NO BROS - Klaus Schubert

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In Österreich arbeitet man nicht für die Bands, sondern dagegen!

An einem lauen Herbstabend trafen wir in Salzburg auf Klaus Schubert, und befragten ihn zum neuen NO BROS-Album, Gott und die Welt im Allgemeinen und Rockmusik im Besonderen.

Veröffentlicht am 19.11.2015

Hallo Klaus, vielen Dank, dass du dir vor eurem Videodreh noch die Zeit für das Interview nimmst! Es ist ja doch schon wieder ein paar Jahre her, dass es seit eurem Comeback und dem Album 2006 etwas Neues von euch gegeben hat...

Was, 2006 war das schon?

Ja, neun Jahre ist das schon her! Und jetzt habt ihr sogar wieder Freddy Gigele mit an Bord - wie kommts?

Also das hat angefangen als ich das SCHUBERT IN ROCK-Projekt gemacht habe, mit den ganzen Sängern, wo wir ein Album gemacht hatten, mit den ganzen alten NO BROS-Songs, weil wir wissen wollten wie das klingt, wenn das einmal internationale Burschen shouten. In die Richtung hingehend, dass ich genau eingeteilt habe wer was singt. Wie zum Beispiel Marc Storace, der geradezu prädestiniert war für "Ready For The Action". Und Tony Martin für "Hey You", das eher mystisch gehalten ist in Richtung BLACK SABBATH, da brauchen wir gar nicht reden. Für "Heavy Metal Party" gab es dann nichts Besseres als Biff Byford, und so habe ich das eben eingeteilt.
Das Ganze haben wir ziemlich erfolgreich abgeschlossen mit einer Riesenshow im Dezember 2013 im ausverkauften Kongresshaus in Innsbruck. Das war echt Wahnsinn, weil auch fast alle Mitwirkenden da waren - und davon gibt es übrigens auch einen Videomitschnitt, aber wann der herauskommt wissen wir nicht. Schauen wir mal wie das wird mit den Rechten, vor allem auch international - aber geben tut es schon einmal einen!
Und da ist mir eben eingeschossen mit NO BROS wieder einmal etwas Neues zu machen. Mit Freddy habe ich schon ein paar Mal geredet und der wollte es unbedingt auch machen - aber wir mussten das erst ausdiskutieren, weil ich NO BROS ja nicht bis zu meiner Beerdigung machen möchte. Da gibt es eben auch SCHUBERT IN ROCK und diese ROCK BUNNIES und jetzt ist eben gerade NO BROS wieder aktuell. Wenn ich etwas mache dann auch richtig.
Da habe ich mich jetzt nicht zurück-, sondern vorgelehnt und typische NO BROS-Riffs, wie sie die Leute eigentlich erwarten, kreiert. So ist eben nach und nach herausgekommen was jetzt auf "Metal Marines" zu hören ist und ich glaube jeder NO BROS-Fan kann dann sagen: 'Danke, das wollten wir noch haben!' Ob es jetzt wirklich das Letzte ist weiß ich noch nicht, aber für mich ist es einfach einmal das vorläufige Grande Finale, weil eben: 40 Jahre NO BROS! Das Jubiläum war schon mit ein Grund, nicht nur weil ich mit den anderen schon lange nichts mehr gemacht habe. 40 Jahre NO BROS waren allerdings schon letztes Jahr, denn im August '74 habe ich die Band gegründet und jetzt sehen wir, wie es weiter geht! Die CD kommt am 20. November in Österreich heraus und am 21. haben wir ein Konzert in Wien - dann warten wir ab, ob uns die Leute noch haben wollen!
Aber unabhängig davon ob sie uns noch wollen, mache ich nächstes Jahr in der Richtung SCHUBERT IN ROCK weiter. Jetzt im Moment ist dafür zum Beispiel Joe Lynn Turner im Gespräch. Das würde dann so aussehen, dass wir nächstes Jahr im August eine Tournee machen, eventuell davor auch ein Album oder zumindest eine EP - aber da lassen wir uns noch überraschen! Er will auch, aber das ist jetzt nur ein Gedanke, den wir haben. Wenn es wirklich durchführbar ist, dann sehen wir es ohnehin!

