BLACK STAR RIDERS - Damon Johnson

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Ein großartiger Zeitpunkt und guter Grund, wieder zusammenzufinden - BLACK STAR RIDERS-Gitarrist Damon Johnson macht Lust auf weitere THIN LIZZY-Shows.

Dass die BLACK STAR RIDERS ein mehr als würdiger Nachfolger für die Rock-Legenden THIN LIZZY sind, haben sie mittlerweile schon des Öfteren bewiesen. Am Rande des Konzerts mit SLASH auf der Burg Clam haben wir uns bei gefühlten 87 Grad Celsius im Backstage-Container Gitarrist Damon Johnson geschnappt, um schwitzend, aber gemütlich über den großen Schatten der irischen Rock-Legende, unvergessliche Vergangenheitsmomente und die Möglichkeit weiterer THIN LIZZY-Shows zu sprechen.

Veröffentlicht am 06.07.2015

Damon, die BLACK STAR RIDERS sind das erste Mal auf der Burg Clam zu Gast als Support von SLASH und MYLES KENNEDY & THE CONSPIRATORS. Wenn man THIN LIZZY in eurer Historie dazu nimmt, müsstet ihr eigentlich Headliner sein.

Danke, dass du das sagst, das ist schön. (lacht) Die Band gibt es seit gerade einmal zweieinhalb Jahren und in dieser Zeit haben wir wirklich viel gemacht und auch viel erreicht. Ende 2012 hatten wir die finale Konversation darüber, dass wir das Vermächtnis von THIN LIZZY unter einem neuen Namen weitertragen würden. Wir wollten einfach den Sound dieser Band weiterführen, aber trotzdem als eigenständige Combo. Von Österreich weiß ich es noch nicht so genau, aber die Fans in den USA oder in Großbritannien haben uns von Anfang an stark unterstützt. Die neuen Songs sind die Chance, auf eigenen Beinen zu stehen. Diese Nummern als THIN LIZZY zu veröffentlichen, wäre falsch gewesen. Phil Lynott war ein so wichtiger Mensch für THIN LIZZY, das wäre nicht gegangen. Seine Stimme, sein Songwriting, seine Live-Performance – er war die Verkörperung der Band. Ich hatte aber nie gedacht, dass wir nach zwei Alben schon so weit sein würden, das spricht für die ganze Band. Es ist viel Arbeit, vom etablierten Namen wegzutreten und quasi neu zu beginnen. Aber wir sind hier, spielen in dieser wunderschönen Location mit unserem Freund SLASH. Es läuft.

Euer im Winter veröffentlichtes Album „The Killer Instinct“ ist für mich nicht nur eines der ganz großen Rock-Highlights in diesem Jahr, sondern auch die Emanzipation von der THIN LIZZY-Vergangenheit, die auf dem Debüt „All Hell Breaks Loose“ noch viel stärker durchschien.

Da stimme ich dir zu und ich bin froh, dass ich das kann. Wir haben uns beim Songwriting enorm verbessert und unsere eigene Identität gefunden. Bei „All Hell Breaks Loose“ dachten wir anfangs ja noch, dass es ein THIN LIZZY-Album werden würde. Viele sagen, „The Killer Instinct“ wäre das erste richtige BLACK STAR RIDERS-Album und so falsch liegen die Leute nicht, weil wir erstmals wussten, dass wir das Album voll und ganz für diese Band machen würden. Außerdem hatten wir mit Nick Raskulinecz einen großartigen Produzenten, der wie ein sechstes Bandmitglied für uns war. Er hat sich viel Mühe gegeben, um unsere Arrangements zu verbessern. Ich will auch unseren Bassisten Robbie Crane loben, der sich perfekt in die Riege der großartigen Bassisten der THIN LIZZY- und BLACK STAR RIDERS-Geschichte einfügt. Er passt musikalisch und auch philosophisch perfekt zu uns. Du kannst dem Album die Chemie zwischen uns anhören – es passt einfach alles zusammen.

Ist es nicht schwierig, für die BLACK STAR RIDERS Songs zu komponieren, die nicht nach THIN LIZZY klingen, das Vermächtnis dieser Band aber trotzdem streifen sollten?

