Powerwolf - Falk Maria Schlegel

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Diese Thematik ist bei uns eher abgehakt aber vereinzelt schimmert es doch durch. Der russische Thriller „Wächter der Nacht“ ist innerhalb der Band der absolute Lieblingsfilm bzw. Roman.

POWERWOLF zählen derzeit zu den Durchstartern im Melodic Metal-Bereich. Anlässlich der Veröffentlichung ihres neuen Albums „Preachers Of The Night“ stand uns Organist Falk Maria Schlegel für ein Interview zur Verfügung, und sprach mit uns über Metal, Religion, und warum Horrorgeschichten längst kein Thema mehr sind für POWERWOLF.

Veröffentlicht am 08.07.2013

SB: Erstmal vielen Dank für eure Zeit & die Interviewgelegenheit! Zunächst die obligatorische Frage: Wie läufts bei euch und gibts schon viel Stress zur Promo zum neuen Album?

FMS: Hey, bei uns läuft es prima und die Promo natürlich auf Hochtouren. Aber nach Monaten des Arbeiten im Studio und im Proberaum ist das wirklich eine sehr willkommene Abwechslung. Positiver Stress, würde ich es formulieren, schließlich kann ich über das neue Album sprechen. Das ist doch immer eine besondere Ehre.

SB: "Preachers of the Night", euer mittlerweile schon fünftes Album, wird Mitte Juli erscheinen. Ihr seid euch im Laufe der Jahre ja immer treu geblieben, und auch auf "Preachers of the Night" sieht es nicht danach aus, dass sich daran etwas ändern würde. Natürlich habt ihr - ähnlich wie die Genrekollegen von SABATON - ein sehr spezielles Gimmick und Image gewählt; habt ihr da manchmal das Gefühl, dass ihr euch zu sehr beschränken müsst, um den Erwartungshaltungen der Fans zu entsprechen, oder habt ihr nach wie vor einfach nur Spaß daran, die Werwolf-und-Vampir-Thematik weiterhin auszuschlachten und eure Songs in diesen Themenkreis einzubetten? Würde etwas anderes unter der Marke "POWERWOLF" eurer Meinung nach überhaupt funktionieren?

FMS: Zuerst möchte ich dir hier natürlich widersprechen. Die Werwolf Vampir Thematik war auf unserem ersten Album „Return in Bloodred“ eher ein größeres Thema. Dieser Thematik widmen wir uns schon lange nicht mehr. Vielmehr beschreiben wir religiöse Ereignisse aus einer betrachtetenden, geschichtlichen Perspektive. Bei „Preachers of the Night“ z.B. beschreiben wir sehr eindringlich die Kreuzzüge, die sehr viel Unheil über die Menschheit gebracht haben aber die einfach die Menschheit auch den Wahn gezwungen hat. Eigentlich nicht vorstellbar, was im Zeichen des Kreuzes dabei passiert ist. Aber wir werten hier nicht, wie beschreiben solche Szenen. Songtitel wie „Raise your fist, Evangelist“ oder „Amen and Attack“ könnten aus dem Kontext gerissen und oberflächlich betrachtet schnell nach religiösem Fanatismus klingen. Wir sind aber keine religiösen Fanatiker! Wenn dann aber Songs „Resurrection by Erection“ oder „Coleus Sanctus“ heißen, kann man wohl nicht übersehen, dass wir den religiösen Wahnsinn mit einer gehörigen Portion Abstand betrachten und vielleicht auch mit einer Prise Ironie.