Du hast da ja gerade etwas angesprochen und ich habe auch gelesen, dass das jetzige Album irgendwann sogar als Abschiedsalbum angekündigt wurde - ist des das also jetzt definitiv?

Ich sehe es im Moment als Abschied und als Dankeschön für all die Jahre, in denen uns unsere treuen Fans unterstützt haben - weil ganz einfach ist es ja mit NO BROS nicht immer gewesen! (lacht) Es ist ja nicht so, dass bei uns jetzt laufend etwas gekommen wäre, außer die typischen Best Ofs.

Das waren ja einige...

Ja, da hat es so einige gegeben! (lacht) Für mich ist es derweilen ein Dankeschön und ein Dankeschön ist immer auch ein Abschied. Wenn die Fangemeinschaft nur mehr jubelt, dann kann man ja noch einmal darüber reden, wenn es soweit ist. Also ich lasse da momentan alles offen.

Angekündigt war das Album doch glaube ich schon für 2014 - zumindest habe ich das so am Rande mitbekommen. Hat es da irgendwelche Verzögerungen gegeben, oder wolltet ihr euch einfach nur Zeit lassen?

Ja, ich wollte bestimmt nichts überstürzen. Wir haben 2014 mit der Produktion angefangen und unter den ersten Sachen die wir getestet haben war die Ballade "Find Myself". Da sieht man nämlich am Besten, ob man es noch so drauf hat wie früher bei "Be My Friend" zum Beispiel... (lacht) Ich habe einfach einmal damit angefangen, weil ich wissen wollte wie es klingt, obwohl ich ja nicht so der balladeske Fan bin. Aber die Rockbands haben einfach immer die besten Balladen, das wissen wir ja!
Nachdem das gut funktioniert hat, haben wir noch ein paar Rocksongs im alten Stil getestet, wie zum Beispiel "Back Again" oder "A Night In Touch City" - typische NO BROS-Schmankerl, die auch auf dieser Vorab-Single drauf waren.

Und überdies auch bei den Re-Releases der ersten zwei Alben.

Ja, genau! Daran habe ich gar nicht mehr gedacht, dass die auch auf den Re-Releases der Alben drauf waren! Auf der "Ready For The Action" glaube ich, oder? (Anm. d. Verf: So ist es!) Und auf der "Heavy Metal Party" waren Live-Tracks drauf - alte, richtig super produzierte, vor 40 Jahren mit dem Tonband aufgenommen... (lacht)
Also wie gesagt - die beiden Songs waren vorab auf der Single und den Re-Releases mitenthalten und danach habe ich mich so richtig ins Zeug gelegt und mit dem Produzieren angefangen. Es ist ja heute nicht mehr so, dass du zuerst ins Studio zum Proben gehst, dafür hat keine Plattenfirma mehr die finanziellen Mittel. Ich habe dann mit dem Bassisten Andi Marberger fast jede Woche zwei-, dreimal in seinem Homestudio geprobt. Heutzutage haben sie ja alle ein Homestudio! Ich habe aber keines und will auch keines! Bei mir stehen die Verstärker noch im Wohnzimmer, sehr zur Freude meiner Nachbarn! (lacht)
Also so haben wir dann angefangen zu proben und mit Freddy habe ich die Sachen hin- und hergeschickt und daran gefeilt, bis es gepasst hat. Das war etwas umständlich, wir sind ja alle verstreut.
Es ist ja nicht mehr so wie früher - das war übrigens auch eines der Bedenken, das ich hatte - weil früher bist du immer gemeinsam im Proberaum gewesen. Aber nach 40 Jahren geht dir die Proberei schon fast auf die Nerven, da willst du gar nicht mehr. Das kennen viele Junge heutzutage auch schon nicht mehr! Jeden Tag proben, jahrelang... weil Geld zum Saufengehen hattest du  keines. Da warst du im Proberaum und hast eben deine Bierdose mitgenommen! Das geht jetzt nicht mehr, aber auch aus dem Grund, weil wir alle verstreut sind. Der Schlagzeuger ist in Deutschland beheimatet, der Freddy ist in Wien, die einzigen die in Tirol sind, aber eben auch nicht in Innsbruck, das sind der Andy Marberger und der Andy Brunner.
So haben wir eben nach und nach Songs zusammengestückelt und dann haben wir aussortiert was gut ist, und was scheiße. Das Gute haben wir dann genommen!

