The Ocean - Robin Staps

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Die Idee ist also eigentlich ganz simpel und liegt ja gewissermaßen auch auf der Hand, wenn man in einer Band spielt, die THE OCEAN heißt, oder…?

Eine Band die THE OCEAN heißt muss wohl früher oder später das ultimative Meeres-Album abliefern. Mit dem atemberaubenden "Pelagial" hat Mastermind Robin Staps einmal mehr seine Ausnahmestellung im Metal-Bereich untermauert. Wir sprachen mit dem hyper-sympathischen Berliner mehr als ausgiebig über ein ambitioniertes Projekt namnes "Pelagial"!

Text: Reini
Veröffentlicht am 23.04.2013

Hey Robin! Schön wieder mal mit dir zu plaudern. Vor allem wenn wir über ein erneutes Meisterwerk von THE OCEAN sprechen können. Nach dem Besingen des Präkambriums, offerierten uns THE OCEAN ja „Heliocentric“ und „Anthropocentric“ und jetzt tauchst Du samt Deinen Schweizer-Jungs und natürlich den Hörern in die Untiefen der Ozeane ein. Wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen ein zusammenhängendes Stück Musik über die pelagialen Tiefenzonen zu komponieren? Jetzt nicht nur, weil deine Plattenfirma Pelagic Records heißt oder?

Nein, die Idee für dieses Album gab es schon bevor ich Pelagic Records Anfang 2009 gegründet habe. Das Label wurde also gewissermaßen nach dem Album benannt, auch wenn das seinerzeit noch "Zukunftsmusik" war, im wahrsten Sinne des Wortes… ich wusste damals schon, dass ich dieses Album irgendwann mal schreiben werde und dass es das ultimative Ocean-Album wird. Die Idee ist ja eigentlich ganz simpel: das Album ist eine musikalische Reise von der Meeresoberfläche bis hinunter auf den Meeresgrund. Wenn man sich das vorstellt (und dazu braucht man nichts über pelagische Tiefenzonen zu wissen), dann denkt doch jeder sofort an die lichtdurchfluteten, artenreichen Oberflächenschichten, und die düstere Tiefsee, in der unvorstellbare Druckverhältnisse herrschen… und genau das haben wir versucht musikalisch umzusetzen… das Album beginnt mit leichten, dur-dominierten "Oberflächen"-Klängen und viel Abwechslung, und wird im Fortlauf (> Tiefsee) immer langsamer, schwerer, monotoner und bedrückender. Die Idee ist also eigentlich ganz simpel und liegt ja gewissermaßen auch auf der Hand, wenn man in einer Band spielt, die THE OCEAN heißt, oder…?

Eingangs war „Pelagial“ ja als reines Instrumentalalbum angedacht, was auch damit zusammenhing, dass euer Sänger der Loïc Rossetti ernsthafte gesundheitliche Probleme wegen der ständigen Tour-Aktivitäten von euch bekam. Wie froh bist du schlussendlich, dass Loïc doch ein Teil von „Pelagial“ sein konnte?

Das ist auf jeden Fall ein Riesengewinn, ich denke Loic's Gesang fügt dem Album eine weitere Tiefendimension hinzu, und rückt viele Stücke in ein ganz anderes Licht. Das war sehr spannend, als wir den Gesang aufgenommen haben. Wir waren alle (und sind immer noch) sehr an die Instrumentalversion gewöhnt, weil das Album ja so konzipiert und geschrieben wurde, und als dann der Gesang dazu kam hat sich die Wirkung einiger Songs ziemlich stark verändert. Das Album funktioniert zweifelsohne auch instrumental, beide Versionen stehen für sich selbst und deshalb haben wir uns ja auch entschieden, es in beiden Versionen zu veröffentlichen - und so werden wir es auch live präsentieren.
Während einer 6-monatigen Tour-Auszeit 2012 habe ich aber gemerkt, dass Loic doch ein sehr wichtiger Bestandteil der Band ist, und dass es ein Verlust wäre, ihn nicht auf dem Album zu haben. Loic's Stimme erholte sich während dieser Auszeit und er hat es dann sehr deutlich gemacht, dass er auf dem Album singen und auch weiterhin mit uns touren möchte. Und so haben wir uns dann letztendlich doch entschieden, Gesang aufzunehmen.

