EYEHATEGOD - Mike Williams, Brian Patton, Gary Mader, Aaron Hill

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Hört doch bitte alle auf wie EYEHATEGOD zu klingen - Sludge-Legende Mike Williams hält nichts von billigen Genre-Kopisten.

Sie gehören zweifellos zu den größten Legenden der Sludge-Metal-Szene und haben 2014 nach 14 Jahren Wartezeit mit ihrem selbstbetitelten Album endlich wieder von sich hören lassen - EYEHATEGOD sind definitiv in Hochform. Grund genug für Stefan Baumgartner und Robert Fröwein von Stormbringer, vier Fünftel der Band im Doppelpack über Phil Anselmo, Musikjournalismus und den Hurrikan "Katrina" zu befragen.

Veröffentlicht am 22.06.2015

Drogen, Knast, Existenzängste - es gibt wahrlich nichts, was die Mitglieder von EYEHATEGOD in ihrer 27-jährigen Bandkarriere nicht bereits erlebt hätten. Das New-Orleans-Kollektiv rund um den charismatisch-asseligen Sänger Mike Williams und Gitarren-Urgestein Jimmy Bower gehört zu den Mitbegründern der Sludge-Szene und hätten vor zehn Jahren nach dem fatalen Hurrikan "Katrina" nicht nur fast das Bandgefüge, sondern tatsächlich alle Habseligkeiten in ihrem Leben verloren. Am Ende kamen die Mitglieder mit Schrammen davon, haben danach aber Lebensstil und Sichtweisen zu mehr Nachhaltigkeit verändert. Vor ihrem Gig im Wiener Viper Room ließen wir uns von der Band-Tourmanagerin mit vier Fünftel der Band (Gitarrist Jimmy Bower wurde zurückgepfiffen) in die urigen Backstageräume der Location führen, um eine halbe Stunde lang über Gott und die Welt zu reden. Auch wenn der mit stilisch wunderbaren BLACK-SABBATH-Converse bekleidete Frontmann Mike Williams während des Gesprächs einen halben Eimer Rotz spuckte, zeigte er sich als Sprachrohr der überraschend eloquenten Gang, die sich ihres Status in der Szene durchaus bewusst ist.

Stefan Baumgartner (SB): EYEHATEGOD zählen natürlich zu den wichtigsten Bands der NOLA-Szene…

Brian Patton: Da stimme ich dir zu 100 Prozent zu. (lacht)

SB:…aber mit Phil Anselmo gibt es dort auch einen Typen, der alles überstrahlt und an der Front der Szene steht. Glaubt ihr, dass so eine Person wichtig ist? Dass man eine Art „Frontmann“ braucht, wie ihn auch jede Band hat?

Mike Williams: Nicht zwingend, es geht um die Fans, nicht um die Musiker. Im Underground zählen die Leute, die deine Shirts kaufen. Natürlich half es, mit PANTERA zu touren und sich ein bisschen an Phil anzuhängen, aber wir brauchten ihn jetzt nicht zwingend.
Patton: Das gilt für alle Szenen in der Musik. Egal ob das die Bay-Area- oder die New-York-Szene ist – es gibt ein paar Bands, die Spaß haben wollen und vielleicht auch noch ein Statement setzen.
Aaron Hill: Alle zusammen haben einfach etwas Wichtiges erschaffen, es war die Kombination aus verschiedenen Einzelteilen. Das ist das Wichtigste, darum geht es.

SB: Was ist der Grund dafür, dass die NOLA-Szene einen so speziellen, einzigartigen Sound hat?

Patton: Wir sind eine einzigartige Stadt.
Gary Mader: Wir sind ziemlich abgeschottet von anderen Städten, wie Houston oder Atlanta, die zudem noch viel größer sind. Viele Bands pfeifen einfach drauf und überspringen New Orleans bei ihren Tourplänen. Somit bist du dazu gezwungen, dein eigenes Ding auf die Beine zu stellen.

SB: Die Bands klingen trotzdem sehr unterschiedlich. Was verbindet sie und was unterscheidet sie voneinander?

Williams: Es geht um die Liebe zur Musik. Schau dir die alte New-York-Szene mit PATTI SMITH, den TALKING HEADS und den RAMONES an – niemand klang wie der andere. Wir hassen es, wenn uns Bands schamlos kopieren. Seid selbst kreativ und kreiert eure eigenen Ideen – so haben auch wir das gemacht! Es gibt eine Menge Bands, aber wir alle kennen uns – auch wenn wir verschiedene Arten von Musik machen. Wir spielen nicht immer zusammen, aber es ist sehr familiär bei uns. Speziell mit DOWN oder anderen Bands aus unserer Stadt.