Cover des neuen Albums "Metal Marines" - VÖ 20. November 2015

Das klingt doch gut! Und wie macht ihr das live, denn du hast ja vorhin schon erwähnt, dass ihr euch konzertmäßig eher zurückhalten wollt? Werdet ihr zumindest in Österreich ein paar Shows spielen, oder wollt ihr gar nicht mehr touren?

Wir schauen uns das jetzt erst einmal in Wien an, ob wir uns überhaupt noch bewegen können auf der Bühne und auch wie das live überhaupt klingt, denn mit Freddy haben wir ja das letzte Mal nach dem Krieg gespielt! (lacht) Wir müssen uns auch anschauen wie es generell rüberkommt. Das wollen wir selber sehen und deswegen wird das Konzert auch mitgefilmt.
Wir haben aber schon in Planung, noch ein paar Konzerte in Österreich zu spielen, also in Graz zum Beispiel, Telfs ist zumindest geplant, dann noch etwas in Tirol, Wörgl oder Kufstein... aber das müssen wir alles erst ausmachen! Ich möchte aber vorher erst einmal wissen, wie es in Wien am 21. läuft und was da so alles passiert. Also nicht nur auf der Bühne, sondern allgemein. Auch die Pressereferenzen, weil Freddy ja beim ORF tätig ist und Drähte zu sehr vielen Leuten hat, die dann in Wien wohl auch alle kommen werden. Wir hoffen ja, dass sie uns nicht zerfetzen. Bis jetzt schneiden wir gut ab, aber in der heutigen Zeit weiß man ja nie... schauen wir mal!

Weil wir das ja vorhin schon angeschnitten haben, eure beiden ersten Alben "Heavy Metal Party" und "Ready For The Action" habt ihr ja kürzlich wiederveröffentlicht und damit auch dem jüngeren Publikum wieder zugänglich gemacht. War das schon länger euer Plan, oder hat sich das einfach so ergeben, dass ihr die Alben auch auf CD raushauen konntet?

Ich bin schon seit vielen Jahren mit den Chefs meiner Plattenfirma Pure Steel Records und Pure Rock Records befreundet - mit  ROCK BUNNIES waren wir bei ihnen und auch mit meinen Solo-Projekten läuft alles über Pure Rock Records. Andy Lorenz und Stefan Riermeier von Carthago - die hängen ja auch irgendwie zusammen - haben mich einmal angesprochen, ob ich das nicht machen möchte, weil es ja schade ist, das alles einfach liegen zu lassen.
Dann habe ich mich eben wieder einmal zurückgelehnt und nachgedacht, denn für mich ist es wichtig, dass auch ein Bonustrack drauf ist und auch das Original-Cover irgendwo untergebracht wird - denn das war damals Vinyl, ein Klappcover! Wenn schon, denn schon!
Da bin ich dann wirklich monatelang drangesessen und habe das Zeug sondiert und aussortiert, das ist ja wirklich unglaublich viel Material, das sich da ansammelt innerhalb von 40 Jahren! Die alten Bilder, das ist ein Archiv, das kannst du dir kaum vorstellen und das muss man alles erst einmal raussuchen und bearbeiten und, und... Vor allem wenn man es ordentlich machen will. Viele machen es ja so lieblos, Hauptsache veröffentlicht, nach dem Motto:  "Sie werden's schon fressen den Dreck!" Nein nein, so bin ich eben nicht, und so war ich auch nie!
Es hat dann auch so funktioniert, wie ich mir das vorgestellt habe und nächstes Jahr machen wir dann auch die nächsten zwei Alben - denn jetzt zeitgleich mit dem neuen Album macht es keinen Sinn.

Also die "Cavalry Of Evil" und die "Our Own Way" kommen dann auch noch.

Ja, genau. Da werde ich dann auch noch ein bisschen dran sitzen, denn wirklich angefangen habe ich damit noch nicht. Du musst ja zuerst die ganzen Fotos zum Album finden und genau in der Zeit ist es losgegangen mit den ganzen Besetzungswechseln. Einen roten Faden sollte man schon durchziehen. Beim "Our Own Way"-Album hatten wir schon einen anderen Schlagzeuger und dann ist Freddy gegangen... da ging es ordentlich zur Sache damals.

