Lividity - Dave Kibler

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Du findest nirgends so viele Kategorie-A Titten und Ärsche wie in Tschechien. Das ist eine Tatsache.

Für diesen lauen Sommerabend versammelte sich ein doch amtliches Grüppchen an Menschen im Bezirk Landstraße, um endlich einmal wieder ihre extra grausliche Oberbekleidung Gassi zu führen. Pipi, Gaxi und das obligatorische Sperma tropfte bildlich und textlich von allerlei T-Shirts, wobei zu bemerken ist, dass sich nicht nur der maskuline Höhlenmensch aufraffte, sondern auch Weibsvolk anwesend war - bei Porngrind ist der Gendergap erstaunlich gering, was wohl daran liegt, dass andere Spalten hier bevorzugt werden. Außerdem war der Anlass natürlich dementsprechend, LIVIDITY kehrten mit ihren spermatriefenden Ritzen im Viper Room ein, um ein perverses Allerlei zu kredenzen. Die "Torpedo-Twins" Stefan Baumgartner und Robert Fröwein trafen nach dem Konzert zu fortgeschrittener Stunde noch auf Dave Kibler, jedoch nicht, um sich ein paar Sasha-Grey-Pornos anzuschauen, sondern um ein vernünftiges Gespräch zu führen. Aber: Lest (und besorgt es euch dabei) selbst!

Veröffentlicht am 24.08.2015

Stefan Baumgartner: Bei LIVIDITY dreht es sich nicht um Satan oder Weed, sondern Hauptaugenmerk liegt am weiblichen Geschlechtsorgan, liebevoll „Pussy“ genannt. Was sind deine bevorzugten Synonyme für das Wort?

(lacht) “Snatch”, “Cunt”, “Taco”, “Dingo” und “Genet”.

Robert Fröwein: LIVIDITY feiert dieses Jahr den 20. Geburtstag – was motiviert dich, nach wie vor deine Frau, dein Zuhause zu verlassen und einen alles andere als luxuriösen Trip rund um die Welt zu vollziehen?

Es ist eigentlich sogar der 22. Geburtstag, wenn man die Zeit, als LIVIDITY nur meine One-Man-Show war, miteinberechnet. Im August 1995 war der erste Auftritt als eine volle Band … Ich mag einfach beide Welten, zuhause und unterwegs zu sein, und so blöd es klingt: die Musik selbst motiviert mich. Wenn ich zuhause bin, verbringe ich viel Zeit mit meiner Familie, ich habe ja auch zwei Kinder daheim, und gehe meinem Beruf nach. Allerdings habe ich dank meines Jobs so viele Urlaubstage, dass ich in der Band die größte Flexibilität einbringe. Es ist kein Problem, drei, vier oder gar fünf Wochen unterwegs zu sein. Die anderen müssen ihre Urlaubstage schon ansammeln, damit sie sich Zeit für so eine Tour wie jetzt nehmen können – es ist also schon sehr kompliziert, aber wir sind mittlerweile alte Hasen, wir wissen, wie das läuft (lacht). Und was gibt es besseres, als auf der Bühne zu stehen und nicht nur für ein geiles Konzert wie heute zu sorgen, sondern vielleicht auch den einen oder anderen dazu zu bringen, selbst auch Musik zu machen? Wir hören oft, dass LIVIDITY mit Grund dafür waren, dass Bands ins Leben gerufen wurden. Wir bei LIVIDITY sind alle gut befreundet, wir genießen die Zeit unterwegs, sind aber auch dankbar für die Chance, so wie aktuell eben durch Europa zu touren – wir sind keine verwöhnten Egoschweine, sondern freuen uns tatsächlich auf jeden einzelnen Gig unterwegs.

RF: Ist das Touren in deinem Alter immer noch so leicht wie früher?

