AUSTRIAN HEAVY METAL ALLIANCE - Andee Overtone

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Der Großteil der Bandaktivitäten müssen selbst finanziert werden. Die Szene basiert auf der Liebhaberei und dem unerschütterlichen Idealismus einiger weniger!

Anlässlich der Veröffentlichung des Heavy-Metal-Samplers der AUSTRIAN HEAVY METAL ALLIANCE trafen wir einen der Mitbegründer dieser Allianz, den Gitarristen der legendären Wiener Underground-Band HIGH HEELER, Andee Overtone.

Veröffentlicht am 08.05.2015

Hallo Andee, ich halte hier die Vinyl-Kompilation der Austrian Heavy Metal Alliance (in der Folge kurz AHMA) in Händen! Hier sind fünf österreichische Heavy-Metal-Bands mit jeweils zwei Tracks vertreten! Feine Sache. Erzähl mal, wie es dazu kam?

Zuerst gab es uns ja nur online www.facebook.com/austrianheavymetalalliance, also seit April des vorigen Jahres, da kam uns die Idee eine Plattform für aktuellen österreichischen Heavy Metal zu gründen, wobei hier die Betonung auf 'heavy' lag, denn diese klassische Spielart ist uns nun mal die liebste. Wir waren also fünf Bands (HIGH HEELER, WILDHUNT, ROADWOLF, DIAMOND FALCON und LIQUID STEEL), die jede für sich ihr Ding kompromisslos durchzieht und wir dachten, dass wir auf diese Weise noch mehr Aufmerksamkeit auf die heimische Szene lenken können.

Kurz darauf, Ende Mai des vorigen Jahres, haben wir dann ein Konzert im Viper Room organisiert, wo gleich mal drei Bands der Alliance auftraten (HIGH HEELER, WILDHUNT und ROADWOLF), mit einer anderen auch nicht mehr ganz unbekannte Kapelle als Opener (grinst)! [Er meint die Acoustic-Kabarett-Rock-Truppe ROCKODILE - Anm. d. Verf.] Der Gig war ein Erfolg und die Idee, gemeinsam eine Platte zu machen, war dann mehr oder minder aufgelegt - wir sammeln ja alle selbst Platten und sind riesen Heavy-Metal-Fans!

Ich habe klarerweise selbst einige dieser Metal-Sampler aus den 80er-Jahren zuhause, wo zumeist ein Label neue Bands präsentiert, wie etwa die legendäre Metal-Massacre-Reihe auf Metal Blade. Wir wollten diese Tradition weiterführen, alle AHMA-Bands arbeiten ja gerade an ihrem Debütalbum (bzw. haben es schon draußen), daher war auch gleich genügend Material da. Wir konnten dann die Ute von The Doc's Dungeons gewinnen, um das Ding in einer Auflage von 500 Stück auf Vinyl zu pressen - freut mich wahnsinnig, dass das alles geklappt hat!

Was habt ihr weiter mit der AHMA vor?

Die AHMA wurde vor kurzem erweitert! KÜENRING und GRIM JUSTICE sind jetzt auch dabei, was mich auch sehr freut! Wir werden also größer und stärker! Neben der weiteren Promotion und den Infos über Bands und Konzerte auf der Seite, würden wir im Sommer gerne auch ein weiteres Konzert veranstalten, also seid gespannt! Und in fernerer Zukunft wäre es natürlich super, wenn eine weitere Kompilation erscheinen könnte.

Kommen wir zu den Bands die auf dem Sampler vertreten sind! Deine eigene Band HIGH HEELER hat meiner Ansicht nach die melodischsten Tracks „Midnight Angel“ und „Kalaschnikov“ beigesteuert, die aber trotzdem herrlich rau und definitiv nicht überproduziert aufgenommen wurden. Die Riffs dominieren und die Single-Note-Licks prägen sich gut ins Gedächtnis ein. Wieso habt ihr diese Tracks ausgewählt?

Danke! Wir haben mit „Midnight Angel“ einen neueren Song gewählt, der auch auf unserem Album sein wird, also sozusagen die jüngste Geschichte der Band repräsentiert. „Kalaschnikov“ hingegen ist eine ältere Nummer, die wir oft live gespielt, aber bis dato nie aufgenommen haben. Wir wollten einfach auch einen Song exklusiv für den Sampler dazu nehmen. Da es uns wichtiger war, den Sampler so schnell wie möglich rauszubringen, als ewig am Sound rumzufeilen, klingen unsere Songs recht raw, auf unserem Album wird das dann nochmal anders.

