Call The Mothership - Jörg Varga & Patrick Kubin

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Willst du Kohle machen, darfst dich nicht auf den Underground stürzen, so is es leider.

Sänger und Gitarrist über die Entstehung von Call The Mothership und Metal in Österreich. Wen darf man und darf man nicht verpassen in unserem schönen Alpenland (außer dieses Interview)?

Veröffentlicht am 26.04.2015

Patrick, Jörg, danke dass wir uns hier in diesem [Insert American Coffee Shop Company here] treffen konnten. Meine erste Frage geht - wie soll's anders sein - auf euren Bandnamen ein. Wie seid ihr darauf gekommen?

Varga: Call The Mothership...Kubin, weißt du, warum wir so heißen?

Kubin: Aaaah..jo..

Varga: (lacht) es gibt eigentlich keine spezielle Story zu dem Namen. Zuerst wollten wir uns Orbital Strike nennen, weil gerade in Sci-Fi-Games ist, ja die Idee vom Orbitalschlag das Bedrohlichste und ein sehr finites Ende. Also wirklich nicht vom Flugzeug, sondern aus bedrohlicher, unersichtlicher Höhe. Unsere ersten Nummern, die wir geschrieben haben, waren ja auch die Härteren, das hat also gut gepasst. Nur war uns Orbital Strike dann zu Thrash-metalig, also dachten wir uns: Ok gut, es wäre spannend etwas zu wählen, das die Leute direkt anspricht und etwas Großes ist. Und da sind wir - Gitarren-Michi, Schlagzeug-Michi und ich - nach langer Diskussion und einer langen Liste an Namen auf Call The Mothership gekommen. Ein Mutterschiff, das ist ja in Sci-Fi-Filmen nicht grad was Kleines, sondern larger than life. Noch dazu ist der Name wie ein Kommando und so entsteht eine Kombi aus Größe und Panik.

Da passt ja außerdem euer Genre gut dazu, aber wie kommt man auf Earthcore? Was ist Earthcore?

Kubin: Das ist von Forever In Decay eigentlich oder?

Varga: Ja die sind die Urheber von dem Genre. Ziemlich coole, anfangs Metalcore-/Deathcore-, dann später Djentband aus Graz, die gibt's aber leider nicht mehr.

Kubin: Sie waren sehr gut, auf jeden Fall.

Varga: Und denen ist halt das ganze Genreding ziemlich am Arsch gegangen, mit dem "Seid ihr jetzt Death- oder Metalcore? Oder Djent?". Da haben die gesagt: Fuck it, wir machen unsere eigene Schublade und nennen's Earthcore. Auch mit einem feinen Wortwitz, und als die Band aufgehört hat und unsere gestartet, hab ich gefragt - vor allem weil wir ja auch einen Mix aus allen möglichen Einflüssen spielen - ob wir das Genre übernehmen dürfen, und ja, seitdem ist's Earthcore.

Live-Gigs habt ihr ja noch gar keine gehabt, kommt da noch was?

Varga: We will see!

Kubin: I glaub wir sind körperlich gar nicht in der Lage, des live zu spielen.

Ah, probt ihr die Lieder also gar nicht durch - so traditionell - sondern nehmt die direkt auf?

Varga: Das erste Album (of cold fusion and light mass), das wir geschrieben haben - die Michis und ich - haben wir im Proberaum geschrieben, ganz traditionell gejamed und die erste EP hat der Michi produziert, aber auch nur unter der Supervision der Band. Das war dann die Aeternitas. Das jetzige Album schreiben wir eigentlich in unserem Studio. Da sitzen wir wirklich zusammen, Michi an seiner Battlestation, und ich komm mit einem Songkonzept und arbeite das mit den einzelnen Bandkollegen - die ja alle Experten auf ihrem Gebiet sind - aus. Wir haben ja im Vorhinein schon ein Albumkonzept und eine Story und nach dem gehen wir - auch bei den Lyrics. Ein Wochenende und ein Song ist fertig aufgenommen.

Kubin: Nur Gesang nehmen wir extra auf.

Varga: Gesang machen wir extra, weil's nix bringt, wenn jeder da ist, wenn nur 2-3 was zu tun haben.

