Nominon - The Whole Band

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Ich liebe Österreich! Wäre es möglich, würde ich dauernd bei euch spielen!

Die schwedischen Old-School-Death-Metaller von NOMINON haben mit "The Cleansing" ein Bombenstatement veröffentlicht und stellten sich geschlossen den Stormbringer-Fragen. Warum sie auf das Leben scheißen, gerne Bier trinken und Österreich abgöttisch lieben, lest ihr hier.

Veröffentlicht am 21.01.2013

Hallo Jungs, besten Dank, dass ihr euch die Zeit für das Interview nehmt!

Perra: Yep, da sind wir, zu deinen Diensten.

Henke: Versuch's doch mal!

AC: Hast du Bier dabei? Du weißt ja, das könnte jetzt ein bisschen dauern.

Euer neues Album "The Cleansing" ist nichts anderes als ein weiteres kompromissloses Masterpiece der Old-Scholl Schweden Death Metal Kunst geworden. Wie lange habt ihr an dem Teil geschraubt und worauf habt ihr dieses Mal den Fokus gelegt?

Henke: NOMINON arbeiten ohne ein kreatives Ende. Manchmal müssen wir halt Scheiße machen um zu überleben, aber NOMINON führt uns durch diesen lästigen Schmerz, den uns der Alltag und sein gesamter Bullshit beschert. Für "The Cleansing" haben wir schon etwas Zeit gebraucht. Das Ziel ist bei uns immer dasselbe: Den möglichst widerlichsten Ausdruck von Ekel und Dunkelheit zu übermitteln. Im Studio waren wir meist an den Wochenenden. Jeder von uns hatte von vornherein in etwa die gleiche Version, wie das neue Album im Endeffekt klingen soll (in der NOMINON-Welt heißt das, es muss immer etwas geben, dass uns ordentlich am Arsch geht). Perra fuhr dann nach Spanien runter um im Studio Javi Place das Teil zu mixen. Was die Jungs da zu den mitternächtlichen Stunden so getrieben haben, ist noch immer ein Mysterium.

AC: Ich finde nicht, dass wir allzu lange an dem Teil geschrieben haben. Wir legen unseren Fokus stets darauf, gute Songs zu schreiben.

Völlig umgeblasen hat mich das beeindruckende Cover-Artwork von "The Cleansing". Wer steckt denn da dahinter und welche Botschaft wollt ihr übermitteln?

Perra: Danke! Verantwortlich dafür ist ein Freund von uns, der Künstler Juanjo Castellano. Er letztes Jahr auch das Cover-Artwork unserer 7'' EP "Manifestation Of Black" gezeichnet. Wir hatten das so gemocht, dass es für uns klar war, wieder mit ihm zu arbeiten. Die Idee und das Konzept stammt von unserem Bassisten Juha. Ich habe dann noch ein paar Gedanken dazugestreut und Juanjo hat es realisiert. Das Artwork sieht jetzt verdammt geil aus und die Gatefold-LP-Version ist einfach nur atemberaubend.

Der Großteil der Songs sind Black/Thrash-Hymnen im Highspeed-Bereich. Woher bezieht ihr eure Inspiration und welche Botschaften stecken hinter euren Lyrics?

Perra: Die Hauptinspiration und -bedeutung von "The Cleansing" ist der Hass, der sich zwischen all den Menschen auf dieser Erde befindet. Zwischen all diesen verfickten Plastkmüll-Typen, die anscheinend auf der ganzen Welt verstreut sind. Sie scheren sich einen Dreck um Sachen, die über die letzte Fernsehfolge von "American Idol" hinausgehen und verfolgen niemals Dinge, an die sie eigentlich glauben, sondern werden ein Teil dieser disfunktionalen Gesellschaft. Eben Leute, die nicht die Eier haben, "nein" zu sagen. Fuck Them All!

AC: Wir waren alle am gleichen Weg beim Songwriting, so sind die Texte eigentlich relativ unkompliziert entstanden. Wir haben einfach gemacht was wir wollten und herausgekommen ist dieses Meisterwerk der Verrücktheit.