Ihr seid eurem Stil seit Jahren treu geblieben und habt zu einer Zeit gestartet, wo Retrobands nicht wirklich angesagt waren. War es sehr schwer für euch so lange durchzuhalten, vor allem in derselben Besetzung?

Wir haben vor 14 Jahren begonnen und zu diesem Zeitpunkt gab es eigentlich nur noch eine Hand voll echte Heavy-Metal-Bands! Unsere Geschichte beginnt eigentlich als Spaß, denn ursprünglich waren wir wohl einfach ein paar Typen, die diese Klischees der 80er liebten, aber eben auch mit einem zwinkernden Auge. Aus jenen Tagen stammt etwa die Bandhymne „Heeling High“, wo es im Text heißt „the higher the heel, the better we feel!“. Dazu stehen wir natürlich nach wie vor (grinst)!

Im Laufe der Jahre gab es schon kurzzeitige Wechsel der Besetzung, aber seit gut zehn Jahren ist unser Line-Up unverändert. Es haben sich wohl die richtigen Verrückten gefunden! Der Fun-Ansatz ist - wir sind wohl musikalisch und lyrisch gewachsen - in den jüngeren Stücken so gut wie nicht mehr vorhanden, Spaß haben wir dafür umso mehr. Die Outfits haben wir beibehalten, denn wir lieben einfach das „Theatrical Rock Show“-Konzept, das ja von Bands wie KISS oder ALICE COOPER groß gemacht wurde! Natürlich ist es bei unseren Gigs keine Show mit Handlung und Kostümwechsel wie etwa bei LIZZY BORDEN, aber dennoch sozusagen ein Moment der Entrückung. Man befindet sich eben auf einem Rock-Konzert, nicht in der realen Welt!

So lange durchzuhalten war nicht schwer, sagen wir, glückliche Umstände und unsere Überzeugung haben es ermöglicht. Wir haben einfach nach wie vor großen Spaß an unserer Musik!

Das verbindende Element der HEAVY METAL ALLIANCE ist sicher die gemeinsame Leidenschaft für den Heavy Metal der 80er-Jahre. Jede Band hat aber dennoch ihren eigenen Stil. Erzähl mir doch ein wenig über die anderen Bands auf dem Sampler. Wie kamen ROADWOLF, die den Opener „Never Surrender“ und auf der B-Seite den Schwarzenegger-Tribute-Track „Pumping Iron“ zum Sampler beisteuerten, zur AHMA?

ROADWOLF kennen wir durch ihre jahrelangen Live-Aktivitäten wohl schon am längsten. Ich habe sie erstmals live gesehen als sie noch unter dem Namen VIRTUAL DISEASE auftraten! Das war vor etwa fünf Jahren, doch bald danach kam der Namenswechsel und es entstand mit dem Vali und neuerdings auch (wieder) dem Juli auch ein powervolles Gitarren-Duo. Der eine spielt eine Flying V und der andere eine Stratocaster, gibt es eine bessere Kombination im Heavy Metal? (grinst) Heute sind sie also mit ihren rauhen, klassischen Sound eine fesselnde Live-Band, die sich ja voriges Jahr durch ihren Sieg beim Wacken Metal Battle sogar einen Auftritt in Wacken erspielt hat. Meines Wissens arbeiten sie auch gerade an ihrem Debütalbum. Man darf gespannt sein!

Noch nicht ganz so lange, aber genauso ambitioniert sind DIAMOND FALCON unterwegs. Wie seid ihr mit ihnen in Verbindung gekommen?

Mir fiel als erstes einmal der geile Bandname auf. Es gibt ja nicht mehr so viele neuere Metal-Bands, die sozusagen das Raubtierhafte und den Glam in ihrem Namen vereinen. Bei einem im November 2013 von WILDHUNT organisierten Konzert im Mozarthof in Klagenfurt, das schließlich zum Trinkgelage ausartete, standen wir dann zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne. Und ja der Rest ist wohl Geschichte, man könnte es sogar als die Geburtsstunde der AHMA bezeichnen. Vin Weazzel Killercats mächtiges Organ und Roxy Riotrats schwindelerregendes Bass-Spiel haben uns verzaubert (grinst). DIAMOND FALCON haben jedenfalls ein starkes Debütalbum abgeliefert. Und das Beste daran: Man kann es auf der Website der Band kostenlos beziehen, nur das Porto ist zu entrichten:
http://diamondfalconmetal.wix.com/ridethefalcon#!merch/c22wz

Die beiden Tracks „Elkönig“ und „Thrill To Kill“ von WILDHUNT kommen mit deutlichem Thrash-Einfluss daher. Die partywütigen Kärntner sind mittlerweile allesamt nach Wien gezogen. Wie kam es zur Bekanntschaft?