Robert Fröwein (RF): Ist es für die Bands heutzutage aber nicht schwerer, eigenständig zu klingen? Irgendwie kommt einem vor, dass ohnehin schon alles gesagt und gespielt wurde.

Williams: Es ist nicht schwierig, anders zu klingen, aber es ist sehr wohl schwierig, anders zu klingen und damit auch noch Kohle zu machen (lacht). Auch wir haben fast 25 Jahre gebraucht, um so populär wie jetzt zu werden. Ich spiele auch in einer Band namens CORRECTIONS HOUSE und mit der werde ich wohl nie bis ans andere Ende der Welt kommen. Das interessiert doch niemanden (lacht). Versuchen soll man es aber immer. Verwendet eure eigenen Ideen – zu klingen wie EYEHATEGOD ist dumm. Das sind doch alles faule Typen, die den einfachsten Weg wählen.
Patton: Es ist natürlich schön zu sehen, dass wir einen Einfluss auf andere haben, aber rein aus meiner Sicht als Musiker ist das ständige Kopieren anderer Bands nervtötend.
Williams: Es gibt zum Beispiel tonnenweise Bands, die wie ELECTRIC WIZARD klingen oder so klingen wollen und das ist einfach nur anstrengend. Das ist oft so wenig originell, dass du die Band eigentlich gleich wieder auflösen könntest.

SB: Alle von euch spielen auch in anderen Bands – Gitarrist Jimmy Bower etwa noch bei SUPERJOINT RITUAL oder früher auch als Drummer bei CROWBAR – und fast alle von euch spielen verschiedene Instrumente. Ist der Eindruck richtig, dass gerade in „eurer“ Szene viele Musiker multiinstrumental agieren?

Patton: Das gibt es auch in anderen Städten. Ich habe zum Beispiel mit dem Piano begonnen. Die Gitarre kam erst später und darauf habe ich mich dann konzentriert. Ich hätte auch gerne mal Saxofon gelernt (lacht).
Mader: Viele Bands entstehen ja aus Freundschaften und da will dann der eine auch mal probieren, was der andere gerade macht. Daraus entstehen dann oft diese instrumentalen Querverbindungen. Es geht nur um den Spaß.
Williams: Wir lieben einfach Musik. Wenn EYEHATEGOD nicht mehr touren würden, würde jeder von uns sofort eine andere gründen oder in einer anderen spielen – wenn auch nur für ein paar Monate – aber es geht darum, zu spielen.

RF: In der ersten Reihe der NOLA-Szene steht ihr mit DOWN und SUPERJOINT RITUAL. Dann gibt es noch Bands wie GOATWHORE oder ACID BATH. Könnt ihr noch weitere, junge Bands empfehlen?

Mader: FAT STUPID UGLY PEOPLE. Die sind einfach der Wahnsinn (lacht). MOUNTAIN OF WIZARD sind auch eine sehr starke Combo.
Hill: Und alle die Bands, in denen wir sonst noch spielen oder spielten. Die Tradition der Szene setzt sich unaufhaltsam fort.

RF: Ihr seid sehr stark von den MELVINS beeinflusst, die mit „Everybody Loves Sausages“ ein reines Coveralbum aufgenommen haben. Wäre das auch für euch ein Thema?

Patton: Wir spielen hier und da Covers auf Konzerten, gerne mal von BLACK SABBATH, den BUTTHOLE SURFERS, FLIPPER oder DEVO. Aber ein reines Coveralbum wird nie passieren.
Williams: Es gab eine Zeit, da hat wirklich jeder darauf zurückgegriffen, sogar GUNS N‘ ROSES und METALLICA. Es wäre sicher lustig, aber irgendwie ist das auch reine Zeitverschwendung.
Patton: Wir zollen Bands lieber Tribut mit einzelnen Songs, das haben wir eben auch schon für die MELVINS so gemacht.
Williams: Ein ganzes Album zu machen, wäre einfach zu viel nutzlose Arbeit. Nach dem ersten Song, wird das alles redundant. Es ist doch immer wieder das gleiche dann (lacht).

RF: Das Musikgeschäft hat sich in den 27 Jahren seit eurer Bandgründung fundamental verändert. Ist es heute schwieriger, ein Musiker zu sein?

