Apocalyptica - Mikko Sirén, Paavo Lötjönen

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Wir haben uns selbst nie irgendwelche Vorgaben gemacht, oder uns an ein striktes Format gebunden

APOCALYPTICA zählen seit nunmehr fast 20 Jahren nicht nur zu den kuriosesten, sondern auch zu den beliebtesten Bands des internationalen Metal-Zirkus. Dabei hat sich die Band im Laufe der Jahre immer wieder selbst neu erfunden, und den eigenen Stil mit neuen Elementen angereichert. Nunmehr steht das neue Album "Shadowmaker" in den Startlöchern, und Cellist Paavo und Drummer Mikko standen uns im Wiener Addicted To Rock-Store freundlicherweise für ein geselliges Interview dazu zur Verfügung.

Veröffentlicht am 16.04.2015

APOCALYPTICA zählen seit nunmehr fast 20 Jahren nicht nur zu den kuriosesten, sondern auch zu den beliebtesten Bands des internationalen Metal-Zirkus. Dabei hat sich die Band im Laufe der Jahre immer wieder selbst neu erfunden, und den eigenen Stil mit neuen Elementen angereichert. Nunmehr steht das neue Album "Shadowmaker" in den Startlöchern, und Cellist Paavo und Drummer Mikko standen uns im Wiener Addicted To Rock-Store freundlicherweise für ein geselliges Interview dazu zur Verfügung.

SB: Hallo Jungs, vielen Dank dass ihr euch die Zeit nehmt für das Interview! Ihr seid gerade auf Promotour zum neuen Album, dass am 17. April 2015 erscheinen wird. Macht's euch noch Spaß, das Album zu promoten?

MS: Haha, ja, uns geht's großartig - denn das Album fühlt sich noch immer wie etwas an, auf das wir richtig stolz sind, obwohl wir schon seit Ende November fertig sind.

PL: Aber wir haben erst kürzlich die erste physische Kopie des Albums erhalten, also freuten wir uns darüber dann nochmal riesig.

SB: Wie lange dauerte denn der Songwriting-Prozess für das Album?

MS: Ich würde sagen, so etwa ein Jahr.

PL: Ja, wir haben auch den letzten Song erst ganz kurz bevor wir ins Studio gegangen sind finalisiert.

MS: Ja, der erste Song war etwa im Oktober 2013 fertig.

PL: Und der ganze Produktionsprozess hat ebenfalls recht lange gedauert. Wir haben letzten August begonnen, und der Mix war im Januar fertig.

MS: Das lag auch daran, dass wir sehr präzise gearbeitet haben, und mehr als je zuvor schon zu Beginn der Arbeiten ein klares Ziel gesetzt haben und Regel festgelegt haben, wie das Album entstehen sollte. Und das war noch alles bevor wir überhaupt ein Plattenlabel oder einen Producer oder soetwas hatten. Und alles wurde von uns vieren selbst gemacht. Das ist auch ein Mitgrund, warum wir so stolz drauf sind - weil's einfach "UNSER" Ding ist! (lacht)

SB: Das leitet mich gleich zu meiner nächsten Frage! Ihr seid ja bei Eleven Seven Records jetzt...

PL: Das betrifft tatsächlich nur Amerika! In Europa laufen wir eigentlich über unser eigenes Label und Management. Es ist überall ein bisschen anders. In Finnland und Mexico laufen wir etwa über Sony.

SB: Wie läuft denn der Vertrieb über das neue Label, seid ihr damit glücklich?

MS: Naja, das wird sich alles erst noch zeigen, aber wir sind mit der Ausgangssituation schon mal sehr glücklich. Wir hatten auch schon recht lange mit den Arbeiten am Album begonnen, als wir dann endlich die Deals unterschrieben haben, aber das Label hat uns da insoweit vertraut auf der künstlerischen Seite, und wir vertrauen ihnen daher auf der Business-Seite. Wir haben also keine A&R-Person oder sowas die uns sagen würde, was wir zu tun hätten. Wir haben die Zügel selbst in der Hand, sozusagen.