Überhaupt nicht (lacht)! Allerdings ist das die stressloseste Tour seit langem! Egal ob es um die Supportbands, die Fahrtstrecken oder spontane Änderungen im Plan geht: diese Tour ist wirklich vergleichsweise angenehm. Bis jetzt, klopf auf Holz (lacht). Natürlich hatten wir früher, zu unseren Hochzeiten, mehr Leute vor der Bühne stehen, aber in Punkto Ablauf war es diesmal echt ein Honigschlecken. Der Plan ist, nächstes Jahr wieder zur gleichen Zeit zu kommen – für ein paar Festivals und Clubshows dazwischen, und zwar gemeinsam mit DEAD INFECTION. Ich glaube, das wäre ein ziemlich starkes Line-up. Sobald wir zurück daheim sind, werden wir die Planungen dafür in Angriff nehmen.

RF: Wie sieht die Rollenverteilung bei euch in der Band aus?

Klarerweise liegt die ganze Promotion und Publicity-Arbeit bei mir, ebenso auch das Networking. Desto mehr Leute dich kennen, desto einfacher ist es, auch schwere Pfade zu beschreiten. Von gehörte das Label Epitomite Productions, also hat auch er ein ziemlich gutes Netzwerk parat, wir beide arbeiten gut zusammen – vor allem, weil wir unterschiedliche Verbindungen haben, das ergänzt sich dann ganz gut. Garrett gehört unser Proberaum, wir treffen uns bei ihm in Chicago wann immer wir können – und Jake, ja das ist unser kleiner Bruder, den wir immer aufziehen (lacht).

RF: Wenn du an die Anfangstage zurückdenkst, was ist die erste Erinnerung, die dir einschießt?

Uff, das ist lang her … Da saß ich am Dachboden von Tommy, dem ersten Schlagzeuger von LIVIDITY, mit meinem Vierspur-Gerät, und wir haben einfach drauflos geknüppelt. Ähnlich mit den Texten: Wir haben einfach ein Stück Papier zwischen uns hin- und hergeschoben, haben irgendwas unflätig-kindisches draufgekritztelt, und das war dann der Text (lacht). Es waren lustige, sehr unschuldige Tage (lacht). Keine Verpflichtungen, keine Auftritte – sondern einfach nur … Persönlichkeitsbildung. Ich glaube, diese Phase hat mir sehr stark geholfen zu lernen, dass das Schreiben neuer Songs nicht ewig dauern muss – wir müssen ja, in den nicht allzu häufigen Momenten, wo wir alle zusammen sind, nicht nur unsere Setlist üben, sondern auch an neuem Material schreiben. Da kannst du dann natürlich nicht monatelang über einem Riff brüten. Viele stellen sich das auch so einfach vor, dass wir nur unsere Instrumente anstecken müssen, drauf los hämmern und ein paar Mal „Pussy!“ brüllen – ganz so ist es ja nun doch nicht (lacht). Wenn du etwas erreichen willst, dann ist auch eine Death-Metal-Band scheiße viel Arbeit, insbesondere, wenn du dir nicht nur in deinem Grätzel am Wochenende einen Namen machen willst. Das wäre nichts für mich auf Dauer, da kann ich mir ja gleich einfach 15 Freunde zu mir nach Hause einladen (lacht). Gerade Europa wurde damals sehr rasch, auch durch die Tape-Trading-Szene, ein sehr interessanter Markt für mich. Irgendwie fühle ich mich schon fast als Europäer (lacht).

RF: Das Rad der Zeit bleibt natürlich nicht stehen – wie siehst du als alter Hase die Entwicklung?

