Scarecrow N.W.A. - Alex & Bernd

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Wir wollen unsere Richtung auf jeden Fall beibehalten, wie erfolgreich sie auch immer sein mag. Das Wichtigste für uns ist, dass es uns Spaß macht und wir uns mit unserer Musik identifizieren können.

SCARECROW N.W.A. sind immer noch ein Geheimtipp in der österreichischen Metalszene. Sänger Bernd und Gitarrist Alex stellen hiermit ihr neues Album vor und haben einiges zu erzählen...

Text: El Greco
Veröffentlicht am 24.10.2013

Hallo und vorab schon mal vielen Dank für eure Zeit! Nun sind seit "Ishmael" bereits vier Jahre vergangen. Eine saloppe Frage zu Beginn: Was hat sich in der Zwischenzeit so getan bei SCARECROW N.W.A.?

Alex: Hallo auch und ebensolchen Dank an Dich. Das ist richtig, einiges an Zeit ist vergangen und getan hat sich viel. Orestis, unser Keyboarder ist ausgestiegen und Gsputi kam als Ersatz, bzw. als komplette Neuerung mit der 2. Gitarre ins Team. Neue Songs wurden geschrieben und kürzlich auf CD verewigt und veröffentlicht.

Bernd: Ja auch von meiner Seite her vielen Dank für euer Interesse. Zusätzlich zum Lineup-Wechsel haben wir natürlich auch viele Shows gespielt und die Aufnahmen zu "Transgression“ haben sich auch etwas in die Länge gezogen. Als die Scheibe dann fertig war wollten wir natürlich auch nichts überstürzen und haben uns für Artwork, Promo etc. anständig Zeit genommen.

"Transgression" wurde ja ein wahres Monster. Meiner Meinung nach habt ihr euch dieses Mal mehr denn je auf die "typische" Metalinstrumentierung konzentriert, ohne an Komplexität und Facettenreichtum eingebüßt zu haben. Wie seht ihr "Transgression" im Vergleich zu "Ishmael"?

Alex: Transgression kommt ohne viel Schnick Schnack aus. Wir haben vor allem auf die live-Umsetzungsmöglichkeit bei den Songs geachtet und durch den Wegfall des Keyboards und Hinzukommen der 2. Gitarre kommt das ganze Album natürlich soundmässig anders rüber als Ishmael. Druckvoller und erdiger wie ich meine.

Bernd: "Ishmael“ war auch als Konzeptalbum konzipiert. Bei "Transgression“ sind es 8 Songs, die sich zwar an derselben Thematik orientieren, aber jeder Song kann dennoch für sich alleine stehen. Und da Metal ja auch Spaß machen soll, gibt’s noch nen (nicht ganz ernst gemeinten) Bonustrack obendrauf.

Die Songs des Albums sind es allesamt wert, näher erläutert zu werden. Ich würde euch bitten, uns zu jedem Song kurz etwas zu erzählen:

1. MMXII

Bernd: MMXII war eigentlich als Titeltrack gedacht. Da sich aber im Laufe der Aufnahmen einiges geändert hat, kann man ihn nun als Retrospektive zum ganzen Weltuntergangshype von 2012 sehen. Als Opener eignet er sich meiner Meinung nach sehr gut. 1. hat er ein feines Intro und 2. zeigt er schon vorab auf was man sich bei SCNWA einlässt. Textlich geht es um die angekündigte Apokalypse und kann als eine Art Abgesang auf die Menschheit und ihre Welt gesehen werden.

Alex: Musikalisch alles dabei, vom balladesken Intro nach und nach steigernd zu einem Machtwerk an Instrumentation und Melodie.

2. Transgression

Bernd: Einer unserer Favoriten. Es geht gleich mal in die Vollen. Zwar ist das Tempo nicht das schnellste, aber der Song drückt gewaltig (Boxen aufdrehen!). Der hymnische Refrain trägt das seine zur düster/euphorischen Stimmung bei, auch oder vor allem live. Die Sünde an sich steht für mich als Texter im Vordergrund. Einerseits führt sie uns oft leichter zum gewünschten Ziel, andererseits zerstört sie dieses aber auch oft.

Alex: Ein schöner melodiöser Song, mit genügend Härte.