SB: Ihr seid ja auch schon sehr lange im Business unterwegs! Ich glaube, das Debütalbum wurde ja 1996 veröffentlicht, also seid ihr schon fast 20 Jahre im Geschäft. Der Sound von APOCALYPTICA hat sich dabei im Laufe der Jahre doch deutlich verändert. Ihr habt mehr als eine Instrumentalgruppe mit Klassik-Fokus begonnen, nun seid ihr eher eine typische Rock-Band geworden in mancher Hinsicht durch die Hinzunahme von zum Beispiel einem Drummer oder auch Sängern. Waren diese Veränderungen etwas, das sich natürlich ergeben hat für euch, oder waren das schon gezielte Maßnahmen, um vielleicht auch neues Publikum zu erreichen?

PL: Also die Grundidee hat sich nicht verändert. Die Grundidee war immer, Rock-Musik mit Cellos zu spielen. Und wir haben immer Rock-Elemente im Sound gehabt, wie zum Beispiel Distortion. Das war der Ausgangspunkt, schon im ersten Album. Es hat sich dann einfach noch weiter entwickelt.

Es ist glaube ich auch eine Charaktereigenschaft von APOCALYPTICA. Wir haben uns selbst nie irgendwelche Vorgaben gemacht, oder uns an ein striktes Format gebunden. Es hieß nie: "Das ist eine Band, die nur Metallica covert" oder "Das ist eine Band, die irgendwelche anderen Metal-Sachen mit Cellos nachspielt."

Dieses Image haben uns eher manche Leute anfangs verpasst. Aber APOCALYPTICA hat tatsächlich nie zu lange in einem bestimmten "Format" existiert. Die Metallica-Sache war zum Beispiel nur ein Album. Und das dritte Album war dann schon eigenes Material. Und danach kam der erste Vokalist. Dann die Drums. Und so ging's weiter.

MS: Ja, die Änderungen kamen einfach daher, dass wir, als Kern der Band, uns weiterentwickeln wollten, und neu herausfordern wollten. Damit wir nicht irgendwo mit einer bestimmten Sache stecken bleiben. Also einfach weitergehen, und interessant bleiben!

PL: Es ging uns einfach darum, Musik für uns selbst zu machen und die Art von Musik, die wir auch selber lieben.

SB: Auf dem neuen Album habt ihr ja auch einen neuen Sänger. Er ist ja Amerikaner...

MS: Las Vegas, genau! Was in Las Vegas passiert, bleibt in Las Vegas! (lacht)

SB: Seine Stimme hat für mich einen deutlichen Southern Rock-Touch, und es gibt dem ganzen Album auch einen gewissen "amerikanischen" Sound. Habt ihr da spezifisch danach gesucht, nach dieser Art Sound oder dieser Art von Sänger?

PL: Wir wollten einen Sänger, der einerseits Rock und Metal singen kann, aber andererseits auch eine sensiblere Seite hat, und das ist schwierig für jeden Sänger, das komplette Spektrum abzudecken. Manche Sänger sind echt gute Shouter, aber tun sich dann schwer damit, die ruhigeren Parts richtig gut rüberzubringen. Aber Franky (Perez) bringt das alles mit.

MS: Es war auch nicht unser Ziel, jetzt unbedingt einen Amerikaner als Sänger zu haben, oder einen "Southern Rock"-Sound... Wir wollten einfach den bestmöglichen Sänger haben.

Wir wollten aber auch nicht diesen Typ von "heroischem Spandex-Metal-Sänger" haben, das passt nicht so wirklich zu unserer Musik.