Kubin: Und dieses Album ist so geschrieben, damit wir's auch live umsetzen können.

Varga: Ja teils-teils. Ich lass mir das nicht nehmen, das ich bei manchen Songs Surrealismen einbaue, die man live nicht umsetzen könnte.

In Österreich haben's ja alle Genres schwer wirklich bekannt zu werden, aber was fehlt vor allem im extremen Bereich?

Kubin: Es fehlen zum Beispiel - meiner Meinung nach - Konzerne wie in Deutschland Impericon, so was gibt's bei uns halt absolut gar nicht.

Varga: Ja und auch die geografische Lage ist ein riesiger Punkt, weil wenn du als Band in Europa tourst, kommst du nicht an Deutschland vorbei, es ist einfach ein riesiger Fleck mitten in Europa und deswegen funktionieren die auch besser, weil da viel mehr durchkommt. Österreich ist halt da zu klein, und grad einen Tick zu weit im Osten. Je weiter du in den Osten gehst, desto geringer wird die Kaufkraft und desto weniger geben die Leute für Merch, CDs, Konzerte aus, und umso weniger kannst du als Band hier erwarten. Außerdem fehlt's an Leuten, die sich hergeben und das Ding supporten wollen. Am Ende der Supportline steht keine große Belohnung oder der Durchbruch, sondern einfach nur Gratifikation und das ist für viele zu wenig.

Kubin: Bei den Booking Agenturen sind halt auch viele auf Gewinn aus und nicht auf Support.

Varga: Es gibt solche und solche. In Wien gibt's Booker die nehmen sich gar nichts raus, die schauen nur, dass die Kosten gedeckt sind und der Rest geht an die Bands, zum Beispiel Return The Favor Booking, oder die Seite vom Schmatzinski, Fistcrew Booking, der ist ein Heiliger! Der supportet alles, was ihm gefällt.

Kubin: Es war auch gar nicht's gegen die Booker, es muss halt geschaut werden, dass die Kosten gedeckt sind und da bleibt nicht viel für die Bands.

Varga: Die meisten - sagen wir mal - Underground-Booker machen das als Hobby, neben dem Job und Privatleben, und müssen sich damit rumschlagen, wenn wer absagt, nicht auftaucht, zu wenig Besucher da sind, pumpen Kohle rein, haben irgendwelche Probleme mit Leuten. Da kannst eigentlich sagen, ok Golf ist auch ein geiles Hobby und ist auch teuer...

Kubin: Und keiner fuckt mich an.

Varga: Willst du dicke Kohle machen, darfst dich nicht auf den Underground stürzen, so is es leider.

The Sorrow zum Beispiel, hat's aber geschafft, wie haben die das gemacht?


Varga: Vorarlberg!

Kubin: Ja, sie wohnen an der Grenze.

Varga: Sehr nah an Deutschland, und die Sache ist halt, sie waren am Zahn der Zeit.

Kubin: Sie haben die richtige Musik zur richtigen Zeit gemacht, und das gut.

Varga: Sie haben den Trend erkannt, sind aufgesprungen mit ihrem eigenen Stil und haben viel gearbeitet und geschrieben. Viel rausgebracht, die haben sich nur darauf konzentriert und alles andere links liegen gelassen. Weniger Privatleben - mehr Band. In Österreich kommen die meisten Bands erst zu spät drauf, was gerade Trend ist, und das dauert zu lange, da hat sich der Trend schon wieder verändert. The Sorrow hat das aber geschafft und sie haben sich immer wieder an den Trend angepasst und versucht das für sich zu nutzen. Die haben sich nie zurückgelehnt und mal gechillt.

Das kannst ja als österreichische Band sowieso nicht machen.

Varga: Das kannst überhaupt nicht machen, es ist üblich, dass die Bands jedes zweite Jahr was rausbringen, wie die Architects zum Beispiel. Wenn du länger pausierst, gerätst du in Vergessenheit.

Welche Bands in Österreich kriegen zu wenig Aufmerksamkeit für das, was sie können? Also Metalbands - so richtige Bands, die man verdammt nochmal hören muss! Jeden zweiten Tag!