3. Self-Enslavement

Bernd: Für mich einer der “schwierigsten” Songs auf “Transgression”. Sowohl musikalisch als auch inhaltlich. Hier habe ich mich etwas mit der oftmals blinden Hörigkeit bzw. Selbstversklavung des Menschen gegenüber diversen Religionen auseinandergesetzt. Der im Text erwähnte rebellische Sohn steht hier für den hinterfragenden, zweifelnden Menschen, der Vater für die Gottgestalt. Die Sklaven sind diejenigen, die ihr Leben blind einer Ideologie oder eben Religion unterwerfen.

Alex: Stilistisch sagen wir mal ein Song auf Abwegen, aber im Gesamterscheinungsbild wieder typisch SCNWA.

4. Technology of Death

Bernd: Ein flotter, rhythmischer Song der aber in der Mitte auch wieder für uns typische langsamere, epische Passagen aufweist. Inhaltlich stell ich mir die Frage wie der technische Fortschritt den Tod hinauszögern kann oder eben nicht. Technologie als neue Gottheit?

Alex: Hier geht’s mal mitten in die Fresse und so typisch wie wir sein können, wieder ein schön melodiöser Refrain.

5. Backstab Romance

Bernd: Ist während der Aufnahmen einer meiner Lieblingssongs geworden. Man kann ihn auch als unser „Liebeslied“ sehen. Alle Facetten der Liebe werden auch gesanglich/musikalisch abgedeckt: das Verspielte aber auch das Ernsthafte, oftmals Brutale. Auf CD eher unser „poppigster“ Track, live haut er voll rein.

Alex: Unsere Quasi Ballade, ein schöner Song mit Gefühl.

6. Resurrection

Bernd: “Resurrection” stellt die Frage ob die Auferstehung (in welcher Form auch immer) wirklich erstrebenswert ist. Gesanglich für mich ein kleines Experiment. Hier habe ich den Stil oft gewechselt bis ich wieder zur Urform des Songs zurückgefunden habe. Zeigt, dass Deathmetal auch mal ohne (viele) Growls Druck machen kann. Ich mag das Experimentieren mit unterschiedlichen Gesangsstilen sowieso, manchmal geht es in die Hose… hier aber nicht.

Alex: Zur Abwechslung ein cleanes Intro - etwas theatralisch mit einer Steigerung bis zum gehtnichtmehr.

7. At Dead of Night

Bernd: Dazu wurde auch schon mal ein Vergleich mit AMON AMARTH gezogen. Na ja, den seh ich hier nicht wirklich, allerdings geht der Song für mich räumlich orientiert sicher in die skandinavische Ecke. Moderner, schneller Melodic Deathmetal. Live – an den Reaktionen der Fans gemessen – der Überhammer.

Alex: DIE happy Nummer des Albums. Da hat man so richtig Freude jeden Ton zu spielen, der Song geht runter wie ein kühles Bier bei 35° im Schatten.

8. Feel the Silence

Bernd: Ja was soll man sagen: brachial, Dampfhammer… Sozusagen das Inferno vor der entgültigen Stille

Alex: Der Name täuscht ein wenig, die Nummer ist sicher eine der härteren auf der CD und alles andere als ruhig.


9. Scarecrow´s Song (Bonus Track)
Bernd: Was macht eine Band, die sich stilistisch ohnehin nicht ganz festsetzen will und die sich auch nie entscheiden kann welchen Song sie den covern möchte? Richtig: sie covern einfach ein ganzes Genre! Unsere Hommage an den wahren Heavy Metal!

Alex: Der Respekt zollende Song an alle Power, Hair und sonstige Metaller - unsere Hymne - ein Ohrwurm & von Beginn weg zum Mitsingen für Metalfans aller Sparten.

Welchen Song würdet ihr all jenen Lesern als Anspieltipp empfehlen, die noch nie von euch gehört haben?

Alex: Ich kann hier nur sagen, dass mir persönlich alles Songs sehr gut gefallen, als Tipp könnte ich "Transgression" & "At Dead of Night" empfehlen. Die beiden Lieder beinhalten so gut wie alles was uns wichtig ist.

Bernd: Dito! und "Backstab Romance“

Euer neues Album wurde bereits im Jahr 2012 angekündigt - allerdings mit dem Titel "Twelve" und einem anderen, dazu passenden Artwork. Wie kam es zu dieser Verzögerung, bzw. warum gibt es "Transgression" und nicht "Twelve"?

