ZOMBIE INC. - Martin Schirenc & Florian Musil

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Werwölfe sind sowieso immer oasch gewesen find ich. Einen Zombie kann man schlecht fesch oder lieb machen. Und sie sind einfach strunzdumm, haben meistens auch nicht mal einen Charakter.

Mal ganz ungeschminkt haben mir Martin Schirenc (v.) und Florian Musil (dr.) ein wenig über die Philosophie hinter den Horror-Deathern ZOMBIE INC. verraten. Dass da nicht immer alles ganz bierernst abläuft, ist logisch. Aber das liegt wohl nicht nur an der österreichischen Mentalität, sondern auch daran, dass die beiden recht belesene Menschen mit einer gesunden Portion Hausverstand sind, die sich über Gott und die Welt so ihre Gedanken machen.

Veröffentlicht am 16.01.2014

Martin, du spielst nebenbei ja auch noch mit deinen anderen Bands THE CHURCH OF PUNGENT STENCH und HOLLENTHON. Ist das jetzt mit ZOMBIE INC. so eine Schiene, die du mit den anderen beiden nicht so fahren kannst, eher so ein Spaßprojekt?

M: Naja, also ZOMBIE INC. ist ja nicht auf meinem Mist gewachsen, die haben ja Gerry (Gerald Huber; der Verf.) und Wolfi (Wolfgang Rothbauer; der Verf.) gegründet, ich bin eigentlich als letzter dazu gekommen von der Originalbesetzung. Somit ist es ja nicht mein Baby. Ich singe ja da nur, und ich bin im Grunde halt doch eher Gitarrist. Beim Songwriting helfe ich zwar ein wenig auf der Gitarre aus, aber sonst bin ich bei der Sache nur Sänger.

Wie lange bist du dabei, Flo?

F: Ich bin seit Dezember 2012 dabei, vor mir war ja der Tomasz von BELPHEGOR an den Drums..

M: Aber der wohnt ja bei Stuttgart, das ist mit dem Proben sehr zäh, wir haben den ja kaum gesehen. Und dementsprechend waren dann auch die Shows, wenn du nie proben kannst wir das nie richtig tight. Und das kostet ja auch nicht wenig, unser Bassist war ja auch aus Bayern, jeder von uns saß wo anders, alle kamen irgendwie aus einem anderen Land.

Naja das funktioniert ja mit Österreichern auch gut, wir haben ja den nötigen Nachwuchs. Flo, du spielst ja bei MOLOKH auch noch...

F: Genau.

Ist nicht jeder von euch nebenbei in zumindest einer weiteren Band?

M: Also eigentlich ist es ja eine relativ "junge" Band, wir haben zwar schon zwei Platten draußen, aber wir sind jetzt nicht so irrsinnig viel mit ZOMBIE INC. beschäftigt. In der heutigen Zeit ist es ja einfacher, in mehreren Bands zu spielen, und viele haben noch irgendwelche Side-Projects laufen.

War das mit dem Zombie-Konzept von Beginn an so geplant, dass ihr das so durchzieht?

M: Also, das war so: Der Wolf und der Gerry wollten eine Death Metal-Band machen, wo's textlich ausschließlich um Zombies geht. Und dann haben wir unser erstes Konzert in Salzburg gespielt, und ich hab mir gedacht: na wenn schon, denn schon. Wenn wir über Zombies singen versteht das ja eh niemand, da kann ich ja auch über meine Mutter singen. Also schlug ich vor dass wir uns mal als Zombies herrichten. Und verblüffend ist eigentlich auch, dass das noch keine Band vorher gemacht hat.

Stimmt, eigentlich nicht. LORDI werfen sich halt so Gummigewänder drüber und die BLOODSUCKING ZOMBIES FROM OUTER SPACE sind ja nicht ganz so eure Musikrichtung und somit keine Konkurrenz...

M: Ja, genau, verkleidete Bands gibt's hunderte, aber eine Bands wo alle Zombies sind eben nicht. Es ist ja für uns nicht so der Wahnsinns-Aufwand, was LORDI oder GWAR betreiben ist ja eine andere Dimension. Und jede Death Metal Band hat sicher ein Lied in dem es um Zombies geht. Wir dachten uns dann eben: machen wir das! Dann haben wir halt auch die Videos dementsprechend gedreht, und so ist das Konzept gewachsen. Das ist also nicht am Reißbrett entstanden.

Wie lange braucht ihr denn zum Verwandeln vor den Gigs?

M: Nicht lange, das geht ziemlich schnell. Das sind ja so fertige Gummimasken, die wir ein wenig modifiziert haben, der Rest passiert mit Make-Up. Wir müssen da oft sehr flott sein, man will ja zum Beispiel bei einem Line-Check kurz vorm Gig nicht schon in voller Adjustierung dort stehen. Es geht sich meistens in 10 bis 15 Minuten aus. Ist ja alles nicht auf "Walking Dead"-Niveau, was die Kosten betrifft - Haha! Aber für die Leute im Publikum reicht's schon so!

