Cannibal Corpse - Alex Webster

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Wenn du dir längere Pausen gönnst, glaube ich schon, dass man als Band wohl schnell in Vergessenheit geraten könnte, das ist ja einigen unseren alten Death-Metal-Zeitgenossen passiert.

CANNIBAL CORPSE hauen mit "A Skeletal Domain" ihr sage und schreibe 13. Studio-Album auf den Markt. Wir sprachen mit Bandsprachrohr Alex Webster über Aberglauben, Produzentenwechsel, Ausnahmegittaristen und versuchten eine Erklärung zu bekommen, warum CANNIBAL CORPSE die (von den Verkaufszahlen her) wohl erfolgreichste Death-Metal-Kombo ist.

Text: Reini
Veröffentlicht am 01.09.2014

Hey Alex, euer nun schon 13. Studioalbum namens „A Skeletal Domain“ ist in der Pipeline, sag mal bist du abergläubisch?

HaHa! Nein ich bin nicht abergläubisch. Aber selbst wenn ich es wäre, ich glaube die Zahl 13 wäre eher eine Glückszahl, denn das sie uns Pech bringen würde, hauptsächlich unsere Lyrics betreffend.

„A Skeletal Domain“ bietet ja erneut Superb-High-Class-Death Metal, eine angenehme Balance aus Brutalität und – wie immer eigentlich bei euch – sehr, sehr abwechslungsreich. Ist das Songwriting bei CANNIBAL CORPSE beim 13. Werk schon etwas wie Routine, denn wenn wir uns ehrlich sind, ihr habt einfach ein weiteres Death-Metal-Album aufgenommen, wenngleich ein verdammt gutes?

Schön dass du es magst. Wir machen das ja schon ziemlich lange, natürlich spielt da eine gehörige Portion Routine mit, aber wenn es dann wirklich ans Song schreiben geht, glaube ich schon, dass wir immer neues, etwas das ein wenig anders klingt finden, sodass wir dann auch immer begeistert sind. Auch wenn das neue Album natürlich Death-Metal ist, bin ich der Meinung, dass wir einige musikalische Neuerungen eingebaut haben. Einen Track wie „The Murderer’s Pact“ hatten wir in der Vergangenheit überhaupt noch nicht und auch diverse Harmonien und Rhythmusideen hatten wir so noch nicht verarbeitet. Das mag man vielleicht nicht unbedingt beim ersten Hören herausfinden, aber da sind schon einige Sachen auf dem Album, die wir bislang so noch nicht verarbeitet haben.

Wie lange hat es denn gedauert bis ihr alle Ideen fertig auf dem Tisch hattet. Bei CANNIBAL CORPSE sind ja mit dir, Pat, Rob und auch Paul gleich vier Songwriter aktiv eingebunden, die bringen ganze Songs, haufenweise Ideen und natürlich die kompletten Lyrics mit.

Das Songwriting ging über einen Zeitraum von ca. sechs Monaten von statten, ich glaube es war August oder September 2013 als wir anfingen und im Jänner 2014 waren alle Songs fertig. Es ist natürlich sehr komfortabel, dass wir gleich vier Songwriter in der Band haben. Das hilft uns einerseits beim Zeitraum, welchen wir benötigen um neue Songs zu schreiben, aber natürlich auch mit der musikalischen Vielfältigkeit der einzelnen Songs. Wir trachten immer danach, dass jeder Track als eine eigene Komposition für sich selbst stehen kann, da ist es natürlich von Vorteil, wenn vier Gehirne daran arbeiten als z. B. nur eines oder vielleicht zwei.

Dieses Mal seid ihr ja in die Audio Hammer Studios gepilgert und habt „A Skeletal Domain“ zusammen mit Mark Lewis (The Black Dahlia Murder, DevilDriver u.a.) aufgenommen. Nachdem eure drei letzten Platten ja von Eric Rutan betreut wurden, nehme ich an, ihr wollte etwas frischen Wind, eine andere Sichtweise bei der Produktion einbringen – richtig?

Genau, das waren die ausschlaggebenden Gründe warum wir dieses Mal mit jemand anderen arbeiten wollten. Eine neue, eine frische Umgebung wo wir aufnehmen konnten und auch neue, andere Ideen des Produzenten. Erik ist ein Wahnsinns-Produzent und er hat auf den drei letzten Alben einen wirklichen Bombensound fabriziert. Der Grund warum wir dieses Mal mit Mark gearbeitet haben war daher nicht, weil wir mit Eriks Arbeit unzufrieden gewesen wären, im Gegenteil, aber wir wollten – wie erwähnt – etwas Neues ausprobieren. Wir kannten Marks Arbeit mit anderen Bands und die gefielen uns und der Wechsel in ein anderes Studio, die Arbeit mit anderen Leuten war ausschlaggebend für den neuen Produzenten. Einfach gesagt: Wir wollten was Neues probieren.

