Mekong Delta - Ralf Hubert, Alex Landenburg

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Du wirst hier in die ganze Scheisse geboren ohne dass dich einer fragt und hast letztendlich die gleichen aus der Philosophie sattsam bekannten Fragen:: Woher komme ich, was bin ich und wohin gehe ich

MEKONG DELTA veröffentlichen keine leicht konsumierbaren Alben. Auch "In A Mirror Darkly", wenn auch mit einigen starken Hooklines versehen, fordert den Hörer heraus. Es will erforscht und entdeckt werden. Was könnte also spannender sein, als mit den Schöpfern des Werkes höchstpersönlich ein paar Wörtchen zu wechseln und Einblicke aus erster Hand in dieses großartige Album zu erlangen. Ralf und Alex gewähren uns und euch Einblicke in das kreative Schaffen von MEKONG DELTA. Wir wünschen viel Spaß beim entdecken.

Veröffentlicht am 04.07.2014

ST: Erst einmal vielen Dank für Eure Zeit. Seid ihr momentan arg im Promo-Stress?

Alex: Allerdings. Aber natürlich positiver Stress, wir freuen uns ja, dass so viele Interviewanfragen aus der ganzen Welt zu uns kommen.

Ralf: You are welcome.

ST: "In A Mirror Darkly" ist jetzt zum Zeitpunkt des Interviews einen guten Monat auf dem Markt. Wie sind die ersten Reaktionen bislang von Presse und Fans?

Alex : Die Reaktionen sind überwiegend top, von beiden Seiten bis jetzt. Was mich aber vor allem freut, ist dass ich viel Feedback von Leuten erhalte an denen die Band bisher eher vorbeigegangen ist. Das ist ein gutes Zeichen.

ST: Ihr sagt, "In A Mirror Darkly" ist eine thematisch lose Fortsetzung Eures letzten Werkes "Wanderer On The Edge Of Time". Auf welche Aspekte ist das genau bezogen? Gibt es einen roten Faden, der auf dem neuen Output fortgeführt wird?

Ralf: Was den meisten entgeht, ist, dass die eigentliche Story des Protagonisten ( nenn ihn Geiger, Wanderer oder wie immer du willst ) bereits auf der "Principle of Doubt" beginnt - mit dem Song 'Shades of Doom'. Dort erwacht ein Wesen / Android in einer Umgebung, die es nicht kennt und weiss weder was es ist, wer es ist geschweige den ob oder was es für eine Aufgabe hat. Diese Figur kam mir damals als Metapher für uns Menschen in den Sinn - du wirst hier auch in die ganze Scheisse geboren ohne das dich einer fragt und hast letztendlich die gleichen - aus der Philosophie sattsam bekannten - Fragen : Woher komme ich, was bin ich und wohin gehe ich.

Nun begibt sich unser Wanderer (sic !) auf die Reise, um diese Frage für sich zu beantworten. Erste Antworten erhält er in "Dances of Death", weiter geht seine Suche auf der "Wanderer...", wo er wieder Subjekte / Objekte trifft die Ihn ein Stück weiterbringen. Da diese Analogie wunderbar geeignet ist, um aktuelle politische Ereignisse in Form von Fiktionen in einen Text zu projezieren, geht es auch bei "In A Mirror Darkly" weiter mit der Sinnsuche, wobei die gesamte Story auch hier wieder eine Menge aktuell - zumindest für mich - ziemlich schwachsinniges politisches - oder von mir aus menschliches - Handeln reflektiert und in Frage stellt.

ST: Das Album klingt, zumindest für meine Ohren, ein Stück weit offener für neue Einflüsse als "Wanderer", welches ein wenig mehr an Eure basischeren Frühwerke erinnert hat. Wie seid ihr dieses Mal ans Songwriting herangegangen? Wie würdet ihr selbst das Album einordnen?

Ralf: Nun, es ist nicht so, dass ich mich hinsetze und mir vornehme "Jetzt schreib ich einen Thrash Titel"... Musik an sich ist wie ein Fluss, A ergibt B und B dann C. Was ich meine ist, wenn du mit einem Riff beginnst, gibt es zwar hunderte Möglichkeiten es weiterzuführen, aber nur 3 oder 4 sind - lass es uns einfach mal so sagen - organisch bzw. zwingend logisch. In sofern ist dir nach dem Start eigentlich - wenn du es den zu lässt - das Kommando aus der Hand genommen und die Reflektion kann erst dann erfolgen, wenn der Titel fertig ist. Als wir die Songs dass erste mal komplett gespielt haben, waren wir selbst über die Härte und das Tempo überrascht, das fällt beim komponieren nicht unbedingt auf, da du dir zwar einen Drumbeat vorstellst, dieser dann aber beim realen spielen doch ganz anders wirkt. Alle Songs sind vom formalen her klassisch aufgebaut, auch die meisten Harmoniewechsel und die Melodieführung basieren auf diesen Prinzipien. Eine Einordnung kann und will ich nicht vornehmen, da ich nicht an Stillstand glaube und daher das Album für mich nur eine logische Fortsetzung früherer Kompositionen mit mehr Wissen ist.

