ERL - Carcharoth & Eligius

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Wer BESTIMMT, was verpönt ist...? Das Übertreten von Grenzen ist ja der eigentliche Reiz von Black Metal und das Einzige, dem wir uns verschrieben haben, ist über Konventionen hinaus zu agieren.

Die Tiroler Black Metaller ERL bereiten mit ihrem Debutalbum die Wiederkehr des Gehörnten vor. Frontkreischer Carcharoth und Saitenhexer Eligius geben ausführlich Auskunft zum just veröffentlichten Soundtrack zur Öffnung der Höllenschlünde.

Veröffentlicht am 13.04.2014

Die Tiroler Black Metal-Horde ERL schickt sich mit ihrem Debutalbum „The Rise And Reign Of Lucifer“ an, die Wiederkehr des Gehörnten vorzubereiten. Wir baten Frontkreischer Carcharoth und Saitenhexer Eligius zum ausführlichen Interview bezüglich des just veröffentlichten Soundtracks zur Öffnung der Höllenschlünde…

ERL ist die nächste aufstrebende Black Metal-Band aus Tirol. Was waren bislang die wichtigsten Schritte für die Band?

Carcharoth (Vocals): Der wichtigste Schritt war sicherlich, eine komplette Band aus dem Nebenprojekt zu formen, als welches wir einst begonnen hatten. Nachdem wirklich einige Musiker gekommen und gegangen waren, fing ich an, gezielter zu suchen. Zu einem gewissen Zeitpunkt hatte sich dann der Sound schon so weit entwickelt, dass wir den Namen der Band in „ERL“ verwandelten, was ein sehr wichtiger Schritt für mich und die damals schon mitwirkenden SINistera (Keyboards) und Cornoctis (Bass) war. Wir haben unser Line-up 2013 komplettiert und fixiert, mit Prometheus (ex-WOLFSTHURN), Eligius (Ex-SYRUS) und Skarim (ex-PORTAE OBSCURITAS) die ideale Besetzung gefunden. In zweiter Instanz war der Abschluss der Aufnahmen zu unserem Debut-Album (zum Album-Review von „The Rise And Reign Of Lucifer“) der nächste wichtige Schritt.

Was bedeutet der Bandname?

C: Ein „strafendes“ Wesen das die Erstgeborenen in Unehre Geratener holt. Es ist die Sagengestalt die zu Bsp. Goethe zum „Erlkönig“ inspirierte.

Wie kam das Line-Up zustande?

C: Wer suchet, der findet!
Eligius (Gitarre): Carcharoth hat mich mal ganz einfach angesprochen. Ich habe mir dann ein, zwei Proben angesehen, war auf Anhieb begeistert und bin bis heute dabei.
C: So war es eigentlich auch bei den anderen. Wie schon erwähnt suchte ich gezielt nach Musikern, die zu uns passten, musikalisch und persönlich. Dass es schon so bald eine so starke Kombination werden würde, hab ich mir nicht gedacht.

Gibt es bei euch so etwas wie ein übergeordnetes Bandkonzept?

E: Impero animum meum in manum satanai.
C: Neben dem Offensichtlichen verfolgen wir eigentlich kein fixes Konzept, wir verarbeiten was uns beschäftigt, inspiriert und/oder wofür wir stehen.

Welchen musikalischen Prinzipien habt ihr euch verschrieben? Die im Black Metal oftmals verpönten Keyboards habt ihr ja integriert....

E: Wer BESTIMMT, was verpönt ist und was nicht? Das Übertreten von Grenzen ist ja der eigentliche Reiz von BM und das einzige, dem wir uns verschrieben haben, ist über Konventionen hinaus zu agieren. Genau das machen wir ja auch mit den anderen Instrumenten, wir halten uns nur bedingt an den „üblichen“ Black Metal, sofern es den überhaupt gibt.
C: Im Prinzip eine kleine Revolution gegen Richtlinien. Soundtechnisch ist bei uns alles möglich. Ganz getreu dem Leitsatz: „Do what thou wilt!“ Wir machen was uns gefällt und Keyboards bieten uns dazu vielseitige Möglichkeiten.

