Cardiant - Lauri & Antti

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Die CD-Verkäufe gehen immer weiter runter und das Einkommen über digitale Verkäufe ist so gering, dass du von deiner Investition nur etwa zehn Prozent zurück bekommst.

Die finnische Truppe CARDIANT veröffentlicht demnächst nach dreieinhalb langen Jahren ihr neues Werk "Verge" und ich durfte mich in diesem Interview mal sehr intensiv mit ihnen befassen!

Text: Sonata
Veröffentlicht am 10.05.2013

Hi Lauri & Antti! Danke vorab, dass ihr euch die Zeit nehmt, mir ein paar Fragen für Stormbringer.at zu beantworten! Fangen wir doch fürs Erste mal ganz leicht an. Wie laufen die Dinge momentan denn so, was CARDIANT angeht?

Antti: Hallo Christian! Danke für das Interview!

Lauri: Wir sind sehr zufrieden mit dem neuen Album und es gab ziemlich viel Interesse, was unseren neuen Release angeht, was ebenfalls als sehr positiv zu betrachten ist. Andererseits mag es so wirken, als seien wir eine ziemlich inaktive Band, weil wir kaum Konzerte spielen und zuletzt auch nichts veröffentlicht haben.

Bald veröffentlicht ihr eure neue Platte “Verge” nach etwas mehr als drei Jahren. Brauchtet ihr einfach Zeit, um als Band zu wachsen und den nächsten Schritt zu machen oder wie würdet ihr den langen Zeitraum beschreiben, in dem ihr lediglich die „Rapture-In-Time“-Single gemacht habt?

Lauri: Hätten wir unser drittes Album früher veröffentlicht, hätte es eher wie “Tomorrow’s Daylight” geklungen. Wir wollten unsere beste Platte machen und das dauerte nun mal drei Jahre. Was die Aufnahmen angeht, wollten wir keine Kompromisse machen und „Verge“ war auch bisher unser teuerstes Album, was die Produktion etc. angeht.

Antti: In der Tat! Wir wollten das Studio nicht entern, bevor wir nicht genügend gute Songs geschrieben hatten. 14 Stücke sind es geworden und zehn haben es aufs Album geschafft.

Meiner Meinung nach ist „Verge“ das reifste Album, das ihr bisher kreiert habt. Die Songstrukturen sind deutlich interessanter als auf „Tomorrow’s Daylight“ und mir ist aufgefallen, dass euer ganzes Songwriting viel erwachsener wirkt. Wenn ihr das neue Album mit den anderen, die CARDIANT veröffentlicht hat vergleichen müsstet, was würdet ihr sagen?

Lauri: Danke. Die Musik auf „Verge“ ist abwechslungsreicher, progressiv und ein bisschen härter. Ich denke, dass auch die Atmosphäre stärker ist auf dem neuen Album. Die Musik ist immer noch melodisch und basiert auf starken Refrains. Die Lyrics haben eine wichtigere Rolle auf der Platte eingenommen. Wir haben sehr viel Zeit mit den Lyrics und der Geschichte dahinter im Studio mit Erik und Outi verbracht. Das Resultat zeigt auf, dass auch die gesangliche Interpreation besser ist als auf „Tomorrow’s Daylight“.

Zum ersten mal haben wir mit Janne Saksa einen externen Produzenten hinzugezogen, der unseren Hörern bereits bekannt sein sollte. Wir haben mehr Aufmerksamkeit auf kleine Details gelenkt und ließen uns mehr Zeit für die Produktion und die Arrangements. Wir wollten, dass das Album natürlich klingt und Marko hat seine Piano-Parts z.B. mit einem echten Flügel eingespielt.

Antti: Danke Mann! Ich persönlich wollte einfach nur eine Platte machen, die ich selber gerne kaufen und mir anhören würde. Und ich denke, dass es uns gelungen ist, ein interessantes Album mit vielen verschiedenen Details zu machen, wie Lauri schon sagte. Lauri hat auch einen Song eigens komponiert für die Platte!

Ihr habt auch ein Musikvideo zum Song “Heaven’s Calling” aufgenommen, der am 29. April veröffentlicht wurde. Wie war eure Erfahrung mit dem neuen Video im Vergleich zum Videoshoot für „Rapture In Time“ und ist es immer wichtig für eine Band, ein Video zu machen, um mehr Aufmerksamkeit in der Metal-Szene zu bekommen?