Patton: Würde ich als Musiker frisch starten müssen, ich würde es wohl nicht machen. Als wir anfingen, sind wir in einen Van gesprungen, hatten einen Atlas dabei und dafür bezahlt, zu spielen. Wir haben finanziell viel reingebuttert, um auftreten zu können. Es gab auch keine Computer und Smartphones. Heute ist alles so viral. Anstatt dir die Leute bei Shows zu erspielen, präsentierst du dich heute nur im Internet.
Williams: Die MySpace-Generation halt.

RF: Da hat sich doch auch viel im Backstage-Verhalten verändert. Früher haben die Bands dort noch gequatscht, gefeiert, gesoffen – heute starren alle wie Zombies auf ihre Smartphone-Displays.

Williams: (starrt in dem Moment gerade auf sein Smartphone und beginnt zu lachen)
Patton: Es ist aber auch eine große Hilfe. Wir haben GPS und die ganze Technologie erleichtert dir das Leben ungemein. Wir haben schon darüber gescherzt, dass wir einmal eine Wohnzimmer-Tour spielen, wo wir zuhause hocken, unsere Instrumente in die Hand nehmen und per Splitscreen über die ganze Welt hinweg ausgestrahlt werden. Eine Hologramm-Tour von Küste zu Küste (lacht).

SB: Mike, in einem Interview hast du einmal gesagt, du verachtest die Bezeichnung „Sludge“ für deine Musik, weil sie albern klingt. Wie würdest du euren Sound sonst charakterisieren?

Williams: Wir sind eine Rock’n’Roll-Band – das ist es. Wir machen Musik, die wir mögen. Was hat das für einen Sinn, eine dumme Bezeichnung drüberzulegen? Als wir Ende der 80er-Jahre anfingen, gab es all diese Subgenres noch gar nicht und plötzlich schrieben die Journalisten Artikel mit den krudesten Einteilungen. Ich wusste oft gar nicht, was das soll. Grunge, Metal oder Punk würde ja eigentlich auch ausreichen. Ich werde in Interviews oft gefragt, was meine Lieblings-Sludge-Band sei, aber ich weiß ja nicht einmal, was die von mir wollen. Ich höre mir keine Sludge-Band an. Alle glauben, wir gehen heim und hören uns DOWN und CROWBAR an, aber bei mir ist das einfach ganz anders. Wir hören uns verschiedenste Sachen an, mit denen niemand rechnen würde.
Patton: Wenn du Musiker bist, warum sollst du alle Einflüsse vom Metal holen? Komm schon, das ist doch dämlich, die Welt ist viel größer.
Williams: Es gibt so viele Bands, die vor uns auf Konzerten eröffnet haben, wie wir klingen, dann in den Van hüpfen und dort noch WEEDEATER hören (lacht). Wir langweilig ist dieses Leben, wenn du nicht kreativer bist und nicht über den Tellerrand blickst?

SB: EYEHATEGOD hat in der Szene einen großen Kultstatus. Ist das eine Art Fluch für euch?

Williams: Nein, ich mag es, eine Kultband zu sein. Einerseits sind die Erwartungen an dich nicht allzu hoch und andererseits bist du nicht so unbekannt, dass dich kein Schwein kennt.
Patton: Wir sind eine zuverlässige Quelle für Musik. Das ist doch was Schönes.
Mader: Die Band ist schon so lange unterwegs und hat sich nie aufgegeben, insofern ist diese Bezeichnung gerecht und völlig in Ordnung. Die Kultbands überleben am längsten, sie überdauern Zeiten. Es heißt nicht, dass du damit viel Kohle machen kannst, aber du bleibst im Gedächtnis und ziehst viele Vorteile daraus.
Williams: Natürlich mögen wir für unsere Gigs bezahlt werden, aber es geht uns in erster Linie darum, auf der Bühne Spaß zu haben. Wir wollen die Musik fühlen und dieses Gefühl weiterleiten. Es gibt genügend Bands, bei denen du überhaupt keinen Spaß mehr siehst – traurig ist das.

RF: Mike, in der Vergangenheit hast du als Musikjournalist für „Metal Maniacs“ und diverse Online-Magazine geschrieben. Wann und warum hast du damit aufgehört?

Williams: Vor etwa fünf Jahren habe ich mit den Online-Magazinen aufgehört, mich hat es einfach genervt. Das Schöne war, dass ich tun konnte was ich wollte. Ich schrieb etwa einmal eine Story über das Hellfest und wie dämlich es war, den Sänger von CRADLE OF FILTH zu sehen, wie er in der gleißenden Sonne mit dem Make-Up und einem Trenchcoat durch die Gegend gelaufen ist. Das hat wirklich Spaß gemacht (lacht). Manchmal interviewe ich noch Bands für ein lokales Fanzine, aber wer bin ich, dass ich andere Alben kritisiere? Warum steht es mir zu, jemanden zu beurteilen?

