Sylosis - Josh Middleton

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Die Royal Family würde ich sofort abschaffen - SYLOSIS-Chef Josh Middleton ist mehr Anarchist als Monarchist.

Im Zuge der Doppel-Headliner-Tour mit WOVENWAR haben wir natürlich auch SYLOSIS-Frontmann Josh Middleton vor's Mikrofon gebeten. Anlass dafür war aber nicht nur das - abermals - starke neue Album "Dormant Heart", sondern vor allem die politisch prekäre Lage in seiner Heimat Großbritannien und die Leidensfähigkeit, die der langjährige Batman-Fan ob seiner Leidenschaft mitbringen muss...

Veröffentlicht am 28.05.2015

Josh, mit eurem im Jänner erschienenen Album „Dormant Heart“ habt ihr euch als Band einmal mehr neu erfunden. Siehst du das ähnlich?

Durchaus. Wir wollten unbedingt, dass das Album seinen eigenen Charakter entwickelt. Wir sind langsamer geworden und haben viel mehr Doom-Parts eingebaut. Das soll jetzt nicht zwangsläufig heißen, dass wir so weitermachen – vorerst gilt das nur für dieses Album. Musikalische Parallelen findest du auf all unseren Alben, aber wir werden kontinuierlich langsamer. (lacht)

Hast du erst so spät deine liebe zu Doom-Bands entdeckt?

Neu ist das nicht für mich, ich steh' schon länger darauf, versuche aber erst seit einer gewissen Zeit diese Teile auch in den SYLOSIS-Sound einzupassen. Ich bin Riesenfan von NEUROSIS, CROWBAR und CULT OF LUNA. Das sind alles keine klassischen Doom-Bands, aber sie bewegen sich in diesem Umkreis. Ich glaube zumindest, dass uns die Integration von Doom-Parts auf „Dormant Heart“ bislang am besten gelungen ist.

„Dormant Heart“ hat auch wesentlich mehr Progressive-Anteile als eure alten Werke. Ist das der Weg zu den PINK FLYOD des Extreme Metal zu werden?

(lacht) Ich höre mir ehrlich gesagt nicht mehr viel Metal an und wenn, dann sind das Bands wie HIGH ON FIRE. Ich bin stärker im 70s-Prog-Rock oder im Doom-Bereich unterwegs. Der Metal an sich regt mich nicht mehr sonderlich auf, deshalb lande ich auch oft woanders. Wir machen aber nichts aus Kalkül. Es ist eher so, wie es OPETH mit Death Metal und dem 70er-Prog machen. Wir machen unseren eigenen Scheiß. Sogar Bands wie CULT OF LUNA sind vom Progressive Rock beeinflusst, einfach weil der Sound sehr dynamisch ist. Am besten beschreiben kann man uns derzeit wohl damit, dass wir versuchen Thrash und Progressive zu kombinieren.

Hast du auch denselben Humor wie OPETH-Mastermind Mikael Åkerfeldt?

(lacht) Vielleicht, ja. Er hat doch auch einen ziemlich britischen Humor.

Das Cover-Artwork von „Dormant Heart“ zeigt ein heiliges Lamm und erinnert damit logischerweise an ein christliches Motiv. Ist das Album religiös motiviert?

Religiös motiviert ist es nicht, es ist vielmehr eine Metapher. Die Figur im Hintergrund soll nicht unbedingt die Regierung symbolisieren, aber eine Person, die an den Fäden der Macht zieht und das heilige Lamm ist dann eher das symbolische Opfer davon. Die Figuren auf dem Cover fühlen sich unter Druck gesetzt, den gängigen Erwartungshaltungen zu entsprechen und sich von den Mächtigen führen zu lassen. Die Texte drehen sich stark darum, wie Leute durchs Leben gehen ohne etwas zu hinterfragen, Autoritäten anzukreiden oder Traditionen zu beäugen. Nur weil es etwas seit mehreren Tausenden Jahren gibt heißt das nicht gleichzeitig, dass es auch so weitergehen soll. Ich finde, das das Albumcover für uns der beste Weg war, diese Thematik visuell zu präsentieren.

Geht es in Teilen der Texte nicht auch um Menschen, die mit dem Alter offener, erwachsener und achtsamer werden?