Welche inhaltlichen bzw. konzeptionellen Vorgaben macht ihr euch selber?

E: Wir wollen nicht nur mit der Musik in die Ohren, sondern auch mithilfe der Symbiose von visueller Darstellung und Lyrics in das Hirn der Menschen eindringen, die uns konsumieren.
C: Egal ob inhaltlich oder konzeptionell, Authentizität ist uns wichtig. Jeder empfindet Musik als „echt“ und einprägsam, wenn sie Emotionen in ihm weckt und das funktioniert am besten, wenn alle Komponenten harmonieren. Wir versuchen unsere Emotion auf die Hörer bzw. Konzertbesucher zu übertragen.

Welche Bands genießen euren Respekt?

C: Ich könnte an dieser Stelle hunderte Bands aufzählen, die mich inspirieren, da ich aber in der heimischen Szene zuhause bin beschränke ich es auf INFESTUS und ASPHAGOR.
E: Die meisten Bands, bei denen Musik und Inhalt ineinandergreifen, haben meinen Respekt. Ich finde z.B. AGRYPNIE unglaublich geil, da sie sich sehr gut darauf verstehen, die Emotionen ihrer Lyrics auf die Musik zu übertragen.

Mit welchen Bands würdet ihr euch am ehesten vergleichen?

C: Diese Frage habe ich befürchtet, aber das kann ich nicht so klar beantworten. Wir sind eine sechsköpfige Gruppe und alle haben etwas andere musikalische Vorlieben. Ich würde uns als einen homogenen Mix bezeichnen, von jedem steckt etwas im Sound, das macht es abwechslungsreich und ab und an genreübergreifend.
E: Unser Album kommt in Kürze, die Beantwortung dieser Frage überlasse ich gerne Hörern und Redakteuren von Online-Sites.

Welche andere Sprache mischt sich denn da - neben Latein - unter das Intro "The 18th Key"?

C: Henochisch, eine magische Sprache, die der Engel und Dämonen. Die henochischen Schlüssel oder auch Rufe erzielen eine mächtige Wirkung. Der 18. öffnet – richtig angewendet – die Pforten der Hölle und bringt Luzifer und seine Segnungen hervor.
(Anmerkung des Verfassers: ...aus der "Satanischen Bibel" von Anton Szandor LaVey)

Wer von euch ist denn des Lateinischen mächtig?

C: Eligius, exaudi meum!
E: Semper paratus! Ich, Carcharoth und Prometheus verstehen etwas davon, und zusammen bekommen wir hin, was wir ausdrücken wollen.
C: Nicht immer geht das im „Goldenen Latein“, Formeln, Zitate etc. ändert man nicht, so kommt es, dass manch eine Passage dem geübten Leser/Hörer unkorrekt vorkommen kann.



Wo habt ihr das Album aufgenommen?

C: Im Studio von Roland „Roli“ Wurzer (DARKWELL, TRUST No1), der neben den Aufnahmen auch gleich Mix und Master übernahm.

Die Produktion ist gut geraten. Wer zeichnet sich dafür verantwortlich?

C: Roli hat einen super Job gemacht. Es war ein riesen Vorteil für uns, auf seine jahrzehntelange Erfahrung zurückgreifen zu können.
E: Das kann ich nur bestätigen. Die Zusammenarbeit war sehr angenehm und die Aufnahmen in kürzester Zeit im Kasten.
C: Roli wusste von Anfang an was wir wollten und brachte unseren Sound genau dorthin, wo wir ihn auch haben wollen.

Wer schreibt bei euch die Songs?

C: Jeder kommt mit Ideen zur Probe, die wir dann gemeinsam be- und verarbeiten. Jeder von uns steht für das, was wir machen und das ist nur möglich, wenn jeder zu gleichen Teilen mitwirkt. Unsere Songs werden, um es so zu sagen, beim Proben erwachsen, und „reifen“ einige Zeit bis niemand mehr etwas einzubringen hat, und wir die Nummer alle für gut befinden.
E: Meiner Meinung nach stellt das einen großen Vorteil im Songwriting-Prozess dar, weil dadurch verschiedenste Einflüsse zu einem facettenreichen Sound verschmelzen können.