Ich muss sagen, dass mir die Entwicklung ab und an zu schnell ging – daher bin ich auch von Zeit zu Zeit ausgestiegen, nicht gänzlich, aber zumindest ein Stück zur Seite getreten, auch, weil Sachen im privaten Leben in dem Moment dann wichtiger, dringlicher waren. LIVIDITY war aber in der ganzen Zeit nie tot, vielleicht ab und an ein bisschen aufs Eis gelegt, aber nur zum Ruhen.
Ab und an waren es auch meine persönlichen Dämonen, die mich unzufrieden mit dem ganzen Drumherum werden ließen, ich hatte irgendwie den Eindruck, dass wir aus den falschen Beweggründen tourten – es gab Zeiten, da konnte ich blind am Kopf stehend die Stücke spielen, aber das interessierte mich weniger, als in dieser oder jenen Stadt irgendwelche Businesstypen zu treffen. Das hat mich dann irgendwann so massiv gestört, dass ich den Stecker gezogen und die Scheißkiste neu hochgefahren habe – sowas ist von Zeit zu Zeit halt nötig. Jetzt, nach fünf Jahren, sind wir wieder da. Ich nahm nicht an, dass wir so lang brauchen würden, aber jeder Weg braucht nun einmal seine Zeit – und ich denke, aktuell ist LIVIDITY wirklich ziemlich gefestigt.

SB: Was folgt als nächstes?

Portugal im Jänner, da ist ein Festival – und ich war noch niemals in Portugal, also wird das eine ganz spannende Premiere für uns werden. Da werden wir einmal reinkrachen und schauen, wie sie auf uns reagieren (lacht). Im März spielen wir am Frankfurt Deathfest, und dann schauen wir, was sich noch ergibt – wir haben Anfragen vom California Deathfest, vom Temples Of The Dead in Houston und natürlich aus Chicago. Wir werden allerdings nicht allzu viel unterwegs sein, weil wir uns nicht abnützen wollen – uns selber, aber auch da draußen, beim Publikum.

SB: Ihr habt gestern in Italien euer Konzert mitgeschnitten – wie steht es um eine Studioaufnahme? Steht da was in den Startlöchern?

Wir haben darüber gesprochen, ins Studio zu gehen und ganz ruppig ein Live-Set runterzuholzen, vielleicht mit ein oder zwei neuen Stücken als Bonus dazu – aber wir haben noch nicht wirklich viel an neuem Material geschrieben, sodass ein volles Album noch in den Sternen steht. Wir haben ein paar Ideen, lose Strukturen, aber das braucht noch etwas an Arbeit. Wir leben alle etwa drei Stunden voneinander entfernt, das verkompliziert die Sache etwas. Jetzt stand einmal im Vordergrund, das alte Material wieder zu verinnerlichen, damit die Tour glatt läuft – aber jetzt können wir uns dann endlich auch um neues Material kümmern. Alles schön der Reihe nach.

RF: Existiert dein Nebenprojekt EMBRACE DAMNATION eigentlich noch?

Nein. Das war eigentlich auch das Projekt von Joe Hoctor, mit dem ich 1994 bei SECTION 8 gespielt habe. Er hat mich gefragt, ob ich ihm bei EMBRACE DAMNATION unterstützen würde und ich habe auch noch Garrett als Schlagzeuger miteinbezogen – wir haben dann ein Album aufgenommen und ein paar Shows gespielt, aber aktuell ist LIVIDITY meine einzige Band, um die ich mich kümmern möchte.

RF: Für EMBRACE DAMNATION hast du im Gegensatz zu LIVIDITY okkulte Texte geschrieben. War das für dich eine Herausforderung, dich anderen Themenbereichen zu widmen?

Es ist anders, ja. Aber ich arbeite in der Nachtschicht als Hausmeister an einer Universität, zu dem Zeitpunkt damals am Institut der Religionswissenschaften und Philosophie. Ich hatte also leichten Zugang zur Forschungsliteratur, und als wir beschlossen, dass EMBRACE DAMNATION diesen bösen, mystischen Vibe haben sollte, hat das zeitlich genau gepasst. Ich schnappte mir also einfach die Bücher, machte mir Notizen – weil ich wollte nicht, dass dann irgend so ein grimmiges Satanistenwürstchen mir ans Bein pinkelt, weil wir da irgendeinen Scheiß verzapfen (lacht). Ich verlor dann irgendwie auch ganz die Lust aufs Gitarrespielen, weil ich meine ganze Energie ins Singen legen wollte. „Glory Of A New Darkness“ war schon ein gutes Album, ich glaube, hätten wir weiter gemacht, wären wir noch einen Tick besser geworden – aber für ein Debüt kann man das schon so stehen lassen.

