EUROPE - Joey Tempest

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In den 80er-Jahren war einfach alles übertrieben - wir mussten eine Bandpause einlegen.

Kompliziert verlief die Vorbereitung zum Gespräch mit EUROPE-Frontmann Joey Tempest in Wien. Dem hochsympathischen Sänger zum Dank, hat es zu später Stunde doch noch geklappt - Stormbringer-exklusiv!

Text: Robert Fröwein | Fotos: Michelle
Veröffentlicht am 12.11.2015

Die Fans haben schon gezittert, ob das mit dem Konzert jetzt noch was werden würde. Eine gute Stunde verspätet traten EUROPE zu Allerheiligen auf die Bühne der Wiener Ottakringer Brauerei, ungeduldige Pfiffe aus dem Zuseherbereich inkludiert. Was die Anwesenden in der Konzertlocation natürlich nicht wussten - die Band hatte einen Day Off am Vortag und Sänger Joey Tempest jettete flott von München heim nach London zur Familie und wäre fast nicht mehr nach Wien gekommen. Während die Band nämlich schon seit dem frühen Nachmittag auf ihren Einsatz wartete, steckte Joey im Londoner Tiefnebel fest - am Flughafen Heathrow mussten mehr als 30 Flüge abgesagt werden - über den Umweg München schaffte es der 52-Jährige schlussendlich doch noch in die Bundeshauptstadt, kam schließlich etwa 20 Minuten vor Konzertbeginn am Venue an. Die nachfolgende 90-Minuten-Show war zweifellos eines DER Rock-Highlights des Jahres, wer EUROPE heute immer noch auf die Chart-Schmachtfetzen "The Final Countdown" und "Carrie" reduziert, hat weder die Band, noch den 80er-Rock verstanden. Mit dem im Vorfeld ausgemachten Interview hatte ich gar nicht mehr gerechnet, bis der Tourmanager netterweise bekanntgab, dass sich Joey ausnahmsweise nach dem Konzert Zeit nehmen würde, kurz vor Mitternacht. Stormbringer.at war somit das erste Medium nach mehr als zehn Jahren, dem Joey Tempest nach einem Livekonzert für ein Gespräch zur Verfügung stand! Sehr entspannt und mit ruhiger Stimme ließ er sich bereitwillig auf eine verbale Reise zu drei Dekaden Rockgeschichte ein und bewies eindrucksvoll, dass man als "Nice Guy" weit mehr Eindruck schindet, denn als launische Star-Diva...

Joey, vor allem mit den letzten drei Alben „Last Look At Eden“, „Bag Of Bones“ und dem brandneuen „War Of Kings“ gelang euch, dem 80er-Jahre-Rockwunder, ein sensationelles Comeback, obwohl ihr neue Songs gar nicht nötig gehabt hättet…

„Last Look At Eden“ war schon das dritte Album nach unserer Rückkehr 2004, aber das erste, das richtig einschlug. Alles passierte spontan, auch die Texte haben wir während der Aufnahmen noch geändert. „Bag Of Bones“ und das neue Album, „War Of Kings“ entstanden dann wieder sehr organisch und die Texte sind eindeutig besser geworden. Heute kriege ich aber viel Unterstützung von den Bandkollegen. John Levén schreibt viele Riffs und John Norum sorgt für das Gerüst der Songs. Ich kann heute nicht mehr so leicht zwölf Songs alleine schreiben, das Teamwork ist hervorragend. Ich bin dann der, der die Texte und ein paar Melodien beisteuert und die Songs verfeinert, bis sie fertig sind. „Last Look At Eden“ habe ich noch ziemlich alleine geschrieben, aber das hat sich gottseidank geändert.

Ihr schafft es wirklich hervorragend, die glorreichen 70er-Jahre der Marke DEEP PURPLE oder LED ZEPPELIN in euren modernen Songs abzubilden – daran scheitern viele Bands heutzutage. Warum gelingt euch diese akustische Rückbesinnung zu den alten Tagen scheinbar so mühelos?

