BLACK BOOK LODGE - Trygve & Ronny

Artikel-Bild

Unser neues Album geht mehr Richtung Drone und ist total depressiv. Das wird nie im Radio gespielt werden. (lacht)

Trygve und Ronny von BLACK BOOK LODGE erzählen uns, warum sie nach einem Album schon einen Kurswechsel vollziehen und wie man einen guten Kuchen noch weiter verfeinern kann

Text: Luka
Veröffentlicht am 21.06.2015

Hallo Jungs, ihr habt ja vor kurzem mit „Entering Another Measure” euer zweites Album über Mighty Music herausgebracht. Wie waren denn die Reaktionen von Presse und Fans darauf?

Trygve: Die Reaktion war sehr gut, danke! Wir haben aber auch vorausgesagt, dass ein paar Leute, die eher aus dem Metal-Bereich stammen, es nicht verstehen werden… und das ist eingetroffen. Ein Typ z.B. war verärgert, dass wir zuwenig Verzerrung auf den Gitarren hatten – und wir alle wissen ja, dass Musik besser wird, wenn die Gitarren verzerrt sind…
Aber Spaß beiseite, es wurde positiver bewertet als wir uns erwartet hatten. Es ist nicht wirklich ein eingängiges Album wie „Tûndra“ (das Vorgängeralbum, Anm. d. Verf.), das bezüglich der Songstrukturen eher traditionell ausgerichtet war. „Entering…“ ist ein bisschen mutiger, aber gleichzeitig auch zurückhaltender (was jetzt? Anm. d. Verf.). Es braucht auf jeden Fall mehr Zeit.

Wie sind die Aufnahmen gelaufen? Habt ihr euch mehr Zeit gelassen als für „Tûndra“?

Trygve: Im Gegenteil, der Aufnahmeprozess war kürzer. Wir haben das mal ausprobiert, weil wir normalerweise alle Sachen noch tausendmal durchgehen und Kleinigkeiten hier und da verändern wollen. Bei diesem Album wollten wir mehr auf unser Bauchgefühl hören. Trotzdem war ich nach den Aufnahmen froh, dass es vorbei war – aber so läuft das nun mal. Dafür habe ich mir heute die ganze Scheibe noch mal angehört und war angenehm überrascht. Insgesamt bin ich verdammt stolz auf dieses Album und denke, dass alle es kaufen sollten (lacht).

Ronny: Die Idee hinter den schnelleren Aufnahmen war, dass wir nicht an diesen Punkt kommen wollten, wo man die eigenen Songs nicht mehr hören kann weil man sich schon so oft damit beschäftigt hat. Das ist ein fürchterliches Gefühl, das wir diesmal vermeiden wollten. Aber mittlerweile sind wir draufgekommen, dass egal wie schnell oder langsam man die Aufnahmen macht, irgendwann hängen einem die Songs zum Hals heraus. Man ist so stark involviert, es ist fast unmöglich nicht irgendwann genervt zu sein.

Wie seht ihr „Entering…“ im direkten Vergleich zum Vorgänger „Tûndra“? Ihr habt euren Sound ja stark in Richtung komplexere Songstrukturen und progressive Elemente weiterentwickelt.

Trygve: Ja das stimmt, die Songstrukturen sind komplexer und unorthodoxer. Wir haben das bewusst gemacht, weil wir BLACK BOOK LODGE quasi neu erfinden wollten – und wir wollen das eigentlich bei jedem neuen Album tun! Ich persönlich stehe auf Bands, die sich immer neu erfinden und so frisch bleiben. Und andererseits war die Entwicklung wieder unbewusst weil wir eh schon immer gern zusammen lange, abgefahrene Jamsessions gemacht haben. So haben wir uns diesmal gesagt: keine Kompromisse! Just fucking go for it.

Ronny: Außerdem versuchen wir immer, den Songs einfach dorthin zu folgen wo sie hinwollen – und diesmal wollten sie einfach woanders hin als bei „Tûndra“, und im Nachhinein bin ich froh darüber. Wir machen nicht aus kommerziellen Gründen Musik, also machen wir einfach das, was sich für uns richtig anfühlt und nicht das, was von uns erwartet wird.

Stilistisch war ja „Tûndra“ eher nahe bei den „Klassikern“ wie BLACK SABBATH oder KYUSS beheimatet, während „Entering…“ eher in Richtung neuere OPETH oder MASTODON geht, mit einem Mix aus progressiven und rockigen Elementen. Hat sich euer Musikgeschmack in der Zwischenzeit so stark geändert, oder wie ist es zu diesem Stilwechsel gekommen?

Trygve: Prinzipiell mögen wir alle die von dir genannten Bands – für uns sind diese unterschiedlichen Stile also nichts Neues. Ich verstehe natürlich, dass man uns mit so bekannten und etablieren Bands vergleichen möchte, weil sie ähnliche Wurzeln haben wie wir. Es gibt aber auch große Unterschiede – wir machen z.B. auch so lange Songs wie OPETH, aber unsere Herangehensweise and Riffs und Vocals sind sehr unterschiedlich. Das gleiche gilt für MASTODON – es gibt ein paar Ähnlichkeiten, aber sie gehen mehr Richtung Metal und ihr letztes Album hat irgendwie fröhlich und fast radiotauglich geklungen. Unser neues Album geht mehr Richtung Drone und ist total depressiv. Das wird nie im Radio gespielt werden. (lacht)

Wenn man wie ihr nach einem erfolgreichen und durchweg positiv beurteilten Album wie „Tûndra“ auf dem Nachfolger einen radikalen Kurswechsel macht, ist das natürlich recht riskant und ruft viele Kritiker auf den Plan. Wenn sogar Bands wie OPETH nach einer langen Karriere und neun Studioalben für ihren Kurswechsel grob kritisiert werden, hat euch das nicht Sorgen gemacht?