RF: Wissen die Studenten eigentlich, wer du bist?

Ja, die haben sich LIVIDITY auf YouTube angeschaut und sind dann immer zu mir gekommen, und haben gemeint, sie hätten mich beim Stagediven und so gesehen (lacht). Ich habe sie immer dazu angehalten, sich LIVIDITY live reinzuziehen, und nicht nur am Album, weil sie da die Energie, die sowas auslöst, besser verstehen würden. Ich habe nie negatives Feedback bekommen, natürlich hat es nicht jedem gefallen, aber als „Sonderling“ oder so wurde ich deswegen nie abgestempelt. Ich glaube, sie haben einfach verstanden, dass das immensen Spaß macht, auch wenn es teilweise etwas derb ist … (lacht)

SB: Irgendwie wirkst du mit deinem Job wie das perfekte Material für einen Stephen-King-Roman …

(lacht) Ein verrückter Hausmeister, der nächtens durch die Universität stolpert und dabei abstruse Gedanken durchs Hirn geistern hat … Wofür er den Wischmopp wohl braucht? Hum, hum, hum! (lacht) Ja, dem sollte sich Stephen King einmal widmen (lacht). Aber im Ernst, es ist wirklich angenehm, in der Nacht zu arbeiten – es sind nur wenige Menschen unterwegs, ich kann mich hinsetzen, mit meinen Kopfhörern an der Gitarre, bisschen üben, ganz für mich spielen …

RF: Wie steht es um die HOLLYWOOD DIRTBAGS? Es ist irgendwie überraschend, dass du den Brückenschlag zwischen Death- und Sleaze-Metal so spielerisch schaffst.

(lacht) Ja, mittlerweile habe ich alles gemacht, außer, Schlagzeug zu spielen (lacht). Dort spiele ich ja Bass. Als ich so um 2010 herum eher „lokal“ aktiv bleiben wollte, nicht wirklich touren wollte, sondern nur mit Freunden Spaß haben wollte, kamen eben die HOLLYWOOD DIRTBAGS auf. Was gibt es auch geileres, als diesen abgefuckten Achtziger-Jahre-Sleaze? Wir sind gerade im Studio und nehmen unser zweites Album auf. 2012 spielten wir sogar hier, im Escape, wenn ich mich recht entsinne, gemeinsam mit den L.A. GUNS …

RF: Ihr solltet eine Tour mit LIVIDITY und HOLLYWOOD DIRTBAGS gemeinsam machen …

… und EMBRACE DAMNATION und DEADEN (lacht). Achja, und mit WACO JESUS, der Gitarrist von ihnen spielt auch bei den HOLLYWOOD DIRTBAGS. Bald können wir unser eigenes Festival aufziehen (lacht).

SB: Einen Festivalnamen hätten wir auch schon parat, das „Fist Fest“… Jedenfalls, da gibt es diesen einen Song namens „A Woman’s Place Is On My Face“, in dessen Intro der Hauptdarsteller auch Dave heißt. Was das Absicht oder purer Zufall?

(lacht) Es war eine Verarsche, den die anderen Jungs mir im Studio spielten. Ich weiß nicht mehr, wer darauf gestoßen ist, aber der eigentliche Witz ist ja der, dass ich gerade Vater wurde zu dem Zeitpunkt.

SB: Hast du eigentlich jemals daran gedacht, nicht nur über Sexphantasien zu singen, sondern selbst einen Porno zu drehen – gleich ob als Darsteller oder als Regisseur?