Lauri: Naja, ein Video ist der einfachste Weg, um mit neuer Musik in Berührung zu kommen und außerdem sehr hilfreich für die Promotion. Ich denke, dass es bis dato unser bestes Video ist. Es beschränkt sich nicht nur auf die Vorstellungskraft des Zuhörers. Diesmal haben wir das Video innerhalb von einem Tag gedreht und auch keine externen Charaktere integriert, was dieses Projekt daher sehr kurz gestaltete.

Zum ersten Mal habt ihr sehr viele weibliche Vocals auf einem CARDIANT-Album integriert. „While The Ice Is Cold“ wird sogar ausschließlich von einer Frau performed. Wie kam es dazu, wer ist die junge Dame und ist sie für alle weiblichen Vocals auf „Verge“ verantwortlich?

Lauri: Outi Jokinen war zuvor noch nie in einer anderen Band und ist immer noch relativ unbekannt. Die Idee entstand 2011, als Outi uns als Background-Sängerin unterstützte. Es klang wie ein gutes Konzept und wir entscheiden uns, mit ihr weiter zu machen. Natürlich hatte es auch großen Einfluss auf unseren Songwritingprozess, wenn man plötzlich mit zwei Sängern arbeitet. Ja, Outi ist für alle weiblichen Vocals auf dem Album verantwortlich und sie ist nun auch ein offizielles Bandmitglied.

Antti: Die musikalische Richtung von CARDIANT bewegt sich immer weiter in Richtung der Vocals und Harmonien, daher war es ein logischer Schritt für uns, ihr auch ein paar Lead-Vocal-Parts anzubieten.

Habt ihr denn auch eventuell mal daran gedacht, Janne Saksa nochmal für ein paar Parts auf „Verge“ zu integrieren? Er hat mir wirklich sehr gut gefallen auf eurem Debüt „Midday Moon“ und es wäre klasse, ihn nochmal hören zu können, auch wenn ich mit Erik ohnehin sehr zufrieden bin.

Lauri: Um ehrlich zu sein haben wir wirklich daran gedacht, aber da das Album derart viele neue Elemente bietet, entschieden wir uns, diese Idee nach hinten zu schieben. Ich denke aber, dass es definitiv möglich ist in der Zukunft.

Und da folgt auch schon meine nächste Frage! Wäre es nicht eine nette Idee, ein paar Songs vom Debüt mit Erik aufzunehmen? Ich bin wirklich neugierig, wie z.B. „Already Known“ mit seiner Stimme klingen würde.

Lauri: Auch daran haben wir bereits gedacht. Viele Leute fragen uns, wo sie unser Debütalbum erstehen können und es ist wirklich schade, dass die Platte nie außerhalb Japans erschienen ist. Wir besitzen das Master-Tape nicht, aber die Songs gehören uns und somit ist es sehr wahrscheinlich, dass wir eines Tages zumindest ein paar Songs re-recorden werden.

Antti: Ja, vielleicht eine EP mit fünf „Midday-Moon“-Songs? Das wäre doch schon mal was!

Ich habe auf eurem neuen Album teilweise Einflüsse von Bands wie QUEEN oder sogar ABBA vernommen. Insbesondere, was den Song „Ever Since“ angeht, der im Mittelteil sehr pianolastig ist. Kommt das hin?

Lauri: Es ist erstmal eine Ehre, dass man quasi mit solchen Bands verglichen wird und ich bin ein großer QUEEN-Fan! Gerade was „Ever Since“ angeht, würde ich dir zustimmen, da hatte eine Band wie QUEEN sicherlich Einfluss. Allerdings ist QUEEN ansonsten viel progressiver ausgelegt gewesen, als wir es sind.

Heutzutage kommen teilweise sehr harte Zeiten auf “Underground”-Bands wie CARDIANT zu. Steve Williams hat seine Band POWER QUEST wegen finanziellen Problemen aufgelöst und auch DREAMTALE haben auf ihrer Facebook-Seite zumindest angedeutet, dass die letzte Recording-Session vielleicht ihre letzte war. Wird CARDIANT in Zukunft ähnliche Probleme haben und wie schätzt ihr die Lage allgemein ein?

Antti: Wir haben und hatten Probleme wie diese sehr oft... Aber solange wir Spaß an der Sache haben, werden wir definitiv nicht aufhören.

