MASTERPLAN - Roland Grapow

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Aber die Zeit bei HELLOWEEN war natürlich auch großartig - die großen Touren, und die ganzen Persönlichkeiten kennenzulernen... wie etwa die Jungs von IRON MAIDEN, mit denen wir mal auf Tour waren.

MASTERPLAN kommen am 17. Oktober nach Wien, haben mit "Novum Initium" kürzlich ein hammerstarkes neues Album veröffentlicht und anlässlich der bevorstehenden Tour konnten wir uns mit Band-Chef und Mastermind Roland Grapow ein bisschen über das neue Album, alte und neue Sänger und seine Zeit bei HELLOWEEN unterhalten.

Veröffentlicht am 09.09.2013

MASTERPLAN haben mit "Novum Initium" kürzlich ein hammerstarkes neues Album veröffentlicht und anlässlich der bevorstehenden zugehörigen Tour konnten wir uns mit Band-Chef und Mastermind Roland Grapow ein bisschen unterhalten. Was dieser über das neue Album, alte und neue Sänger und seine Zeit bei HELLOWEEN zu erzählen hat, das lest ihr hier.

SB: Hallo Roland, vielen Dank für das Interview! Wie läufts bei dir?

RG: Ja sehr gut eigentlich, auch wenn ich derzeit ein bisschen im Stress bin, da ich noch einige Produktionen für andere Bands mache und mich aber gleichzeitig auch auf die Tour vorbereiten muss. Aber das gehört halt auch dazu, haha.

SB: Wie sieht denn die Tourvorbereitung bei euch aus? Seid ihr schon am Proben?

RG: Also Proben in dem Sinne gibt's bei uns vor der Tour keine, das lässt sich auf Grund der Entfernung zwischen den Bandmitgliedern einfach nicht wirklich machen. Aber ich bereite mich halt vor, nicht nur in Bezug auf das Gitarrespielen jetzt, sondern auch mit Sport und Diät - das wird eine anstrengende Tour, drei Wochen unterwegs und fast keine Off-Days; da muss man sich vorher ein bisschen fokussieren und einfach konsequent sein.

SB: Konnte sich da dann überhaupt schon so etwas wie ein "Band-Feeling" bei euch einstellen, vor allem angesichts der Neubesetzungen?

RG: Oh das besteht auf jeden Fall! Um ehrlich zu sein, dieses Bandfeeling haben wir jetzt erstmals wieder seit 2004 oder 2005, haha.

Wir hatten zwar immer den Anspruch, etwa alle zwei Jahre ein neues Album rauszubringen, aber durch die Personalwechsel war das natürlich nicht immer so leicht möglich. Wir wollten eigentlich letzten September schon mit dem neuen Album anfangen, aber dann hat sich herausgestellt, dass Jorn (Lande, Anm.) da nicht mehr so wirklich mitziehen wollte. Und tja, dann haben wir eben das aktuelle Line-Ip mit Rick gefunden und auch Jari am Bass ist erst zwei Wochen vor den Studioaufnahmen dazugekommen, was sich aber letztlich auch als absoluter Glücksgriff erwiesen hat.

Jetzt haben wir aber ein super-motiviertes Line-Up, und wollen nochmal richtig Gas geben!

SB: Gerade die Line-Up-Wechsel haben MASTERPLAN ja immer ein bisschen zu schaffen gemacht; zuerst hatte man Jorn Lande auf den ersten beiden Alben, dann Mike DiMeo, dann wieder Jorn und jetzt Rick - wie kam es zu diesen ganzen Wechseln?

RG: Naja, Jorn war damals unzufrieden, hat viel herumgenörgelt, also wenn beispielsweise mal der Sound nicht gepasst hat, oder seine Stimme nicht so glänzen konnte wie er sich das vorgestellt hat und er hat wenig Positives gesehen. Er hat dann auch schon sein Soloprojekt gestartet, das ich damals eher als Nebenprojekt verstanden habe... aber er hatte wohl doch schon im Sinn, das zu seinem Hauptprojekt zu machen.

Und tja, irgendwann ging das halt soweit, dass einfach der Spaßfaktor weg war und speziell Uli (Kusch, ehem. Schlagzeuger) hat das zu schaffen gemacht. Dann stellte sich einfach die Frage - Uli oder Jorn? Und ich hab mich dann auf die Seite von Uli geschlagen, was mir natürlich sehr leid tat, da ich auch Jorn als Typ sehr gern mochte und er natürlich ein Klasse-Sänger war. Dass dann acht Monate später auch Uli ausgestiegen ist, war natürlich dann doppelt schade.

Ich habe dann auch gleich Jorn wieder kontaktiert, aber er hat zu dieser Zeit gerade seine Live-DVD in den USA aufgenommen und wollte mir nachher Antwort geben. Er dürfte sich dann wohl mit seinen Bandkollegen besprochen haben, die ein weiteres Engagement bei MASTERPLAN wohl nicht so toll fanden und hat sich dann dagegen entschieden.