Sinistera und Cornoctis waren von Anfang an dabei? Hat sich der Sound mit den Einstiegen von Drummer Prometheus, Gitarrist Eligius und Sechssaiter Skarim wesentlich verändert?

C: Der Sound hat sich mit jedem neuen Bandmitglied maßgeblich dorthin entwickelt, wo er jetzt ist. Ich habe tolle Musiker um mich, die aus verschiedenen Bereichen kommen und mich immer wieder überraschen.
E: Natürlich. Bei uns bringt sich – wie gesagt – jede(r) ein und wenn man sich nicht verändert, steht man still.
C: Durch die vielen personellen Umstrukturierungen hat unser Album viel Zeit gekostet und beinhaltet mit „The Last Uprising“ einen unserer ersten Songs und eine mehrjährige Entwicklung zu „Rise And Reign“, einem unserer neuesten Stücke.

Eligius…was wurde aus deiner alten Band SYRUS?

E: Interessen haben sich auseinander entwickelt und auch die schönsten Zeiten gehen irgendwann leider zu Ende, somit ist SYRUS „verschwunden“ im Nirvana von www.metal-archives.com.

Ihr habt Texte auf Englisch, Deutsch und Latein am Start...wie kommt das?

C: Um das auszudrücken, was wir sagen wollen, ist eine Sprache zu wenig und es hat für mich eine gewisse Symbolik für das „Sprechen in Zungen“. Manches lässt sich nicht einfach übersetzen, da geht die „Message“ verloren, sowie z.B. Lateinisch eben dieses Ritualisierte gut rüber bringt. Deutsch gibt einfach viel mehr an Sprache her, und eignet sich perfekt für aggressive Lyrics.
E: … und englische Passagen fächern das Potential noch breiter. Es gibt so viele Möglichkeiten, warum nicht alle ausschöpfen, und ich finde es gibt Charakter.

Womit beschäftigt ihr euch in den Texten, welche Inhalte wollt ihr transportieren? Was sind die Hauptinspirationsquellen für die Texte?

C: Es muss raus, da kann ich gar nicht immer planen, ob ich meine Meinung zu irgendetwas in Verse fasse, mich von Crowley, Lovecraft oder sogar Nietzsche inspirieren lasse oder einfach nur meine Wut entfessle. Die „im Affekt“ entstandenen Texte versuchen wir weitestgehend in der „Urversion“ zu belassen, um die Emotion unverfälscht zu transportieren.
E: Es ist Black Metal, natürlich mit Tendenz zu satanischen Weltansichten und Dogmen, und tiefer gehen wir nicht auf dieses Thema ein, da es Stunden beanspruchen würde.

Wer ist für die Lyrics zuständig?

E: Jeder trägt seinen Teil dazu bei. Einer von uns bringt einen neuen Text, die anderen verinnerlichen ihn, segnen ihn ab oder regen zu Verbesserungen an und so läuft das, bis alle zufriedengestellt sind.
C: Dadurch entsteht eine gewisse Flexibilität. Die besten Texte entstehen durch die Verarbeitung einer eigenen Emotion, und das kann man nicht erzwingen, aber bei uns gibt es immer jemanden, der gerade die „richtige Stimmung“ zum schreiben hat.

Spielt die ländliche (und damit hauptsächlich christlich geprägte) Umgebung für euer Konzept eine große Rolle? Würde es anders aussehen, wenn ihr z.B. aus einer Großstadt kommen würdet?

C: Eine Antwort darauf wäre rein spekulativ. Fakt ist, dass es eine Sache der persönlichen Entwicklung jedes Einzelnen von uns ist, welchen Weg er für sich wählt. Auf diesem Weg war „The Rise And Reign Of Lucifer“ als Albumtitel einfach nur logisch, die geistige Entwicklung, die wir zugelassen haben.

