Stratovarius - Jens Johansson

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Eigentlich war es eher die erste Show ohne ihn, bei der uns das dann erst so richtig bewusst wurde, dass er nun nicht mehr hinter den Drums sitzt.

STRATOVARIUS standen uns anlässlich des bevorstehenden Releases von "Nemesis" für ein Interview zur Verfügung, und erzählten uns ein bisschen was zum neuen Album und auch zum Ausstieg von Drummer Jörg Michael.

Veröffentlicht am 15.02.2013

Die Finnen von STRATOVARIUS sind seit vielen Jahren ein Fixstern am Firmament des melodischen Metals europäischer Prägung, und allen Unkenrufen zum Trotz auch nach dem Ausstieg des langjährigen Bandchefs Timo Tolkki immer noch dick im Geschäft. Mit "Nemesis" legen die sympathischen Herren am 22. Februar 2013 ihr mittlerweile vierzehntes (!) Studioalbum vor, und Jens Johansson stand uns vorab für ein kleines Interview zur Verfügung.

SB: Hallo, vielen Dank für das Interview, wie laufen die Dinge gerade bei euch?

JJ: Oh, es läuft good - es schneit grade ein bisschen hier in Deutschland, wo Timo und ich gerade auf Promotour sind, also fühlt es sich ein bisschen wie zu Hause an. (lacht)

SB: Ich nehme an, es gibt viel zu tun?

JJ: Oh ja, es stehen gerade zehn Tage an Interviews an!

SB: Ja na dann wollen wir doch gleich zur Sache kommen: Euer Vorgängeralbum "Elysium" war das erste seit "Destiny", mit dem ihr auf Platz Eins der finnischen Charts geklettert seid. Was erwartet ihr euch also nun von "Nemesis"?

JJ: Oh wow, war das wirklich das erste seit "Destiny"? Hm das kann sein... aber ich glaube, wir haben damit noch keinen Gold-Status erreicht... aber das ist auch nicht so wichtig. In Wirklichkeit geht's ja darum, einfach gute Musik zu machen. Du kannst dich da nicht so auf solche Zahlen und Chartplatzierungen und so versteifen.

SB: Also gut ist "Nemesis" auf jeden Fall geworden, auch wenn das Album sicher mit einem lachenden und einem weinenden Auge zu betrachten ist - ist es doch das erste, dass ihr ohne Jörg Michael eingespielt habt. Wie war denn der Ausstieg von Jörg für euch, und für ihn? Und was bringt Rolf Pilve jetzt an den Tisch, das anders ist als das, was Jörg zur Band beigetragen hat?

JJ: Ja ich würde sagen, der Zugang ist einfach ein anderer. Jörg war einfach so ein Old-School Drummer, so in diesem geradlinigen Jon Bonham-Stil... Rolf ist da ein ganz anderer Typ, aber bringt natürlich so dann seine eigene Note rein.

Aber ich muss auch sagen, da ja beim Aufnehmen zuerst mal die Drums eingespielt werden, haben bei uns auch die Schlagzeuger jetzt gar nicht so viel Anteil an den Gesamtaufnahmen. Wenn mal das Grundgerüst drin ist, dann wird erst der Rest vom Arrangement drumherum gebastelt.

Und ja, der Ausstieg von Jörg war natürlich bittersüß... aber ich würde schon sagen, eher süß als bitter, haha. Oft ist es in unserem Business ja so, dass Leute gefeuert werden, wenn Dinge nicht mehr funktionieren, dass es irgendwie böses Blut gibt oder so. Aber in diesem Fall war es einfach so, dass Jörg die Band zu seinen Bedingungen verlassen konnte, er konnte sich den Zeitpunkt und den Ort auswählen; und wir sind ja weiterhin sehr gute Freunde geblieben, und Jörg ist ja auch weiterhin unser Booking-Agent.

Und es war ja auch seine Arbeit mit der Booking Agency, die letztlih den Ausschlag dafür gab, dass Jörg sich entschloss, seine aktive Karriere bei STRATOVARIUS zu beenden. Es funktioniert einfach schlecht, wenn du als Booking-Agent für viele große Bands tätig bist, und diese Arbeit dann unterwegs auf Tour zwischen den Shows mit STRATOVARIUS erledigen musst. Es war also letztlich dieses Zusammenspiel aus STRATOVARIUS versus "bürgerliches" Leben, dass zu der Entscheidung führte.

SB: Es gibt ja auch eine tolle DVD von Jörgs Abschiedstour, "Under Flaming Winter Skies" - war die letzte Show mit ihm für euch sehr emotional?

JJ: Hm eigentlich gar nicht so sehr... eigentlich war es eher die erste Show ohne ihn, bei der uns das dann erst so richtig bewusst wurde, dass er nun nicht mehr hinter den Drums sitzt.