Mit WILDHUNT verbinden uns besondere Ereignisse, oder sollte ich besser sagen Partys (grinst). Jedenfalls hat sie unser Sänger und Bassist Poison Poser entdeckt und vermittelte ihnen gleich unseren ehemaligen Gitarristen Herkules. Auf einem fast schon legendären Auftritt am Donauinselfest 2013 konnte man sie also als Quartett erleben. Mittlerweile sind sie wieder zum Trio geschrumpft, doch live nicht minder faszinierend. Man kann wohl sagen, dass sie die härtere Fraktion der AHMA darstellen. Ihre Debüt-EP „Scenting The Prey“ bietet energetischen und komplexen Thrash Metal der Extraklasse. Mit WILDHUNT haben wir bestimmt schon am öftesten Party gemacht und/oder die Bühne geteilt, zuletzt eben am Alpine Steel Festival in Tirol. Auch sie sind momentan fleißig am Aufnehmen für ihr erstes Album, worauf dann die beiden Sampler-Tracks auch nochmal in einer neuen Version zu hören sein werden.

Über die Tiroler von LIQUID STEEL wurde schon öfter von Stormbringer-West berichtet. In Wien sind sie aber eher noch ein unbeschriebenes Blatt. Wie kam der Kontakt mit ihnen zustande?

LIQUID STEEL treiben sich ja schon länger in der westösterreichischen Szene herum. Hier halfen uns aber vermutlich die modernen Medien, da wir hauptsächlich in Wien operieren und leider relativ wenig über die Szene im Westen wissen. Es freut uns sehr, dass wir LIQUID STEEL sozusagen als West-Achse der AHMA gewinnen konnten. Sie haben ja mit „Fire In The Sky“ bereits ein bärenstarkes Debüt abgeliefert, das von Patrick W. Engel produziert wurde, der ja dann auch gleich das Mastering unseres Samplers übernommen hat. So führt eines zum anderen! Ich war dann glücklich, sie letztes Jahr auch einmal live in Wien erleben zu können! Mit ihrer fantastischen Live-Performance kann man Fabio und Co. bestimmt zu den heißesten Newcomern Österreichs zählen. Und neuesten Infos zufolge ist bei ihnen sogar schon das nächste Album in Planung…

In Deutschland ist es wohl als Underground-Band ein wenig leichter als in Österreich. Zumindest gibt es einiges Festivals wie das Keep It True oder das Headbangers Open Air. Wie siehst du die Szene?

Also Deutschland ist erstmal viel größer als Österreich, und ja, es gibt dort eine sehr vielschichtige Festival-Szene. Also neben den Festival-Riesen wie Wacken oder Bang Your Head gibt es wirklich auch einige kleine, einschlägige Festivals, wo dann eben z.B. nur Heavy-Metal-Bands spielen. In Österreich hat da vielleicht das Alpine Steel Festival in Tirol eine rühmliche Ausnahme gebildet, ansonsten gibt es schlicht nichts dergleichen. Als junge Band hat man folglich nur die Möglichkeit, als Support im lokalen Club zu spielen, oder selbst ein Konzert zu organisieren.

Generell ist sowohl in Deutschland als auch in Österreich wohl auch nicht viel mehr als ein „Achtungserfolg“ möglich, denn selbst wenn man auf dem Keep It True spielen kann, heißt das nicht, dass die große Gage winkt. Das heißt der Großteil der Bandaktivitäten wie Albumaufnahmen und im schlimmsten Fall auch die Touren, müssen selbst finanziert werden, macht euch selbst einen Reim darauf! Die Szene basiert auf der Liebhaberei und dem unerschütterlichen Idealismus einiger weniger!

Wie sieht der Vertrieb von Doc’s Dungeon aus, die ja auch noch die BOOZEHOUNDS OF HELL- und EWIG FRÖST-Platten vertreibt?

Die Platte ist bei diversen Mailorders und Händlern rund um den Globus zu haben - hier eine Liste ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Am besten kauft ihr sie natürlich direkt bei den AHMA-Bands (versteht sich wohl von selbst):

AUSTRIA
- The Doc's Distro
- Totem Records
GERMANY
- Underground Power Records
- Anger Of Metal Records
- Dying Victims Productions
- Metalizer records
- Metaleros Records
- Forgotten Steel
JAPAN:
- Rock Stakk Records
MALAYSIA
- Basement Records
USA
- Swords and Chains Records

Vielen Dank für deine Zeit Andee. Ich bitte um deine Schlussworte:

Hört in den Sampler rein - support your local underground!


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