Sergeant Steel - Phil Vanderkill

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Als hässlicher Vogel kannst du im Eishockey und im Rockzirkus Erfolg haben.

Volle Kraft voraus! Die heimischen Hard-Rock-Aushängeschilder SERGEANT STEEL waren ein weiteres Mal in den USA stationiert, um mit dem fertigen Album "Men On A Mission" in die Alpenrepublik zurückzukehren. Sänger Phil Vanderkill sprach mit uns über vegane Lebkuchenherzen, bandinterne Versklavungen und verstörend-frivole Erfahrungen.

Veröffentlicht am 05.09.2013

Phil, im Pressezettel bezeichnet ihr euch als „Österreichs Hard Rock Band #1“. Sehr mutig und irgendwie ein bisschen hochgegriffen. Was qualifiziert euch dazu?

Mutig ja, aber nicht hochgegriffen. Niemand anderes geht seiner Leidenschaft für diese Musik so ambitioniert nach, wie wir. Dafür sprechen die Tatsachen.

Euer Aufstieg ging im Endeffekt wirklich rasant vonstatten. Ihr seid gerade mal etwas mehr als fünf Jahre im Geschäft und für euer Debütalbum „Lovers & Maniacs“ (2010) als auch für das neue Werk „Men On A Mission“ in die USA übersiedelt. Wie kamen die Kontakte zustande und inwiefern unterscheidet sich die Arbeitsweise zur österreichischen?

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Der Kontakt kam jeweils über das Internet zu Stande. Sowohl Beau Hill (Mastering von „Lovers & Maniacs“), als auch Michael Wagener (Mix und Mastering von „Men On A Mission“) waren sehr angetan von unserem seinerzeit vorproduzierten Material.
Egal wo auf der Welt du an Musik arbeitest: „Zeit ist Geld!“. Wichtig ist, dass du in einem Studio professionell behandelt wirst und die hiesigen Leute deine Leidenschaft teilen. Dabei hatten wir gottseidank immer Glück. Egal ob wir unsere Aufnahmen in Wien, London, Los Angeles, oder Nashville in Arbeit hatten.

Die USA müssten ja eigentlich auch so etwas wie euer bevorzugtes Land sein, wenn wir von der Musik ausgehen. Wäre eigentlich ein Umzug auf den Sunset Strip eine Option für euch? Oder seid ihr zu stark in Österreich verwurzelt?

L.A. als Hauptwohnsitz wäre schon was. Alleine das Klima dort ist himmlisch. Daneben gewinnt jedoch Nashville als zweite „Music Capital“ seit Jahren immens an Bedeutung. Leute wie Michael Wagener, Desmond Child und die ganzen Country-Megastars sind dort nicht ohne Grund ansässig. Außerdem haben die Leute in Tennessee eine liebenswerte Mentalität. In dieser Stadt fühlt man sich auf Anhieb wohl!

Wie ist das, wenn man mit Michael Wagener zusammenarbeitet, einem Mann, der schon mit METALLICA, QUEEN oder MÖTLEY CRÜE gewerkt hat?

Michael ist eine sehr umgängliche und bodenständige Persönlichkeit. Klar sind wir bei unserem ersten persönlichen Treffen in Ehrfurcht erstarrt. In den drei Wochen bei ihm wurden wir aber immer lockerer. Nur Jack Powers Weichteile blieben beim Anblick seines Lebenswerks, dem „WireWorld 2.0“- Studio, permanent hart.

Ihr wart dafür insgesamt drei Wochen in Nashville. Liefert ein musikhistorisch wichtiger Ort wie dieser denn schon Inspirationen für ein nächstes Werk?

Speziell ein LYNYRD-SKYNYRD-Open-Air-Auftritt in Nashville war für uns geradezu erleuchtend. Rock gehört in den Staaten ganz einfach zur Folklore. Wir werden künftig noch mehr vom natürlichen Selbstverständnis amerikanischer Acts übernehmen.

Erklär mir doch bitte mal den Hintergrund eures Albumtitels. Wer befindet sich auf einer Mission und was passiert bei dieser Mission?

Im Quasi-Titeltrack „Man On A Mission“ geht es darum nie aufzugeben und deine wahren Ziele zu verwirklichen: „Don’t you see, that you’re livin’ a lie, what a cardinal sin! But there’s nothing to lose, just a world to win!“. Du kannst deine innersten Wünsche verdrängen und dich betäuben, aber das wird dich ins Unglück stürzen. Steh auf, und mach dein Ding, Baby! Du kannst nur gewinnen!

Wie ich meiner Kritik schon geschrieben habe, finde ich „Men On A Mission“ sehr gut, sehe aber noch Luft nach oben. Vor allem ist mir das Gaspedal in euren Songs noch zu wenig durchgedrückt. Wie entgegnest du dieser Meinung oder siehst du im Nachhinein auch Schwächen, die du gerne ausmerzen würdest?

SERGEANT STEEL decken ein sehr breites stilistisches Spektrum ab. Von getragenen Hymnen, über Synthysizer-lastiges Material, bis hin zu High-Energy-Rock’n’Roll-Songs. Ein durchgehendes Vollgas-Album wäre uns zu eintönig. Im digitalen Zeitalter hat unser Fan aber ohnehin die Freiheit, sich entsprechende SERGEANT-Favourites je nach Gusto zusammenzustellen.
Im Nachhinein vermissen wir eine richtig fette Piano-Ballade á la „Still In Love“ auf dem Album. Das wird aber auf der nächsten Veröffentlichung mit Sicherheit nachgeholt.

