Avantasia - Tobias Sammet

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Ich bin da nicht interessiert daran, zu überlegen, wer vielleicht gerade in den Charts ist und mit wem ich mehr Alben verkaufen kann.

Seit Jahren schon zählt Tobias Sammet, seines Zeichens Frontmann und Mastermind seiner Band EDGUY und seines Soloprojekts AVANTASIA, als einer der besten Songwriter im internationalen Melodic Metal. Nun steht erneut der Release eines AVANTASIA-Albums bevor, und wir ließen es uns nicht nehmen, mit dem Maestro persönlich über "The Mystery Of Time" zu plaudern. Lest hier, was Tobias Sammet zum neuesten AVANTASIA-Output zu sagen hat.

Veröffentlicht am 22.03.2013

Seit Jahren schon zählt Tobias Sammet, seines Zeichens Frontmann und Mastermind der Band EDGUY und seines Soloprojekts AVANTASIA, als einer der besten Songwriter im internationalen Melodic Metal. Nun steht erneut der Release eines AVANTASIA-Albums bevor, und wir ließen es uns nicht nehmen, mit dem Maestro persönlich über "The Mystery Of Time" zu plaudern. Lest hier, was Tobias Sammet zum neuesten AVANTASIA-Output zu sagen hat.

SB: Hallo Tobi, vielen Dank für deine Zeit und das Interview! AVANTASIA - das ist ja bei dir so eine Sache. Zuerst hieß es, es wäre nach den ersten beiden "Metal Opera"-Alben vorbei gewesen. Dann doch nicht. Dann hieß es, neues Album ja, aber niemals Live-Tourneen. Dann kamen doch Live-Tourneen. Dann wurde AvANTASIA wieder ad acta gelegt. Aber dann doch wieder nicht. Jetzt ist das Projekt wieder einmal zum Leben erweckt worden - wie kam's dazu, und wie geht's weiter?

TS: Ja, ich taste mich mit Lügen einfach langsam durch! (lacht) Nein, also ich muss das ehrlich sagen - wenn ich in diesen Situationen sagte: "Das war's jetzt", dann war das in dem Moment für mich auch so. Da war dann einfach ein Projekt abgeschlossen, und ich wollte mich auf die nächste Sache konzentrieren, und einfach nur sagen können: "Ich konzentrier' mich jetzt auf EDGUY".

Aber ich merkte dann einfach schnell, dass ich doch wieder viel Lust bekam, auch im Rahmen von AVANTASIA weiterzumachen. Ich wollte einfach in den Keller gehen und Musik machen, ohne große Erwartungen mir halt meine eigene kleine Welt zusammenkomponieren. Also diese Revivals waren nie von langer Hand geplant - für mich war's einfach immer erledigt zu dem Zeitpunkt. Warum sollte ich sowas auch sonst sagen?

Auch die Touren waren nie geplant... Klar, die Nachfrage war einfach groß und die Beteiligten wollten das auch machen. Jetzt haben wir das Glück, dass Bands wie MAGNUM und UNISONIC dieses Jahr nicht touren werden... und tja, schon ist der Sommer wieder komplett verplant! (lacht)

AVANTASIA live hängt einfach immer ein bisschen am seidenen Faden, du weißt nie, wer zu welcher Zeit grade verfügbar ist. Ich bin auch diesmal nicht davon ausgegangen, dass sich eine Tour realisieren lässt, aber dann hats halt doch geklappt.

SB: Nun ja, uns als Fans freut's natürlich, und mich persönlich auch eine gewisse Rückkehr zu den Wurzeln von AVANTASIA, die du mit "The Mystery Of Time" scheinbar angestrebt hast. Zum Beispiel ist es wieder deutlich Musical-lastiger geworden.

TS: Ja, das habe ich auch bewusst forciert diesmal. Ich fand die letzten drei AVANTASIA-Alben auch super, aber da hatte man auch irgendwie ein bisschen den Eindruck, das wären eher "Tobias Sammet & Friends"-Alben als solche von AVANTASIA. Beim neuen Album habe ich einfach wieder mehr Wert gelegt auf den Charakter des AVANTASIA-Konzepts, denn das macht für mich das Projekt auch einfach aus.