Wir wollten einfach einen Typ, der wirklich nach "Rock" klingt, und nicht nach Spandex-Müll. (lacht)

Das war wirklich wichtig für uns, und eben der Ausdruck in den ruhigen Momenten. Dann klingt Franky auch am besten. Seine Stimme hat einfach Wiedererkennungswert.

Wir hatten übrigens auch eine Audition... also keine öffentliche, aber wir haben uns schon mehrere Sänger aus verschiedenen Ländern angehört.

PL: Wir haben alle unsere Freunde und Bekannte kontaktiert und um Empfehlungen gebeten, und hatten dann letztlich 20 Kandidaten, aus denen wir ausgewählt haben. Da waren Schweden dabei, Engländer, Amerikaner... also von überall her.

SB: Das Album selbst erinnert mich etwas an das Songwriting von PAIN OF SALVATION. Kennt ihr die Band? Eine schwedische Prog-Rock-Truppe?

MS: Hm, nein, nicht wirklich!

PL: Wer singt da?

SB: Daniel Gildenlöw.

MS: Nein, sagt mir nichts... aber dann werd ich wohl mal reinhören müssen! (lacht)

SB: Wird Franky Perez eigentlich längerfristig euer Sänger bleiben?

MS: Nein, also er ist jetzt kein permanentes Mitglied von APOCALYPTICA. Aber er wird mit uns auf Tour gehen, was den Vorteil hat, dass die Fans die neuen Songs mal so hören können, wie sie auch auf dem Album sind!

PL: Ja, bislang war es ja bei uns live oft der Fall, dass wir uns quasi selber gecovert haben! (lacht)

Er ist ein supernetter Typ, und wir können richtig gut mit ihm arbeiten. Er ist einfach ein Musiker - kein Rockstar. Und das ist wie bei uns. Wir wollen einfach Musik spielen.

SB: Ihr habt ja sehr viele Gastmusiker im Laufe der Jahre gehabt; was waren denn für euch so die herausragendsten Gäste auf euren Alben?

MS: Vielleicht Corey Taylor, ich glaube der war für mich der beste Rocksänger der "großen" Bands. Aber natürlich auch Franky Perez, weil er nun eben auch irgendwie zu "uns" gehört!

Aber Corey hat einfach eine absolut großartige Stimme. Und auch Nina Hagen, das war sehr einzigartig!

PL: Für mich Dave Lombardo damals, aber wir haben natürlich mit Mikko jetzt einen großartigen eigenen Drummer! (lacht)

SB: Ihr werdet ja mit dem neuen Album auch wieder nach Österreich kommen - am 12. Oktober werdet ihr im Gasometer spielen. Ihr wart ja auch schon öfters hier, auch am Nova Rock; wie gefällt euch Wien und Österreich, welche Erinnerungen verbindet ihr mit unserem Land?

PL: Zuerst muss ich sagen, dass die Gasometer-Helle eine richtig gute Halle ist europaweit, in dieser Größenordnung, so bis drei, dreieinhalb tausend Leuten? Die ist echt fantastisch, und ihr könnt euch glücklich schätzen, eine Solche Venue zu haben. In Helsinki zum Beispiel haben wir sowas nicht...

Klar gibt's die Arena-Größen bei uns, aber die haben nicht mehr dieses Metal-Club Feeling, und das hat der Gasometer schon noch.

SB: Gibt's da nicht die Kabelfabrik?

PL: Ja, aber das ist wirklich nur eine große Fabrikshalle; keine wirklich auf Konzerte abgestimmte Venue. Es ist immer eine Freude dort zu spielen, weil die Bühne groß genug ist für eine gute Show, alle Leute können gut sehen, es gibt gutes Licht.

MS: Auch das Publikum da war immer großartig.

SB: Gerade vorhin habt ihr ja noch ein Interview gehabt, mit einem Kollegen von einem echten Klassik-Magazin. Inwiefern unterscheiden sich diese Interviews von jenen, die ihr Metal-Magazinen wie uns gebt?