Songtitel wie „Gods Of Love“, „Sweet 16“ oder „Some Girls Are Ladies“ suggerieren bestes Poser-Rock-Feeling. Wie kommt man in Zeiten wie diesen eigentlich auf die Idee, anstatt gängigen Trends zu folgen, total auf Hard Rock/Glam Rock zu machen?

Ganz einfach: Unser Happy-Peppi-Sound baut auf, auch wenn es mal schlecht läuft. Deppressive, melancholische Musik würde uns nur runterziehen.

Wie viel von diesem 80er-Jahre-Feeling steckt in euch als Privatpersonen, außerhalb der Musik? Inwieweit trennt sich die Attitüde von SERGEANT STEEL zu euren realen Alter Egos?

Jeder bei uns hat so seinen eigenen Zugang zum Verhältnis zwischen Kunstfigur und realer Person. Während andere Bandmitglieder einem Dasein als Fulltime-Freaks frönen, kuratiere ich im bürgerlichen Leben die weltweit größte Sammlung von Schwarz/Weiß-Fotografien veganer Lebkuchenherzen.

Ihr habt in diesem Jahr für die offizielle Vereinshymne eures heimischen Eishockeyvereins Black Wings Linz gesorgt. Wie groß ist die Ehre, mit eurer Musik in einem doch breitenwirksameren Sport vorzudringen? Habt ihr selbst eine Eishockey-Vergangenheit zu verbuchen?

Die Ehre ist groß, aber dabei ist es nicht geblieben. Die Eishockey-Fans haben den Song prima angenommen, und wir konnten unseren Bekanntheitsgrad super steigern.
Dem Spiel an sich sind wir bis dato noch nicht aktiv nachgegangen. Es gibt aber einige interessante Parallelen zwischen Rockzirkus und dem Eishockey-Sport. Du kannst es z.B. in beiden Bereichen auch als hässlicher Vogel zu etwas bringen.

Linz gilt allgemein nicht gerade als Schmelztiegel heimischer Rockmusik. Woran liegt es deiner Meinung, dass ihr auch außerhalb der Zentren Wien und Graz für so viel positiven Aufruhr in der heimischen Szene sorgen könnt?

An einer Riesenportion Glaube an die Macht des geilen Hardrock. Wir werden immer wieder persönlich von unterschiedlichen Seiten darauf angesprochen, wie sehr wir den Leuten mit unserem Ehrgeiz und Durchhaltevermögen Respekt abringen.

Ihr habt bereits in eurer jungen Karriere mit Legenden wie DEEP PURPLE, THE SWEET oder GUS G. die Bühne teilen dürfen. Was blieb ich davon besonders in Erinnerung und welche Band/welcher Künstler wäre für euch der Gipfel der Zusammenarbeit?

Du triffst kaum woanders derart knorrige Charaktere wie in britischen Rockbands aus den Seventies. Es ist ein irrsinniges Vergnügen, diese perverse Mischung aus Kauzigkeit und totaler Coolness aus der Nähe zu beobachten. Die Krönung ist natürlich das ein oder andere Schwätzchen mit derartigen Legenden.
Es wäre eine geile Sache, mit TOM KEIFER an einem Song zu arbeiten. Am besten sollte TED NUGENT ein Gast-Solo dazu einspielen. Ein Support-Gig für AC/DC würde uns auch in den siebenten Himmel befördern. Jeden einzelnen JUDAS-PRIEST-Member möchten wir am liebsten stundenlang knuddeln.

Die treibende Kraft in eurer Band ist Gitarrist Jack Power, der fast ausschließlich für das Songwriting und auch den Großteil der Produktion verantwortlich. Wie weit verlauft der Arbeitsprozess diktatorisch bzw. wie viele Möglichkeiten haben du und die anderen, ihre Ideen zu verwirklichen?

Da hast du recht! Wir sind Mr. Power völlig ausgeliefert. Unser Glück, dass er jahrelang in einer esoterischen Hippie-Sex-Kommune gelebt hat. Konsens und Harmonie sind für ihn oberstes Gebot.

Bezüglich Live-Aktivitäten schaut es auf eurer Homepage derzeit noch etwas düster aus. Habt ihr in die Richtung noch was in Planung bzw. Ziele vor Augen?

Ziele und Pläne haben wir in Hülle und Fülle. Sobald etwas davon spruchreif wird, landet die entsprechende Info online.

Unlängst habt ihr via Facebook den „Sexiest Fan“ gesucht. Gibt es von den SERGEANT-STEEL-Mitgliedern denn viele nicht jugendfreie Groupie-Storys zu erzählen? Das ist eure Chance zu erklären, wie Hard Rock ihr wirklich seid.

Freilich gibt es die. Der Kavalier schweigt und genießt, zumindest bis die offiziellen Memoiren erscheinen. Es sei jedoch so viel erwähnt: Wie auch bei den „Sexiest Fan“-Fotos durften wir schon so manch sinnlich-charmante, wie auch verstörend-frivole Erfahrung machen.

Was sind denn nur eure mittelfristigen nächsten Ziele und was erwartet ihr euch noch von „Men On A Mission“?

Wir möchten für 2013 wieder so tolle Live-Slots wie 2012 an Land ziehen. Am besten noch mehr davon. Das Album werden wir ab 6. September zusätzlich mit einem sehr geschmackvollen Video-Clip zum Song „Mama Horny“ promoten. Das skurril-erotische Kunstwerk steht Clips wie „I Want To Break Free“ (QUEEN), und „Round And Round“ (RATT) um nichts nach.
Letztenendes soll uns „Men On A Mission“ abermals den Weg nach Nashville ebnen.


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