Allein der Gedanke macht mich schon geil (lacht). Wobei, in meinem Alter wäre ein Regieposten wohl eher im Bereich des Möglichen, denn als aktiver Schauspieler (lacht) – oder als Leiter eines gigantischen Pornoimperiums, der einem Mafia-Boss gleich einfach nur in seinem schwarzen Ledersessel thront und statt einer Katze eine rasierte Muschi streichelt, den ganzen Tag (lacht).

SB: Schaust du eigentlich mehr Pornos oder Horrorfilme?

Um einen Tick mehr Pornos, würde ich sagen. Ich schaue nicht viel fern, und wenn man am Computer sitzt, ist es einfacher, mal schnell auf eine Pornoseite zu surfen und dann mit einem schmutzigen Grinsen im Gesicht dazusitzen, als sich erst einen Horrorstreifen zu saugen. Wichsen ist die schnellere Pausenbeschäftigung, definitiv.

SB: Was ist dein Lieblings-Pornostar?

Der gleiche wie bei dir: Sasha Grey. Wir haben einen Ausschnitt von ihr für unser letztes Album verwendet, für das Instrumental „Adapting The Flesh“, das in „Surround By Disgust“ übergeht – die Frau, die du da hörst, das ist unsere süße Sasha.

SB: „I want you to hurt me, I want to be your sexslave“, genau. Was ist eigentlich größer, deine Porno- oder deine Metalsammlung? Und sag jetzt bitte nicht: „Mein Penis.“

(lacht) Das wäre aber die Wahrheit (lacht). Nein, im Ernst: Ich habe letztens einiges an meinen Pornos abgestoßen, also zurzeit müsste es eigentlich meine Plattensammlung sein. Pornos nutzen sich ja auch viel schneller ab, als Platten. Wenn du einen Clip ein paar Mal gesehen hast, dann wird er auch irgendwann langweilig. Aber ich hatte wirklich eine Menge an Pornos, immer, wenn wir zum Beispiel mit COATHANGER ABORTION aus Tennessee gespielt haben, haben sie Pornos gegen unser Merchandise getauscht, und sie hatten wirklich viele CDs und Shirts von uns (lacht). Und das haben einige Bands mit uns so betrieben. Wir haben dann manchmal auch während der Show Porno-DVDs auf der Bass-Drum präsentiert und dann nach der Show zum Verkauf angeboten, es war immer ein Geben und Nehmen (lacht).

SB: Wissen deine Kinder eigentlich, was ihr Vater aufführt?

(lacht) Sie wissen, was ich tue, aber sie wissen auch nicht, was ich tue, wenn du verstehst, was ich meine (lacht). Sie kennen die Album-Cover, aber sie waren nicht auf unseren Konzerten, wissen also nicht wirklich, was da abgeht. Natürlich wissen sie schon, dass das ein bisserl perverses Zeug ist, aber das finden sie auch ganz cool.

SB: Wie alt sind die beiden?

Meine Tochter ist 12 und mein Sohn 14. Ich war ja zweimal verheiratet, mit der ersten Frau habe ich nochmal eine Tochter, die ist 26. Da war ich gerade 20, als sie gekommen ist (lacht).

SB: Hat eigentlich deine Frau den gleichen dreckigen Schmäh wie du?

Hmmm, da muss sie schon in der richtigen Stimmung dazu sein (lacht). Sie kommt zu unseren Konzerten, ist auch immer mitten drin in der Action, steht auch auf die Musik – also nicht nur LIVIDITY, sondern generell Death Metal, aber die Lyrics gehen ihr eigentlich ziemlich am Arsch vorbei, oder besser: sie bringen sie zumindest nicht in Stimmung (lacht). Aber sie weiß auch, dass trotz all des Geredes übers Ficken immer noch sie es ist, mit der ich abends ins Bett gehe. Wäre es anders, wäre ich aber auch nicht hier – ich würde ihr niemals zumuten, dass sie sich unwohl fühlt, wenn ich mit einer „sexuell angeheizten Stimmung“ auf Tour gehe. Natürlich ist es nie einfach, seine Familie daheim zu lassen, aber es sind ja nur wenige Tage, die wir getrennt sind … Zehn oder vierzehn Tage hält unsere Ehe schon aus.