"Walking Dead" und so... bei Zombies dürfte ja in den letzten Jahren ein richtiger Hype entstanden sein, was macht das Phänomen Zombie aus, warum stehen die Leute so drauf?

M: (in breitem Wienerisch) Na Zombies san leiwand find ich! Die sind so unbestechlich irgendwie, und im Gegensatz zu anderen Monstern auch ziemlich gnadenlos. Vampire sind ja mittlerweile auch schon nur noch lieb und hübsch...

F: oder Werwölfe ...

M: (zu Flo) Werwölfe sind sowieso immer oasch gewesen find ich. Aber einen Zombie kann man schlecht fesch oder lieb machen. Und sie sind einfach strunzdumm, haben meistens auch nicht mal einen Charakter. In Wirklichkeit ist der Zombie ja sehr metaphorisch, er spiegelt unsere Gesellschaft wider. Konsumieren und nicht denken dabei. Wir fressen uns zwar noch nicht gegenseitig, höchstens im übertragenen Sinne vielleicht ...

Zombies wollen ja immer nur "Brains" ...

M: Hmmm... das war glaub ich bei "Night Of The Living Dead" oder so, als die Zombies immer nur Hirn essen wollten. Das war eine Persiflage, da konnten die ja auch sprechen, was sie normal ja nicht so können. Zombies können normal weder sprechen und es ist ihnen auch scheißegal was sie fressen. Und lustig waren sie eigentlich auch nie.

Das aktuelle Album von euch nennt sich "Homo Gusticus". Was ist der Homo Gusticus? Ich kenne den Homo Sapiens oder den Homo Erectus ...

M: Das ist einfach der "schmeckende Mensch", der Feinschmecker. Aber natürlich stammt der Begriff aus dem "Latinum Belphegorum" - Haha! Na, eigentlich haben wir das Wort "Gusticus" irgendwann mal auf einer Holländischen Raststation aufgeschnappt.

Wenn wir schon dabei sind: ihr habt ein paar lustige Songtitel zusammengebastelt, einer davon heißt "e=mcarnage²" . Was will uns diese Formel sagen?

M: den Text hab ich zusammen mit Dan, dem CHURCH OF PUNGENT STENCH-Bassisiten, geschrieben, da geht's um die Verspeisung von Nerds. Ich hab ja sämtliche Texte innerhalb von einem Monat geschrieben und mir ist dann schon ein wenig der Schmäh ausgegangen. Und er hat bei dem Text eben an Nerds gedacht, und weil Einstein ja der "Godfather of Nerds" ist, kam dann eben diese Formel dabei raus.

Statt nur dem Gehirn also gleich den ganzen Nerd essen?

F: Haha - wir meinen da halt eher die ganzen Leute, die ständig nur vor ihrer X-Box hängen.

M: du bist ja bei unserem selbstgewählten Zombie-Thema textlich sehr eingeschränkt, und so beziehen sich die Songs sehr wohl auf andere Dinge auch, nur halt alles im Zombie-Mäntelchen. Ist ja bei den Filmen auch irgendwo so, dass es immer wieder das gleiche ist.

Und das "Yeshua Syndrom", das klingt sehr nach religiösem bzw. anti-religiösem Text...

M: Also Kirchen-Kritik ist das keine, wenn du das meinst. Es geht da um die Wiederbelebung, um die Rückkehr vom Tod, ein Zombie ist ja quasi ein wiederbelebter Leichnam. Und einer der berühmtesten Wiederbelebten so gesehen war ja Jesus von Nazareth, im Hebräischen heißt der halt Yeshua. Ursprünglich wollt ich es "Lazarus-Syndrom" nennen, das gibt's ja auch, wenn jemand schon tot ist und sich die Leiche dann durch irgendwelche Impulse noch bewegt. Aber ich dachte mir, wenn schon, dann singen wir gleich übern Chef selbst. Komisch, wenn ich die Texte singe, kann ich sie, und wenn ich jetzt drüber nachdenke weiß ich gar nicht, worum es in dem Text jetzt genau geht - Haha!

Die Zombies selber kommen aber aus dem Haitianischen Voodoo-Glauben oder?

