TRUCKFIGHTERS - Oskar "Ozo" Cedermalm & Niklas "Dango" Källgren

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Er lag da wie ein Käfer auf dem Boden und hat geblutet wie ein Schwein - Bei den TRUCKFIGHTERS verursacht Freundschaft auch mal Schmerzen...

Mit ihrem fünften Album "Universe" haben es die Stoner/Fuzz-Fetischisten TRUCKFIGHTERS aus dem beschaulichen Örebro endgültig in die größeren Hallen geschafft. Sänger/Bassist Oskar und Gitarrist Niklas bilden ein seit 13 Jahren undurchdringbares Gespann, dass auch im Stormbringer-Talk durchaus an ein altes Ehepaar erinnert. Doch obacht! Wo sich andere Bands die Erinnerungen aus den Hirnwinkeln blasen, klettern die TRUCKFIGHTERS ihre Karriereleiter grundvernünftig hoch.

Veröffentlicht am 03.11.2014

Szene Wien, 29. Oktober 2014, die TRUCKFIGHTERS empfangen mich zum launigen Gespräch. Die erste Überraschung? Hier wird auf die gute alte DIY-Mentalität Wert gelegt, denn der vom Veranstalter angekündige Tourmanager ist niemand Geringerer als Sänger und Bassist Oskar "Ozo" Cedermalm. Was der gute Mann sonst noch so alles macht, erfährt ihr im Interview. Gitarrist Niklas "Dango" Källgren öffnet neben mir den Kühlschrank im Backstage-Bereich, um sich ein stilles Wasser herauszuholen: "Wie du siehst, bleiben die Biere unberührt, das Wasser ist aber schon vor unserem Auftritt so gut wie weg". Oskar bietet mir eine dunkle Schokolade an - das MacBook des "Business-Man" ist stets geöffnet und zum Arbeiten bereit.

Leute, wenn ich euren Bandnamen höre, denke ich immer unweigerlich an Steven Spielbergs Regie-Debüt „Duell“, wo ein Trucker einen Autofahrer jagt. Ist euch der Film bekannt?

Niklas "Dango" Källgren: Nein, das muss ich sofort googlen (lacht). (Googlet den Film auf seinem MacBook und verliert sich kurz in staunende und begeisterte Selbstgespräche - Anm. d. Verf.) Kennst du „Convoy“ mit Kris Kristofersson? Der ist auch genial (lacht).

Okay, was ist dann die Lösung für den Terminus TRUCKFIGHTERS?

Oskar "Ozo" Cedermalm: Wir haben den Namen eigentlich von einer Buchserie, die in den späten 70er-Jahren herausgebracht wurde. Ziemliche beschissene Werke. Also ein Buch davon hieß „Truckfighters“ – es gibt eine Serie von 15 bis 20 Büchern, die allesamt von verschiedenen Autoren verfasst sind. Ich glaube zwei habe ich, aber die Zeit war nicht da, alle zu lesen.
Niklas: Auf der schwedischen Version von Ebay war einmal die ganze Serie zu kaufen. Oskar hat sie gesehen, aber nicht gekauft. Als ich darauf gekommen bin, ist die Auktion schon ausgelaufen (lacht).

Schon euer Logo schreit nach den 70er-Jahren. Was ist denn für euch so besonders an dieser Dekade?

Oskar: Ich habe mir unheimlich viele 70s-Rockbands angehört, bin aber natürlich zu jung, um ein Teil dieser Szene gewesen zu sein. Damals hat der Hard Rock noch hart gerockt.
Niklas: Es begann ja eh schon in den 60ern, aber das war noch nicht so hart.
Oskar: Damals ging es noch viel mehr um die Musik, heute ist viel Geld im Spiel und die Industrie hat Überhand genommen.
Niklas: Heute kann doch jeder in seinem Schlafzimmer eine Platte aufnehmen – damals hast du noch viel Geld gebraucht, um das bewerkstelligen zu können.
Oskar: Sie waren früher auch viel bessere Musiker, die haben Platten in drei Tagen eingespielt. Heute kannst du so viel tricksen und niemanden fällt es auf (lacht).
Niklas: Ich würde vielleicht nicht sagen, sie wären bessere Musiker gewesen, aber heutzutage muss die Musik nicht unbedingt zu 100 Prozent so von den Musikern eingespielt worden sein. Sie waren einfach unheimliche Songwriter, heute kann ein Studio alles für dich machen. Damals gab es diese Möglichkeiten einfach noch nicht.

