Primordial - A. A. Nemtheanga

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In welche Genres wir jetzt gepackt werden, das überlassen wir dann doch lieber euch Journalisten, den Message Boards oder dem Social Networking-Klatsch!

A. A. Nemtheanga charismatischer Frontman von PRIMORDIAL, Workaholic und immens zugänglicher Zeitgenosse in Personalunion, sprach mit uns über das neue PRIMORDIAL-Meisterwerk "Where Greater Men Have Fallen", den Versuch PRIMORDIAL in eine bestimmte Schublade zu stecken und erklärte uns die Tatsache, warum für PRIMORDIAL in nächster Zeit eine längere Tour nicht in Frage kommen wird.

Text: Reini
Veröffentlicht am 24.12.2014

Hi Alan! Zuerst mal Gratulation zum neuen Album, eurem achten insgesamt. Wie würdest du „Where Greater Men Haven Fallen“ in eurer langen Karriere sehen – meiner Meinung nach ist speziell der Sound etwas breiter geworden, auch härter und das Gesamtwerk ist ein bisschen obskurer, aber immer noch PRIMORDIAL to the bones!

Da würde ich dir zustimmen, der Sound ist erwachsener, härter und ein bisschen mehr von den 70ern als den 80ern inspiriert, wenn du mich fragst. Wir wollten mehr Tiefe und dieses Live-Feeling besser einfangen. Es ist zwar ein wenig sonderbar schon bei Album Nummer acht angelangt zu sein, aber es ist wie es ist, the train keeps rolling. Manchmal hatten wir zwar unsere Schwierigkeiten, aber wir haben durchgehalten.

Für mich ist ja „Where Greater Men Haven Fallen“ das Highlight des Jahres, aber besonders der eröffnende Titelsong und der letzte Track („Wield Lightning to Split the Sun“) sind irgendwie außerirdisch geworden, auch weil sie das komplette Album herrlich einrahmen.

Das verstehe ich, das Album ist eine dunkle Reise und der letzte Track endet auf einer einfachen, erhebenden optimistischen Note kombiniert mit dem natürlichen Thema in den Texten, das machte durchaus Sinn, es hinterlässt einen gewissen Eindruck auf die Menschen. Die Wahl der Tracklist ist in dieser Hinsicht wichtig.

Es ist ja nicht üblich, dass wir Journalisten auch die Lyrics eines Albums vorab zur Verfügung gestellt bekommen. Glücklicherweise haben Metal Blade Records dies bei „Where Greater Men Haven Fallen“ aber getan. War das deine Idee oder vielleicht sogar eine Voraussetzung, dass auch die Presse vorab sich in deine Texte einlesen konnte?

Es hat einfach Sinn gemacht, auch weil mich immer so viele Journos wegen der Lyrics gefragt haben. Das heißt natürlich auch, dass ich die ganze Geschichte nicht immer und immer wieder erklären muss, weil die leute halt was falsch interpretiert hätten usw. Übrigens, das machen wir schon seit Jahren so!

Soweit ich das interpretieren konnte, gibt es ja diesmal kein Konzept hinter den Lyrics, also anders als bei „Redemption At The Puritan's Hand“, welches euer Todesalbum war oder bei „To the Nameless Dead“.

Nicht direkt, da hast du recht. Oft suchst du dir ja einen Anfangspunkt was die Lyrics angeht und im Studio verändern sich die dann auch noch und plötzlich kommst du drauf, dass du das ja auch als Ganzes, als Einheit betrachten kannst. Es gibt ein loses Konzept bei ein paar Songs, die alle gegen Ende des 19. Jahrhundert bis zum 1. Weltkrieg angesiedelt sind und Themen wie zerstörte Hoffnungen, leere Versprechungen, tote Politik usw. behandeln. Was mir wichtig war, ich haben die Sachen aus der Perspektive von 2014 betrachtet, also gut 100 Jahre nach dem Krieg. Aber es gibt auch einen Tracks über William Blake, institutionellen Kindesmissbrauch durch die Kirche, den Arabischen Frühling und westliche demokratischen Ideale. Ich ließ die Dinge diesmal ein wenig mehr offen als noch in der Vergangenheit.