Das liegt an so vielen Dingen, die kann man gar nicht alle zusammenfassen. Am Wichtigsten sind dabei immer der Gitarren- und der Schlagzeugsound. John Norum weiß genau, wie seine Gitarre funktioniert, er experimentiert viel mit verschiedenen Mikrofonen und findet nach akribischer Suche immer den perfekten Sound. Unser Produzent Dave Cobb hat von verschiedenen alten Größen genau gelernt, wie man die Drums perfekt aufnimmt. „Pressure & Time“ von den RIVAL SONS, die Cobb auch produzierte, hatte den besten Drum-Sound, den ich je hörte – ansonsten ist das in der Gegenwart bei modernen Rockalben nur mehr selten der Fall. Um deine Frage zu beantworten – wir sind ziemliche Nerds. Wir arbeiten viel mit unterschiedlichen Verstärkern, Mikrofonen und Tonanlagen. Um einen wirklich guten, warmen Sound zu kreieren, musst du ein bisschen ein Nerd sein. Ich habe Livealben wie „Made In Japan“ oder „Made In Europe“ von DEEP PURPLE geliebt. Von letzerem Album stammt ja auch unser Bandname. Auch die „Tokyo Tapes“ von den SCORPIONS waren großartig, heute haben Livealben aber leider ihre Bedeutung verloren. Wir sehen das anders, weil wir unsere Show in Wacken mitgeschnitten haben und bald veröffentlichen werden. Das Teil hat Kevin Shirley, den die meisten von IRON MAIDEN kennen, gemixt und der Drum-Sound darauf ist auch großartig. Freut euch darauf.

Sind denn überhaupt noch Studioalben wichtig in Tagen des schnellen Streamens auf Spotify?

Da sind wir wohl etwas altmodisch, ich denke nicht Single-basiert. Ich liebe harte Gitarren und schwere Musik genauso, wie schöne Melodien. Ich bin ein Songwriter und stehe total auf einen guten Song, wie etwa „Days Of Rock’n’Roll“. Du brauchst natürlich gute Singles, denn sonst besteht ein Konzert nur aus Soli und sonderbaren progressiven Einschüben. Ich mag auch Bands wie OPETH, aber sie haben mit uns nichts zu tun. Alben sind wichtig, aber Singles braucht man auch – so einfach ist das.

Weil du von Dave Cobb, dem Haus- und Hofproduzenten der RIVAL SONS gesprochen hast – wolltest du durch ihn auf „War Of Kings“ die perfekte Mischung aus Nostalgie und Moderne heraufbeschwören?

Genau – „Pressure & Time“ war ausschlaggebend dafür, dass wir mit Dave arbeiten wollten. Er hat bei ihm zuhause in den USA eine EUROPE-Werbung gesehen und sich dann auch für uns zu interessieren begonnen. Wir waren uns schnell einig und reden gerade darüber, beim nächsten Album wieder zusammenzuarbeiten. Dave ist für die RIVAL SONS fast schon ein Bandmitglied, so wie es George Martin früher für die BEATLES war. Er ist einfach überall beteiligt und hilft immer aus – dasselbe war bei uns. Er hatte viele Ideen für Keyboard-Spuren und hat an vier Songs aktiv mitgeschrieben. Es würde mich freuen, könnten wir noch einmal zusammenarbeiten.

EUROPE-Frontmann Joey Tempest in seinem Element - eine top-trainierte 80er-Rock-Rampensau

Du selbst warst quasi alleinverantwortlich für alle großen EUROPE-Hits, und obwohl die Band immer schon für harten Rock stand, überstrahlt das eingängige „The Final Countdown“ seit fast 30 Jahren einfach alles. Fühlst du dich in diesem Bereich sehr oft missverstanden? Auch von den Fans, die live oft immer noch schockiert sind, wenn sie zum ersten Mal eure harten Rocksongs hören?

Nicht wirklich. Mittlerweile haben wir zehn Alben und unzählige Songs geschrieben, ich denke nicht in diese Richtung. Wir haben schon viele Songs, die sich vielleicht zu stark an die 80er-Jahre angebiedert haben, aber „The Final Countdown“ ist anders, der Song hat alle Zeiten überstanden und ist ein Klassiker.

Vor diesem Song wart ihr schon wesentlich rockiger unterwegs, bevor ihr euch eben doch mehr am Mainstream angebiedert habt.