Bernd: Das ist eine etwas längere, bisweilen auch aufreibende Geschichte. Wir haben ja bereits im Oktober 2011 mit der Preproduction für unser neues Album angefangen. Die Aufnahmen starteten dann Anfang 2012, alles lief perfekt und wir dachten den Release für Frühling/Sommer 2012 an. Die Idee war, ein Album über den Trend/Hype „Weltuntergang“ zu machen, der ja wiedermal anstand. Es ging dann aufnahmetechnisch nicht so dahin wie wir uns das dachten. Zugegeben, nicht nur die Schuld unseres Produzenten aber – und so ehrlich müssen wir sein – zum größten Teil. Wir schafften es dann mit enormem Einsatz die Songs bis Ende Mai einzuspielen und dann begann das große Warten. Lange Rede kurzer Sinn: im April 2013 hatten wir dann endlich den fertigen Master in Händen. Nach etlichen Diskussionen, Mails, Telefonaten… Es war zermürbend und hätte uns auch beinahe die Freude an der Sache genommen. Der Sound, den das Album nun bekommen hat und der gespaltene Reaktionen hervorruft ist ein Kompromiss, aber wir denken ein guter. Nun hat sich aber alles zum Positiven gewendet und das ist die Hauptsache.

Originalität ist in der gegenwärtigen Metalwelt ein seltenes Gut und aufgrund der Schnelllebigkeit der musikalischen Rezeption auch nur schwer zu verkaufen. Wie wichtig ist euch diese Originalität und inwiefern strebt ihr nach einer Balance aus Originalität und Nachvollziehbarkeit der Musik?

Alex: Für uns ist es wichtig, dass wir uns mit unseren Songs identifizieren können. Wir achten eigentlich wenig auf den Stil der im einzelnen Song vorkommt, aber anscheinend schaffen wir es durch unser Spiel, dass wir nun schon „rauszuhören“ sind. Also ein roter Faden zieht sich schon durch, auch wenn es beim ersten Mal durchhören nicht jedem so vorkommt. Wir möchten uns auf jeden Fall immer weiter entwickeln und nicht auf der Stelle treten. So kann es natürlich vorkommen, dass viele Hörer, gerade bei neuen Songs recht erstaunt sind, aber dann doch zu dem Schluss kommen, dass wir das sind.

Bernd: Aber bei allem Mut zur Innovation sind wir doch etwas „straighter“ geworden. Und die weitere Entwicklung geht auch in die Richtung. Originalität und Nachvollziehbarkeit kann man kombinieren, es sollte aber daraus nicht Eintönigkeit entstehen und das ist das Schwierige daran. Ich finde es immer lustig, wenn manche bei unseren Songs Bands erkennen, deren Alben wir selber gar nicht hören. Da scheinen wir dann doch nicht so originell zu sein ;)

Von einem kleinen steirischen Label seid ihr zu Noisehead Records gewechselt, die man in der "Szene" doch etwas besser kennt. Wie entstand die Zusammenarbeit mit Noisehead und was erhofft ihr euch durch die Promotion der Plattenfirma?

Alex: Nun, um ehrlich zu sein hatten wir das Glück dass NHR eines der ersten angefragten Labels war, das uns ohne viel hin- und her ein Angebot unterbreitet hat, mit dem beide Seiten wohl sehr gut leben können. Durch die Größe des Labels haben wir natürlich mehr Vorteile als zuvor. Aber auch hier ist es wie überall, von nichts kommt nichts. Aber wir werden durchaus gut unterstützt.

Bernd: Nach den Querelen bei der Entstehung von „Transgression“ ist alles was jetzt kommt schon ein Bonus, da bleibt nichts mehr zu hoffen. Die Zusammenarbeit mit NHR verläuft super, die Kommunikation ist schnell und ich denke gemeinsam können wir sicher einiges bewegen.

Wird man euch auch mal live bewundern können? Fällt es euch schwer, diese komplexe Musik live darzubieten?

Alex: Live zu spielen ist sowieso das um und auf für uns. Es gibt nichts Schöneres als wenn die Leute im Publikum deine Songs kennen, mitgröhlen & sich einen abbangen. Natürlich ist es schön vor ausverkauftem Saal zu spielen, aber ich muss sagen, mir ist eine kleine Schar an Zuhörern, die so richtig abgeht lieber als eine Masse, die 4 Meter vor der Bühne steht und nicht weiß was sie tun soll. Ich denke wir geben unser Material, auch wenn es recht komplex ist, durchaus gut von uns. Natürlich muss man hier viel proben aber es klappt live ausgezeichnet und das merkt man auch am Zuspruch der Hörerschaft.