Henke: Persönlich höre ich immer darauf, was gerade den Moment am besten einfängt. Zurzeit ist es der METALLICA-Klassiker "Kill 'Em All". Aber völlig egal, ob es sich um MERCILESS DEATH, GG ALLIN oder WISHBONE ASH handelt - NOMINON wollten etwas noch Brutaleres, Grimmigeres erschaffen und genau das haben wir gemacht. Die Lyrics gehen Hand in Hand mit den Gefühlen, die du bekommst, wenn du dir das Album anhörst. Es gibt hier keine Hoffnung mehr - fick das Leben!

Meiner Meinung nach ist "The Cleansing" wesentlich brutaler und härter als euer Vorgänger "Monumentomb" ausgefallen. Wo habt ihr die wichtigsten Änderungen vorgenommen und wo würdet ihr persönlich die größten Unterschiede sehen?

Juha: Mit neuen Mitgliedern kommen eben auch neue Ideen und Einflüsse, die man gut mit dem Grundprinzip von NOMINON verbinden kann. Das Songwriting war diesmal weniger kompliziert. "Monumentomb" war technischer und komplexer, während dir "The Cleansing" einfach nur in die Fresse tritt.

AC: Es ist ein intensives Album, aber irgendwie auch die natürlich Weiterentwicklung für uns. Es gibt da keine Strategie dahinter, wir tun einfach, was wir tun wollen. Der größte Unterschied sind eben die zwei neuen Bandmitglieder, da ist die Weiterentwicklung dann eh natürlich. Wer weiß wie unser nächstes Album klingt? Wenn neues Blut in die Band kommt, werden diese Einflüsse wieder aufgenommen und zum Grundsound von NOMINON erweitert werden.

Henke: Seit "Monumentomb" gab es einige Besetzungswechsel. Alexander von TINGSRYD hat sich uns angeschlossen und wesentlich mehr Thrash in die Bandseele geimpft. Er war aber auch verantwortlich für "Unholy Sacrifice", was purer Death Metal ist. Juha, als Multiinstrumentalist der er ist, hat sich den Bass statt der Gitarre umgeschnallt und ich habe die Vocals von Erik Sahlström (u.a. GENERAL SURGERY) übernommen. Die EP "Manifestation Of Black" hat bereits die richtige Richtung eingeschlagen und wir hatten eben immer das Ziel, ein noch brutaleres und härteres Stück Kunst zu veröffentlichen.

Es gibt in Schweden ja eine Vielzahl von wirklich harten Death Metal Bands, aber ihr seid immer eine Schippe ärger drauf. Gibt es in dieser Szene eigentlich viele Freundschaften oder herrscht da mehr der Wettbewerb untereinander?

Juha: Danke dir! Ich denke, wir haben die Attitüde der alten Zeiten ohne müde zu klingen und wir versuchen nicht auf Biegen und Bringen Old-School zu sein. Wir sind auch sehr stark von der US-Death-Metal-Szene und der alten Thrash-Ära inspiriert. Das gibt unserem Sound zusätzliche Brutalität.

AC: Danke für das Kompliment! Also ich sehe keine Rivalitäten in der Szene. Es gibt sicher genug Bands, die glauben sie wären der heißeste Scheiß, aber wir gehören da nicht dazu.

Nieten, Leder und Teufelsanbetung - NOMINON sind eine Band mit einer klaren Attitüde. Würdet ihr euch für Geld auch verkaufen, bei TV-Shows oder dergleichen mitmachen? Eben unter der Voraussetzung, dass ihr dann von der Band alleine leben könntet.

Perra: Bestimmt nicht in diesem Leben.

AC: Wir würden es wohl machen, ohne Geld dafür zu bekommen. Sondern einfach nur, um die Pest namens NOMINON weitläufig zu verbreiten. Würden sie uns dafür Geld geben, wäre das natürlich gut, um diese Pest weitestmöglich zu verbreiten.

Ihr seid schon verdammt lange im Geschäft, aber die Riesenmenge an Splits, EPs und Alben veröffentlicht ihr erst seit ca. zehn Jahren. Seid ihr fleißiger als früher?

AC: Ich denke das liegt daran, dass NOMINON jetzt genau aus dem richtigen Bandblut besteht!