Das wird dich jetzt vielleicht überraschen, aber das ist überhaupt kein Problem. Ein wichtiger Grund, dass sich die Songs so schnell und gut zusammenfügen ist die Tatsache, dass unser Sänger Ricky Warwick eine völlig eigene Identität hat, sich dieser gewahr ist und auch als Songwriter und Frontmann hervorsticht. Er wollte Phil Lynott von Tag eins an niemals ersetzen, weil das auch völlig unmöglich ist. Er wollte einfach neben ihm stehen, seine Legende feiern und genau so soll es sein und so funktioniert es auch. Die BLACK STAR RIDERS geben ihm jetzt auch die Chance, seine eigene Identität zeigen zu können. Scott, Ricky und ich haben als Songwriter individuell eine lange Geschichte – jeder von uns hat auf so vielen Alben mitgearbeitet, das macht auch viel aus. Wir haben von THIN LIZZY alles studiert – die Songs, die Texte, den Sound. Das Albumschreiben ging dann wirklich schnell. Wir haben kaum Riffs oder Melodien gekappt, weil sie einfach gut passten. Wir schreiben schon Songs für das nächste Album, weil es einfach so gut fließt.

Ricky ist in eurem Haufen voller Amerikaner der einzige waschechte Nordire. Gibt es da manchmal kulturelle Überraschungen im alltäglichen Leben?

(lacht) Es gibt Momente, definitiv. Wenn Ricky sich ein paar Biere einverleibt, kommt der irische Akzent so stark hervor, dass ich nicht einmal mehr verstehe, was er überhaupt daherredet. Darüber lachen wir natürlich immer gerne. Ricky hat aber eine Texanerin geheiratet und lebt mit ihr in Kalifornien, weshalb er im Prinzip schon sehr amerikanisiert ist und sich nicht mehr stark von uns unterscheidet. Scott Gorhams Entscheidung, ihn 2010 zu THIN LIZZY zu holen, war aber ein genialer Schachzug. Er bringt in seiner Stimme einfach den Vibe dieser Band mit, die irische Stimmung, die THIN LIZZY immer so hervorstechen ließ. Ricky schreibt die Texte auch sehr realistisch und glaubhaft, die Menschen können sich damit identifizieren. Ich hätte mir nie gedacht, dass wir mit den BLACK STAR RIDERS so weit kommen würden. Ich habe mich auf meine Solokarriere konzentriert, hie und da mit ALICE COOPER gespielt oder auch bei BROTHER CANE, aber du siehst ja jetzt, wie viel Zeit die RIDERS verschlingen. Ich bin sehr glücklich, Teil dieser Band zu sein – alle Individuen sind hervorragend. Unser Drummer Jimmy DeGrasso hat in seinem Leben schon viele gute Alben eingespielt, aber ich finde seine Leistung auf „The Killer Instinct“ ist sein Karrierehöhepunkt. Das soll bei seiner Vergangenheit was heißen!

Hattest du anfangs bei den BLACK STAR RIDERS damit gerechnet, dass die THIN LIZZY-Fans euch so ins Herz schließen würden, oder hattet ihr schon auch Angst, dass das daneben gehen könnte?

Wir waren schon etwas beunruhigt, dass sie Songs und Sound vielleicht nicht mögen würden. Dass es die richtige Entscheidung war den Namen zu ändern, davon sind und waren wir immer zu 100 Prozent überzeugt. Ich bin überzeugt, hätten wir als THIN LIZZY weitergemacht, hätten wir die Hälfte der Fanbase verloren, was ich auch verstehen kann. Wäre ich nicht in der Band und hättest du mir gesagt, Scott Gorham trommelt ein paar Jungs zusammen, um eine neue THIN LIZZY-Platte zu machen – ich hätte sie nicht hören wollen. Wir waren aber sehr froh darüber, dass wir nach der allerersten Single „Bound For Glory“ gemerkt haben, dass wir die Leute damit abholen können. Wir können nur das Beste geben und hoffen, dass die Leute am Ball bleiben. Wir sind froh über den Zuspruch, das ist alles andere als selbstverständlich.

Die Band THIN LIZZY selbst ist zwar inaktiv, aber ganz offiziell nicht gestorben.

Das stimmt, ja. Das ist Scotts Band und wir haben sehr viel Respekt davor. Ricky und ich waren Teil des letzten Kapitels von THIN LIZZY. Es wird glaube ich keine große THIN LIZZY-Tour mehr geben, aber eventuell einzelne Shows, oder so eine kleine Minitour. Wir müssten dann aber das alte Team zusammentrommeln, es wäre alles sehr viel Arbeit. Momentan gibt es keinen Grund dafür, aber gestorben ist die Band nicht, das ist absolut richtig. Sie macht nur eine sehr lange Pause.

2016 ist der 30. Todestag von Phil Lynott. Das schreit ja geradezu nach ein paar THIN LIZZY-Konzerten.

Das wäre ein großartiger Zeitpunkt und ein guter Grund, zusammenzufinden. Außerdem ist nächstes Jahr das 40-jährige Jubiläum des „Jailbreak“-Albums, das im Großen und Ganzen wohl immer noch das populärste der Band ist. Wenn so etwas passieren sollte, muss es sehr gut und vorsichtig geplant werden. Wir haben mitbekommen, dass die Umstellung auf die BLACK STAR RIDERS für einige Fans sehr konfus war. Jetzt wieder zurückzugehen, ohne das gut zu erklären und zu planen, wäre nicht klug. Aber wir werden sehen, ob was passieren wird.

