Carnifex - Scott Lewis

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Es war lange unklar, ob wir mit CARNIFEX noch einmal zurückkommen würden

Mit "Die Without Hope" haben sich die US-Deather CARNIFEX auch in das schwarzmetallische Segment geschmuggelt. Wir haben Sänger Scott Lewis zum Interview gebeten und mit ihm über die merkbare Soundveränderung, die Liebe zur Aggressivität und das drohende Ende der Band unterhalten.

Veröffentlicht am 28.02.2014

Hey Scott, zu Beginn ein kleines Wortspiel. Vor vier Jahren hat euch die Hölle auserwählt ("Hell Chose Me"), dann habt ihr nichts gefühl ("Until I Feel Nothing") und nun sterbt ihr ohne Hoffnung ("Die Without Hope"). Sind die Konzepte der einzelnen Alben gar miteinander verbunden?

Nein, jedes Album steht für sich selbst. Ich würde nicht sagen, dass es einen bestimmten Bogen über diese Alben gibt, aber es gibt von jedem zum nächsten eine gehörige Weiterentwicklung. Textlich als auch musikalisch repräsentiert jedes Album einen bestimmten Zeitabschnitt, schließlich sind wir als Band und als Individuen gereift. Mit jedem Album versuchen wir, neue Ufer zu erreichen ohne dabei unsere Wurzeln abzuschlagen. "Die Without Hope" ist zweifellos der größte Schritt nach vorne, den wir je mit einem Album gemacht haben. Es ist das Album, das wir schon immer schreiben wollten. Wir haben gemacht, was wir lieben und auch hören wollen.

Dieses fünfte Studioalbum ist auch das erste unter dem Banner von Nuclear Blast. Wie seid ihr zu diesem Vertrag gekommen und welche zusätzlichen Möglichkeiten bieten sich euch?

Von Nuclear Blast hatten wir immer nur das beste gehört. Als wir ohne Label dagestanden sind, haben wir uns mit mehreren Unternehmen unterhalten, aber was immer für Nuclear Blast gesprochen hat, waren die harte Arbeit, die sie reinbuttern und natürlich auch die globale Vernetzung. CARNIFEX sind schließlich auch eine globale Band mit Fans auf der ganzen Welt. Mit Nuclear Blast haben wir das perfekte Label, das unser Album auch all diesen Fans zugänglich machen kann. Sie haben einen Ruf als ehrliches und professionelles Label mit einer sensationellen Erfolgsgeschichte. Für unseren nächsten Karriereschritt wollten wir ein Label, dass auch all unsere ethischen Einstellungen akzeptiert - Nuclear Blast waren perfekt dafür.

"Die Without Hope" sticht in eurem Veröffentlichungskatalog insofern hervor, als das ihr dieses Mal richtige Black-Metal-Elemente eingebaut habt. Was war der Grund dafür?

Black Metal und Gothic Metal haben für mich persönlich einen größeren Einfluss als alle anderen Spielarten des Metal. Black Metal mag ohnehin jeder bei uns und wir haben ja auch bei den alten Alben schon leicht damit gespielt, aber noch nie zuvor solche massive Einflüsse gehabt wie auf "Die Without Hope". Wir sind an dem Punkt angelangt, an dem wir keinen Trends mehr nachjagen müssen. Wir können genau die Band sein, die wir sein wollen. Das ist auch der Grund, warum CARNIFEX eben Sachen macht, die andere Bands in unserem Genre-Fahrwasser nicht machen. Die meisten hauen noch eine Stimme und ein paar Nu-Metal-Einflüsse dazu, um ein bereiteres Publikum zu erreichen. Das ist nicht CARNIFEX und wird es auch nie sein. Wir sind eine Metalband, die Metal liebt. Wir suchen immer nach einem stärkeren, härteren Sound.

Unglaublich, aber wahr ist, dass das Album noch ein Stück aggressiver klingt als eure Vorgängerscheiben. Jagt ihr vielmehr dem möglichst perfekten und aggressivsten Sound hinterher?

Wie schon gesagt - wir wollen unsere Musik so hart und kräftig wie nur möglich pushen. Ich freue mich echt zu hören, dass du "Die Without Hope" aggressiver findest, denn genau diese Richtung haben wir mit dem Album eingeschlagen. Mit jedem neuen Album schauen wir auf uns zurück und versuchen von der Ausgangsposition aus uns zu verbessern. Das betrifft auch "Die Without Hope". Wir wollen immer noch aggressiver werden.

Im Gegensatz zu vielen anderen Death-Metal-Combos konzentriert ihr euch textlich auf soziale Probleme, Gewalt und diverse andere echte Lebensbereiche. Wäre es nicht einfacher, auf den Blood-&-Gore-Zug aufzuspringen? Oder wollt ihr bewusst eine bestimmte Message streuen?

Ich habe schon immer persönliche Texte geschrieben, die eine Bedeutung für mich haben. Über die Jahre hinweg wurde ich oft dafür kritisiert, aber ich kann einfach nur Texte schreiben, zu denen ich einen Bezug habe. Für mich sind diese Gefühle Depression, Selbstmord und ein generell dunkler Blick auf das Leben. Ich kämpfte den größten Teil meines Lebens mit diesen Problemen und ich weiß, dass es auch vielen unserer Fans so geht. Ich glaub ein wichtiger Punkt, warum unsere Fans so leidenschaftlich sind, liegt daran, dass sie sich mit meinen Texten identifizieren können. Sie befassen sich mit echten Emotionen und Gefühlen und nicht nur mit Gore und hirnloser Gewalt.

Du hast gesagt, dass du gerne DIMMU BORGIR-Shagrath oder Randy Blythe von LAMB OF GOD als Gastsänger auf dem Album hättest. Dahingehend hat sich aber nichts getan.