Da ist schon ein wenig Geschichte dahinter! Kommen wir noch einmal kurz zurück zum neuen Album - "Back Again" und "A Night In Touch City", beides klassische Rocksongs, kennt man ja schon von den Re-Releases eurer beiden ersten Alben, die im Frühjahr herauskamen. Auch der Rest ist wieder feinster 80s-Stuff mit schwerer DEEP PURPLE-Schlagseite, und die Hammondorgel lässt grüßen. Für wie populär erachtest du diese Art von Sound heute noch?

Für mich war und ist es das Nonplusultra! Jetzt in meinem reifen Alter werde ich gar nichts anderes sagen, denn was Neues ist denn gut? Ich meine, das war DIE Zeit, die 70er, 80er und das waren DIE Bands die die Zeit geprägt haben. Was sticht denn heute noch heraus? Es gibt bestimmt heute noch ein paar die herausstechen, die echten Wiedererkennungswert haben - NICKELBACK zum Beispiel. Aber der Rest hat kaum noch Eigenständigkeit, das sind einfach Bands, die fetzen irgendetwas dahin und nach ein paar Jahren sind sie wieder weg - damals war das anders! Heute wird oft gesagt, hör mal auf mit deinen alten Deppen - aber ob das jetzt DEEP PURPLE sind, oder URIAH HEEP, AEROSMITH, BLACK SABBATH, WISHBONE ASH... die kennst du einfach! Da hörst du einen Ton und du kennst sie!

Speziell DEEP PURPLE die ja wirklich genreprägend waren.

Und sie existieren heute noch! Zu uns haben sie damals schon gesagt, wir wären eine Mischung aus URIAH HEEP und DEEP PURPLE - damals war mir der Vergleich eigentlich wurscht. Aber inzwischen spiele ich sogar mit solchen Leuten, das ist super!
Der Wiedererkennungswert bei uns war Freddy als Sänger, das war eine ganz einzigartige Stimme. So wie bei den SCORPIONS der Klaus Meine, war das eben bei uns der Freddy und für mich war gerade diese Zeit wirklich maßgebend für die Rockmusik!

Man merkt es auch auf "Metal Marines", das für mein Musikverständnis durchaus auch ein schön remastertes Album direkt aus den 80ern sein könnte.

Das will ich auch gar nicht verleugnen! Es ist genau so!

Meinst du, da gibt es auch gleich wieder Leute die jetzt aufschreien und etwas von "fehlender Weiterentwicklung" faseln?

Ja, dann sollen sie faseln. Sollen sie das kaufen was ihnen gefällt. Ich bin keinem böse, wenn sie meinen, NO BROS wären scheiße! Wenn es ihnen nicht gefällt, müssen sie es sich nicht anhören!
Was in Österreich aber so eine wilde Geschichte ist, das ist dieser Neid unter Musikern... viele Bands haben einfach nichts gerissen, weil sie nicht drangeblieben sind und die harte Arbeit gescheut haben. Viele waren der Meinung, das geht über Nacht, aber dem ist eben nicht so und daran sind sie gescheitert und wenn sie jetzt meinen, was denn der Schubert will, wenn er wieder mit seinem alten Schaß daherkommt... naja... der Erfolg gibt mir eben doch ein bisschen Recht!

Hat es jetzt bei den Aufnahmen des Albums, oder generell während der letzten Jahre, irgendwo auch einmal einen Punkt gegeben wo du dir gedacht hast: "Was, wenn das jetzt wirklich niemand mehr hören will?"