Wir haben dann "MK II" mit Mike DiMeo eingespielt, aber das hat sich auch schnell herauskristallisiert, dass das nicht so wirklich klappen würde.

SB: Wegen der räumlichen Distanz?

RG: Einmal das, aber er kam einfach auch eher aus dem Hard-Rock-Bereich und hatte für die Metal-Seite von MASTERPLAN nie so wirklich viel übrig. Er war auch nicht so mein Fall als Frontman. Da war ich halt anderes gewöhnt, auch von HELLOWEEN her... Andi Deris und besonders natürlich Michael Kiske damals, das waren halt auch richtig gute Frontleute.

Dann kam eben Jorn nochmal für "Time To Be King" zurück, aber da gab's dann eben die Schwierigkeiten, dass wir nicht wirklich touren konnten, weil er schon so eingespannt war. Er hat ja letztens auch gar nicht mehr auf der neuen AVANTASIA-Scheibe mitgemacht.

Und tja, dann habe ich irgendwann die neue Single von AT VANCE mit Rick gehört und war sofort begeistert. Wir waren auch schon seit einigen Jahren in Kontakt und Rick war auch immer ein großer Fan von MASTERPLAN und auch von Jorn. Dann haben wir mal einen Test-Song gemeinsam gemacht, und das hat einfach gepasst. Es ist schon toll, wenn dann jemand in die Band kommt, der auch wirklich ein großer Fan dieser Band ist.

Es ist einfach wichtig, dass da jemand ist, der nicht nur einen "Job" macht, oder nur wegen Geld dabei ist, oder um sich selbst bekannter zu machen. Rick ist einfach ein feiner Kerl und die Kombination in der Band passt jetzt.

SB: Gerade bei so einem beliebten und natürlich auch tollen Sänger wie Jorn Lande ist es natürlich immer schwer, dann einen würdigen Nachfolger zu finden. Aber Rick wurde auf dem neuen Album offenbar sehr gut angenommen, die Rezensionen sind auch durchwegs sehr positiv... wie habt ihr das erlebt?

RG: Überraschend! Ja es war ein überraschend guter Übergang - also von hundert Reviews waren vielleicht fünf oder sechs dabei, die negativ waren... sonst bekamen wir sehr viele sehr gute, also so 8 von 10, 9 von 10 Punkten... oder auch mal 10 von 10. Gut, gerade im Rock Hard waren sie ein bisschen schärfer mit der Kritik, aber ja... damit muss man halt leben, haha.

Ich glaube, es ist auch den Fans wichtig, dass endlich mal was weitergeht. Die wissen jetzt auch: Nach dem zweiten Ausstieg von Jorn, da wird das nichts mehr. Aber mit dem neuen Sänger haben wir jetzt eben wieder die Chance, durchzustarten.

SB: Wie lief's diesmal beim Songwriting für dich, gab's da Veränderungen zu früher?

RG: Eigentlich nicht, auch wenn ich früher vielleicht mehr "im Detail" komponiert habe. Diesmal habe ich eher songzentriert geschrieben, aber wir haben für das Album auch viele ältere Ideen wieder aufgegriffen, die wir früher nicht machen konnten, weil Jorn das nicht gefallen hat, oder ihm zu "metallig" war. Er wollte halt eher in diese Rock-Richtung gehen.

So gibt's halt diesmal viele Songs von Axel, auch Martin hat einen beigesteuert... und von mir waren's nur drei oder vier komplett neue, eigentlich.

SB: Mit dem Titeltrack "Novum Initium" habt ihr ja auch einen überlangen Song mit drauf...

RG: Ja, der ist auch so einer, der schon früher entstanden ist. Da waren wir mal in Norwegen, da war auch Jorn noch dabei und da haben wir an einem Abend einfach mal einen Jam gemacht... Also Jorn, Jan, Axel und ich... und ich hab das damals auf Mini-Disc aufgenommen und jetzt wieder ausgegraben. Und wenn mir die Ideen nach ein paar Jahren immer noch gefallen, dann sind die wohl gut, haha. Und tja, aus dem Material haben wir dann den Song gebastelt. Es ist ein bisschen wie ein Puzzle zusammenzusetzen.

Ich freue mich immer über Input von anderen, von dem ich dann "wegarbeiten" kann. Da bin ich irgendwie am Besten als Songwriter, ich seh mich da auch immer ein wenig als Produzent.

SB: Apropos Produzent: Du produzierst ja auch viele Bands in deinem Studio, wie etwa derzeit SEBASTIEN, die ja auch auf der kommenden Tour mit dabei sein werden, und in deren Video zur Single "Dorian" du auch mitwirkst. Wie kam das eigentlich zustande?