Auf den ersten beiden Alben waren wir eine progressive Hard-Rock-Band, aber das war mir nicht genug. Ich bin Songwriter und wollte schon immer darüber hinausschauen. In einem lokalen Musikgeschäft habe ich ein Keyboard aus Japan entdeckt und war völlig begeistert davon. Anfang/Mitte der 80er waren die goldenen Jahre der analogen Keyboards. Als Songwriter musste ich einfach damit experimentieren, das hat auch Eddie Van Halen auf „Jump“ gemacht. Ich habe also die ganze Nacht damit herumexperimentiert, darauf geachtet, wie ich Ideen zu Songs formen könnte und plötzlich war da die Melodie für „The Final Countdown“. Ich habe das aufgenommen und darauf aufgebaut weitergearbeitet. Wir wollten Keyboards damals nicht bewusst so oft verwenden, aber sie klangen neu und ziemlich cool. Das Album war einfach ein Abdruck der jeweiligen Zeit. Heute könnte ich das Instrument nicht mehr so verwenden, weil es nicht passen würde. Heute verwenden wir Klaviere und organische Synth-Instrumente, man muss einfach vorsichtiger damit umgehen. Ich finde, dass viele Bands den falschen Sound wählen, wenn sie Classic Rock spielen wollen. Mic Michaeli ist bei uns ein hervorragender Hammond-Instrumentalist, auch das ist wichtig für unseren Sound. Man muss einfach firm mit der Technik sein, wenn man gut klingen möchte.

Ich finde es interessant, dass ihr heute das exakt gleiche Line-Up wie damals seid, aber Äonen vom damaligen Sound entfernt agiert.

Wir haben uns weiterentwickelt und das war immer die oberste Prämisse der Band. Unsere Karriere sollte ein Abenteuer sein, keine ständige Wiederholung. Viele Bands wiederholen ihr Erfolgsalbum immer und immer wieder – für uns selbst war das nie ein Thema.

War das ein Mitgrund, dass du selbst von Stockholm nach London übersiedelt bist? Weil du neue Einflüsse finden und sammeln wolltest?

Das erste Mal war ich schon als Zwölfjähriger mit meinen Eltern in London – ich habe die Stadt schon damals geliebt. Ein paar Jahre später habe ich mit John Norum zu spielen begonnen und wir träumten davon, die neuen DEEP PURPLE zu werden. Die ersten Touren und Alben kamen und als wir das erste Mal beruflich in London waren, habe ich mir gleich ein Appartement gemietet. Ich habe dort auch meine Ehefrau getroffen, wir sind seit 1992 zusammen und haben auch Kinder. Ich liebe diese Stadt einfach und lebe aus den unterschiedlichsten Gründen schon sehr lange dort. Ich habe aber auch schon in Irland und in der Karibik gelebt – ich war schon überall. (lacht)

Vermisst du manchmal Stockholm und typische schwedische Charakteristiken?

Ich bin so oft dort, dass ich das gar nicht vermissen kann. Der Rest der Band ist sowieso in Schweden, wir proben auch dort und nehmen unsere Alben in Schweden auf. Meine Eltern leben wohnen knapp außerhalb Stockholms. Ich bin noch immer stark in Schweden verwurzelt, aber London ist meine Heimatstadt.

Als ihr beschlossen habt, nach zwölfjähriger Pause 2004 mit EUROPE wiederzukommen, welche Dinge waren euch damals am Wichtigsten?

Wir haben es jedenfalls sehr ernst gemeint, weil wir auch eine lange Beständigkeit geplant haben. Wir wussten von Anfang an, dass es wohl einige Alben brauchen wird, bis wir den Kontakt zu den Plattenfirmen, Medien und vor allem den Fans finden würden. Es war nie ein Thema, mit einem typischen 80er-Album auf Reunion-Tour zu gehen, es war für uns immer ein kompletter Neubeginn aus einer gegenwärtigen Lage heraus geplant. John lebte damals in L.A. und wir haben angefangen, Songs zu schreiben. Es ist tatsächlich immer das dritte Album, das einem alle Türen öffnet. „The Final Countdown“ war es in unserer ersten Bandkarriere, „Last Look At Eden“ 2009 während unserer zweiten. Von dort weg fühlten wir uns wieder wohl, waren auch wieder im Rennen. Wir verbesserten unseren Sound und auch die Texte stetig und der Blues zog wieder bei uns ein. Songs wie „In My Time“ oder „Catch That Plane“ kehrte die emotionale Seite der Band hervor. Die Lyrics für „The Beast“ waren auch für mich der Knackpunkt für eine Veränderung. Ich begann verstärkt mit Wörtern zu spielen und den Texten mehr Tiefe zu geben.

Joey Tempest im mitternächtlichen Entspannungstalk mit Stormbringer.at - (c) Chris Tresper

Suchst du als Songwriter bewusst nach dem nächsten großen Hit?