ST: Bei einer Band, die durch so viele Line-Up Wechsel gegangen ist wie Ihr es seid, in wie weit kann man zur Zeit von einer stabilen Besetzung sprechen? War Ralf alleine verantwortlich für das Songwriting oder konnten sich die anderen ebenso beteiligen?

Alex: Gut, dass Line-Up ist jetzt im 7ten Jahr. Bene hat zwar auf dem neuen Album nicht gespielt, das hat aber vor allem damit zu tun, daß wirklich kein Platz war für Lead-Gitarren und Erik die ganzen Rhythmus Parts schon doppelt drin hatte. Das wurde aber erst im Laufe der Produktion richtig deutlich. Live ist Bene nach wie vor am Start. Songwriting geht aber immer komplett auf Ralfs Kappe, vor allem alles was Melodieinstrumente betrifft. Bei meinen Drumparts habe ich aber Freiheiten und die hat Martin bei seinen Gesangsparts z.b. auch.

ST: Ich selbst kann mich an kein Stück in Eurem Backkatalog erinnern, welches eine solch düstere, schwere und regelrecht erschütternde Wirkung erzeugt wie "The Sliver In Gods Eyes". Was war die Inspiration hinter diesem Stück? Um was geht es und woher stammen die musikalischen, fast doomigen Ideen?

Ralf: Der Titel handelt vereinfacht gesagt von einem Gespräch zwischen dem Schöpfer ( von was auch immer ) und seiner Schöpfung, der Selbige nun doch wieder hinwegfegen will, da er sich das ja nun so gar nicht vorgestellt hatte, während seine Kreation sich auf verschiedene Arten zu rechtfertigen versucht. Der düstere Charakter kommt zum einen daher, dass ich mit Harmonien experimentiert habe, die ich sonst eher für schnelle Titel verwende, und zweitens mir bei dem Gedanken, dass wir Menschen - wenn wir uns jetzt vor einer höheren Instanz rechtfertigen müssten, klar war, wir wohl ziemlich übel wegkämen. Das ist sehr vereinfachte Interpretation, da bleibt noch ein Menge Spielraum für Anderes.

ST: Auch "Janus", wenngleich einiges thrashiger im Gesamtsound, beinhaltet getragene Momente und zum Teil sehr eingängige Parts. Was ist die Idee hinter diesem Stück?

Ralf: Zwei gegenteilige Thesen / Themen musikalisch zu verarbeiten um den römischen Gott Janus in seiner Widersprüchlichkeit zu zeigen und somit auch unsere ( der Menschen ) Widersprüchlichkeit zu erfassen.

ST: "The Armageddon Machine" basiert auf einer Art Sarabande, einem Schreittanz. Könnt Ihr dem Leser kurz Erläutern, was sich dahinter verbirgt und wie sich das im Song offenbart?

Ralf: Das ist so nicht ganz richtig, nicht der Song basiert auf einem Schreittanz, sondern der Refrain. Das interessante hier ist, dass ich die Metrik auf 4/4 ( statt auf 3/4 ) gesetzt habe und lediglich das Tempo auf die üblichen 70 - 90 gesetzt habe, was aber durch die Drums wieder aufgehoben wird. Um dem ganzen eine gewisse Würze zu geben, habe ich noch versucht diese Basis mit der Harmonie eines spanischen Fandango ( der eigentlich auch im 3/4 ist ) zu erweitern, sehr schön auf der e - guit interpretiert von Erik. Die Gesangslinie von Martin erweitert das ganze dann noch, da er eine eigene Metrik benutzt. Denk mal, das sollte als Einstieg reichen, weiter zu gehen würde dann jetzt doch etwas sehr abstrakt.

ST: Habt ihr vor, das Album auf Tour zu promoten? Was sind generell die nächsten geplanten Schritte für Euch?

Alex: Klar, das ist auf jeden Fall unsere Wunschvorstellung. Im Sommer wird es aber erstmal vereinzelte Festival- und Einzelshows geben. Wir planen im Moment mit einer Tour für Herbst.

ST: Habt ihr rückblickend eine witzige Anekdote bezüglich der Recordings, die ihr mit uns teilen wollt?

Alex: Es geht zwar bei uns sehr lustig zu, vor allem bei den Proben und Unterwegs, aber die Recordings waren eigentlich sehr straight und eher ernsthaft diesmal.

ST: Noch einmal bedanke ich mich für die Zeit, die Ihr Euch für unser Magazin genommen habt. Die letzten Worte an unsere Leser und Eure Fans gebühren natürlich Euch:

Alex & Ralf: Danke für den tollen Support über die Jahre. Auch ihr vom Stormbringer habt mich bisher in allen meinen Aktivitäten sehr gefeatured und das weiß ich sehr zu schätzen. Danke!


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