Trygve: Eigentlich wollten wir nur eine Art Tapetenwechsel machen, nicht „Tûndra“ einfach noch mal machen. Das, was wir mit „Tûndra“ sagen wollten, haben wir getan und jetzt haben wir uns einfach weiterentwickeln und unseren Horizont erweitern wollen.

Ronny: Wir haben viele unterschiedliche musikalische Einflüsse on der Band. Wir wollen, dass das mit jedem Album offensichtlicher wird. Für mich ist „Entering…“ die perfekte Evolution aus dem Stoff von „Tûndra“, wo die zweite Albumhälfte schon recht progressiv war. Insofern kommt mir der Stilwechsel gar nicht so radikal vor. Ich persönlich mag es auch, von Musik herausgefordert zu werden, sonst verliere ich schnell das Interesse. Ich denke, dass ich auch nicht der Einzige bin, der so denkt.

Ihr habt ja eine kleine Personalrochade hinter euch, Trygve hat vom Bass zur zweiten Gitarre gewechselt, und Steven Ardilsø hat den Tieftöner übernommen. Was war der Grund für den Wechsel, und hat sich Steven auf „Entering…“ schon einbringen können?

Trygve: Also auf dem Album ist er nicht zu hören, das haben wir noch als Trio aufgenommen, bevor Steven vor etwa einem Monat zu uns gekommen ist. Der Grund für den Wechsel war, dass wir immer schon mit zwei Gitarren spielen wollten, aber nie einen Gitarristen gefunden haben, der mit Ronny gut harmoniert. Ich denke Ronny hat seine ganz spezielle Art, Gitarre zu spielen, was es für einen zweiten Gitarristen nicht leicht macht. Nachdem ich Ronny schon seit zehn Jahren kenne und weiß, wie er tickt, habe ich mir gedacht, dass ich eigentlich selbst der perfekte Kandidat für den Job bin. Es war so eine Art Erleuchtung – ich dachte mir „fuck it, das übernehme ich!“ Uns war es einfach wichtig, den fetten, bombastischen Sound, den wir auf unseren Alben haben, auch live gut rüberbringen zu können. Das funktioniert einfach besser, wenn man mit einer zweiten Gitarre arbeitet. Wir haben mittlerweile schon einige Proben als Quartett hinter uns und es klingt verdammt fett! Steven ist auch ein hervorragender Bassist und kann einige Backing-Vocals übernehmen – es ist also eine Win-Win-Situation für uns – wir klingen jetzt besser als jemals zuvor!

Was hat es mit dem Albumcover auf sich, was wolltet ihr damit sagen?

Trygve: Die Korridore, Türen und Stiegen auf dem Artwork sollen das menschliche Bewusstsein repräsentieren. Ich mag daran vor allem, dass es auf eine unscheinbare Art und Weise verstörend wirkt – es gibt keine fucking Totenschädel oder ähnlichen cheesy shit, und trotzdem wirkt es leicht beunruhigend – so wie das Ende von „Space Odyssey“…

Die Texte auf „Entering…“ wirken ziemlich düster. Was hat es damit auf sich?

Ronny: Ich habe leider vor einiger Zeit meine Mutter verloren und diese Erfahrung hat sich stark auf die Texte ausgewirkt. Manche Lyrics sind aus dem Leben gegriffen, manche sind als Gleichnisse gedacht und bei manchen sind es einfach Wunschgedanken – manchmal wünscht man sich ja andere Erinnerungen als die, die man hat…
Ursprünglich war die Reihenfolge der Tracks so, dass es eine Art lineare Entwicklung der Texte über das ganze Album gibt, aber dann war es für uns doch spannender, das Konzept über den Haufen zu werfen und jedem Hörer die Möglichkeit zu geben, sich selbst Gedanken zu machen – wir wollten es ihm nicht zu einfach machen.
Es gibt aber auf „Entering…“ ein Konzept – für mich geht es darum, dass der Körper der Tempel der Seele ist und dass die Seele diesen Tempel irgendwann verlässt. Jeder Song auf „Entering…“ ist wie ein Zimmer dieses Tempels. Wenn ich das Album höre, stelle ich mir vor, die Korridore des Tempels entlang zu gehen und bei jedem Song in ein anderes Zimmer zu schauen – so wie man im Geist alte Erinnerungen durchgeht.

Ihr spielt ja im Sommer auf dem Roskilde-Festival, und im Herbst geht es auf Tour. Was erwartet ihr euch von der Tour?

Trygve: Wir sind typische Dänen – wir erwarten uns nicht viel! Alles was wir tun können, ist uns vorbereiten, und dann: play the shit out of our songs. Alles andere hängt nicht von uns ab, also beschäftigen wir uns nicht sonderlich damit.

Auf eurer Facebook-Seite outet ihr euch als “a bunch of fatties that like cake”. Welche Kuchen habt ihr denn besonders gern?

Trygve: Wir lieben alles, was saftig und klebrig ist! Gestern haben Ronny und ich uns einen marokkanischen Orangenkuchen geteilt, der war schön saftig und hatte viele schmackhafte Stückchen drinnen, nussige Stückchen und so. Ronny hat mir gezeigt, wie man Kuchen in eine Mischung aus Schlagobers und Sauerrahm tauchen kann. It was so good, it felt like I could read Arabic.

Jungs, danke für das Interview. Irgendwelche abschließenden Worte?

Thanks for reading and we’re looking forward to present our material live for you. Check out our Facebook to keep yourself updated.


WERBUNG: RAMMSTEIN live in Klagenfurt
ANZEIGE
WERBUNG: SABATON - The Great War
ANZEIGE