Ist es nicht manchmal etwas ärgerlich mit den BLACK STAR RIDERS so viele THIN LIZZY-Klassiker zu spielen, obwohl ihr sehr starke eigene Songs habt?

Ärgerlich ist es nicht, es ist eine große Ehre. Wir spielen aber von Tour zu Tour weniger und weniger LIZZY-Klassiker, weil unsere eigenen Songs auf großen Anklang stoßen. Die Fans wollen das auch und das ist natürlich eine schöne Bestätigung für unsere Arbeit. Vor knapp drei Jahren wäre das unser Traum gewesen und jetzt sind wir kurz davor, das tatsächlich zu erreichen. Ich finde auch, dass wir dadurch noch respektvoller mit den alten THIN LIZZY und dem Vermächtnis von Phil Lynott umgehen. Wir haben eine enge Beziehung zu unseren Fans, wir reden auch mit ihnen und erkundigen uns regelmäßig, wie wir sie begeistern können. Es ist aufregend zu sehen, dass es schon sehr viele Menschen gibt, die live auch gerne viele BLACK STAR RIDERS-Songs hören wollen.

Songs wie „Charlie I Gotta Go“ zeigen auch, dass ihr Mut zum Sound zeigt. So viel Funk hätte man wohl weder THIN LIZZY, noch den BLACK STAR RIDERS zugetraut.

Danke, das nehme ich als großes Kompliment. Schuld daran ist Ricky, der auf der Gitarre die Grundmelodie klimperte, ich setzte darauf ein und dann hat sich das Ganze entwickelt. Der Song ist im Gesamtkonzept tatsächlich ziemlich einzigartig und auch eine schöne Wende im Liveset.

Der Song dreht sich ja um Charles Manson. Seid ihr alle stark an Serienmördern interessiert?

Ich persönlich habe vor allem als junger Mensch eine Faszination dafür entwickelt. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich ein Buch über den Serienmörder Henry Lee Lucas verschlungen habe. Jeder liebt es doch, zwischendurch verängstigt zu sein, seine Sicherheitszone zu verfassen. Dass sich diese Nummer um Manson dreht, haben viele Leute nicht realisiert, was wohl auch daran liegt, dass die Melodie so fröhlich klingt.

Du hast 1979 als Fan dein erstes THIN LIZZY-Konzert besucht und spielst jetzt seit ein paar Jahren mit Scott Gorham zusammen. Ist das nicht eine völlig irre Situation?

Irre ist das richtige Wort. Ich wüsste nicht, wie ich das sonst umschreiben soll. Warte mal – ich habe ein eingescanntes Bild von dem Konzert 1979 auf meinem Smartphone. (Damon scrollt durch die Gegend und zeigt mir ein Bild, in dem man den jungen, langhaarigen Scott Gorham in weiß gekleidet beim Rocken sieht – vor ihm begeisterte Fans – Anm. d. Verf.). Scott und Phil waren für mich die größten Rockstars des Planeten. Siehst du die Gitarre auf dem Bild? Ich glaube, das ist eine 58er Les Paul. Und jetzt halt dich fest! Als wir heuer in London spielten, hat mich Scott beim Soundcheck überrascht und mit der komplett gleichen Gitarre gespielt, die vor 36 Jahren mein Leben veränderte. Mann, was für eine Ehre! Das kann man sich gar nicht vorstellen. Das war so etwas wie eine religiöse Erfahrung. (lacht) Die Musik von THIN LIZZY hat mich als Musiker und auch als Person geprägt. Es gibt keinen Song, den ich jemals geschrieben habe, den ich nicht mitunter THIN LIZZY zu verdanken hätte. Die Geschichte mit mir und Scott ist wohl ziemlich einzigartig. Zumindest kenn ich kaum ähnliche Geschichten.

Wie ist die Zusammenarbeit? Immerhin war er einst ein unerreichbares Idol und jetzt seid ihr am selben Level angelangt und gleichberechtigte Partner und Kollegen.

Eine großartige Frage. Es hat sich einfach natürlich entwickelt und heute ist Scott mein Freund und gleichzeitig auch mein kreativer und geschäftlicher Partner. Wir sind ein Team, haben zusammen Meetings und müssen Entscheidungen treffen. Er ist einer der wenigen Personen, mit denen ich eine wirklich gute Beziehung führe. Ich habe so viele Jahre zu ihm aufgeschaut und jetzt arbeiten wir zusammen. Ich glaube, ein großer Teil dieser Geschichte findet sich auch in unserer speziellen, einzigartigen Musik wieder. Ricky war genauso ein Fan von THIN LIZZY und Scott. Also gibt es zwei Menschen in der Band, die einen Riesenrespekt vor „General Gorham“ haben. (lacht) Das ist auch sehr inspirierend.