Das stimmt durchaus. Ich sehe das bei mir selbst. Als Teenager lebte ich einfach in meiner eigenen Welt und habe mich um nichts geschert. Aber je älter ich wurde, umso aufmerksamer und interessierter wurde ich. Auch wütender auf diverse Themen. Ich bin kein Freund von Verschwörungstheorien, aber es gibt auf der Welt einfach viele interessante Verschwörungen, die einfach nicht vom Tisch zu wischen sind. Ich bemühe mich trotzdem immer, in den Texten nicht zu politisch zu werden. (lacht)

Eingespielt hat das Album übrigens noch euer langjähriger Drummer Rob Callard, den ihr mittlerweile durch Ali Richardson ersetzt habt – bereits vor dem Release. Wolltet ihr die Drumspuren nicht noch einmal neu einspielen?

Wir hatten schon alles gemixt und es wäre einfach zu aufwändig gewesen. Wir haben auch schon Wochen davor einen Song gepostet. Das war einfach alles zu umständlich.

Satanismus, Blut & Beuschel oder Einhörner haben dich aber niemals interessiert – deine Texte sind ausschließlich persönlicher bzw. polit- und sozialkritischer Natur.

Ich rede niemals nur von Schwarz und Weiß, es ist nie etwas offensichtlich. Das Fantasy-Zeug hat mich aber niemals interessiert, das wäre keine Option für SYLOSIS.

Kannst du dich heute noch mit all den alten SYLOSIS-Alben identifizieren?

Alles ab „Edge Of The Earth“.

Mit dem – wie ich finde - starken Debüt „Conclusion Of An Age“ nicht mehr?

Das hat aber nichts damit zu tun, dass damals Jamie Graham unser Sänger war, sondern einfach nur, weil es stilistisch falsch ist. Die Thrash-Kante hatten wir schon damals, aber viel zu viele Melodien. Wir wurden nicht ganz zu Unrecht damit in die Metalcore-Schiene geschoben, was aber niemals unsere Intention war. Die Produktion war zudem auch viel zu clean. Bei „Edge Of The Earth“ war die Produktion nicht mehr so glatt und wir sind wesentlich progressiver geworden. Das war eigentlich der Beginn von SYLOSIS. Wir sind keine Metalcore- und auch keine Melodic-Death-Metal-Band. Es gibt Melodien, aber wir haben keine Einflüsse von dort. Ich mag zum Beispiel METALLICAs „Master Of Puppets“, dort gibt es majestätische, epische Melodien. Nicht einmal die Thrash-Bands haben dieses Album kopiert. Wir haben aber einen ähnlichen Ansatz, aber wenn man bei uns Melodien hört, dann kommen die von METALLICA oder CULT OF LUNA. Wir distanzieren uns auch klar vom Metalcore.

Du hast SYLOSIS bereits mit 15 gegründet, bist mittlerweile 30 Jahre alt. Wie hast du dich persönlich über die Jahre entwickelt?

Keine Ahnung Mann. Ich habe einfach eine große Hingabe für die Band und versuche immer einen Schritt weiter zu kommen. Ich glaube nicht, dass sich allzu viel geändert hat, aber speziell in den letzten paar Jahren sehe ich die Welt doch durch andere Augen.

Was man auch an deinem privaten Twitter-Account erkennt, in dem du extrem politisch bist.

(lacht) Ich mag es nicht, wenn Bands auf Twitter über Politik labern, aber das ist ja mein privater Account. Es passiert vor allem in Großbritannien derzeit einfach sehr viel, nicht zuletzt durch die Wahlen, die unlängst von den Konservativen gewonnen wurden. Sie wollen das Gesundheitssystem aus den Angeln heben, das eigentlich großartig ist. So etwas berührt mich als Typ aus Reading natürlich auch persönlich.

Nachdem David Cameron überraschend klar gewann, sieht es vor allem in der Beziehung zwischen Großbritannien und der EU sehr finster aus.

Ich weiß gar nicht genau, wie wir mit der EU stehen, aber innerhalb des Landes werden die Leute gespalten. Das ist im Prinzip wie mit den Republikanern in Amerika – die Konservativen sind immer dort erfolgreich, wo Armut herrscht und die Leute heilsvollen Versprechungen glauben. Die Reichen werden dann ohnehin nie besteuert. Die werden reicher und reicher und sühnen müssen die Ärmeren oder die Mittelklasse. Die Unterteilung und Trennung in der Gesellschaft wird immer größer.

Du hast auf Twitter klar und deutlich verlautbart, dass du die Grünen in England gewählt hast.