Bernd: Es ist live oft schwer, Nummern mit einer Länge von über 9 Minuten so rüberzubringen, dass sie nicht langweilig werden und man auch noch genug Luft zum Spielen hat, aber mit genügend Kondition geht das. Da ich die Songs (also meinen Part) ja für die live Umsetzung schreibe, ist es dann für mich natürlich nicht so schwer, diese darzubieten. Die Schwierigkeit liegt eher bei den Aufnahmen, wo ich doch mehrere Spuren zur Verfügung habe und eben Backgroundvocals aufnehme etc. Die fehlen dann live zwar, aber nicht so offensichtlich da sie ja auch auf CD nicht im Vordergrund stehen. Einige Passagen geht man live anders an, aber das macht es ja aus…

Live sehen konnte man uns in der jüngeren Vergangenheit bei unseren CD-Releaseshows in Graz und Leoben. Am 18.10. und am 23.11. gastieren wir in Wien und am 1.11. machen wir Gleisdorf unsicher. Mehr dazu auf Homepage und Facebook. Was nächstes Jahr kommt, können wir an dieser Stelle noch nicht sagen…

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Caio Caldas, der ja bisher eher für traditionelle Metalcovers bekannt war. Welche Anforderungen hattet ihr bei der Gestaltung des Covers?

Bernd: Ich hab Caio zufällig entdeckt, als ich unsere alte, nie benutzte Myspace-Seite überarbeitete. Seine Arbeit hat mir und Alex sofort gefallen und es sind uns auf Anhieb 2 seiner Entwürfe ins Auge gestochen. Man kann sagen, dass wir uns erst durch Caio’s Artwork und die Zusammenarbeit mit ihm für „Transgression“ als Albumtitel geeinigt haben. Das Zusammenspiel zwischen Musik und bildender Kunst war uns diesmal besonders wichtig, da wir zwar auch digitale Vertriebsarten nutzen, aber doch Freunde des „echten Handwerks“ sind. Die Zusammenarbeit mit Caio war perfekt und äußerst angenehm. Er setzte unsere Ideen und Vorschläge fast immer beim 1. Entwurf um. Die räumliche Distanz zwischen Sao Paolo und Graz spielte dabei keine Rolle. Und wir finden’s cool, das wir den selben Grafiker haben wie Saruman ;)

Wenn man sich mit der Historie von SCARECROW N.W.A. auseinandersetzt, fragt man sich zwangsläufig: Wohin wird eure Reise gehen? Was habt ihr euch als Musiker für die nächsten Jahre vorgenommen? In welche stilistische Richtung wird es euch ziehen?

Alex: Wir wollen unsere Richtung auf jeden Fall beibehalten, wie erfolgreich sie auch immer sein mag. Das Wichtigste für uns ist dass es uns Spaß macht und wir uns mit unserer Musik identifizieren können. Die ersten Songs nach “Transgression“ sind schon wieder im Entstehen und der rote Faden zieht sich hier hörbar weiter.

Bernd: Es wird sich zeigen wohin unsere Reise geht. Uns gibt’s zwar vom Namen her recht lange, aber als die jetzigen SCNWA eigentlich erst seit 2009. Also sind wir eine noch recht „junge“ Band und auch wenn wir oft auf unsere Erfahrung und unser Alter reduziert werden, fühlen wir uns auch als solche. Wir stehen sicher keiner Entwicklung im Weg und motiviert sind wir, davon kann sich jeder live überzeugen. Als Musiker denke ich ist es unser Ziel die noch bestehenden Schwächen auszumerzen ohne aber von unserem Weg abzuweichen. Schwierig, aber so sind wir. Stilistisch werden wir uns treu bleiben, keinen Stil zu haben ;)

Welche realistischen Wünsche habt ihr als Band für die Zeit bis zur nächsten Veröffentlichung?

Bernd: Also der größte Wunsch ist es wohl, den Bekanntheitsgrad zu steigern und auch mal außerhalb Österreichs ein paar Bühnen zu demolieren. Ansonsten wünsche ich mir ein stabiles Lineup und ich müsste lügen wenn ich mir nicht gute Verkaufszahlen wünschen würde. In unserer heutigen Welt gibt’s halt leider nichts geschenkt und gerade Qualität hat ihren Preis. Und ich wünsche mir, dass bis zur nächsten VÖ nicht wieder 4 Jahre vergehen.

Wenn ihr noch gerne etwas loswerden möchtet dann habt ihr jetzt die Möglichkeit dazu.

SCNWA sagen danke! Einfach nur danke an alle die sich angesprochen fühlen… heavy metal will survive!

Vielen Dank für das Interview!


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