In einem Interview hast du gesagt, wenn du dir außerhalb von THIN LIZZY eine Band aussuchen könntest, der du beitreten würdest, wäre das LED ZEPPELIN. Ich kann das voll und ganz nachvollziehen, doch warum nicht gleich die ganz großen Legenden, die BEATLES?

Ich liebe die BEATLES auch, wer nicht? Aber LED ZEPPELIN hatten einfach mehr Eier in allem, was sie taten. Auch wenn sie akustisch spielten, Folk-Songs zelebrierten, hatte das einfach so viel Kraft. Es ist großartig, mit interessierten Musikern und Musikfans darüber zu diskutieren, wer denn breiter aufgestellt war. Die BEATLES oder ZEPPELIN? Die BEATLES sind ein Wahnsinn, aber ich muss zugeben, dass ich sie erst mit steigendem Alter wirklich zu schätzen gelernt habe. Das liegt auch daran, dass ich heute ein größeres Gefühl und Gespür für Melodien habe als früher. LED ZEPPELIN waren etwas ganz Spezielles. Ich kann mich an ein Konzert erinnern, wo ich in der Halle stand, plötzlich kam Jimmy Page heraus und schmiss mir ein Riff um die Ohren, dass es nur so schlackerte. Bonzo hat die Drums gespielt und John Paul Jones hat mit seinem Bassrhythmus alles kongenial zusammengehalten. Und dann noch Robert Plant. Diese Stimme! Weißt du, die BEATLES, Motown und die damaligen großen Popsongs-Schreiber waren allesamt große Songwriter. Aber bei ZEPPELIN war viel improvisiert, das kam aus dem Momentum des Spontanen, aus dem Nichts. Einzigartig. Die BEATLES haben mich einfach nie so angesprochen wie LED ZEPPELIN. Dort gibt es einfach riesige Unterschiede.

Robert Plant werde ich mir Ende Juli in Brünn ansehen.

Was für eine Karriere. Ich kenne glaube ich niemanden aus der Classic-Rock-Historie, der eine ähnlich großartige Karriere hingelegt hat wie Robert. Er hat sich mit jedem Jahr, jedem Album unheimlich weiterentwickelt. Alles was er macht, wird zu Gold. Er muss nicht einmal die 40 Jahre alten Songs auf der Bühne singen, weil auch sein Solomaterial göttlich ist. Wahnsinn – wie viele Musiker und Sänger können das schon von sich behaupten?

Bestimmt nicht viele. Am Ende würde es mich noch interessieren, wie es bei dir außerhalb der BLACK STAR RIDERS weitergeht. Nach zwei Akustikalben planst du meines Wissens auch dein erstes E-Gitarren-Soloalbum?

Ich habe mit Nick mittlerweile fünf Songs in Nashville aufgenommen. Die Herausforderung ist der Zeitplan. Ich bin mit den BLACK STAR RIDERS eingespannt und Nick hat eine Vereinbarung mit einem anderen wichtigen Projekt. Aber wir sind schon ziemlich weit und ich hoffe, wir können vor Ende des Jahres zumindest eine EP herausbringen. Ich will mich nicht stressen, aber es wird Zeit. Ich will zumindest so schnell wie möglich veröffentlichen. Ich will dann auch alleine spielen, werde zudem Songs der BLACK STAR RIDERS und von ALICE COOPER einbauen – ich habe das Glück, viele schöne Stationen in meiner Karriere gehabt zu haben.

Wirst du auch wieder etwas mit deiner Tochter Sarah Marlo machen? Ihr habt ja schon zusammengearbeitet.

Das wäre großartig. Ich werde oft gefragt, ob da was kommt und das letzte Mal hat sie mit mir diesen Februar in Phoenix gesungen. Sie hat mir die Show so was von gestohlen, weil sie einfach hervorragend ist. Ich bin irrsinnig stolz auf sie. Ich habe viele Fans, die unser gemeinsames Album mögen. Sie macht das ja nicht professionell, steckt aber trotzdem so viel Herzblut hinein.

Möglicherweise brauchen die BLACK STAR RIDERS auf dem nächsten Album auch mal eine weibliche Stimme?

(lacht) Weißt du was, wovon ich nichts weiß? Eine weibliche Stimme wäre doch was. Wen könnten wir dazu bringen, mit Ricky zu singen? Skin von SKUNK ANANSIE? Oder doch lieber ANNIE LENNOX? Da tun sich Möglichkeiten auf...


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