Es gibt jetzt auch wieder eine komplette Story im Booklet, und wird sogar ein eigenes Buch zur Story geben, auch die Rollen sind wieder klarer verteilt.

SB: Gutes Stichwort! Das Salz in der Suppe von AVANTASIA sind natürlich immer die Gäste, und neben alten Bekannten und Stammgästen der ersten Stunde wie Michael Kiske und Bob Catley hast du diesmal einige Überraschungen dabei. Wie kam es etwa zur Zusammenarbeit mit Biff Byford von SAXON, Joe Lynn Turner (ex-RAINBOW, ex-DEEP PURPLE) oder Eric Martin (MR. BIG)?

TS: Also Biff war eigentlich schon lange fällig. Wir kennen uns seit Jahren, und es war jetzt einfach an der Zeit. Ich war auch schon mit SAXON gemeinsam auf der Bühne, und habe auch mal in Frankreich einen Award eines Magazins bekommen, den mir Biff damals überreicht hat. Also SAXON war irgendwie schon immer ein Teil meiner Karriere, und so hat sich das ergeben. Biff meinte auch oft: "Du hast immer diese Dur-Melodien, typisch Deutsch" - aber er hat sich darauf eingelassen.

Joe Lynn Turner kannte ich persönlich nicht, hatte aber für diese Parts eine ganz bestimmte Stimme im Ohr, und da frage ich dann einfach Leute, die mir persönlich musikalisch auch etwas bedeuten. Ich bin da nicht interessiert daran, zu überlegen, wer vielleicht gerade in den Charts ist und mit wem ich mehr Alben verkaufen kann. Und so habe ich ihn gefragt, und er hat ganz unkompliziert zugesagt.

Es ist auch interessanter, wenn man Leute dabei hat, die nicht zu 100% den gleichen Background haben. Russell Gilbrook zum Beispiel. Ursprünglich wollte ich wieder Eric Singer von KISS dabei haben, aber der war wegen einer Verpflichtung für KISS verhindert, und kurz waren dann auch wieder Felix von EDGUY oder Alex Holzwarth im Gespräch, da wir in Deutschland bei Sascha im Studio aufnehmen wollten... aber dann kamen wir auf Russell, und ich fand das dann auch spannender - ein klassischer Hardrock-Drummer, der meine Songs interpretiert; da kommt dann ein ganz eigener Touch dabei heraus.

Und bei Eric Martin war es die gleiche Situation: Der hat einfach ur-amerikanische Roots, und wahnsinnig viel Soul, viel Blues in der Stimme. Und dann singt der auf einer Euro-Bombast-Ballade. Ich fand das einfach eine spannende Crossover-Geschichte.

SB: Diesmal habt ihr ja erstmals für ein AVANTASIA-Album ein echtes Orchester verwendet, und das tut dem Sound natürlich gut...

TS: Ja, wobei das wohl eine der naheliegenderen Entscheidungen war. Das ist ja auch nichts Neues eigentlich, eine Bombast-Rock-Produktion mit einem echten Orchester. Aber AVANTASIA schreit auch einfach danach. Bisher sah ich die Notwendigkeit nicht unbedingt, aber gerade in einigen Momenten, wo der Rest der Band nicht hörbar und das Orchester im Vordergrund ist, da merkt man das dann schon. Klar muss man sich trotzdem fragen: Macht es überhaupt Sinn? Aber ich hab mich dann einfach dafür entschieden, und sei es nur, dass ich das für mich weiß: da ist jetzt ein echtes Orchester drauf.

SB: Ich glaube, das Cover war ja diesmal auch ein persönliches Anliegen von dir?

TS: Ja genau. Ich wollte einfach wieder ein klassisches Artwork. Die Cover der Scarecrow-Trilogie waren zwar auch alle sehr gut, aber halt am Computer generiert. Diesmal wollte ich einfach wieder ein klassisches Gemälde. Das ist dann so, wie es der Künstler macht, und da kannst du dann auch nicht mehr dran herumbasteln.

Ich weiß auch, dass da sicher viele Leute wieder sagen werden: "Was ist den jetzt in ihn gefahren?!" Aber ich wollte mit dem neuen AVANTASIA einfach wieder so eine kleine, eigene Welt schaffen, eine sehr phantasievolle... und da gehört für mich so ein Cover einfach dazu, auch wenn es vielleicht am Zeitgeist vorbeigeht. Und Rodney Matthews war da einfach genau der richtige Mann dafür.