M: Die Zombies, wie wir sie heute kennen hat eigentlich der Regisseur George A. Romero erfunden. Solche Filme wie "Dawn Of The Dead" sind ja der Ursprung von unserem heutigen Zombie-Kult. Bei dieser Voodoo-Geschichte, wo's übrigens auch einen Film drüber gibt, "Serpent Of The Rainbow" oder so, das sind ja keine Zombies die herumlaufen und andere fressen. Da wurde den Leuten irgendein Pulver hineingeblasen, das die Körperfunktionen runter geschraubt hat, die wurden dann quasi lebendig begraben und waren anschließend natürlich absolutes Gemüse. Die wurden dann auch als Sklaven verwendet.

F: die Leute sind dann in ein Stadium gefallen, das man "Limbo" nennt, sowas wie eine Vorhölle...

M: (zu Flo) ... die übrigens jetzt abgeschafft worden ist vom Vatikan!

Vorhölle? Gibt die jetzt nicht mehr?

M: Nein. Ich find das lustig, dass die Kirche das abschaffen kann. Weil wenn jemand was abschaffen kann, dann ist das eigentlich nur der Chef selber.

Vielleicht hat's ihnen der Chef ja befohlen...

M: Haha, ja offensichtlich. Der Limbo war also eine Vorhölle, die unter anderem auch für ungetaufte Kinder reserviert war. Das ist dann schon ein wenig hardcore, das arme ungetaufte Kind, das kann ja nix dafür. Aber um auf die echten Zombies zurückzukommen: da werden halt durch dieses Pulver die Lebensfunktionen fast ausgeschaltet, und die werden wirklich begraben, und wenn man sie rechtzeitig ausgräbt werden sie wieder wie vorher. Aber wenn man sie zu lange drin lässt, sind die durch die Gehirnschädigung oft geistig behindert. Und die kann man dann als Sklaven verwenden, willenlos und dumm. Das ist also der Ursprung des Ganzen. George A. Romero hat halt das noch weiter getrieben und eine Horror-Gestalt daraus erschaffen. Aber selbst er hat damals schon diese metaphorische Herangehensweise gehabt, dass Zombies eben auch immer ein wenig die Gesellschaft widerspiegeln.

Heute braucht man sich ja nicht mehr mit Pulver beblasen und eingraben lassen, man geht einfach zu DSDS oder GNTM, ins Dschungelcamp oder zu "Herz von Österreich" ...

M: Das hab ich mir ehrlich gesagt noch nie angesehen. Aber letztens hab ich zufällig so einen Ausschnitt gesehen, irgendein Mädel - da werden die Leute ja regelrecht vorgeführt! Das ist als würde man auf der Straße Behinderte auslachen, einfach abartig.

Habt ihr schon mal drüber nachgedacht, den Song "Zombie" von den CRANBERRIES zu covern?

BEIDE (unisono): neeeiiiin!

M: für mich ist das eine der schlimmsten Bands überhaupt!

Ja, aber das ist einer der wenigen Songs der Zombies im Titel hat und noch dazu bekannt ist...

F: Nein, das geht gar nicht. Nicht mal eine Hass-Coverversion hat das Lied verdient.

M: Ich glaub den Song kann man auch nicht so umschreiben dass er erträglich wird, oder? Selbst wenn sie nicht singt - das ist ja das unerträglichste dran - ist der Song noch scheiße. Das haben sie auf- und abgespielt damals dieses Lied, furchtbar! Hardcore-Horror! Und die gibt's ja jetzt auch wieder was ich weiß...

Die kommen alle wieder, die damals in der Versenkung verschwunden sind...

F: Weil sie die Kohle brauchen wahrscheinlich...

M: Ja warum nicht, sollen sie halt machen.

Kommen die Leute eigentlich auch öfters in Zombie-Adjustierung zu den Konzerten?

M: Also bis jetzt hat sich das noch keiner angetan. Wir haben noch keine "Juggalos" Haha!

Was haben uns die Zombies abschließend noch zu sagen?

M: Also ich möchte den Leuten echt mal unsere Videos ans Herz legen, da haben wir uns wirklich viel Mühe gegeben. Es sind drei Videos bis jetzt, eine eigene kleine Serie wenn man so will, die heißt "The Rocking Dead". Wir haben da quasi unsere Band-History verfilmt.

F: Da geht auch ein roter Faden durch, es hängt alles zusammen, und wird sicher fortgesetzt.

M: Wir sind halt am Ende schon eine sehr visuelle Band, und das Rad haben wir mit unserer Musik nicht neu erfunden, klar. Wir sind auch eher auf Festivals gut aufgehoben denk ich.

Klar, ihr spielt Death Metal mit ironischen Texten, aber wirklich Neues gibt's ja heute kaum noch zu entdecken...

M: Zumindest in der Rockmusik sind die Revolutionen schon alle vorbei.

F: Bei uns bekommen die Leute halt optisch eine Show geboten und es macht uns und den Leuten denk ich eine Menge Spaß!

Also, ganz frei nach Karl Farkas: schauen sie sich das an!


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