Das stimmt, es wäre großartig, würden die beiden mal mitmachen aber zumindest auf "Die Without Hope" hat es noch nicht geklappt. Am liebsten hätte ich ja Angela von ARCH ENEMY auf einem Album von uns oben.

Im Oktober 2012 hattet ihr kurzfristig das Ende des Tourens verlautbart, seit dann aber im Frühling 2013 wieder zurückgerudert. Hattet ihr einfach keinen Bock mehr live zu spielen?

Das ging auf viele komplizierte Gründe zurück - persönlich und geschäftlich. Als wir uns für diese Pause entschlossen haben wussten wir tatsächlich nicht, ob CARNIFEX jemals wieder zurückkehren würden. Es war völlig unklar, ob wir jemals wieder ein neues Album aufnehmen würden. Glücklicherweise ergab sich der Kontrakt mit Nuclear Blast, wodurch CARNIFEX lebendiger als je zuvor ist.

Ihr seid praktisch das ganze Jahr über on the road, was ziemlich ermüdend sein kann. Was ist das Schönste und was das Schlimmste am ewigen Touren? Werdet ihr auch in Zukunft dermaßen Gas geben?

Touren ist eine hervorragende Option den Fans nahe zu sein und wir sind dankbar, dass das bei uns so gut funktioniert. Wie bei allen Dingen im Leben gibt es natürlich auch hier Tage, wo es einfach nur furchtbar ist und man am liebsten ganz woanders wäre. Aber im Endeffekt ist Touren die einzige und beste Möglichkeit, alle Fans zu sehen und ihnen eine tolle Liveshow zu bieten. Wir geben stets unser Bestes, um Nacht für Nacht die allerbeste Performance aufs Parkett zu legen, also kannst du dir sicher sein, dass wir die nächsten zwei Jahre ordentlich mit dem neuen Album aufstampfen werden.

Letztes Jahr habt ihr Gitarrist Ryan Gudmunds durch Jordan Lockrey ersetzt. Warum das?

Ryan ist ein alter und guter Freund von uns, es gibt dahingehend wirklich überhaupt nichts Negatives zu sagen. Er hatte eine Prioritäten in seinem Privatleben gesetzt und sich darauf versteift, Jordan hingegen ist auch ein alter Kumpel von uns. Wir haben niemand getestet oder so - wir haben Jordan einfach nur gefragt, und er war an Bord. Das war vielleicht sogar der einfachste Mitgliederwechsel der Geschichte.

Nach all den Turbulenzen um euren alten Stamm-Produzenten Tim Lambesis, habt ihr eure Scheibe dieses Mal von Mark Lewis veredeln lassen. Was waren die größten Unterschiede im Direktvergleich?

Der Grund waren nicht die Probleme von Tim, wir wollten mit Mark schon im Vorfeld zusammenarbeiten. Bis wir sein Studio enterten, waren so gut wie alle Songs fertiggschrieben. Über die letzten beiden Jahre haben wir fast alles verfasst - im Studio selbst haben wir nur mehr eine Handvoll Riffs hinzugefügt.

Was für eine Meinung hast du zu Tim Lambesis und der Situation, in der er jetzt steckt?

Dazu sage ich gar nichts.

Warum habt ihr eigentlich drei lange Jahre für das neueste Album gebraucht? Im Vergleich zu eurer bisherigen Karriere mutet das fast ewig an.

Die lange Pause dazwischen war mehreren Gründen geschuldet. Wir hatten den Label-Wechsel, die längere Auszeit und wollten außerdem das allerbeste CARNIFEX-Album aller Zeiten erschaffen. In der Vergangenheit wurden wir immer in einen so dichten Terminplan gepresst, dass es uns fast unmöglich war, in Ruhe an neuen Ideen und Songs zu feilen. Wir hatten immer nur ein sehr schmales Zeitfenster zum Erschaffen eines Albums und da ist es natürlich verdammt schwierig, kreativ und gut an die Sache heranzugehen. Bei "Die Without Hope" hatten wir endlich so viel Zeit, wie wir wollten und brauchten.

Kannst du eigentlich mit der Schublade "Deathcore" leben? Viele Leute reagieren ja mit Unverständnis, wenn man diesen Ausdruck in den Mund nimmt. Was denkst du darüber?

Oh Mann, diese Frage habe ich so oft gehört - ich habe den Begriff "Deathcore" nirgendwo öfter gehört, als in Interviews mit Journalisten. Mittlerweile glaube ich sogar, dass sich ohnehin nur die Leute darauf versteifen, die Interviews führen. Ich kümmere mich nicht darum und habe mich nie darum gekümmert, in welche Nische uns jeder da draußen hineinstopfen möchte. Es verändert ohnehin nicht die Musik, die wir erschaffen.

2013 war ein hervorragendes Jahr für den Death Metal. DEICIDE, CARCASS und SUFFOCATiON sind nur ein paar Beispiele von altgedienten Heroen, die richtig starke Alben veröffentlicht haben. Was war denn dein Favorit?

Das SUFFOCATION-Album ist der Wahnsinn. Diese Jungs haben ihr Werk wirklich verstanden. Ich finde auch die neue CARCASS großartig - es ist verdammt schwer, ein spezielles Album rauszupicken.

Was sind nun eure nächsten Schritte und wann kehrt ihr für Live-Konzerte nach Europa zurück?

Im Februar haben wir bereits unseren wilden, zweijährigen Tourzyklus begonnen, der uns voraussichtlich im Juni/Juli nach Europa führen wird. Ich bin mir zudem ziemlich sicher, dass wir vor dem Jahresende noch einmal bei euch aufkreuzen werden.


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