Andererseits war es damals aber viel einfacher, etwas Neues, noch nie Dagewesenes zu erschaffen.

Niklas: Das stimmt absolut. Für einen Underground-Musiker ist das heute die allergrößte Herausforderung, etwas Eigenständiges zu finden.

Was macht denn die TRUCKFIGHTERS einzigartig?

Niklas: Keine Ahnung (lacht). Wir haben keine Regeln und sind in keinem bestimmten Genre verhaftet. Wir machen einfach, was aus uns strömt und offenbar funktioniert das bislang. Ich glaube, das ist auch der Schlüssel.

Der Link zwischen all euren Songs ist „Fuzz“ – warum habt ihr diesen totgeglaubten Sound wiederbelebt?

Niklas: JIMI HENDRIX war der erste. Aber stimmt, Fuzz war fast ausgestorben. Heute wird der Stil aber wieder etwas populärer, weil sich alle auf die alten Heroen berufen. Es ist ein ganz eigener Bass- und Gitarrensound, den du nicht einfach nur spielen kannst. Du musst ihn lernen und auch kontrollieren können. Wenn ich einem anderen Musiker meine Gitarre und mein Fuzz-Pedal borgen würde, würde er das trotzdem nicht auf die Reihe kriegen, weil du genau wissen musst, wie du das bedienst und kombinierst.

Da ihr ein eigenes Studio besitzt, hält sich der Stress bei den Aufnahmen in Grenzen. Wie lange werkelt ihr an einem Song, bis ihr zufrieden seid?

Oskar: Zwischen einen Tag und zehn Monaten (lacht).
Niklas: Für unser aktuelles Album „Universe“ hatten wir einen Song schon sehr früh fertig, aber zwei Jahre später klang er plötzlich ganz anders, weil wir ihn noch einmal geändert haben. Manchmal kann das schon dauern.
Oskar: Der Schlüssel ist, nichts zu erzwingen. Wenn du merkst, eine Idee geht in die Sackgasse, wirf sie weg! Klammere dich nicht daran, das kostet nur Zeit und Mühe.
Niklas: Wir hatten auch so viele Drummerwechsel, das nimmt dir so viel Energie und Herzblut für den kreativen Prozess.

Warum habt ihr dieses SPINAL TAP-Schicksal?

Niklas: Frag Enzo. (Der Drummer steht gerade zufällig daneben und frisiert sich die Rockabilly-Matte, nachdem er sie mit frischer Pomade eingeseift hat. Er beantwortet die Frage, bevor er sich mit einem frischen Wasser wieder auf den Weg vor die Bühne macht, wo die Steirer und TRUCKFIGHTERS-Entdeckung WITCHRIDER für Begeisterung sorgen - Anm. d. Verf.)
Axel "Enzo" Larsson: Naja, Oskar und Niklas zocken jetzt seit 13 Jahren zusammen und haben schon längst eine bestimmte Vision. Ich denke, dass es nicht einfach ist jemanden zu finden, der Schritt halten kann und den Weg bedingungslos mitgeht. Bei mir funktioniert es wohl, weil ich es gewohnt bin und auch schon viel getourt habe. Das macht alles einfacher, weil man den Stress auf Tour kennt. Deshalb bin ich die perfekte Wahl. Ich bin nett, sehe gut aus und rieche sogar gut (lacht).
Oskar: Als wir angefangen haben, ging es noch zu 100 Prozent um die Musik – bedauerlicherweise ist dieser Schnitt jetzt auf etwa 70 Prozent gesunken, weil wir auch Geschäftliches zu erledigen haben. Merchandise betreuen, verkaufen, das Label betreuen – das kostet viel Zeit. Anfangs waren die Drummer auf unserem Niveau, nämlich ganz tief unten. Für uns war das wie ein Spiel, wir wollten nur ein bisschen zocken und fertig. Jetzt haben wir natürlich schon viele Erfahrungen gesammelt und viele Drummer haben diese Entwicklung mit uns nicht geschafft. Außerdem erledigen wir auf Tour immer Geschäftliches – das verstehen viele Musiker nicht.
Niklas: Es hat auch mit der gestiegenen Popularität der TRUCKFIGHTERS zu tun. Wir haben versucht, etwas abzugeben, indem wir letztes Jahr ein Management installiert haben, aber jetzt machen wir doch wieder alles selbst. Zumindest können wir uns ein paar Leute für die Administration mieten, sonst würde es wohl wieder fünf Jahre bis zum nächsten Album dauern.