SB: Wie sieht das Mann/Frau-Verhältnis bei einer LIVIDITY-Show aus? Erfüllt ihr die Genderquote?

In Italien hast du drei Mädchen pro Typ, das ist ein Wahnsinn (lacht). Das muss der Himmel für jeden testosterongesteuerten Bastard sein (lacht). Ansonsten sind schon die Typen eher in der Überzahl.

RF: 2007 gab es auch einen Zwischenfall in Innsbruck, als eine Organisation namens „Women Against Rape“ versuchte, euren Auftritt zu verbieten …

Ich weiß nicht, wieso genau wir auf deren Liste landeten, aber es schaut so aus, dass wir mit unserem Konzert 2003 einen bleibenden Eindruck hinterlassen hatten. Als wir dann vier Jahre später wieder vorbeischauten, machten die das nicht nur in der Presse groß publik, wie frauenfeindlich wir nicht seien, sondern schmissen auch die Fenster von dem Club, in dem wir spielten, ein. Wir waren ein paar Tage vor der Show in Bad Mitterndorf, als mich der lokale Promoter aus Innsbruck anrief und um ein telefonisches Statement bat. Ich dachte, der verarscht mich und war schon versucht, als Statement abzugeben, dass wir gekommen seien, um alle Frauen in Innsbruck zu vergewaltigen oder so einen Blödsinn – was wir natürlich nicht vorhatten, aber in dem Moment dachte ich echt, ich sei in einem schlechten Film. Wir alle haben Frauen und Kinder und sind keine üblen Menschen, aber das mach so einer idiotischen Organisation einmal klar … Das ist wie damals zur Zeit der Hexenverbrennung, echt jetzt. Die haben nicht einmal – Achtung, beabsichtigter Wortwitz! – die Eier besessen, mit mir persönlich zu reden, als wir dann in Innsbruck spielten. Vielleicht waren sie auch einfach nur ängstlich, dass sie sich in mir getäuscht haben – was weiß ich.

RF: Habt ihr solche Probleme öfter?

Nein, niemals. Manchmal auf Facebook, dann kommt so ein Scheiß wie „Gott ist gut.“ zurück – wo du dir am Kopf greifst, aber ansonsten nicht wirklich, nein.

RF: Ist dir das ein persönlicher Genuss, Leuten auf die Füße zu steigen, ein bisschen zu schockieren?

Ja, und diese Einstellung habe ich von ALICE COOPER übernommen. Er war der König in den Sechzigern und Siebzigern, dann kamen KISS – und für mich ist dieses Mysterium, wenn du auf der Bühne so richtig derb abgehst, schlichtweg ein Hochgenuss, wenn du für offene Münder sorgst. Ich stehe drauf, Menschen zu schockieren – egal ob mit den Texten oder mit der Musik oder dem Auftritt selbst.

RF: Aber kann man heute tatsächlich noch schockieren?

Es ist nicht mehr so einfach, mit den Texten allein zu schockieren, nein – deswegen versuchen wir auch, eine wahnwitzige Bühnenshow zu bieten. Wenn man LIVIDITY live sieht, soll man glauben, wir stehen kurz vor der Explosion, so wie der Kopf von dem Typen in „Scanners“ (lacht). Als wir mit LIVIDITY anfingen, schaute die Sache noch etwas anders aus – da galt es schon als extrem, wenn wir über spermanasse Arschritzen gesungen haben. Wir waren sicher nicht die ersten und einzigen damals, da gab es auch noch CLITGORE aus Rumänien, oder CUM COVERED CRACKWHORE aus Deutschland, und selbst Österreich hat mit CUM BOOK eine geniale Porngrindband am Start.