Jetzt seid ihr ja für – sagen wir – außergewöhnliche Veröffentlichungen bekannt: „Precambrian“ kam mit einer Mini-CD als Beilage, „Heliocentric“ und „Anthropocentric“ wurden im Halbjahrestakt 2010 veröffentlicht und „Pelagial“ gibt es jetzt als Doppel-CD einmal mit Gesang und einmal rein instrumental. Wie sehr bereiten eurer Plattenfirma METAL BLADE RECORDS diese „ Sondereditionen“ eigentlich Kopfschmerzen oder geht das ob eures Status mittlerweile ziemlich easy ab?

Das sorgt mittlerweile nicht mehr für Diskussionen. Anfangs, bei der Deluxe Edition von „Precambrian“, musste ich ein wenig kämpfen, die haben schon ein bisschen gedacht, dass wir einen an der Waffel haben, als wir mit Diecut Holes und 2 Booklets und CDs und Doppel-Tray und Sonderfarben ankamen… aber mittlerweile haben METAL BLADE gemerkt, dass wir ein bisschen anders sind als die meisten Bands auf dem Label und das bezieht sich eben auch auf ungewöhnliche Veröffentlichungsformate und sehr aufwendige und teure Packages. Sie merkten, dass das bei uns funktioniert und dass die Leute das mittlerweile nicht bloß "mitmachen" (also z.B. die höheren Preise für Special Editions), sondern gewissermaßen von uns erwarten… und entsprechend haben Sie da auch ihre Strategie angepasst und sind sehr supportive was unsere Ideen angeht. Das ist für uns auch Grundvoraussetzung für die Zusammenarbeit mit einem Label, dass wir da keine Abstriche machen müssen.

Als stolzer Vorbesteller des (mittlerweile ausverkauften soweit ich weiß) speziellen Acryl-Boxsets (natürlich im 10“ Vinyl-Format), welches über dein Label Pelagic Records erscheinen wird, bin ich natürlich neugierig wie ihr dieses Konzept der Acryl-Schichten, die in fünf verschiedenen, transparenten Blautönen gefärbt sind, die die fünf verschiedenen Pelagial-Zonen darstellen, umsetzen wollt. Kannst du dazu schon ein wenig mehr Infos geben wie ihr das mit dem Siebdruck hingekommen wollt usw.?

Das wird noch ein bisschen rumexperimentieren erfordern. Wir haben eine Reihe von Mustern und werden in Probedrucken ausprobieren, welche am besten funktionieren.

Die Idee ist im Prinzip, dass sich durch die übereinander gelegten, transparenten Acryl-Schichten, welche alle einzeln mit verschiedenen Mustern bedruckt sind, ein 3D-Effekt entsteht, im Gesamtpaket sozusagen - je nachdem wie das Licht einfällt und wie man die Schichten untereinander verdreht. Die Schichten sind ja transparent, man kann also immer das Muster der unterliegenden Schicht durchschimmern sehen - allerdings kommt von den untersten Schichten natürlich weniger durch als von den oberen Schichten, weil dazwischen ja einige Zentimeter transparentes, aber eben in verschiedenen Blautönen gefärbtes Acryl liegen. Man kann auch die Reihenfolge der Schichten verändern… also alles in allem ein schönes Spielzeug :-)

Zusätzlich enthält die Box eine Extra-DVD mit einem 5:1 Dolby Surround Mix der Platte und dem Pelagial Film von Craig Murray (Nine Inch Nails, Converge), den die Band auch live als Videoprojektionen verwenden wird. Das war ja ein mords-aufwendiges und auch nicht alltägliches Unterfangen, wie viel Nerven hat dir/euch die rund einjährige Arbeit an dieser visuellen Reise in die Tiefe denn so gekostet?

Gegen Ende ca. 200.000 Nervenzellen pro Tag. Das wurde immer schlimmer, weil wir beide (Craig und Ich) uns nicht so richtig im Klaren darüber waren, wie viel Arbeit dieses Projekt eigentlich sein würde… und weil das immer mehr wurde je näher wir der Deadline kamen. Die letzten drei Monate hat Craig nur noch in einem Schlafsack in seinem Studio gelebt. An dem letzten BLOOD RED SHOES Clip hat Craig schon ein paar Wochen gesessen, und das Ding ist keine 4 Minuten lang. Unser Clip ist vom Aufwand her vergleichbar, aber 54 Minuten lang…