RG: Haha naja, die Bands mit denen ich arbeite fragen dann ja immer mal wieder, ob ich nicht ein Gastsolo oder so spielen kann... Bei SEBASTIEN war's so, dass ich ihnen im Studio öfters was vorgesungen habe, da ich beim neuen Album auch viel mit der Vocal-Produktion geholfen habe. Und dann kam's einfach dazu, dass ich diese Grunz-Geräusche gemacht habe und dann so im Video gelandet bin, haha.

Wir haben das ganz simpel bei mir im Studio gemacht und die Jungs haben das dann mit einem Typ aus Tschechien ins Video gepackt. Das hat auch einigermaßen lang gedauert, darum ist das Video auch so spät erschienen.

Aber das neue Album von SEBASTIEN wird auch klasse, da sind viele schöne Melodien drauf. Das Album ist jetzt noch nicht fertig, aber ich werde versuchen, einen Song vor der Tour fertig zu bekommen, damit dieser so als "Teaser" vorab veröffenlicht werden kann, bevor dann das ganze Album kommt.

SB: Die kommende Tour wird ja recht umfangreich - zwar nur drei Wochen, dafür kaum freie Tage; auf welche Städte freust du dich denn schon besonders?

RG: Ach, eigentlich freu ich mich auf alle. Obwohl, Hamburg wird sicher ein bisschen was Besonderes. Da sieht man dann ein paar Kumpels von früher wieder und ich hoffe auch, dass meine Brüder kommen. Die waren eigentlich nie so wirklich an meinem Job interessiert und seit meine Mutter letztes Jahr verstorben ist, bin ich auch nicht mehr zu oft zu Hause. Da freu ich mich also schon drauf.

Und ich denke, dass auch Wien eine tolle Show wird, damit auch hier die Fans wieder mal die Chance bekommen, MASTERPLAN zu sehen.

SB: Wird's eigentlich vom neuen Album noch eine zweite Single neben "Keep Your Dream Alive" geben?

RG: Nein, das ist nicht geplant. Das bringt auch nicht so wirklich viel, da jetzt noch was nachzuschießen. Wir werden uns da eher auf das nächste Album konzentrieren, um da nochmal so einen richtigen Brecher rauszubringen.

Wir haben auch gemerkt, dass Ricks Stimme besser klingt, wenn er ein bisschen höher und mit mehr Power singen kann. Das aktuelle Songmaterial war darauf noch nicht zugeschnitten und wir haben diesmal auch nicht so viel mit verschiedenen Tunings experimentiert, wie ich das sonst gerne mache.

Ich freu mich auch immer, wenn Bands bei mir im Studio runtergestimmt spielen, das klingt dann einfach richtig fett... Und das werden wir wohl auch wieder machen, so wie bei "Bleeding Eyes"... da waren wir sogar auf A runtergestimmt, wenn ich mich jetzt richtig erinnere... Da kann dann Rick die Sachen auch oktaviert singen.

SB: Du bist ja nun auch schon viele Jahre im Business unterwegs, damals bei HELLOWEEN viele Jahre dabei, jetzt schon gute zehn Jahre mit MASTERPLAN... was sind denn so deine positivsten und negativsten Erinnerungen an diese Zeit?

RG: Ach, ich bin eigentlich ein positiver Mensch und sehe eher die schönen Dinge. Aber klar, die Zeit als wir aus HELLOWEEN rausgeworfen wurden, das war natürlich nicht so toll.

Das lag damals sicher auch ein bisschen an mir, ich hab damals wohl ein bisschen zu viel den Mund aufgemacht, und auch mal die anderen Bandmitglieder kritisiert... also nur was musikalische Sachen angeht, es ging da nie um persönliche Sachen. Aber so wie das dann abgelaufen ist, war das halt nicht toll. So am Flughafen noch nett umarmt mit einer "Wir melden uns bei dir!"-Aussage und am nächsten Tag erhältst du dann die E-Mail, dass du raus bist.

Aber das war halt damals auch für Uli und mich dann einerseits eine gewisse Genugtuung, dass das erste MASTERPLAN-Album so eingeschlagen ist, weil wir uns darauf auch selbst verwirklichen konnten. Da konnte ich einfach das umsetzen, was ich bei "Dark Ride" schon angedeutet hatte. Diese Platte war für meine musikalische Entwicklung einfach sehr wichtig, wie etwa durch die Verwendung von Les-Paul-Gitarren - davor hatte ich ja immer Strats gespielt.

Aber die Zeit bei HELLOWEEN war natürlich auch großartig - die großen Touren, und die ganzen Persönlichkeiten kennenzulernen... wie etwa die Jungs von IRON MAIDEN, mit denen wir mal auf Tour waren. Das war natürlich schon alles ein "Dream Come True".

Und ich bin auch mit MASTERPLAN sehr glücklich, da gefällt mir auch jedes Album. Klar ist nicht alles immer perekt, aber wenn alles immer perfekt ist, wär's ja langweilig, haha!

SB: Ein schönes Schlusswort. Vielen Dank für das Interview, und wir sehen uns am 17. Oktober in Wien!

RG: Danke auch dir, bis dann!


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