Kam ein Major-Label für euch nie infrage? Rein von eurer Popularität her müsste das doch möglich sein.

Oskar: Wir hatten schon für „Universe“ viele Angebote von renommierten Plattenfirmen. Wir denken immer darüber nach und wenn ein Label uns wirklich einmal viel Geld bietet, werden wir vielleicht auch schwach. Aber wir sind keine „Ja-Sager“. Es muss schon alles passen und man darf uns nicht verbiegen. Wenn du zum Beispiel einen weltweiten Deal von Sony Music bekommst, ist das nicht automatisch gut. Wenn du keine Priority-Band von denen bist, kriegst du kaum Promotion und in vielen Ländern kriegt man nicht mal deine CD. Da ist es gleich besser, wenn wir es selber machen.
Niklas: Wir sind zum Glück recht fit dabei, die Vorhaben von Menschen zu erkennen. Es ist relativ schnell klar, ob jemand wirklich an uns und unsere Musik glaubt, oder uns nur als eine Art finanzielle Milchkuh betrachtet. Es muss nicht die schlechteste Entscheidung sein, sollten wir auch das nächste Album wieder selber rausbringen.

Habt ihr denn Angst vor Kontrollverlust?

Oskar: Ja, das ist wirklich so.
Niklas: Andererseits wäre es doch toll, etwas davon zu verlieren. Dann läge der gesamte Fokus wieder stärker auf der Musik.
Oskar: Wir sind letztes Jahr draufgekommen, dass wir für das gleiche Geld, das wir für ein Management bezahlen, auch Leute für gewisse stressige Zeiten mieten können. Was machst du dann? Nuclear Blast hat mit einem Typen begonnen, 25 Jahre später bezahlt der Leute für Auftragsarbeiten und hat kaum Fixangestellte. Das gleiche mit Napalm Records. Ich habe gehört, dort läuft das auch nicht anders. Was ist jetzt also der richtige Weg? Ich kenne die Lösung auch nicht – wir werden das in drei Jahren sehen.
Niklas: Es kommt immer alles auf den Zeitdruck zurück. Wenn wir in vier oder fünf Jahren vielleicht noch populärer sind, brauchen wir einen gefinkelten Typen, der uns viel ermöglich und alles in die Wege leitet. Das lässt sich aber noch nicht voraussagen.

Ihr tourt im Prinzip fast konstant und habt neben den TRUCKFIGHTERS ja auch noch euer Label Fuzzorama Records. Das kann sich doch alles niemals ausgehen.

Oskar: Viele Bands auf Tour spielen ihren Gig, besaufen sich massiv und schlafen dann den ganzen Tag. Im Prinzip bist du etwa eine Stunde auf der Bühne und hast eine Stunde Soundcheck. Es bleiben dir also immer noch 22 Stunden vom Tag auf Tour. Ich habe hier mehr Zeit als zuhause. Dort wollen wir auch Zeit mit unseren Freundinnen und Kindern verbringen. Ich sehe Touren eigentlich als große Möglichkeit, in Ruhe arbeiten zu können.

Fällt es euch nicht schwer, die Kids für Touren immer zu verlassen? Ihr seid ja wirklich häufig unterwegs.

Niklas: Aber nicht doch. Als wir das erste Mal für sechs Tage weg waren, hat sich das wirklich lange angefühlt, aber jetzt ist das Gewohnheit. Natürlich ist das „Ciaosagen" zu deinem Kind immer beschissen, aber das ist unser Job, es gibt keine Wahl. Es gibt viele Jobs, wo die Leute nicht zuhause sind. Ein Segler, ein Astronaut oder wer auch immer.