RF: Was ist dein Rezept für einen Tag, wo du schlecht drauf bist, aber immer noch Vollgas geben musst?

Ich habe keine schlechten Tage (lacht).

RF: Terminator.

(lacht) Gerade bei dieser Tour harmonieren alle Menschen wirklich perfekt miteinander, da gibt es absolut keine Probleme.

SB: Auf all diesen Pornoseiten gibt es diese ganzen Kategorien von „Anal“ und „Teens“ über „Group Sex“ und „Interracial“ bis hin zu „German Porn“ und „Czech Porn“. Kannst du dir erklären, warum gerade diese beiden Länder so inspirativ zum Onanieren sind?

(lacht) Naja, du findest nirgends so viele Kategorie-A Titten und Ärsche wie in Tschechien. Das ist eine Tatsache. Außerdem kommen aus Tschechien extrem viele Pornostars, da macht das dann schon Sinn. Und in Deutschland fressen sie doch gerne Scheiße, nicht? Die Deutschen sind die „Scheißeesser“, nicht?

(kollektives Gelächter)

SB: Die Deutschen sind zumindest scheiße, ja. Wie definierst du Perversion?

Perversion ist eine Gemütsverfassung, es ist eine Emotion. Ganz gleich, wie sich die dann verbildlicht – seinen Schwanz irgendwohin stecken, irgendwelche Flüssigkeiten in sich aufzunehmen, das ist dann nur die endgültige Ausformulierung eines innerlichen Triebes. Perversion kann ganz, ganz große Kunst sein – oder auch extrem primitiv.

SB: Kommt die Frau immer zuerst?

Ja, ich laber zwar viel Scheiße, aber diesen Respekt bringe ich Frauen entgegen (lacht). Frauen sind angenehmer auszuhalten, wenn sie zufriedengestellt und befriedigt sind.

(kollektives Gelächter)

SB: Was ist dein persönlicher Leitfaden für Analverkehr?

Du brauchst definitiv ein Glas Erdnussbutter, am besten die mit den Stückchen drinnen. Diese verteilst du großzügig am süßen Arschloch, sodass wenn du deinen Schwanz reinstößt, die Nussstücken für eine angenehme Reibewirkung sorgen, die Butter das Gleiten aber erleichtert. Und dann, wenn du fertig bist, darf sie dir den Schwanz genüsslich sauber lecken. Das schmeckt gut und tut gut – und harmoniert auch farblich perfekt (lacht).

SB: Jeder weiß, was ein „Dirty Sanchez“ ist. Allerdings gibt es da noch viel abstrusere Sexualpraktiken und ich würde gerne wissen, wie viele davon dir bekannt sind …

Schieß los, da lerne ich sicher noch dazu (lacht)!

SB: Was ist ein „Tallahassee Night Train“?

Es ist auf jeden Fall eine „Entgleisung“ (lacht) … Hat es was mit Analsex zu tun? Ich habe keine Ahnung, echt nicht.

SB: So heißt die Sexualpraktik, wenn du in einen Socken wichst und jemandem damit ins Gesicht schlägst. Was ist ein „Georgia Scorcher“?

Das klingt danach, als würdest du beim Ficken jemanden anzünden – was dann doch ein bisschen hart ist …?

SB: Wieder falsch: Du machst ein Mädchen so betrunken, dass sie bewusstlos wird, scheißt in ihr Höschen, sodass sie am nächsten Tag denkt ...

... sie hätte sich selbst angeschissen, wie gut (lacht)! Verdammt, das ist das lehrreichste Interview, das ich jemals geführt habe – und ich arbeite an einer Universität! Weiter, weiter!

SB: Ein „Topeka Destroyer“ ist …?

Das muss was mit Wichsen zu tun haben, wenn „Topeka“ Teil des Namens ist – und „Destroyer“ lässt vielleicht drauf schließen, dass du sie mit Sperma voll einsaust?