Das Resultat ist dafür aber auch eine geile runde Sache geworden. Das Album ist ja im Prinzip eine zwei-strängige Geschichte: auf der einen Seite die Reise von der Meeresoberfläche in die Tiefsee; auf der anderen Seite eine Reise von den Oberfläche in die Abgründe der Psyche. Beide Stränge werden im Film visualisiert: der erste Strang natürlich durch jede Menge ozeanisches Footage, was ich zum Teil in Australien letztes Jahr selbst gefilmt habe: Ich hab mir da einen uralten Van gekauft in dem ich auch pennen konnte und bin mit meiner Unterwasserausrüstung zwei Monate lang die Westküste hochgeballert und hab überall angehalten, wo man tauchen konnte… der zweite Strang wird durch eine weibliche Protagonistin getragen, die ironischerweise im wirklichen Leben den Namen Arielle trägt :-) Sie geht durch verschiedene Stadien von Freude, Lust, Angst und Schmerz und kämpft zudem mit allerlei finsteren ozeanischen Kreaturen, welche die Dämonen ihrer eigenen Psyche symbolisieren…

Textlich geht es ja weniger um Wasser, die Weltmeere oder so, sondern ihr thematisiert die Abgründe der menschlichen Seele… stammen die Texte von dir oder hat die der Loïc erarbeitet oder wie lief das ab?

Die Texte stammen von mir, die Gesangslinien aber überwiegend von Loic, die geschrienen Vocal-Parts wiederum von mir. Wir haben eine recht merkwürdige Herangehensweise an den Gesang; Loic singt eigentlich immer sehr intuitiv und ohne Texte. Der zieht sich den Song rein und dann macht er die Augen zu und singt drauf los. Dabei kommen meistens die besten Ideen bei rum. Im nächsten Schritt schreibe ich dann Texte auf seine Gesangslinien, wobei ich mich bei diesem Album nicht bloß an seiner Rhythmik und seinen Melodiebögen orientiert habe, sondern auch versucht habe, Worte zu verwenden, die seinen dadaistischen Ursprungslauten einigermaßen entsprachen, was jetzt Vokale angeht und so weiter… es macht halt einen Riesenunterschied ob Du ein Wort wie "world" singst oder ein Wort wie "space" - selbst wenn die Worte beide einsilbig sind und selbst wenn Du sie in derselben Tonlage singst. Die Artikulation und der Stimmklang sind völlig anders, und bei Clanen Vocals macht das krass was aus. Ich wollte also so nah wie möglich an seiner Stimme und seinen Ideen und Ursprungs-Vokalen bleiben. Das war nicht immer einfach…

mehr dazu in unserem zweiten Studioblog:

Gemixt und Gemastert hat ja dieses Mal der Jens Bogren in seinen Fascination Street Studios, was aber angesichts der Tatsache, dass ihr das gesamte Album am Stück abmischen musstet gar kein leichtes Unterfangen war oder?

Ja, der Jens hat am Anfang schon gedacht, dass wir ein bisschen bekloppt sind. Aber dann hat er Spaß an der Sache gefunden und die Herausforderung angenommen. Wir wollten halt, dass der Sound eine ähnliche Entwicklung durchmacht wie die Musik: angefangen mit einem eher glatt-produzierten "Oberflächen"-Sound, und sich im Verlauf des Albums allmählich hin-bewegend auf einen raueren, verzerrten, Hall-lastigen Tiefsee-Sound. Das war nur möglich, wenn wir das Album in einem Stück mixen würden, und das hat Jens dann auch recht bald gemerkt und hat sich drauf eingelassen. Das resultierte in der absurden Anzahl von 288 Studio Tracks, aber Jens ist ein begabter Jongleur und hat das sehr gut hingekriegt….

Ist es eigentlich angedacht, dass ihr bei kommenden Touren das komplette „Pelagial“ Album am Stück spielen werdet oder werden wir lediglich in den Genuss einiger Happen des Albums kommen?

Nein, wir haben schon vor, das Album in einem durchzuspielen, von Anfang bis Ende. So wurde es geschrieben und so wollen wir es auch live auf die Leute loslassen. Auf der CULT OF LUNA Tour werden wir das wohl auch so durchziehen, irgendwann werden wir aber Kompromisse machen müssen. Im Sommer touren wir z.B. mit DILLINGER ESCAP EPLAN und ANIMALS AS LEADERS in den USA und da werden wir wahrscheinlich nicht die Zeit haben, um das ganze Album zu spielen. Man kann dann auch etwa nur den Anfang oder nur das Ende spielen und dann in was anderes reingehen, aber das müssen wir nochmal genau ausprobieren.

Die berühmten "letzten Worte": Willst du den Lesern von Stormbringer.at noch etwas mit auf den Weg geben?

Ich bin berüchtigt für den Mangel an berühmten letzten Worten.

Robin, Danke Noch, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast!

Cheers Reini, ich danke DIr!


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