Juha: Darauf gibt es nur eine Antwort: Perra, the Perisher! Er ist nun etwa seit zehn Jahren bei NOMINON und das ist auch die kreativste Zeit der Bandgeschichte. Er hat das Potenzial der Band immer gesehen und der Band auch einiges ermöglicht. Trotz der vielen Scheiße und schwierigen Zeiten, die wir auch durchwaten mussten. Er ist nicht einfach ein verdammter Drummer - er ist eine LEGENDE! Er ist vielleicht nicht der Mega-Songschreiber, aber er bringt uns immer dazu, etwas weiterzubringen und zu liefern. Ich beuge meinen Kopf in Demut vor diesem Mann!

Die meisten von euch spielen in anderen Bands, haben andere Projekte. Ist NOMINON euer Hauptprojekt?

Perra: Ja, NOMINON ist für uns alle das absolute Hauptprojekt, auch wenn ich zB mit DESTRÖYER 666 oder DIE HARD noch genug zu tun habe. 2011 und 2012 habe ich auch BENEDICTION bei einigen Liveshows und Festivalauftritten geholfen. Gitarrist Alex ist nun auch mehr oder weniger der neue Saitenschwinger von BULLET - aber ja, wir haben alle eine Vielzahl von anderen Projekten am Start.

Da ihr in diesem Jahr euren 20. Geburtstag feiert hätte ich gerne gewusst:
a) Was ist das lustigste,
b) das ekelhafteste
c) und das schwierigste, ärgste Erlebnis euer Bandkarriere?

Juha:
a) Es gibt so viele lustige Erinnerungen, aber was mir gerade einfällt war als unserer Gitarrist Jonas (1995-2004) von einem Security aufgehalten wurde, weil er sichtlich zu besoffen war, um aufzutreten. Sie haben ihn dann rausgeworfen und im Endeffekt ist er im Publikum gestanden und hat seiner eigenen Band beim Spielen zugesehen.
b) Kämpfe und Scheiße innerhalb des Bandgefüges.
c) Leute aus der Band zu werfen ist niemals leicht.

AC:
a) Die Touren!
b) Meine Bandkollegen!
c) All die Besetzungswechsel und verhaute Touren.

Perra:
a) Als wir von Anastasis 2002-2003 von Nuclear Winter RDS kontaktiert wurden - das war ein prägender Punkt für uns.
b) All die Kämpfe und Dummheiten, die sich über die ganzen Jahre so in einer Band anhäufen.
c) Als ich durch ein Nierenversagen wirklich krank wurde, nur drei Monate nachdem ich der Band beigetreten bin. Ich dachte mir, dass sie mich sicher aus der Band kicken, aber sie hatten Geduld und dafür werde ich ihnen ewig dankbar sein.

Machen wir doch gleich auch eine Reise in eure Vergangenheit. Erzählt uns doch ein bisschen was über all eure Alben. Welche Erinnerungen oder Besonderheiten euch dazu einfallen.

"Diabolical Bloodshed" (1999):

Juha: Das Erstgeborene ist immer etwas Besonderes. Meiner Meinung nach ist die Geschwindigkeit auf dem Teil etwas zu extrem. Doch natürlich bin ich stolz darauf, weil doch viele Songs auch noch aus unserer Demozeit stammen.

Perra: Eines der besten Debütalben in der gesamten Death-Metal-Geschichte!

"Recremation" (2005):

Juha: Zwei Langzeitmitglieder haben uns verlassen, also haben Perra und ich das gesamte Album geschrieben. Einfach und ehrlich. Wir waren das erste Mal in den Necromorbus Studios mit Tore hinter den Reglern und er wusste genau, um was es NOMINON geht.

Perra: Ich hatte große Probleme bei der Aufnahme des Albums, weil ich aus persönlichen Gründen wahnsinnig gestresst war. Aber das Teil ist einfach großartig geworden. Tore hat mir auch viel über das Aufnehmen eines Schlagzeugs beigebracht zu dieser Zeit.

AC: Meine Einführung in die Band, verdammt viel Alkohol, noch mehr Spaß.

"Terra Necrosis" (2007):

Juha: Ich bin sehr stolz auf das Album. Die Produktion ist gewaltig - hör dir mal die Drums an.