Manche Musiker packen ihre Kids auch ein.

Niklas: Sollten wir weitere 13 Jahre relativ erfolgreich unterwegs sein, dann finden wir vielleicht auch einen Weg, die Familie stärker einzubauen. Vielleicht spielen Kosten dann keine Rolle mehr und wir haben einen Nightliner mehr.

Im Gegensatz zu vielen anderen trinkt ihr auch kaum Bier.

Niklas: Ein bis zwei Bier alle zwei Shows. Das ist so der Schnitt. Andere Bands hauen sich die Hucke mit zehn Bieren pro Nacht voll.
Oskar: Ich habe sowieso für mich beschlossen, auf dieser Tour überhaupt nichts zu trinken. Es ist doch schön, an einem Freitagabend ein Relax-Bier zu trinken, wenn du von der Tour nachhause kommst. Auf Tour kann ich aber nicht relaxen. Es ist kein Problem, Bier zu trinken, aber man muss es nicht übertreiben. Ein Hangover am nächsten Tag hält dich nur auf.
Niklas: Trinke ich zwei Gläser Rotwein, bin ich am nächsten Tag schon verwirrt, bei zwei Flaschen kannst du mich wahrscheinlich vom Boden kratzen (lacht). Wir sind nicht mehr so superjung, aber klar, als wir 23 waren ging’s bei uns auch anders zu, aber da hatten wir auch weniger Verantwortung. Wir haben jetzt Familie, Kinder, eine Firma und eine Menge Fans, die wir nicht enttäuschen wollen.

Hat sich euer Leben in irgendwelchen Bereichen verändert, seid ihr zunehmend an Popularität gewinnt?

Niklas: (lacht) Das einzig Vorteilhafte ist, dass wir keine anderen Jobs mehr machen müssen, aber mit der Band und einem Label wird dir nicht fad.
Oskar: Mehr als zehn Jahre lang mussten wir nebenbei auch noch Jobs machen, aber die TRUCKFIGHTERS sind unser Lifestyle.
Niklas: Wir haben einfach weniger Druck, wenn uns jemand nach einem Gig fragt. Heute sagst du einfach „ja, machen wir“. Da müssen wir nichts mehr mit anderen Jobs abstimmen. Das ist schon schön. Mein Daheim ist auch mein Job und das passt mir ganz gut.

Hattet ihr damals gute oder eher beschissene Jobs?

Niklas: Ich war ein Soundtechniker und dachte immer, das wäre großartig. Aber als wir auf Tour waren habe ich erst gemerkt, wie mühsam das sein kann (lacht).
Oskar: Ich hatte einen ziemlich guten Job. Ich habe in einem Jugendcenter gearbeitet, aber es war dann etwas langweilig. Die Kids haben sich verändert, aber du hast mit ihnen Fußball gespielt, Filme geschaut, Sachen unternommen – es war einfach eine fade Routine. Es gab da keine Evolution.

Aber in einer Band verkommt doch auch vieles zur Routine?

Oskar: Das schon, aber wir spielen stets größere Shows, schreiben neue Songs und werden immer von unerwarteten Ereignissen überrascht. Das ist schon anders.
Niklas: Aber es ist auch beim Songschreiben gefährlich. Ich nehme mir auch immer vor, mich voll zu fordern und aus der Komfortzone rauszugehen, ertappe mich aber oft dabei, dass ich auch gerne den leichten und schnellen Weg nehme. Eine gefährliche Sache.
Oskar: Ich habe aber vor Konzerten schon meine Rituale. Der Gitarrengurt muss so und so lang sein, der Fuß muss zuerst auf die Bühne etc. Wenn etwas nicht immer gleich ist, dann werde ich nervös. Die Spontanität kommt dann wirklich erst auf der Bühne.
Niklas: Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier und rundherum bei Auftritten wollen wir natürlich auch immer alles so haben, wie wir es gewohnt sind. Wir waren unlängst in Kanada und unsere Instrumente blieben im Flugzeug zurück, also mussten wir uns was borgen. Allein schon, dass die Gitarre nicht gleich wie sonst von mir runterhängte, hat mich schon verrückt gemacht. Das klingt ein bisschen wahnsinnig, ist aber Tatsache.