Kannst du schon sagen, ob es nächstes Jahr eine komplette PRIMORDIAL-Tour hier in Europa geben wird und wenn ja lieber als Headliner oder eher als Support einer größeren Tour?

Kann ich noch gar nicht sagen, wir planen derzeit eher nur so Wochenendgeschichten und ich glaube mehr wird 2015 auch nicht kommen. Zumindest jetzt gibt es keinen Plan länger auf Tour zu gehen, ich hasse diese Montage, Dienstage… auf Tour um ehrlich zu sein. Ich bin ja auch fest der Meinung, dass dieses „alte Touring Modell“ etwas aus der Mode gekommen ist. Wenn du uns mal an einem Montag irgendwo vor vielleicht 134 Leuten gesehen hast, wird das wohl nicht mehr so schnell passieren. Die Leute werden schon reisen müssen um uns zu sehen und nicht – wie in der Vergangenheit – umgekehrt. Dafür wirst du eine angemessen lange Show bekommen und es werden auch starke Support-Bands am Start sein. Sollte uns aber wirklich was großes angeboten werden, dann werden wir uns das definitiv anschauen, derzeit sieht es aber nicht danach aus.

Wenn man über PRIMORDIAL spricht kommen ja immer wieder die Bezeichnungen Celtic, Black. Folk, sogar Pagan und/oder Extreme Metal aufs Tablett. Ich nenn es ganz simple PRIMORDIAL-Metal, auch weil ihr es im Laufe der Jahre geschafft habt euren ureigenen Sound zu finden. Ich schaff es locker aus 1000 verschiedenen Bands PRIMORDIAL herauszuhören. Bist du auch ein klein wenig stolz, dass ihr euch so etwas wie eine eigene Nische erarbeitet habt?

In welche Genres wir jetzt gepackt werden, das überlassen wir dann doch lieber euch Journalisten, den Message Boards oder dem Social Networking-Klatsch. Ich kümmere mich darum ehrlich gesagt überhaupt nicht. Wir ziehen diesen Sound jetzt schon über Jahre durch und wie du erwähnt hast, haben wir unseren Sound gefunden. Mit manchen dieser Kategorisierungen kann ich mich mehr, mit manchen wieder weniger anfreunden, für mich persönlich ist es einfach Metal und sonst nichts!

Alan, du hast PRIMORDIAL, zusammen mit Simon O'Laoghaire (Drums) bist du bei den Doomern von DREAD SOVEREIGN federführend, die Metal-Supergroup TWILIGHT OF THE GODS nicht zu vergessen und mit J. Read und Chris Ross gibt es das Monster namens BLOOD REVOLT. Zusätzlich bist du A&R Representative für Metal Blade Records und hast dein Poison Tongue Label auch noch. So ganz nebenbei schreibst du für das ZERO TOLERANCE Magazin und neuerdings auch für das DEAF FOREVER. Ist all das unter einen Hut zu bekommen wirklich derart stressig wie es auf dem Papier schon aussieht?

Ja und Nein! Ich bin manchmal ein Workaholic, glaube ich zumindest oder anders gesagt: Ich bin süchtig nach Stress, Kreativität und auch danach all das zu managen. Ich war gerade auf einer zweiwöchigen Tour mit DREAD SOVEREIGN, kleine Venues, geschlafen haben wir im Van und das Merch haben wir auch selber verkauft, keine Duschen usw. Die Leute fragen mich oft Warum? Darauf antworte ich dann „Das ist genau das was ich tun will, was wir tun wollen“. Ich werde das solange durchziehen solange ich die Energie und die Luft dazu habe, weil ich auch genau weiß, irgendwann wird dieses Pensum nicht mehr möglich sein.


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