Manticora - Lars Larsen

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Die Leute können sich keine kleinen Shows mehr leisten, wenn sie bei Metallica für zwei Tickets, ein paar Bier und ein bisschen Shit 300 € hinblättern müssen.

Anlässlich des bevorstehenden Wien-Gigs plaudert MANTICORA Sänger Lars Larsen über die immer tiefer werdende Kluft zwischen großen und kleinen Bands.

Text: ag
Veröffentlicht am 22.05.2014

MANTICORAist in Österreich ein Geheimtipp für Prog-Metal-Fans. Erzähl uns über die Geschichte der Band und von euren Highlights.

Nun, wir haben die Band 1996 gegründet, 1999 haben wir unser erstes Album rausgebracht, inzwischen sind es schon sieben. Wir hatten sechs Europa-Tourneen und eine Tour durch die USA und haben auch überall in Europa Festivals gespielt – und in den Staaten auch. Unsere Highlights waren definitiv unser Auftritt beim ProgPower USA mit Helloween und Gamma Ray und unsere Slots in Wacken vor zwei Jahren und beim Sweden Rock Festival. Aber auch unsere ANGRA-Tour im Jahr 2005. Das war unsere erste richtige Europa-Tournee, wir hatten jede Menge Publikum und das war eine großartige Erfahrung!

Wie wichtig ist die Virtuosität in eurem musikalischem Konzept?

Schon wichtig. Aber wir bemühen uns nicht unbedingt darum. Wir versuchen einfach nur unsere Ideen umzusetzen und dabei sicherzustellen, dass die Energie, die wir in unserer Musik spüren, in richtig gute Songs verpackt wird. Das muss dann nicht unbedingt extra-schwierig zu spielen sein. Um ehrlich zu sein – solange wir in der Band der Meinung sind, dass wir einen Weltklasse-Song produziert haben, ist alles in Ordnung.

Erzähl uns doch von den Themen, um die es in euren Songs geht.

Das ist bei uns sehr facettenreich. Von unseren sieben Alben sind vier Konzept-Alben. Die Geschichten reichen von Horror-Stories bis zu politischen Themen. Von Science Fiction bis hin zu den Problemen mit dem Älterwerden und es geht auch mal über Liebe zu unseren Kindern. Es gibt eigentlich keine Themen, die wir nicht zu Songs verarbeiten würden. Wenn es interessant genug ist, um Texte darüber zu schreiben, dann machen wir was draus. Der Anspruch, den wir dabei an uns erheben ist allerdings, dass die Texte qualitativ hochwertig sein müssen. Wir versuchen Schimpfwörter bestmöglich außen vor zu lassen und es ist auch nicht unbedingt notwendig, so richtig auf den Punkt zu kommen. Auf Englisch kannst du so schön mit der Sprache spielen, weshalb es recht einfach sein kann, fesselnde Texte zu schreiben, wenn du der Welt etwas mitzuteilen hast.

Wie sind eure Pläne für die Zukunft?

Das wichtigste ist jetzt mal, so viele Leute wie möglich zu unseren Shows der kommenden Tour zu bringen. Danach ist es höchste Zeit mit dem Songwriting für das achte Studioalbum zu beginnen. Das letzte wurde 2010 veröffentlicht, also sollten wir dringend neue Musik unters Volk bringen. Wir planen das neue Album 2015 fertig zu haben, aber versprechen kann ich das nicht. Wir arbeiten lieber an einem perfekten Produkt, als übereilt etwas zu veröffentlichen um irgendwelche Deadlines einzuhalten.

Wie sind Eure Erfahrungen mit unterschiedlichen Publikum auf der ganzen Welt? Wie steht Prog Metal da? Es gibt sehr viele Bands in dem Genre - Gibt es auch noch genug Publikum?

Es gibt definitiv nicht ausreichend Publikum für dieses kleine Genre. Es wird langsam vergessen, verloren in der Massenproduktion der big media und in der mp3 Hölle, die den Sound komprimiert und damit umbringt. Es scheint, keiner nimmt sich mehr die Zeit sich eine Stunde hinzusetzen und ein großartiges Album zu hören. Alles muss so schnell passieren, das ruiniert unsere unsere Aufmerksamkeit. Es ist deutlich schwieriger Leute für Prog Music zu begeistern, als für irgendwelche Popsongs, die dafür gemacht sind genau eines zu machen: Den Leuten schon nach dem erstenmal Hören im Gedächtnis zu bleiben. Prog funktioniert genau so nicht, fordert seinen Zuhörern viel ab und das schreckt auch einige ab.
Wie auch immer - es geht um harte Arbeit, also wenn Du darauf wartest, dass dich die Leute im Netz finden, kannst du das machen ... erwarte nur nicht, dass das Publikum auf dich gewartet hat. Du konkurrierst mit Millionen anderer Bands weltweit, bist ein Tropfen im Ozean im www.

Manticora gibt es seit 1997. Wie hat sich das Touren und das Musik Business seitdem gewandelt?

Es geht jedes Jahr um 10% runter. Runter, runter, runter. Wir sind an einem Punkt, wo neun von zehn Bands nach dem ersten Album wieder aufgeben.
Beim Touren hat sich nicht viel geändert, nur dass es scheint, dass jedes Jahr ein bisschen weniger Publikum zu den Shows kommt. Das hat aber auch damit zu tun, dass sich die Preise der großen Konzerte verdreifacht haben. Maiden, Metallica und co. müssen mehr Geld mit den Konzerten verdienen, weil auch sie weniger Alben verkaufen. Die Leute können sich die kleinen Shows weniger leisten, wenn sie bei einer Metallica Show 300 € hinblättern müssen für zwei Tickets, ein paar Bier und ein bisschen Shit.
Und es kommt dazu, dass die Leute generell nicht gerne für Musik zahlen und jetzt auch die Möglichkeit dazu haben, sich alles kostenlos zu besorgen.
Aber es öffnet auch so manche Augen und stellt sicher, dass die Leute die dabei bleiben, und die WIRKLICH Musik machen wollen, trotz schwindendem Einkommen überleben können, auch dabei Ihre Integrität einzubüßen.

Wer sind deine Lieblingsmusiker und deine musikalischen Vorbilder?

Jede Musik, die meine Auffassung von Energie so richtig rockt, ist meine Lieblingsmusik. Das kann alles sein – von Slayer bis Madonna. Meine Lieblingssänger sind: Bruce Dickinson, Russell Allen, Erik A.K., Warrell Dane, Luciano Pavarotti.

Live-Tipp: MANTICORA & SEVEN KINGDOMS, 11. Juni 2014, Replugged Wien


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