Euch sagt man schon länger nach, „die beste Liveband der Welt“ zu sein. Bringt das Druck mit sich?

Oskar: (lacht) Das ist uns völlig egal.
Niklas: Es ist natürlich schön zu hören, aber es ist uns wirklich egal. Wir geben einfach immer unser Bestes und wenn das klappt, dann ist es gut.
Oskar: Es ist uns wichtig, immer etwas besser als zuvor zu machen. Wenn ich das nicht probieren würde, könnte ich doch gleich aufgeben.

Also kennt ihr auch das Gefühl von richtigen beschissenen Shows?

Niklas: Natürlich – Mann, wir spielen seit 13 Jahren (lacht).
Oskar: Oft spielen wir furchtbar schlecht und die Leute sind trotzdem aus dem Häuschen, weil auf der Bühne einfach viel Energie herrscht und Schweiß fließt. Das heißt aber nicht, dass wir alle Töne getroffen haben. Da ist die Perspektive zwischen mir und Publikum ganz anders.
Niklas: Den Druck machen wir uns nur selbst. Der Druck von außen ist eigentlich ziemlich verschwunden über die Jahre.
Oskar: Mir ist schon wichtig, dass unsere Performance richtig gut ist, aber ich mache mich deshalb nicht wahnsinnig.
Niklas: Die Nervosität ist eigentlich weg, das gibt’s nur mehr sehr selten. Vielleicht noch bei den ganz großen Festivals wie Sonisphere oder Pukkelpop, wo wir das erste Mal am Start waren. Wenn da an die 7.000 Leute vor der Bühne stehen und die im Festivalprogramm unter TRUCKFIGHTERS lesen: „Das ist die beste Live-Band der Welt“, dann ist zittern angesagt (lacht). Dann willst du oft wirklich Bäume ausreißen und das kann daneben gehen.

Habt ihr bestimmte Vorbilder im Musikbusiness, wenn es um starke Liveshows geht?

Niklas: Da fällt mir nur NIRVANA ein.

Deren Shows waren aber eher selbstzerstörerisch.

Niklas: Diese Kraft und Energie, diese Kompromisslosigkeit – das ist unerreicht.
Oskar: Ich hatte nie den Ansatz, irgendjemanden für seine Live-Show zu bewundern. Ich konzentriere mich lieber auf uns selbst. Wenn du einmal ein paar Shows hinter dich gebracht, findest du deinen Weg. Dann wirst du es gewohnt und besser.
Niklas: Auch bei mir hat es etwas gedauert, bis ich bei Livekonzerten das Tier in mir erwecken konnte. Bei der allerersten Show war das auch eher Stehgeigerei. Ich war damals auch schnell müde, weil ich meine Energie schon nach zwei Songs verblasen hatte. Heute schauen wir schon drauf, dass wir unsere Kondition für ein ganzes Set sparen können.

Habt ihr euch auf der Bühne schon mal verletzt?

Oskar: Schon einige Male.
Niklas: Manchmal hauen wir uns unabsichtlich die Gitarren- oder Basshälse auf den Schädel.
Oskar: Ach du scheiße, das erinnert mich an Spanien. Ich habe meinen Bass während einer Show am Boden auf die andere Seite geschleudert, aber da lag gerade Niklas, bewegungsunfähig wie ein Käfer, beim Solieren mit der Gitarre und er hat mein Instrument voll auf den Schädel gekriegt (lacht). Er hat geblutet wie ein Schwein. Einmal wollte ich auch stagediven und landete am Boden – das hat doch zu wenige Leute interessiert, was ich da vorhatte (lacht).
Niklas: Ich habe das mal in Australien probiert. Da waren zwar genügend Leute, aber einer wollte mich zurück auf die Bühne schupfen. Ich bin dann gegen so eine Barriere gekracht, die sie vor die Bühne gebaut haben. Das hatte monatelange Rückenschmerzen zufolge.
Oskar: Konstante Schmerzen befinden sich im Genick oder bei bestimmten Muskeln. Das liegt am Headbangen und dem Bedienen der Instrumente.

Wie kommt ihr eigentlich untereinander aus, wenn ihr seit 13 Jahren fast permanent zusammenhängt?