Das ist doch die einzige Partei, die zumindest ansatzweise versucht etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen. Das ist ein Problem, das wirklich uns alle betrifft, besonders Leute die Kinder haben und für sie eine schöne Welt haben wollen. Je mehr ich mich in dieses Thema hineinlese, umso verängstigter werde ich ob des Systems, das dahintersteckt. So viele kritische Stimmen werden zum Schweigen gebracht, nur damit die großen Industrien keine Probleme kriegen. Es wird einfach so viel unter den Tisch gekehrt. Die Deutschen oder ihr Österreicher setzt auch auf Windräder und erneuerbare Energie – ihr seid Großbritannien da weit voraus. Deshalb war es für mich klar, grün zu wählen.

Wie siehst du die Monarchie in deiner Heimat? Ist dieses System noch zeitgemäß und nötig?

Ich denke nicht. Die Royal Family würde ich gerne abschaffen. Man könnte ja die ganzen schönen Gebäude erhalten, aber hört doch auf, ihnen so viel Kohle in den Rachen zu werfen. (lacht) Wofür brauche ich eine Queen? Okay, für den Tourismus. Niemand sieht die Queen, aber jeder will den Buckingham Palast und tausend andere Sachen sehen. Das ist den Leuten wichtiger als London selbst. Behaltet einfach den Palast und stürzt die Queen. (lacht)

Du bist ja selbst ein Middleton. Keine Verwandtschaft zu Kate und Pippa?

(lacht) Nicht das ich wüsste. Aber Middletons gibt es auch nicht so wenige auf der Insel.

Kannst du die Schotten verstehen, wenn doch ein großer Teil von ihnen auf Unabhängigkeit von Großbritannien pocht?

Ja, total. Sie haben starke Fürsprecher für eine Abkapselung und sie haben verdammt viel Öl, was eine Abnabelung von Großbritannien natürlich erleichtert.

Da du so offen und gerne über Politik sprichst – warum nicht doch mehr davon in den SYLOSIS-Texten?

Vielleicht mache ich das wieder, aber eigentlich halte ich nicht viel davon. Sobald du das über eine Gemeinschaftsplattform nach außen trägst, bist du auch viel leichter angreifbar. Mir ist es aber trotzdem wichtiger und lieber, Metaphern und Symbole anstatt eines Holzhammers zu verwenden.

Du bist außerdem riesengroßer Batman-Fan. Was hältst du davon, dass Ben Affleck ab dem nächsten Film Christian Bale ersetzt?

Ich mag Ben Affleck. Er hatte eine Phase in seiner Karriere, wo ihn die Leute wirklich wie Scheiße behandelt haben, weil halt einige Filme auch wirklich nicht sonderlich gut waren, aber er ist ein großer Schauspieler. Meine Lieblingsfilme sind aber trotzdem die von Christopher Nolan. Für mich ist das jetzt so, als ob deine Frau sterben würde und irgendjemand will dich nur ein Jahr später mit einer anderen verheiraten. (lacht) Ich bin einfach noch nicht darüber hinweg, die Umstellung kommt zu schnell für mich. Aber ich bin überzeugt davon, dass Ben Affleck ein guter Batman sein wird.

Der Joker kehrt in Form von Jared Leto zurück. Fürchtest du dich davor?

Er ist auch ein guter Schauspieler und ich habe ihn dort lieber als in der Musik. (lacht) Aber von 30 Seconds To Mars mag ich zumindest den Song „Kings & Queens“, aber das war’s auch schon. Leto ist aber ein toller Schauspieler, der schon viele gute Rollen in starken Filmen hatte. Damit habe ich kein Problem, ich habe große Hoffnungen.

Was ist dein Lieblingsfilm mit Batman?

„The Dark Knight Rises“, der letzte, wo Tom Hardy Bane spielt. Es war lange „The Dark Knight“, aber Bane ist schon verdammt cool. (lacht)

Die typische Österreich-Frage zum Schluss – was hältst du eigentlich von Arnold Schwarzeneggers Performance als Mr. Freeze im oft belächelten „Batman & Robin“ aus dem Jahr 1997?

Furchtbar. Erst vor wenigen Wochen habe ich mir den Streifen wieder reingezogen und der ganze Film ist einfach nur zum Davonrennen. Das war definitiv ein Tiefpunkt im Batman-Kosmos.


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