SB: Eine fundierte Kritik kann jungen Bands aber auch helfen.

Mader: Dann musst du auch über Bands schreiben, die du magst. Ansonsten geht das daneben.
Williams: Es kommt immer auf die Band an. Als ich noch bei „Metal Maniacs“ war, habe ich ein paar ganz furchtbare Reviews über fürchterliche Bands geschrieben. Die meisten haben das so hingenommen, andere haben mir ein dickes „Fuck You, meine Band ist besser als deine“ zurückgeschrieben.

SB: Nimmst du so etwas dann persönlich?

Williams: Ich? Um Gottes Willen, niemals. Ich nehme ja überhaupt nichts persönlich (lacht). Ich ignoriere das Rundherum um mich gerne.

RF: Ist Musikjournalismus deiner Meinung nach noch zeitgemäß?

Williams: Doch, schon. Ich bin ein Freund der Magazine, der gedruckten, haptischen Dinge. Online-Magazine sind auch fein, aber ein Magazin sieht einfach toll aus und ist oft mit Liebe gemacht. Die Websites entstehen oft über Nacht, da wird einfach alles zusammengeworfen und sieht dann scheiße aus. Ich stehe halt einfach auf Fanzines. Da gab es viele tolle Magazine damals.

SB: Es ist sehr schwierig, heute noch gedruckte Magazine zu finanzieren. Die kauft niemand mehr und alle gehen online.
RF: Das ist wie mit den CDs, die kaufen auch nur mehr Fans und Sammler.

Patton: Es ist eine Schande, aber ihr habt natürlich Recht.

RF: Bevorzugst du es zu interviewen oder bist du lieber der Interviewte?

Williams: (lacht) Nichts davon. Es kommt drauf an, wie ich drauf bin. Der Interviewte zu sein ist jedenfalls einfacher.

SB: Du hast übrigens auch ein Buch mit deinen Lyrics veröffentlicht. Hast du beim Schreiben der Texte für die Band einen anderen Zugang, als wenn du für ein Magazin schreibst?

Williams: Da ist definitiv ein Unterschied. Die Lyrics in meinem Buch verwende ich aber auch für meine anderen Bands wie CORRECTIONS HOUSE oder ARSON ANTHEM. Es gibt aber keine großen stilistischen Unterschiede. Es geht immer um tiefen Selbsthass und miserable Gefühle, die du kriegst, wenn du alkoholisch unterstützte Depressionen hast. Das zieht sich im Prinzip durch alle Bands. Es geht wohl um Geistesgestörtheit (lacht).

SB: Wie entscheidest du, welche Texte du für welche Band verwendest?

Williams: Was passt und gut aussieht, wird verwendet. Manchmal reicht mir ein Wort, das mir im Kopf herumgeistert oder irgendwas, das ich beim Fernsehen mitkriege, um daraus einen ganzen Song zu machen.

SB: Der Tod eures langjährigen Drummers Joey LaCaze war ein einschneidender Punkt für die Band. War das der Grund, warum ihr euer letztes Studioalbum selbstbetitelt habt? Als eine Art Hommage an ihn?

Williams: Es ist nicht der Grund dafür. Wir haben noch mit Joey über den Titel gesprochen und „EyeHateGod“ war eine Variante davon.
Patton: Wir haben 14 Jahre lang kein neues Album rausgebracht und nach der langen Zeit erschien uns „EyeHateGod“ einfach als perfektes Statement dafür, dass wir wieder da sind. Der Titel sagt eigentlich alles aus.
Williams: Wir hatten uns vor Joeys Tod noch nicht dazu entschieden, das kam erst danach. Irgendwie hat das einfach perfekt gepasst und außerdem war es auch für uns ein ganz neues Kapitel.

RF: Sind Unberechenbarkeit und Chaos Dinge, nach denen ihr auf der Bühne und auf euren Alben offensiv sucht?

Williams: (lacht) Das passiert einfach, wir suchen jedenfalls nicht danach. Du weißt ja niemals, was passiert. Manchmal verletzen sich ja auch die Leute in der Crowd oder schneiden sich – glücklicherweise relativ selten (lacht). Für mich sind Konzerte einfach aufregend. Ich liebe es einfach, wenn wir unsere Songs spielen und ich sehe die Leute vor mir, wie sie total durchdrehen und förmlich explodieren.

