das Weltall zu sehen. Außerdem fängt der Titeltrack mit Gewitter-Geräuschen und einem Akustik-Intro an. Beabsichtigte Reminiszenzen oder Zufall?

Klar beabsichtigt. Ich wollte unbedingt eine Verbindung zu „Heresy“ haben. Abgesehen davon war ursprünglich ein Konzeptalbum mit der Weiterleitung der "Heresy"-Story geplant. Wir sind aber dann doch zu dem Entschluss gekommen, diese Story so stehen zu lassen wie sie ist, denn es ist allgemein bekannt dass man mit Part-2-Alben den Flair des Originals fast nie toppen kann.

Somit bleibt mir jetzt nur noch, euch viel Erfolg mit dem neuen Album zu wünschen, verdient habt ihr das auf jeden Fall! Die letzten Worte gehören dir Charly:

Vielen Dank! Wir freuen uns über jeden Support und sind guter Dinge, dass PARADOX noch viele Jahre existieren werden. Sollten wir bei euch in der Nähe spielen, dann schaut doch mal vorbei. Es lohnt sich. Metal Up! DANKE für den großen Support, was in der heutigen Zeit nicht immer selbstverständlich ist.


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