Lauri: Heutzutage hören die Leute mehr Playlisten als Alben. Ich denke das drückt die Zahl der eigentlichen Fans ein bisschen runter. Es ist allerdings immer noch sehr teuer, ein Album zu produzieren. Für viele Bands ist es fast unmöglich weiter zu machen, wenn sie ihr Album selbst finanzieren müssen, was über 10.000 Euro an Kosten mit sich bringt. Die CD-Verkäufe gehen immer weiter runter und das Einkommen über digitale Verkäufe ist so gering, dass du von deiner Investition nur etwa zehn Prozent zurück bekommst. Trotzdem hast du immer noch sehr viele Fans auf der ganzen Welt, für die deine Musik wichtig ist. Ich denke, dass die Situation sehr komplex ist, wenn es professionelle und populäre Bands mit vielen Fans gibt, die trotzdem aufgrund von ökonomischen Gründen nicht weiter machen können.

Die Musikindustrie bevorzugt kurze Karrieren. Es gibt sehr viele Talentshows, die Künstler hervorbringen, welche ihre Songs nicht selber schreiben. Die Musik steht kaum im Fokus. Viel wichtiger ist die Story hinter dem Sänger und alles um die Musik herum. Es gibt zurzeit nicht so viel Verwendung für Bands, die über einen langen Zeitraum bestehen bleiben möchten.
Wir haben unsere Musik finanziert, indem wir unter einem anderen Namen Cover-Gigs gespielt haben. Wir haben dieselben Herausforderungen wie die Bands, die du genannt hast, aber ich denke, dass wir noch lange nicht aufhören werden. Wir genießen all das so sehr, dass ich glaube, dass diese Probleme höchstens unsere Aktivität betreffen werden, wie oft wir ein neues Album veröffentlichen etc.

Kommen wir nochmal zu eurem neuen Album zurück. Mich würde interessieren, wer für die Lyrics und die Kompositionen der Songs verantwortlich ist. Erzählt uns etwas über den Albumprozess, wie alles anfing und wie es endete.

Antti: Naja, wie bereits erwähnt hat Lauri einen Song komponiert und für den Rest war ich verantwortlich. Lauri hat eine größere Rolle eingenommen, was die Lyrics angeht und er gab sowohl die Richtung als auch die Titel vor, als er mit Vesa Ahola (Lyrics für drei Songs) und mir (Lyrics für vier Songs) sprach. Lauri kann dir da aber noch mehr erzählen.

Lauri: Dieses Projekt war deutlich herausfordernder als “Tomorrow’s Daylight”, weil wir noch nicht alle Songs und Lyrics fertig hatten, als wir ins Studio gingen. Wir verbrachten etwa eineinhalb Monate im Studio, aber die Tage waren relativ kurz und es gab auch viele Tage, die wir der Freizeit gewidmet haben. Wir haben angefangen, im Januar aufzunehmen und das Mastering fand am 5. März statt.

Meiner Ansicht nach ist "Verge" ein Konzeptalbum, auch wenn es keine klare Geschichte hinter all dem gibt. Es ist mehr spekulativ und es gibt mehrere alternative Enden.

Das Thema behandelt Leute, die sich nicht unserer Bevölkerung anpassen und sie werden dazu getrieben, eine Art Überlebensrolle einzunehmen. Was passiert, wenn sie ihre Maske abnehmen und ihre wahren Gefühle offenbaren? Wir haben mehrere Beispiele im wahren Leben. Normalerweise werden sie ein Ziel von Hass und Verachtung. Sie könnten etwas tun, wo sie zum Tode verurteilt werden, aber sie würden immer noch denken, dass sie nichts falsch gemacht haben. Oder sind sie einfach nur eine Warnung für die Boshaftigkeit der menschlichen Rasse?

Was für Dinge und Anlässe haben ihre Leben dahingehend beeinflusst, was ihre Werte und den Hass gegenüber der Bevölkerung angeht, was hat sie zur Verzweiflung getrieben oder was brachte sie dazu, destruktive Gedanken zu hegen?

Ein sehr tiefgründiger Ansatz, was die Lyrics für „Verge“ angeht! Wie dem auch sei, ich hatte nie die Möglichkeit, euch mal live bestaunen zu dürfen, besteht da irgendeine Möglichkeit in naher Zukunft?

Lauri: Wir hatten viele Gespräche bezüglich einer Tour durch Europa, aber konnten es bisher nicht wahr machen. Ein Problem ist die Tatsache, dass wir kein Label haben, das daran interessiert ist, in unsere Promotion zu investieren. Ich denke schon, dass es möglich ist, aber es hängt vom Erfolg unseres neuen Albums „Verge“ ab.

Vielen Dank für das Interview! Ich wünsche euch nur das Beste und natürlich viel Erfolg mit dem neuen Album „Verge“. Die letzten Worte gehören euch!

Antti: Vielen Dank! Es war nett, sich mit dir zu unterhalten!

Lauri: Danke für die guten Fragen!


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