RF: Ihr alle wart direkte Opfer des Hurrikans „Katrina“, der vor genau zehn Jahren aus New Orleans ein Schlachtfeld machte. Wie hat dieser tragische Vorfall euch und eure Musik beeinflusst oder verändert?

Patton: Es war schockierend und traumatisierend, aber persönlich hat sich für mich deshalb nichts verändert. Mit der Musik hat das nichts zu tun.
Williams: Es hat aber meine Sichtweise auf das Leben verändert. Vor diesem Ereignis war mir ziemlich egal, ob ich lebe oder sterbe, aber ich habe gelernt, das Leben dadurch zu genießen. Ich habe danach auch geheiratet und wollte einfach leben. Vorher war mir einfach alles egal.
Mader: Wir haben dann einen Monat lang gejammt und mit der Zeit realisiert, was für ein Privileg das für uns war. Ich bin einfach viel dankbarer für das Leben, das ich führen darf.
Patton: 2006 hatten wir einen Auftritt im Burrito House, wo wir selbst Generatoren aufgestellt haben. Das war die erste Show, die damals passierte.
Williams: Es gab nicht einmal Elektrizität, aber durch die Generatoren konnten wir einen Gig mit sechs Bands durchziehen. Es gab Jameson, Bier und tonnenweise Essen. Die Leute reden noch heute von dieser Show, weil sich viele wiederfanden und einfach froh waren, sich lebend zu sehen.
Patton: Es lag einfach eine unausgesprochene Magie über dem Abend, weil sich dort jeder zumindest kurzzeitig frei fühlte. Niemand wollte richtig über das Geschehene reden und dort konnte man kurz abschalten. Es war einfach nur schön für alle Beteiligten. Jeder war dankbar, dass wir leben und gemeinsam feiern konnten.

RF: Du hattest damals, nach dem Hurrikan, auch Probleme mit harten Drogen, musstest eine Entziehungskur über dich ergehen lassen und Phil Anselmo hat dich einst gegen 150.000 Dollar Kaution aus dem Gefängnis geholt. Warst du überrascht davon, dass eure Freundschaft so tief ist?

Williams: Ich war überrascht davon, dass er mir so viel Geld borgte (Iacht). Sonst wäre ich nicht aus dem Knast gekommen. Über seine Hilfe war ich nicht überrascht. Wir waren schon seit der Highschool gute Freunde und wir haben uns auch nie aus den Augen verloren. Ich war aber positiv schockiert davon, dass er mich dort rausholte.
Patton: Wir haben uns alles Mögliche überlegt, wie wir Mike aus dem Knast kriegen könnten. Wir haben auch an Charity gedacht oder auf die Fans gehofft, aber dann kam Phil und das Problem war erledigt. Das war ein großartiger Zug.

SB: Was war der beste Moment eurer Karriere?

Patton: Für mich? Das ist noch immer da bin und heute in Wien spiele (lacht).
Williams: Ich kann da keinen bestimmten Punkt herauspicken, für mich war die ganze Reise mit der Band immer großartig. Auch früher, in den harten frühen Zeiten, wo es nicht mal eine Garantie gab, dass wir überhaupt spielen durften, wenn wir an der Location ankamen.
Patton: Die Reise von vollgeschissenen Kellerabteilen bis hin zu Gigs vor 20.000 Leuten – das macht doch alles irgendwie Spaß.

SB: Damit gibt es wohl auch nichts, das ihr bereut?

Patton: Ein, zwei Sachen würde ich vielleicht anders machen, na klar (lacht). Aber da bin ich wohl nicht der einzige.
Williams: Wir haben alle schon falsche Entscheidungen getroffen, aber was macht das für einen Sinn, irgendwo herumzusitzen und sich schuldig zu fühlen? Im Großen und Ganzen passt mir mein bisheriges Leben schon. Ich werde wohl kein Mönch mehr, der zu Kreuze kriecht (lacht).

RF: Muss ich wirklich 44 Jahre alt werden, bis das nächste EYEHATEGOD-Album in weiteren 14 Jahren erscheinen wird?

Patton: (lacht) Ich war ja schon bei dem hier 44.
Williams: Wir hoffen nicht. Die Jungs haben schon fünf oder sechs Songs geschrieben und wir wollen noch heuer daran arbeiten. Mit der Band PSYCHO werden wir beim Hellfest eine Split herausbringen. Das Teil ist aber im Prinzip schon im Vorverkauf restlos aufgekauft worden. Ich glaube, zehn Prozent davon bleiben uns. Das passt schon so.


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