SB: Wird es eigentlich wieder verschiedene Limited Editions des Albums geben?

TS: Naja, ich bin ja bei Nuclear Blast - da kommst du unter 30 Ausführungen ja nicht weg, aber was soll ich machen?! (lacht)

Nein, mal im ernst - es wird einige Versionen geben, wobei meine Lieblingsversion wohl die CD im Earbook- beziehungsweise Vinyl-Format mit Booklet sein wird.

SB: So ähnlich wie die Box bei "The Wicked Symphony" und "Angel Of Babylon"

TS: Ja so ähnlich, nur halt in Vinyl-Größe!

SB: Willst uns zur Story auch etwas verraten, oder soll die jeder Hörer für sich selbst entdecken?

TS: Die soll natürlich jeder für sich selbst entdecken. Grundsätzlich geht's aber um das Thema "Zeit", und dass die Menschen immer weniger davon zu haben scheinen. Es ist ein richtiges Märchen, und die Geschichte handelt von einem agnostischen Wissenschaftler, der dieses Phänomen untersucht. Die Menschen sollen scheinbar durch die Zeitknappheit von sinnvollen Überlegungen abgehalten werden, und so macht er sich dann auf die Suche nach der Ursache dafür. Auf dieser Reise wird er dann mit interessanten Impulsen von innen und außen konfrontiert, und findet sich dann in einer großen Konfliktsituation zwischen beruflicher Überzeugung, spirituellen Erfahrungen und auch okkulten Mächten wieder.

Ich wollte aber auch kein Drehbuch schreiben, oder die Message zu plakativ rüberbringen... es liegt der Story also ein genauer Handlungsstrang zu Grunde, aber die einzelnen Song repräsentieren dann nur ausgewählte Stationen dieser Reise. Die genauen Hintergründen kann dann aber jeder im Booklet nachlesen.

SB: In einer Sache wollte ich ja auch noch meinen Hut ziehen, und zwar in Bezug auf die Geschichte vom Bang Your Head letztes Jahr. Du hast dir da ja einige Verletzungen bei deinem Sturz von der Bühne zugezogen, aber die Show trotzdem beendet. Da kann ich nur sagen: "Chapeau!" - da hätten wohl einige andere Kollegen eher die Show vielleicht abgebrochen. Wie konntest du das überhaupt in der Situation durchziehen?

TS: Danke, aber ich weiß das auch selber nicht mehr so genau. Ich erinnere mich noch an den Sturz: Ich hab mich glaube ich gedreht, der Fall hat dann irgendwie ewig gedauert... dann gabs einen kleinen Knall, und da wusste ich: Ui, die Nase ist hinüber. Ich hab mir dabei eben die Nase gebrochen, die Hüfte und ein paar Rippen geprellt oder auch gebrochen, und auch das Handgelenk verstaucht.

Mir war das in der Situation dann aber eigentlich auch eher ein bisschen peinlich und unangenehm, und ich wollte einfach nur weitermachen. Ich hab da nicht gedacht: "Du musst das jetzt unbedingt durchziehen", aber da war einfach viel Adrenalin da - ich glaube, das war weniger eine besondere Leistung von mir, haha.

Ich ließ mich dann von einem Notarzt während des Drumsolos hinter der Bühne kurz durchchecken, und ich war soweit ok... der Veranstalter hat zwar auch gemeint, es wäre ok, wenn ich abbrechen wollte... aber durch das Adrenalin hatte ich auch gar nicht solche Schmerzen. Erst gegen Ende der Show, als das dann etwas nachließ, wurde es etwas schmerzhaft, und ich bin dann nach der Show auch gleich in die Notaufnahme gefahren. Aber dauerhafte Schäden sind ja keine geblieben.

SB: Ja wie dem auch sei, trotzdem eine klasse Leistung, die beweist, dass auch die "soften" Melodic Metaller mal "harte Hunde" sein können! Danke für das Interview, und viel Erfolg mit dem neuen Album & der Tour!

TS: Gerne, und danke!


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