Zum zweiten Teil deiner Frage: Wir haben, bei allen traditionellen Heavy Metal Einflüssen, unseren ganz eigenen Stil kreiert. Das soll uns erst mal einer nachmachen, ha,ha. Diesen Stil versuchen wir weiter zu verfeinern und auch immer wieder mit neuen Elementen zu versehen. Wie sagt man heute dazu, man entwickelt sich musikalisch weiter, ohne seine Roots zu verleugnen. Bei unserem neuen Album, haben wir uns einfach die Freiheit rausgenommen, z.B. einen Song auf Deutsch zu schreiben. Das passte einfach zu der Klangästhetik des Songs. Aber wir nutzen diese Freiheit auch komplett aus. Wir verbiegen uns nicht, wenn wir neue Powerwolf Songs komponieren. Wenn du als Künstler etwas mit einer Gewissheit kreierst, dass dies anderen wohl gefällt, hast du schon verloren. Das funktioniert nicht! Powerwolf Songs müssen in erster Linie uns selbst gefallen. Wenn wir z.B. die Idee hätten, einen Album komplett im Kirchenlied Stil zu schreiben, würden wir dies tun, ha, ha. Es redet uns da auch niemand rein. So kommt es, dass weder Label noch Management auch nur irgendeinen Song als Demoversion hören...

SB: Wie würdet ihr "Preachers of the Night" einem interessierten Hörer beschreiben, der noch nie etwas mit POWERWOLF zu tun hatte? Wo seht ihr Parallelen, und wo Unterschiede zu euren früheren Alben?

FMS: In erster Linie ist das neue Album schneller und härter ausgefallen, als seine Vorgänger. Das liegt vermutlich daran, dass wir direkt nach den Open Air Shows 2012 mit dem Songwriting angefangen haben. Wir wollten einfach diese unfassbare Live Energie, die wir mit unseren Fans erfahren, auf Platte bringen. Ich denke, das ist uns gelungen. Ein Album oder seine Musik zu beschreiben finde ich immer sehr schwierig, vor allen Dingen, wenn es sein eigenes Werk ist. Wir spielen Heavy Metal und bedienen uns Elementen aus der Kirchenmusik wie die Orgel oder Kirchenchöre, die wir immer in entweihten Kapellen aufnehmen... Ich glaube an den mündigen Lesern und Heavy Metal Fan. Er oder sie wird es rausbekommen, wie wir klingen, ha,ha,.

SB: Wie läuft denn derzeit der Songwriting-Prozess bei euch ab? Wer sind die Hauptsongwriter, wer liefert die Ideen, und wie kommen letztlich die Endergebnisse zustande? Hat sich daran seit den Anfangstagen der Band etwas geändert?

FMS: Wir arbeiten alle sehr konzentriert und fokussiert innerhalb einer Songwriting Phase. Das ist harte Arbeit und nicht immer nur Spaß... Attila, Matthew und ich schreiben in der Hauptphase die Songs in Fragmenten, bevor das ganze Rudel die Lieder komplett macht. Die Songs müssen alle Live tauglich sein. Wir stellen uns dann immer vor, wie es wäre diesen oder jenen Song live zu spielen. Fehlt uns die Vorstellungskraft dazu, wird es vermutlich ein Lied für die Mülltonne werden. Die Songs müssen knallen!

SB: Ihr seid ja auch bekannt für eure energiegeladenen und unterhaltsamen Live-Shows - wie seht ihr das, was ist für eine Band wichtiger: Ein gut klingendes, gut eingespieltes Album zu produzieren, oder vor allem live auf der Bühne überzeugen zu können?

FMS: Das ist beides wichtig und kann für uns nicht voneinander getrennt werden! Ein Scheiß Album bleibt ein Scheiß Album und wird auch durch eine größere Bühnenshow nicht besser... Aber wenn Leute zu deinen Shows kommen sollen, brauchtst du einfach gute Alben... Das ist das Gesetz. Eine gute Live Performance war für uns auf der anderen Seite immer schon enorm wichtig... Ich kann mit Bands nicht viel anfangen, die während ihres Gigs gelangweilt oder in Trance an ihren Jeans und Gitarren runterschauen... Da muss was rüberkommen. Ich möchte auf Konzerten unterhalten werden... und umgekehrt ist es genau so. Die Fans sollen mit einem guten Gefühl nach Hause gehen... eine Symbiose zwischen Fans und Band ist das, was wir wollen!