War Mark eher der aktive Produzent, der euch einen ziemlichen Input gegeben hat, oder war er eher der „Shy-Guy“, der sich lediglich darauf konzentrierte euch einen Killer-Sound zu verpassen?

Mark ist alles, nur nicht scheu HaHaHa! Er hatte in etwa den gleichen Input wie Erik in der Vergangenheit, wir haben natürlich immer unsere Meinung vertreten, aber Mark hat schlussendlich entschieden welches Setting unserer Instrumente z.B. am besten klingen würde. Es ist nicht immer leicht einen Produzenten das letzten Wort zu gewähren, aber letztendlich vertraust du ihm und bist dir sicher er weiß wovon er spricht und er macht schlussendlich ja auch nur seinen Job.

Ich meine, Pat und seinen not from this earth-Guitar-Solos sind auf dem neuen Album schon mehr als atemberaubend ausgefallen, du hast ja „The Murderer’s Pact“ schon angesprochen!). Ich kann mich noch erinnern als Pat für ein paar Shows bei SLAYER eingesprungen ist. Es war in Wien am 7. April 2011 (seine zweite Show mit SLAYER, weil Garry Holt mit EXODUS unterwegs war!) und Pat played the shit outta Kerry King. Hattet ihr zu diesem Zeitpunkt vieleicht Angst ihr könntet Pat an SLAYER verlieren?

Yeah, Pat hat auf dem neuen Album tatsächlich einen fantastischen Job abgeliefert, sowohl was das Songwriting betrifft, als auch von seinen Solis her. Aber wirklich Angst ihn zu verlieren hatten wir damals nicht. Sollte je einer unser Bandmitglieder eine ähnliche Möglichkeit haben, würden wir ihm alles Gute wünschen und wir wären wirklich allesamt glücklich über seine neue Position. Natürlich ist Pat unglaublich und es wäre wohl auch verdammt schwer ihn zu ersetzen, aber schlussendlich würden wir einen Weg finden um ohne ihn weiterzumachen sollte er sich einmal entschließen CANNIBAL CORPSE zu verlassen. Jeder in dieser Band ist ein verdammt wichtiges Mitglied, das bedeutet aber auch, sollte einer von uns sich entscheiden auszusteigen, würde das eine immense Herausforderung sein adäquaten Ersatz zu finden. Bislang kamen und kommen wir fünf aber gut miteinander aus und ich glaube, so wird es wohl auch in der nahen Zukunft sein.

Was interessant ist: CANNIBAL CORPSE sind wohl die (Brutal)Death-Metal-Band, die am meisten Tonträger ever verkauft und das schon seit Jahren, wenn nicht sogar seit Jahrzehnten. Hast du einen rationale Erklärung warum ihr so erfolgreich seid, gerade wenn wir jetzt die Verkäufe eurer Alben betrachten?

Ich glaube wir hatten einfach verdammt viel Glück und wir untermauerten dies durch harte Arbeit und wir sind uns immer treu geblieben. Wenn ich von harter Arbeit rede meine ich beides, künstlerisch und natürlich auch was das Touren anbelangt. Wir sind dem Death-Metal in unserer ganzen Karriere treu geblieben und wir haben auch nie aufgehört zu arbeiten, wir haben uns in unserer langen Karriere keine einzige gröbere Auszeit genommen, schau dir einfach beides, unsere Diskografie und auch unsere bisherigen Konzerttourneen an, dann weißt du was ich meine. Wenn du dir längere Pausen gönnst, glaube ich schon, dass man als Band wohl schnell in Vergessenheit geraten könnte, das ist ja einigen unseren alten Death-Metal-Zeitgenossen passiert. Unsere Fans haben stark auf unsere Verlässlichkeit gesetzt und sind uns über lange Jahre treu geblieben, gerade diese Loyalität wissen wir ungemein zu schätzen. Der Support der Fans ist sowieso das Wichtigste und wir sind in der glücklichen Lage diesen Support immer wieder genießen zu dürfen.

Alex, ich bedanke mich für deine Zeit.

Thanks so much for the interview, can’t wait to return to Europe to tour!
Cheers, Alex


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