Nein, das haben wir niemals gemacht, auch wenn das viele nicht verstehen oder glauben wollen. Wir waren damals Anfang 20 und haben einfach Songs in einer Welt geschrieben, wo das Radio plötzlich auf Hard Rock aufmerksam wurde. MTV war damals groß in Mode und mit Bands wie DEF LEPPARD oder BON JOVI waren wir Teil dieser Generation. Wir haben selbst THIN LIZZY, DEEP PURPLE und BLACK SABBATH gehört und diese Klänge einfach auf das nächste Level gehoben. Wir waren im Radio und dauernd auf MTV, das sorgte für Aufsehen. In den 80er-Jahren war einfach alles übertrieben, alles über die Spitze hinaus gesetzt.

War es dann für euch schwierig, nach diesen Glanzjahren auf die Erde zurückzukehren, sich wieder vermehrt in Bescheidenheit zu üben?

Wir brauchten die Pause von 1992 weg unbedingt. Zu diesem Zeitpunkt haben Heavy Rock und auch Heavy Metal alles gemacht, was möglich war – das Gefühl hatte ich auch bei mir selbst. Wir wurden damals von Bands wie den STONE TEMPLE PILOTS, RAGE AGAINST THE MACHINE oder NIRVANA geprüft, die allesamt großartig, aber eine klare Reaktion gegen die überproduzierten 80er waren. Für mich war damals alles mit EUROPE gesagt, deshalb habe ich auf Soloalben gesetzt, weil ich für mich von vorne beginnen wollte, die Musik, die mir selbst wichtig war, wieder in mir finden wollte. Von JACKSON BROWN über VAN MORRISON bis hin zu RANDY NEWMAN. Ich habe damals angefangen, mir BOB DYLAN und NEIL YOUNG anzusehen und all ihre Alben zu kaufen, ich wollte einfach mehr Tiefe in meinen Texten erzeugen. Der Hard Rock aus Stockholm, den ich bis dahin machte, war zwar stark, hat mir aber nicht mehr gereicht. Ich wusste, dass ich einfach eine andere Version von EUROPE haben wollte. Emotionaler, mit mehr Drang zum Blues und tiefergehenden Texten. Im Hard Rock gibt es viel zu viel Eindimensionales. Es wird schnell mal etwas überproduziert und langweilt dann im Bombastgewand, das haben wir mit EUROPE heute nicht mehr. Wir haben immer darauf geachtet, dass wir in einer Live-Atmosphäre aufnehmen, aber es war oft überkandidelt. Gute Bands brauchen das nicht.

Fällt es dir dann heute manchmal schwer, dich mit den oberflächlichen Texten aus deiner Vergangenheit zu identifizieren?

Das nicht unbedingt, mir hat das damals auch großen Spaß gemacht und mehr war halt nicht drinnen. (lacht) Am ersten Album waren interessante Texte, auch auf den folgenden. Nicht so viele wie heute vielleicht, aber es hat schon gepasst. „Rock The Night“ mag ich gerne, damit kann ich leben, aber natürlich gibt es Texte, die ich heute nicht mehr schreiben würde – ich würde sagen, etwa die Hälfte davon.

Jeder kennt dich unter deinem Künstlernamen Joey Tempest, in Wirklichkeit heißt du Rolf Magnus Joakim Larsson. Gibt es eigentlich Unterschiede zwischen der echten und der künstlerischen Persönlichkeit, oder ist das schon total verschmolzen?

Die Leute wissen zwar, wer ich bin und was ich mache, aber ich führe in London ein ausgiebiges Privatleben. In meiner Familie bin ich ganz bei mir, es gibt also schon Unterschiede. Ich fühle mich meiner Frau und meinen zwei Kindern sehr nah. Ich bin gerne Zuhause, fahre die Kids zur Schule oder unterhalte mich mit anderen Eltern. Andererseits bin ich aber seit ich zehn bin auf der Bühne, das begann schon in der Schule. Für mich ist das alles sehr natürlich und ich kann mich sehr schnell in meine Bühnenpersönlichkeit verwandeln. Ich habe einfach kein Problem, zwischen den beiden Welten zu switchen.

Jeder, der EUROPE-Shows kennt, weiß, dass du eine große Rampensau bist. Was macht das Rampenlicht für dich so besonders, was liebst du daran?

Ich mag es einfach, mit der Band gemeinsam in Schwung zu kommen. Die Leute wissen gar nicht, wie laut der Sound für mich auf der Bühne ist. Ich kriege selbst die volle Dröhnung ab, weil ich auch fühlen und spüren will, was das Publikum erlebt. Ich befinde mich dann selbst in einer ganz anderen Welt, ich singe laut und höre alles laut und verfalle dann in eine Art Trance. Es ist also gar nicht das Rampenlicht, sondern die Musik, die mich so antreibt und motiviert.