SB: Zwei wichtige Faktoren, die den Sound von POWERWOLF wohl sehr stark prägen, sind meines Erachtens einerseits der opulente Orgeleinsatz und andererseits die markante Stimme von Sänger Attila Dorn. Wie habt ihr eigentlich eure Bandmitglieder gefunden, speziell Attila und Falk an den Keys? Und habt ihr die Orgelsounds diesmal wieder in Kirchen aufgenommen?

FMS: Uff, das ist jetzt 9 Jahre her... keine Ahnung. Ich kanne die Greywolf Brüder schon länger und Attila zu finden, na das war einfach Schicksal! Seine Stimmt passt perfekt zu unserer Musik. Wir wollten auch unter keinen Umständen so einen typischen „German Heavy Metal Shouter“!

Die Orgel nehmen wir traditionell und mit enormen Aufwand immer in der Eglise St. Barbe in Thionville in Frankreich auf. Der Küster begrüßt mich jedes Mal freudestrahlend, wenn die Wölfe wieder in seiner Kircher, nein natürlich Gottes Kirche sind. Das ist aber auch was Powerwolf ausmacht. Wir tun alles sehr detailverliebt und mit enormen Aufwand. Die Chöre könnte man in einem Studion aufnehmen, aber wir wollen den echten Klang und mieten daher die Deutschherrnkapelle in Saarbrücken an. Ich bin überzeugt, das du so etwas nicht nur klangtechnisch hörst, nein die Tenöre, Sopranistinnen etc. kitzeln in einem solchen Ambiente noch mehr aus sich raus. Darüber hinaus ist diese Kapelle das ältestes Gebäuder der Stadt Saarbrücken.

SB: Was waren denn so die bisher besten Erfahrungen, die ihr in Zusammenhang mit der Band erlebt habt, und welches die negativsten?

FMS: Mit dem Rudel mache ich eigentlich nur gute Erfahrungen. Muss ich wirklich sagen. Es gibt natürlich immer wieder besonders schöne Erlebnisse mit unseren Fans und fantastische Shows, die man einfach nicht vergisst. Moskau war so eine, aber auch Konzerte auf dem Masters of Rock oder dem Summe Breeze sind immer was ganz besonderes.

Negativ... hm, naja. Es gibt im Business Bereich viele Lügner, Neider und Möchtegern Freunde... Im Laufe der Zeit ist man da schon bitter enttäuscht worden... Aber man lernt die faulen Tomaten auszusortieren... Dafür machen wir das ja schon lange genug...

SB: Vorher habe ich die Werwolf-und-Vampir-Thematik angesprochen, die natürlich bei POWERWOLF immer wieder ein zentraler Punkt ist. Was sind denn eure Lieblings-Horrorgeschichten und/oder Filme?

FMS: Wie gesagt, diese Thematik ist bei uns eher abgehakt aber vereinzelt schimmert es doch durch. Der russische Thriller „Wächter der Nacht“ ist innerhalb der Band der absolute Lieblingsfilm bzw. Roman. So haben wir diesem Kunstwerk den Song „Nochnoi Dozor“ gewidmet. Dieses Lied ist aber auch eine Hommage an unsere russischen Fans, da wir letztes Jahr zum ersten Mal in Russland gespielt haben.

SB: Habt ihr eigentlich neben POWERWOLF auch noch Side-Projects laufen, oder seid ihr im Augenblick ohnehin so ausgelastet mit POWERWOLF, dass das gar nicht möglich wäre?

FMS: Nein, wir haben keine Side Projekte und ich werde auch, trotz vieler Anfragen, an keiner weiteren unnötigen Metal Oper mitwirken. Diese ganzen Side Projekte regen mich auf. Die Leute sollen sich auf ihre eigenen Bands konzentrieren und gute Songs schreiben... Es gibt eh zu viele Lieder, die keiner hören kann und will... da brauche ich nicht noch das Side Projekt wo Musiker X von der Band XY mitmacht oder da mal Mitglied war... Unnötig, haha.

SB: Die letzten Worte gehören natürlich POWERWOLF:

FMS: Ich bedanke mich recht herzlich für das Interview und freue mich auf euch da draußen, eine schöne Metal Party zu feiern. METAL is RELIGION!!


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