Kubin: Also für mich ist das auf jeden Fall mal Artas. Die hör ich echt viel.

Varga: Seek & Destroy

Kubin: Was mir irrsinnig gefällt ist Showyourteeth

Varga: Ja! Completely underrated! Nur am touren und sehr eigenständig.

Kubin: Hunting Party. Post-Hardcore aus Wiener Neustadt. Die Jungs sind cool.

Varga: Jan Deimel. Wahnsinns-Dude! War früher ein junger Gott am Bass! So technisch versiert. Gut, genau...ja, die sind ein Ding. Thus I End, sind auch richtig cool

Kubin: Was mir gut gefällt ist Siege of Cirrha

Varga: Sind auch schon so Urgesteine eigentlich. Prometheus.

Kubin: Geile Band! Selling the Drama, auch geile Band. Was mir auch noch irrsinnig gefällt ist Bernth. Etwas doomiges.

Varga: Sehr erwachsene Musik.

Kubin: Ah und Before The Fall und Mastic Scum. Die eh eigentlich ziemlich groß in Wien sind.

Varga: Ja also SO eine Liste, aber einfach nicht so promotet und bekannt.

Woran liegt das?

Kubin: Ja das liegt teilweise aber auch daran, dass viele Bands promotiontechnisch faul sind. Die glauben sie machen Musik und das war's.

Varga: Ja viele Bands machen ein Lied mit Musikvideo und das war's dann, dann dümpelt der eine Song im Social Media rum und es kommt nix mehr außer hier und da mal ein "Big News coming soon". Der Kontext fehlt halt bei vielen Bands. Man muss in einem großen Rahmen denken, immer was Neues bringen, konstant mit irgendetwas da sein.

Kubin: Es schießen auch Bands aus allen Ecken, es gibt viel zu viele meiner Meinung nach.

Varga: Dadurch, dass jeder zu Hause Musik produzieren kann, ist das halt sehr einfach geworden. Es gibt mehr Musik, als je ein Mensch hören könnte. Aber genau das ist ja auch das Leiwande. Weil so gibt's auch die Bands die, die Grenzen neu auslegen und ein Genre bekannt machen. Es ist Fluch und Segen. Die Zielgruppe wird auch immer weniger national, sondern einfach Internet.
Was dann einfach noch fehlt, ist Präsenz und direkter Fankontakt. So baut man sich einfach eine treuere Fanbase, als nur mit einem Musikvideo.

Varga: Komm frag uns noch was arschiges!

Kubin: Haben wir eigentlich ein Review von Stormbringer?

Ja, dreieinhalb Sterne von fünf.

Kubin: WOS!? Nur dreieinhalb Sterne. (lacht)

Welche Band im Metalbereich ist so für'n Arsch, dass man sie niemals hören will/sollte?

Varga: Das bin ich schon einmal vom Stormbringer.at gefragt worden, damals.

Kubin: Was hast gesagt?

Varga: Ausm Moment heraus Thus I End. Die waren so scheiß präsent, ich hab die 6-mal hintereinander beim Konzertfotomachen live gesehen und hatte schon echt genug. Aber nicht musikalisch oder persönlich sondern echt nur wegen der Präsenz. Aber wirklich für'n Arsch, gibt's keine, jede Band hat irgendwo irgendwas.

Bei welchem Bandnamen habt ihr euch gedacht, wie kann man sich nur SO nennen?

Kubin: Death Mentality (lacht), das war meine vorherige Band und den Namen hab ich wirklich nie cool gefunden.

Varga: (lacht) Call The Mothership. Was ich weird gefunden hab, aber cool war Corpse for Breakfast.

Kubin: Ja, eine positive geile Weirdness.

Und zum Abschluss, wem ausm Business würdet ihr ins Gesicht spucken, weil er so ein Arsch ist?

Varga: Rechtsradikale Dudes wie Varg Vikernes.

Kubin: Ja! Und Thomas Fèanis (Bassist von Call The Mothership) (lacht) na ICH LIIIEBE IHN!

Varga: Varg Vikernes auf jeden Fall.

Danke!


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