Ich ziehe einfach mein Ding durch und vor allen Dingen, ich probiere auch nicht, mich irgendwo anzupassen. Als Gitarrist habe ich zum Beispiel, hat mir zumindest Don Airey von DEEP PURPLE gesagt, Wiedererkennungswert und das ist für mich das Wichtigste.
Ich habe zehn Jahre eine weitere Band namens SCHUBERT gehabt, keine Ahnung ob die noch jemand kennt. Dort haben wir zum ersten Mal getestet, Crossover mit rein zu nehmen - da war aber der Sänger Erich Enzinger schuld daran. Wir wollten es einfach wissen, aber viele Fans haben das nicht so ganz verstanden. (lacht). Weil die ersten SCHUBERT-Sachen wie "Devil In Fairyland", das war ja im Wesentlichen noch NO BROS mit anderem Sänger. Und dann am Ende mit "Toilet Songs" hat sich das Ganze  ziemlich verändert. Da waren ein paar Songs drauf, wie zum Beispiel "Reflections Of The Past" - wenn es da RAMMSTEIN schon gegeben hätte (Anm. d. Verf: Gab es, Klaus!), dann wäre das fast schon als RAMMSTEIN durchgegangen. Ein unglaubliches Album, aber das haben sie eben damals noch nicht so wirklich verstanden und ob es jetzt richtig war oder nicht, ich habe es einmal probiert und gut ist. Das ist übrigens in Amerika gut angekommen, weil die die Texte verstanden haben, aber bei uns eben überhaupt nicht. Das haben sie überhaupt nicht verstanden warum SCHUBERT auf einmal Crossover macht - zum Beispiel "Locomotive-Death" mit "uääääh, aaargh" (versucht Growling-ähnliche Geräusche zu machen und lacht) haben die Leute überhaupt nicht gepackt! Aber es war einmal ein Versuch. Und wie gesagt, da war ich nicht alleine Schuld, da war der Enzinger schon maßgebend daran beteiligt, dass es ein bisschen, ähm... schräger ausgefallen ist.

Naja, vielleicht würde so etwas heutzutage eventuell besser ankommen? Gerade bei uns in Österreich ist es ja über die letzten Jahre hinweg mit melodischen Sachen, vor allem im klassischen Rock-Bereich, irgendwie schwieriger geworden, weil die modernen, extremeren Strömungen bei uns recht populär sind...

Gibt es ja eh schon einmal als Re-Release! (lacht) Ich werde die nächsten Jahre meines Lebens damit verbringen, Re-Release-Covers zu basteln! (lacht sich halb kaputt)
Ich glaube da sind die Deutschen generell etwas eng denkender, die haben den Schmäh nicht so verstanden. Wir hatten ja auch Jokes auf dem Album wie die "Seawolf's Melody", eigentlich eine Verarschung von allen Staatsmännern bis hin zu... puuuh, allem Möglichem. Das war eigentlich ein richtig guter Song, wenn du da heute einen Beat drunterlegst, kannst du den sogar auf einer Skihütte spielen! Aber diese Jokes haben sie damals nicht verstanden.

Aber noch einmal zu der Entwicklung speziell in Österreich hin zu den extremen Strömungen - was glaubst du kann man dem als klassische Rockband entgegensetzen?

Nix. Wir haben die Leute, die auf uns gestanden sind oder neu zu uns hinzukommen. Da gibt es schon ein paar - wir haben ja sogar einen Fanclub. Das sind auch schon reifere Herren (lacht), die sind irgendwo in der Nähe von Wieselburg beheimatet. Die treffe ich übrigens auch demnächst wieder, so ein bisschen Fanclub-Betreuung mache ich nämlich nebenbei auch. Das wollten die Leute einfach.. und wenn ich dann wieder einen Ausflipper habe und irgendwas spiele, das ihnen nicht so gefällt, dann begrinsen sie es halt. Es kann ja immer wieder einmal etwas passieren, wenn ich wieder einen Auszucker habe im Studio. Wenn ich wieder einmal etwas mache, das nicht so normal ist, dann mache ich das in erster Linie auch für mich. Die Freiheit nehme ich mir und da frage ich auch nicht die Fans, ob ihnen das denn recht ist. Das müssen sie dann auch einmal hinnehmen, aber im Großen und Ganzen sind sie bei mir gut bedient, wenn sie SCHUBERT mögen und wie gesagt, die die mich nicht mögen, die sollen mich halt einfach nicht reinstellen ins CD-Regal!

Stichwort Fans, wo wir doch gerade über die Altersverteilung geredet haben, da gibt es doch speziell unter den jüngeren Semestern bestimmt einige, die NO BROS überhaupt nicht kennen. Ärgert dich das manchmal ein bisschen, oder ist es dir egal?