Mit dem brettstarken Studioalbum "War Of Kings" sind EUROPE wieder auf dem Weg zurück an die Rock-Spitze

Wie motivierst du dich dann, wenn du gerade nicht in guter Verfassung bist oder das Publikum etwas zäh agiert?

Das ist natürlich nicht so schön, wenn die Stimmung nicht so elektrisierend ist. An Montagen kann das passieren, oder auch bei Festivals, wenn du am letzten Tag um 1 Uhr morgens noch versuchst für Stimmung zu sorgen und alle nur mehr total fertig sind. (lacht) Für mich macht das am Ende aber keinen Unterschied, denn die Kraft kriege ich aus dem Zusammenspiel mit der Band und nicht zuletzt von den Leuten, bei denen ich weiß, dass sie meine Musik lieben. Die Kraft, die aus dem Publikum kommt, ist keinesfalls zu unterschätzen.

Du bist der angekündigte Topstar der „Rock Meets Classic“-Serie, die im Frühling 2016 stattfinden wird. Was ist für dich an diesem All-Star-Package so interessant, dass du zugesagt hast?

Ich habe mir genau erklären lassen, was das Konzept dahinter ist und als ich hörte, dass Ian Gillan schon zweimal dabei war und auch ALICE COOPER gerne wieder mitmachen würde, wurde es interessant für mich. Ich habe mir dann Videos davon angesehen und ein bisschen recherchiert. Streicher sind sehr natürliche Instrumente, nicht so wie Keyboards, und ich liebe den Klang und die Atmosphäre, die man aus diesen Instrumenten ziehen kann. Auf „Last Look At Eden“ haben wir auf vier Songs schon Streicher aus Prag verwendet. Für mich klingt das interessant, aber dass eben Ian Gillan bereits zweimal mitgemacht hat, war am Ende entscheidend für meine Zusage. Als sie mir sagten, ich solle diese Show headlinen, fühlte ich mich schon geehrt. Ich freue mich darauf.

Hat euer Bandname eigentlich eine andere Funktion oder Verantwortung in einer Zeit, wo man durch die Flüchtlingsströme das Projekt Europa als verbindendes hinterfragen muss?

Das ist eine sehr interessante Frage, aber das kann ich verneinen. EUROPE sind einfach Musiker, Songwriter und Entertainer, die niemals etwas mit Politik am Hut hatten. Die Frage ist aber gut, denn sie bringt mich dazu, unsere Vergangenheit und Stellung zu reflektieren. Über die letzten Jahre ist in Europa so viel passiert, das muss man sich einmal vor Augen halten. 1986/1987 etwa, als sich die Stimmung in Osteuropa total drehte und sich alles veränderte. LAIBACH etwa haben „The Final Countdown“ gecovert und die Band und auch der Song hatten schon eine so lange Reise. Ich mag es nicht, wenn der Song für politische Kampagnen missbraucht wird, das habe ich noch nie gutgeheißen, aber ich kann es auch nicht stoppen. Natürlich könnte ich mich beschweren und E-Mails schreiben, aber Politiker benutzen den Song kurz für einen Wahlkampf, dann nicht mehr. Du hast ja gar keine Zeit, darauf zu reagieren. Wir sind aber Entertainer und ich sehe EUROPE als Band, die langsam aber sicher wieder auf steigendes Interesse stößt. Ich bin sehr glücklich darüber.

Wenn du also beim Songschreiben nach einer gewissen Tiefe suchst, hat das definitiv nichts mit Politik zu tun?

Nein, auf keinen Fall. Mich bewegen menschliche und auch spirituelle Themen. Es gibt schon Songs, die sich um gewisse Trägodien drehen, aber die sind nicht explizit politischer Natur und auch so reich mit Metaphern gefüllt, dass sie nicht klar erkennbar sind. Das hält sich aber in Grenzen.

Abschließend – welche Band hat euren ewigen Hit „The Final Countdown“ am allerbesten gecovert?

So viele gibt es da gar nicht. Aber ich mag die „Rock The Night“-Version der HELLSONGS. Wie sie härtere Stücke in etwas Zahmeres, aber doch noch Gewaltiges verwandeln, das ist einzigartig. Für mich die beste Cover-Version eines EUROPE-Songs.

Kollegin Michelle hat dazu noch ein paar zauberhafte Konzert-Fotos gemacht - die könnt ihr euch HIER ansehen!


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