Perra: Aus der Drumming-Sicht gesehen meine Rache für "Recremation". Ich bin noch heute völlig weggeblasen von der fetten Produktion dieses Albums.

AC: Noch mehr Alkohol!

"Monumentomb" (2010):

Juha: Der Aufnahmeprozess war ein reines Chaos und Erik hatte bei seinen Vocals einen großartigen Job erledigt. Wir hatten tolle Songs, aber das Album hat mich auf die Idee gebracht, mal etwas Neues bei der Produktion auszuprobieren. Was wir eben auf "The Cleansing" vollführt haben.

Perra: Das Album hat wirklich einige Kick-Ass-Songs und lebt auch vom fetten Drumming. Leider der Aufnahmeprozess den ganzen Spaß gekillt, vor allem für einige Bandmember. Ich bin nicht so gut im ruhig sein, wenn es chaotisch und verzweifelt wird. Ich musste viel sortieren und Scheiße erledigen, damit dieses Album überhaupt entstehen konnte - zum Beispiel mitten drinnen einen neuen Sänger engagieren. Abseits dieser ganzen internen Scheiße ist das Album aber wirklich gut geworden und wird wohl auch den "Test Of Time" bestehen.

AC: War nicht so lustig, aber brutales, starkes Album.

"The Cleansing" (2013):

Juha: Genau am richtigen Weg. Ich habe lange darauf gewartet, aber diese Produktion spiegelt wirklich das wahre Gesicht von NOMINON wieder. Jede Sekunde auf dem Album impft der Wut und Verrücktheit ein. Es ist ein reinigendes Bad, eine Pest, die die Oberfläche dieses Planeten säubern wird.

Perra: Es war das erste Mal, dass wir ein kleines lokales Studio wählen und fast alles selbst produzierten. Wir haben alles innerhalb von drei bis vier Wochen aufgenommen, ohne aber täglich daran zu feilen. Es war alles sehr entspannt, nur am Ende mussten wir noch etwas nachjustieren, als wir ein paar Fehler bei Gitarrenspuren entdeckten. Javi von den Moontower Studios in Barcelona und ich haben das Teil dann eine Woche lang im Mai gemixt und gemastert. Ich dachte nie daran, dass das Album ein dermaßen derber Killer werden würde, aber Javi ist ein Magier hinter seinem Tisch.

AC: Sehr relaxt, unglaublich lustig!

Seid ihr eigentlich schon beim Tour planen für dieses Jahr in Europa? Ihr müsst dieses Teil doch bestmöglich promoten.

AC: Wir würden diese Plage gerne verbreiten, aber noch müssen wir abwarten. Ich möchte auch unbedingt in Österreich auftreten, denn das ist für jede Band weltweit der beste Platz, um zu spielen. Ihr wisst nämlich genau, wir ihr mit einem Haufen geräderter, abgefuckter Metalheads mit einem Hangover umgehen müsst. Ihr habt immer das beste Catering und behandelt uns großartig. Ich liebe Österreich! Wäre es möglich, würde ich dauernd bei euch spielen! Ihr habts einfach drauf!

Perra: Seit kurzem arbeiten wir mit einer neuen dänischen Booking-Agentur namens Killtown Bookings. Ich hoffe, dass sie uns für 2013 ein paar europäische Shows auf die Beine stellen können. Im Angesicht des 20-jährigen Bandjubiläums wäre es natürlich fein, dass mit euch Metalheads zelebrieren zu können.

Wollt ihr euren österreichischen Fans noch etwas mit auf den Weg geben?

AC: Beim nächsten Treffen trinken wir Bier! Verdammt viel Bier! Hört auch NOMINON an und trinkt Bier und wenn wir in eurer Gegend sind, trinkt Bier mit uns.

Perra: Wir wissen euren Support wirklich zu schätzen. Für weitere Infos über Tourdaten, Merchandise etc. besucht uns einfach auf unserer Homepage. Mögen die Fliegenschwärme mit euch sein.

Juha: Ich danke dir für das Interview, Robert. Und natürlich jedem, der sich das Teil durchgelesen hat. Hoffentlich sehen wir uns alle auf unserer nächsten Tour.


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