Papa Roach - Tobin Esperance

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„Wir kamen im Studio an ohne davor was geschrieben zu haben und meinten nur ,Hey, wir hätten 'ne Idee, probieren wir es doch einfach aus' – so haben wir es auch gemacht und alle fanden es gut!“

Vor fast 15 Jahren veröffentlichten sie ihr erstes Album „Infest“ und jetzt zu diesem Anlass ihr achtes Studioalbum: PAPA ROACH zeigen sich mit „F.E.A.R.“ von einer ganz neuen Seite. Bassist Tobin Esperance spricht über das Aufnehmen des neuen Albums und das anstehende Jubiläum.

Text: Lora
Veröffentlicht am 30.01.2015

„Face Everything And Rise“ – kannst du mir etwas über den Zusammenhang zwischen dem Titel eures Albums und der Entstehung, also wie es aufgenommen wurde, erzählen?

Tobin: „Face Everything And Rise“, das entstand aus etwas, was Jacoby im Studio an die Wand geschrieben hatten: „F.E.A.R.“ Ich wusste anfangs nicht so recht was er damit wollte, auch wenn ich ihn gefragt habe. Er hat selbst irgendwie damit gearbeitet und als der erste Song fertig war, dachten wir, dass das gar kein schlechter Titel dafür sei, auch nicht für das ganze Album. Allgemein geht es darum, sich seiner Ängste bewusst zu werden, damit umzugehen, ein Licht am Ende des Tunnelns zu sehen. Und eben darum wie man Wege findet über sich hinauszuwachsen, um sich so seiner Ängste zu stellen, sich die Gelegenheiten schaffen um Dinge zu tun die man noch nie getan hat, das Beste aus sich selbst zu machen und so weiter.

Was hatte es genauer mit dem Ablauf des Aufnehmens auf sich, wie wurde das Album aufgenommen?

Tobin: Es war ganz anders als das, was wir bisher gemacht haben. Wir haben mit neuen Produzenten gearbeitet von denen wir bisher nicht so viel wussten. Wir hatten davor auch nicht viel geschrieben oder vorbereitet - bis wir zu Kevin und Kane Churko ins Studio kamen. Normalerweise verbringen wir vorher immer viel Zeit miteinander, probieren was aus, experimentieren rum, aber diesmal sind wir einfach so in das Studio gekommen und haben gesagt: „Hey, wir hätten eine Idee, lasst uns das einfach mal so probieren“. Wir haben Verschiedenes aufgenommen, angehört und es war wirklich gut. Wir haben Riffs ausprobiert, weitere Ideen dazugewonnen, es an Jacoby weitergegeben, er hat die Texte dazu geschrieben, wir haben an einem nächsten Song gearbeitet… Wir waren ziemlich schnell, aber dennoch unglaublich effizient und es war einfach total anders als bisher – aber es hat wahnsinnig gut funktioniert.

Also hängt der Titel „Fear“ im Sinne von „nicht wissen was passieren wird“ mit der Entstehung des Albums zusammen?

Tobin: Das ist definitiv eine Weise, wie man es interpretieren kann. Aber ja, wir waren alle wirklich nervös und etwas verängstigt. Wir haben als Band schon viel gemeinsam erlebt aber für uns war es wirklich komisch im Studio anzukommen und nicht zu wissen, ob wir was schaffen oder ob wir keinen Erfolg haben werden. Aber wir hatten wirklich sehr kreative Leute um uns herum und konnten absolut fokussiert und konzentriert arbeiten, ganz ohne große Ablenkung. Wir hatten viele Inspirationen und haben gut zusammengearbeitet. Wir haben das erste Mal mit Kevin Churko gearbeitet und es hat wirklich Spaß gemacht, Feedback mit vielen Inspirationen von ihm zu bekommen.

Ihr habt das Album in Las Vegas mit Kevin und Kane Churko aufgenommen. Beide haben schon mit OZZY OSBOURNE, IN THIS MOMENT, FIVE FINGER DEATH PUNCH und weiteren zusammengearbeitet. Die Stile dieser Musiker sind absolut verschieden. War diese Vielseitigkeit ein Grund für die Zusammenarbeit?

Tobin: Nein, die Stile dieser Musiker haben uns eher weniger beeinflusst, ich höre diese Musik ehrlich gesagt auch so gut wie nicht. Wir wollten mit Kevin arbeiten, weil seine Records relativ hart und schwer klingen. Wir wollten etwas in der Richtung ausprobieren und dachten uns „Warum nicht?“ Wir haben schon immer mit vielen verschiedenen Leuten zusammengearbeitet, unsere bisherigen Aufnahmen entstanden immer aus verschiedenen Situationen heraus mit verschiedenen Produzenten in verschiedenen Studios. Wir wollten so einfach ein wenig Spaß haben, eine Chance nutzen und dabei Neues lernen.

Nach eurem Album „The Connection“ wart ihr rund zwei Jahre auf Tour. Danach habt ihr euch dazu entschieden in Las Vegas das neue Album aufzunehmen. Du hast gesagt, ihr habt konzentriert und effizient gearbeitet. Aber ganz ehrlich: funktioniert sowas in Vegas?

Tobin: Um ehrlich zu sein wollten wir es eigentlich nicht in Las Vegas aufnehmen und haben auch versucht, es nicht dort zu machen. Aber der Produzent wollte es unbedingt bei sich in Vegas machen, schließlich ist sein Studio dort und für ihn ist es am besten dort zu arbeiten. Aber ehrlich gesagt ist es manchmal gar nicht so schlecht weg von zu Hause zu sein: Zu Hause möchte man immer die ganze Zeit mit Freunden und Familie verbringen. Und letztendlich war es mit einer Flugstunde gar nicht so weit weg von Vacaville, wir sind also an den Wochenenden nach Hause. In Vegas haben wir den Strip gemieden, nicht so viel gefeiert – wir haben uns lieber voll und ganz auf das Album konzentriert. Wir haben früher schon oft die Erfahrung gemacht, dass man, wenn man sich bei so etwas nicht direkt darauf fokussieren kann, viel Zeit, Energie und auch Geld verliert. Das wollten wir vermeiden.