Wie meinst du das?

C: Man entscheidet sich ganz bewusst dafür, einen individuellen Weg einzuschlagen, und man spürt, wie eine gewisse Stärke, eine Kraft in einem wächst, wie sie einen antreibt. Für mich spiegelt dieser Titel eine mentale Entwicklung von der Rebellion, die sich in einem erhebt, bis hin zu dieser Entscheidung, die einen fortan „regiert“.

Woher kommen eure Vorlieben für Feuer, Blut, Beschwörungssprüche und Gerüche? Ihr praktiziert ja live (siehe etwa die Livereports von den Shows in Innsbruck und Landeck) auch das Blutritual oder habt eure Konzerte mit Weihrauch und rituellen Zeremonien eröffnet...

E: Wie schon bezüglich unserer inhaltlichen / konzeptionellen Vorgaben gesagt: wir wollen nicht nur ein Konzert spielen. Wir wollen Emotionen transportieren und diese auch in unserem Publikum wecken.
C: Es ist die Faszination an der Magie, es kommen Bestandteile der alten „Messe Noir“ vor und auch Zitate daraus... Das Publikum soll ein Teil des Rituals sein. Ein Erlebnis, nicht nur ein Konzert. Alle Sinne sollen verzaubert werden und es jedem ermöglichen, sich mitreißen zu lassen, seine Emotionen zu schüren.

Eure Bühnenshow und -ausstattung wirkt sehr professionell, durchdacht und ansprechend. Ist bestimmt nicht ohne, das Ganze unter einen Hut und auf die Bühne zu bringen. Wie wichtig ist das optische Konzept für die Band?

E: Ja, es ist scheiß viel Arbeit. Es soll nicht nur eine Show sein, sondern, wie du oben richtig festgestellt hast, eine Zeremonie, ein Ritual.
C: Ich mag das Wort „Show“ auch nicht. Die Optik ist sehr wichtig, Von Ritualgewändern, über das riesen Metall- Backdrop bis hin zum Mikroständer, der aus den Schädeln von Sinnbildern des „Herdentiers“ gemacht ist. Es sind Symbole, z.B. für den Tod, das Ende dieses stupiden „Massen- Nicht- Denkens“. Egal wie viel Arbeit es ist, es gehört zu ERL und da ist uns kein Aufwand zu groß.

Wer hat das Album- Artwork gestaltet?

C: Es war eine Co-Produktion von SINistera, die das Booklet gestaltet hat, und Liber Ain, einem Freund der Band, der uns das kunstvolle Cover hinterlassen hat. Wir haben ihm da ganz und gar freie Hand gelassen und wurden nicht enttäuscht. Er hat den Album Titel perfekt umgesetzt und SINistera hat es „Hinter dem Portal“ super weitergeführt.
E: Als würde man das Tor durchschreiten und in unser Reich eintauchen.

Ihr habt mit dem ruhigen Abschlußtrack „Chanson De Tristesse“ neue Wege eingeschlagen...eröffnen sich da neue Aussichten?

E: Wir arbeiten bereits auf Hochtouren am nächsten Tonträger. Natürlich gibt es neue Aussichten, die aber nicht unbedingt in Richtung „Chanson De Tristesse“ gehen.
C: Da das Line-Up endlich konstant ist, zeichnet sich mittlerweile ein konsequenter Weg ab, Stichwort: Weiterentwicklung, mehr wird nicht verraten.

Gibt es Kontakte zu Plattenfirmen oder habt ihr sonstige Ideen zur Verbreitung eures Sounds?

C: Erste Kontakte sind schon entstanden, aber wir haben es da noch nicht eilig. An erster Stelle stehen Konzerte über die Grenzen unseres Landes hinaus.
E: Wir arbeiten viel und hart an neuem Sound, brüten über neuen Ideen für Musik und Visualisierung... Wir werden sehen was die Zukunft bringt.

Danke für das Interview! Checkt die Facebook-Präsenz der Band für weitere Infos.


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