Niklas: Wir haben über die Jahre gelernt, uns richtig zu benehmen, denn mit den Jahren merkst du auch, wie du prekäre Situationen verhindern kannst. Wenn mal jemand einen Scheißtag hat, wird da nicht viel Aufhebens darum gemacht, denn das passiert ja allen einmal.
Oskar: Soll ich jetzt auch was dazu sagen? (lacht)
Niklas: Wir haben vor zehn Jahren mit Sicherheit mehr Kämpfe ausgetragen als heute.
Oskar: Wir haben vor den Shows kaum mehr Anspannungen und das macht das Zusammenarbeiten wesentlich leichter.
Niklas: Außer heute, hier in Wien. Da gibt’s Stress wegen der Setlist. Normalerweise stellt einer von uns dreien vor dem Gig eine zusammen, heute hat das irgendwie nicht funktionert (lacht). Wir haben selber keine Ahnung, was wir spielen werden.

Aber irgendjemand muss doch einmal das letzte Wort haben.

Oskar: Üblicherweise zwinge ich mich dazu, das letzte Wort zu haben, weil meine Stimme noch am ehesten unersetzbar ist. Bass kann ich problemlos zwei Stunden lang spielen, aber wenn du vier Wochen auf Tour bist, musst du die Stimme schon gut konditionieren.

Was war denn jetzt – mit Ausnahme der Drummer-Wechsel – ausschlaggebend dafür, dass „Universe“ heuer erst nach fünfjähriger Pause erschien?

Oskar:
Wir spielen konstant an die 100 Shows pro Jahr und machen eigentlich nie eine Pause, die länger als ein paar Wochen dauert. Würden wir uns mal zwei bis drei Monate auf das Daheimbleiben konzentrieren, könnten wir ein Album sicher fertigstellen. Es ist ein immerwährender Prozess. Du musst dich jedes Mal aufs Neue motivieren und wenn du dauernd unterwegs bist, wird das zusehends schwieriger.

Was kann denn nach einem Album wie „Universe“ noch kommen? Größer geht’s ja eigentlich nicht mehr.

Niklas: Was soll da noch kommen? Das schwarze Loch vielleicht (lacht). Möglicherweise drehen wir alles um und werden wesentlich minimalistischer. Ich hoffe, wir haben im Jänner und Februar endlich einmal Zeit dafür, da wir noch nichts geplant haben.
Oskar: Vielleicht sollten wir die Zeit wirklich fürs Songschreiben reservieren und nicht wieder auf eine Tour aufspringen? Dann könnte es nächstes Jahr wirklich ein neues Album geben.

Ihr habt also noch nichts Neues verfasst bis jetzt?

Oskar: Wir haben eine ganze Menge in unserem Studio aufgenommen. Unfertige Sachen, Riffs, Verse, Strophen – alles buntgemischt und chaotisch und nichts davon ist fertig.

Würdet ihr gerne mal mit anderen schwedischen Musikern zusammenarbeiten?

Oskar: Nein, so ein Manager-Typ hat uns mal vorgeschlagen, dass wir uns Songs schreiben lassen sollten, aber das kommt für uns nicht in Frage. Höchstens Drummer Axel, wenn er Lust hat (lacht). Ich weiß nicht, warum wir uns Songs schreiben lassen sollten? Vielleicht würden wir einen neuen Input bekommen und es wäre spannender, aber ich glaube, wir kriegen das selber viel besser hin.
Niklas: Wir sind beim Songwriting einfach so viel besser geworden. Ich mag wirklich alle unsere Alben, weil sie die verschiedenen Phasen unseres Lebens sehr gut wiederspiegeln. Ich bin mit der gesamten Diskografie sehr zufrieden.

Umgekehrt – würdet ihr daran interessiert sein, Musik für andere Bands zu verfassen?

Oskar: Das wäre extrem cool. Ich würde gerne Musik für einen Film schreiben, das wäre doch cool.

Für ein Remake von „Duell“?

Niklas: (lacht und wirft sofort wieder sein MacBook aus dem Standby-Schlaf - Anm. d. Verf.) Es gibt doch schon „Duell 2“ – das ist sicher ein völlig herzloser Mist. Insofern müssen wir uns also eine andere Filmidee suchen.


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