SB: Das mit dem „Einsauen“ stimmt schon einmal. Ein „Topeka Destroyer“ ist, wenn sie dir einen Blowjob verpasst und du ihr dabei auf den Schädel kotzt. Was ist ein „Kentucky Lawnmower“?

Vögeln vor den Augen einiger Zuseher in der Wiese?

SB: Nope. Dabei nimmst du die Frau von hinten, stößt ihre Arme dann seitwärts und vögelst sie quer durch das Zimmer.

(lacht) Das ist großartig, das muss ich einmal ausprobieren!

SB: Und wie steht es um den „Baltimore Blowfish“?

Kotzt man sich da in den Mund und schlägt dann auf ihre Backen, dass das ganze Zeug dir wieder entgegen kommt?

SB: Sehr gut, beinahe! Allerdings kotzt man dabei nicht, sondern du furzt ihr in den Mund, während sie dir die Arschritzte leckt, sodass sich ihre Backen aufblähen. Ich glaube, damit das wirklich gut zur Geltung kommt, muss man aber schon eine Menge an Bohnengulasch davor verdrücken.

Das ist ja beinahe harmlos im Vergleich zu meiner Vorstellung (lacht).

SB: Mal schauen, was du zum „Omaha Hambone“ sagst …

Das wird wohl irgendwas mit „Kopf“ zu tun haben? Eventuell in ihre Nasenlöcher abspritzen – oder nein, in ihre Ohren?

SB: Sehr gut, das ist Teil 1 der Praktik, ja: Du onanierst in ihre Ohren und schmeißt sie dann die Stiegen runter.

Wie bitte? (lacht) Das ist ja echt krank!

SB: Sind sie das nicht alle irgendwie? So wie der „New Hampshire Smore“, der da ist …?

Das klingt irgendwie nach einer Mischung aus weißer Schokolade und Milchschokolade. Dann muss es also irgendwas mit Sperma und Scheiße sein – oder Sex mit Schwarzen? Nein, es ist definitiv Sperma und Scheiße. Ich glaube, das wird einer der nächsten Songtitel: „Shit And Cum in New Hampshire“ (lacht)! Also, ich sage, der „New Hampshire Smore“ ist die Sex-Praktik, wo du Scheiße und Sperma vermengst und ihr auf den Körper reibst. Korrekt?

SB: Zusammengefasst könnte man das so stehen lassen, ja. Ausformuliert ist der „New Hampshire Smore“, wenn du einen gigantischen Haufen ihr in den Mund legst, sie dir danach ohne zu schlucken den Schwanz lutscht, bist du in ihr kommst. Anschließend spuckt sie dir das Gemenge aus Sperma und Scheiße in deinen Mund, du dann wiederum auf ihre Muschi, und fickst sie dann zum Abschluss noch durch.

Das ist definitiv etwas, das alle Deutschen gern machen. Die Scheißeesser (lacht)! Das würde ein Amerikaner niemals machen! Nur die Deutschen! Pfui!

SB: Kommen wir zur letzten Prüfungsfrage – du hast dich ja trotz fortgeschrittener Stunde ganz akzeptabel gehalten, aber viel lernen du noch musst, kleiner Padowan! Also: Was ist ein „Oregon Mude Puddle“?

Klingt nach Dünnschiss? (lässt einen lauten Furz fahren und lacht sich halb zu Tode) Habt ihr das gehört? Mein Arschloch will auch mit raten! Ist es vielleicht, wenn du in einem Plantschbecken Dünnschiss ansammelst und dann reinspringst?

(kollektives Gelächter)

RF: Diese Auflösung ist besser, als die eigentliche Bedeutung!

SB: Stimmt. Tatsächlich ist es aber das Procedere, wenn sie dich im Reverse Doggy Style vögelt und dir ihren Dünnschiss über den Bauch verteilt. In dem Sinne: „Class dismissed!“


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