MS: Ihr habt beide gemeinsam, dass ihr Musikliebhaber seid. Ihr seid hier wegen der Musik, und daher sind die Interviews eigentlich ziemlich ähnlich! Im besten Fall sind die Interviews so, eben mehr eine natürlich Konversation, und nicht so diese typischen Interviews.

SB: Was sind denn die "typischen Interviews"?

MS: Naja, Interviews wo jemand sich seine Fragen auf ein Blatt Papier geschrieben hat, und diese dann mechanisch abarbeitet, so á la: "Frage Nummer eins. Frage Nummer zwei."

Und selbst wenn du eigentlich auf eine spätere Frage schon vorher im Laufe des Gesprächs geantwortet hast, stellen sie die dann trotzdem nochmal, haha. Einfach ein wenig unflexibel. (lacht)

PL: Ein echtes Gespräch ist einfach netter als nur so ein Frage-Antwort-Spiel.

MS: Ja, die sind auch inspirierender.

SB: Wir haben ja schon über das Bandjubiläum gesprochen - 20 Jahre APOCALYPTICA. Habt ihr da schon etwas besonderes geplant zur Feier?

MS: Ja!

SB: Und könnt ihr uns schon etwas darüber erzählen?

MS: Nein! (lacht)

SB: Haha, verstanden! Aber ihr habt ja schon andere spezielle Events gemacht, wie etwa 2013 die "Wagner Reloaded"-Show in Leipzig, mit einer opulenten Produktion. Wie kam das denn zustande, ist da jemand an euch herangetreten, oder ging da die Initiative von euch aus?

PL: Das kam von einem Choreographen des Berliner Ballett! Es war seine Idee, und er hat diese ganze Show konzipiert. Es war ursprünglich geplant, Teil der Festspiele in Bayreuth zu sein; der Stadtradt hatte ihn gebeten, eine solche Show zur 200-Jahre-Jubiläumsfeier zu konzipieren. Aber es war dann doch zuviel für das Bayreuth-Festival.

SB: Zu viel "Metal" oder einfach nur allgemein "zu opulent"?

MS: Das war ja sehr kontroversiell! Denn das Skript zeigte Wagner nicht unbedingt im besten Licht, sonder zeigte auch die dunkle Seite von ihm. Und die Intendanten von Bayreuth sind natürlich Wagners Erben, und die sind da auch super-konservativ, da kam das nicht so gut an.

SB: Ja klar - also wir haben denke ich einiges an spannendem Material für unsere Leser, habt ihr noch eine Nachricht an die Fans in Österreich und im deutschsprachigen Raum?

MS: Ja - checkt unbedingt das Album! Ich denke, es ist das vielseitigste APOCALYPTICA-Album bisher! Es hat alles, was wir über die Jahre erlebt haben; von traditionellen, klassischen Cello-Parts, über extreme Metal-Parts bis hin zu modernen Rock-Songs mit Vocals. Und wir möchten das natürlich mit unseren Fans, die uns über die Jahre begleitet haben, teilen.

PL: Und man sollte auch definitiv das komplette Package besorgen - es gibt eine Version mit Artbook, und man kan das wie eine "Backstory" zur Musik lesen. Und es gibt eine Art Storyline durch das Buch...

MS: Die Story ist aber nicht so sehr in den Songs vermittelt, sondern eher im Buch, aber wir sind sehr stolz auf das Gesamtkonzept, da die Idee dazu auch von uns stammt.

PL: Das Artwork und die Story vermitteln ein Gesamtbild... aber es ist nicht zu offensichtlich. Der Hörer soll herausgefordert werden, und seine eigene Interpretation haben. Denn jeder hört Musik und liest Lyrics in einem individuellen Kontext.

Ich würde daher unbedingt diese Version mit dem Artbook empfehlen, um die Gesamterfahrung zu haben!

SB: Alles klar, klingt spannend - wir freuen uns aufs Album und danken für das Interview!


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