SB: Nun aber zum neuen Album "Nemesis". Ein sehr düsterer Titel für STRATOVARIUS, auch das Cover-Artwork ist beinahe ungewöhnlich dunkel gestimmt, und Songtitel wie "Abandon", "One Must Fall" und "If The Story Is Over" klingen auch recht pessimistisch für eure Verhältnisse. Wie kam es zu dieser Entwicklung?

JJ: Naja, auch wenn der Albumtitel mit "Nemesis" sehr düster ausgefallen ist, ist ja trotzdem klar, dass wir mit STRATOVARIUS jetzt nie zum Beispiel plötzlich Black Metal spielen würden, haha. Aber wir haben einfach ein bisschen Brainstorming betrieben, und der Titel gefiel uns allen... uns wenn man schon einen Titel wie "Nemesis" hat, dann ist es glaube ich auch recht natürlich, dass man dann auch dieses düstere Grundthema ein bisschen in sein Songwriting für so ein Album einfließen lässt.

Und es freut uns, wenn dir das Album gefällt! Ich denke, wir haben einfach unsere Songwriting-Fähigkeiten in unserem jetztigen Lineup einfach weiter ausfeilen können, wir kennen uns jetzt alle schon besser, und auch der Sound, für den diesmal Mathias (Kupiainen, Gitarrist - Anm.) fast gänzlich alleine verantwortlich zeichnet, kann sich denke ich sehen lassen. Mathias kennt jetzt auch die Band einfach schon viel besser, kennt unsere individuellen Herangehensweisen, und konnte sich darauf auch einstellen. Der Albumtitelvorschlag für "Nemesis" kam übrigens auch von Mathias!

SB: Welches sind denn deine Lieblingstracks auf dem Album?

JJ: Oh, sowas ist immer schwer zu sagen. Ich würde mal sage, "Halcyon Days". Als ich davon die Demos hörte, war ich gleich von der Melodie sehr begeistert.

SB: Wieviele Songs hast du diesmal beigesteuert?

JJ: Hm, also meinen Lieblingssong von denen, die ich selbst geschrieben habe, haben wir dann für das Album letztlich gar nicht aufgenommen, haha. Das lag aber auch daran, dass wir aus unseren Fehlern für die Vergangenheit gelernt haben - früher haben wir eine viel größere Zahl an Songs aufgenommen und dann erst entschieden, was davon aufs Album soll; mittlerweile treffen wir die Vorauswahl bereits früher, und nehmen dann nur jene elf, zwölf Tracks auf, die die Plattenfirma braucht für die verschiedenen Auflagen des Albums.

Ursprünglich hatten wir so etwa zwei Stunden Material, und da haben wir dann eine Art Voting-System eingeführt und so die Anzahl der Songs schrittweise reduziert.

Mein Titel wäre dabei übrigens ein sehr langer geworden... naja, vielleicht können wir ihn ja auf einem späteren Album mal verwenden!

SB: Wie sieht es mit einer Tour zum Album aus? Wird es viele Songs des neuen Albums live geben?

JJ: Eine gute Frage! Also in Europa starten wir mal gemeinsam mit AMARANTHE, und ich denke, solche Touren mit zwei Bands, die unterschiedliche Fangemeinden haben und quasi beide "Headliner" sein können sind eine tolle Sache. Sowas denke ich ist für die Leute einfach interessant, weil sie einen guten Deal für ihr Geld bekommen, und der Markt - speziell auch auf Tour - wird natürlich immer härter und schwierigier für alle Bands.

Zur Setlist kann ich dir jetzt eigentlich noch nicht viel sagen, da hat letztlich immer Timo (Kotipelto, Sänger - Anm.) das letzte Wort. Er muss schließlich ein Set durchhalten können, und da kommt es natürlich auch immer ein bisschen auf die Tagesverfassung an. Und es wird natürlich auch ein bisschen von den Reaktionen der Presse abhängig, wie das Album ankommt und welche Songs besonders gut aufgenommen werden... aber bislang sind die Rückmeldungen durchwegs sehr gut, und das regt natürlich an, auch den einen oder anderen zusätzlichen Song vom neuen Album zu spielen.

SB: Was können wir denn von STRATOVARIUS in der Zukunft erwarten?

JJ: Naja, ich denke, dass wir einfach eine gute Arbeitsbasis gefunden haben jetzt, und vielleicht kommt ja das Beste noch! Man weiß sowas nie wirklich... aber so lange wir weiterhin unser Ding so gut machen können wie bisher, werden wir auch weitermachen. Derzeit fühlt es sich einfach so an, dass jeder am selben Strang zieht, und vielleicht haben wir dann 2014 auch schon neues Material.

SB: Klasse, vielen Dank!


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