Meiner Meinung nach habt ihr bei eurem neuen Album viel mit Antithesen gearbeitet. Harte Riffs und Rhythmen kombiniert mit etwas elektronischem Sound, sehr melodischen Parts, etwas dramatischerem Sound und sogar Rap. Es ist irgendwie eine Art „hart vs. nachdenklich“. Ihr bezeichnet es ja auch als euer bisher positivstes Album. Wie stehst du dazu?

Tobin: Ja, es hängt viel mit guten Gitarrenriffs, melodischen Teilen und so weiter zusammen. Wir wollten das Beste aus unseren Facetten machen. Ich denke wir haben das gut hinbekommen und vieles vereint. Sowohl Melodischeres als auch unsere bisherigen Rap-, Hip Hop-, Metal-, Rock-Elemente vermischt mit elektronischem Sound. Wir vereinen viele verschiedene Musikstile, es macht uns einfach Spaß im Studio Musik zu machen. Das war auch schon immer so.

Wie sieht es denn mit den Texten aus? Von wem werden sie geschrieben, was hat es damit auf sich?

Tobin: Jacoby schreibt die Lyrics, die Band die Musik. Aber die Musik entsteht immer zuerst. Wir haben die Ideen, Jacoby hört sie sich an und schreibt die Texte dazu. So machen wir das aber eigentlich schon immer. Bei jeder Band ist das total verschieden, aber bei uns ist es eigentlich immer so, dass wir zuerst die Musik schreiben und Jacoby danach die Texte schreibt. Er schreibt die Texte darüber, was um ihn herum passiert, was er erlebt, was ihm durch den Kopf geht. Also Dinge, die man nicht nur mit ihm, sondern wirklich mit jedem verbinden kann. Er schreibt zum Beispiel über Momente von Angst, Ärger, Mut… Die Lyrics des neuen Albums sind wieder komplett anders, sie sind fokussierter, hoffnungsvoller und spiritueller. Es soll an das „Licht am Ende des Tunnels“ erinnern.

2015 ist das 15-jährige Jubiläum euers Albums „Infest“. Habt ihr geplant etwas Neues herauszubringen und dieses Album so zu feiern?

Tobin: „Infest“ war unser erstes Album, es kam gut an, die Leute lieben es. Wir können damit über die letzten 15 Jahre zurücksehen, das ist eine unglaublich lange Zeit. Es ist super als Band zu sehen wie lange und gut die bisherige Zeit war. Für uns bedeutet es wirklich viel, dass wir immer noch weitermachen und auch weitermachen wollen. Wir wollen auf jeden Fall für das Jubiläum von „Infest“ etwas Besonderes machen.

„Infest“ war euer erstes und gleichzeitig erfolgreichstes Album? Wie geht ihr damit um? Im Internet findet man ein deutsches Review über „Metamorphosis“ in dem der Autor schreibt, dass es hart für euch werden könnte, mit so einem enormen Erfolg umzugehen und weiterzumachen.

Tobin: Nach „Infest“ haben wir einige Veränderungen durchgemacht. Ich war damals erst 19 oder 20 und keiner von uns hat den wahnsinnigen Erfolg wirklich erwartet. Zu sagen, so etwas würde einen nicht verändern, wäre falsch. Wir hatten anfangs vor dem Album in einer gewissen Hinsicht nichts und danach plötzlich alles, das kann einen psychisch doch stark beeinflussen. Aber da mussten wir durch und einfach auch daraus lernen. Wir mussten vor allem Lernen, uns selbst nicht zu verlieren. Ich denke der Grund, warum wir immer noch Musik machen ist, dass wir durch „Infest“ immer den Anspruch hatten, etwas Besseres zu machen, etwas Neues auszuprobieren, uns selbst herauszufordern, uns anzutreiben und das Bestmögliche zu machen. Wir hatten auch immer mal wieder schlechtere Phasen und wir haben auch etwas herausgebracht, was nicht gut ankam. Die Musikindustrie hat sich verändert, vor allem in Hinsicht auf Musik und Technik. Wir mussten lernen mit verschiedenen Reaktionen und Phasen umzugehen. Aber ich bin stolz darauf, dass wir das so gut gemeistert haben und auch 15 Jahre später noch Musik machen.

Wie fühlt es sich an nach so langer Zeit immer noch so erfolgreich zu sein? Die Band wurde 1993 gegründet, du bist 1996 dazugekommen, 2000 wurde „Infest“ veröffentlicht – das ist eine wahnsinnig lange Zeit!

Tobin: Es ist ein unglaublich großer Teil meines Lebens. Es ist eine verdammt lange Zeit aber es ist das, auf das ich am meisten stolz sein kann. Aber es gab einfach noch keine Phase die mich und die Band irgendwie gestoppt hätte. Vor allem der kreative Aspekt der Musik, die Herausforderung gute Songs zu schreiben, der Kontakt mit den Fans, die Live-Shows – das sind Punkte, die uns immer noch herausfordern, uns darüber nachdenken und diskutieren und uns leidenschaftlich und fokussiert weitermachen lassen. Es gab in unserer Karriere auch schlechtere Phasen, in denen wir auch teilweise selbst an der Situation schuld waren, aber es wurde immer wieder gut. Und genau das fühlt sich einfach gut an.

Das Review zum Album "F.E.A.R." gibt es hier


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