Ja, das hat mich geärgert, da ich in Österreich durch unsere Rundfunkeinsätze das mediale Umfeld kennen gelernt habe... es ist zum Kotzen! In Österreich arbeiten sie nicht für ihre Bands, so wie es zum Beispiel die Italiener oder die Franzosen tun, sondern sie arbeiten gegen die Bands.

Das merkt man ja auch im Radio.

Ja. Warum das so ist, verstehe ich nicht. Da sollte sich schon etwas ändern, weil das ist auch wirtschaftlich nicht gut, weil dadurch viel Geld ins Ausland fließt. Auch eventmäßig geht da viel weg, weil auch die größeren Bands nur in Wien spielen. Aber ohne Grund passiert das ja nicht, das ist eine Geldsache. Da geht es nicht um Musik, um Kunst oder Kultur, das ist eine Geldgeschichte. Und gerade deswegen bist du in unserem Land ziemlich bedient. Und daher wissen die Jungen das auch nicht und kennen uns nicht. In Italien zum Beispiel wissen die Jungen wer der ADRIANO CELENTANO ist! Das ist doch ein guter Vergleich, NO BROS und ADRIANO CELENTANO! (lacht sich kaputt) Die kennen das, das läuft dort auch im Radio, das ist einfach Nationalstolz! Und bei uns, da scheißen sie drauf!

Ja, es läuft ja nicht einmal der ganze Austropop im Radio...

Die ganzen Kulturfurzer sollte man rausschmeißen! Ich hab eh schon gesagt, Schubert soll Presseverantwortlicher werden, aber das wollen sie ja nicht! (lacht)
Aber nein, jetzt ärgert es mich nicht mehr, weil da die Jungen gar nichts dafür können. Viele kennen uns vom Papa oder von der Mama, die strahlende Augen kriegen, wenn einmal was von uns läuft - also nicht im Radio, weil da läuft es eh nicht - oder wenn sie mal sehen, das wir spielen und dann kommen sie oft auch mit. So wie der kleine Bub, der zum Konzert mitgegangen ist, nur weil der Papa immer erzählt hat wie der Schubert damals die Gitarre durch die Gegend geschmissen hat. (lacht) Ja, wie meine Kinder, die wollen immer nur sehen wie die Gitarre fliegt! Und jetzt schmeiß ich sie nimmer! (lacht)

Dann musst du vielleicht doch einen dementsprechenden Showpart einbauen.

Neeein. Aber ich könnte es ja so machen wie bei QUEEN, die ihren Sänger, den... wie heißt er nochmal? Ich hab eine Denkblockade, hilf mir kurz...

Freddie Mercury.

Ja genau der Freddie Mercury. DANKE! (beiderseitiges Gelächter) Also das könnte man ja so machen, dass ich einfach auf der Videowall so Sachen einspiele von mir, wie früher die Gitarre geflogen ist!

Oder du machst doch einen auf Ritchie Blackmore!

Na, der wird sich das auch schon überlegen inzwischen, der sieht auch nicht mehr so gut! Du musst das Teil ja auch wieder fangen! Und da gibt es wirklich gute Geschichten, wenn die Scheinwerfer gerade umschalten, wenn das Teil wieder herunterkommt... (lacht)

So wie wenige die "alten Hasen" noch kennen, werden auch vermutlich nur noch die etwas fortgeschrittenen Semester und die Szenekundigen über die oftmals spannungsgeladenen Beziehungen zwischen Bands wie NO BROS und BLIND PETITION wissen. (Klaus fängt bereits zu kichern an) Damals war das ja irgendwie eine Glaubensfrage, die "großen Geförderten" oder die "mittellosen Underdogs". Mit vielen Jahren Abstand - wie siehst du die Sache mit dieser "Feindschaft" heute?

Feindschaft gibt es keine mehr! Das war früher einfach so, dass sich in der typischen "Wiener Präpotenz" - nicht allgemein aber doch ab und zu - keiner gedacht hat, dass die "deppate Provinzband", für die man uns damals eben angesehen hat, nach Wien kommt und den Raum aufräumt. Das haben wir gemacht. Abgesehen davon haben wir spielen können - und im Gegensatz dazu einige andere Wiener nicht. Was dann öfters bis kurz vor Gewalttätigkeiten bei diversen gemeinsamen Konzerten spürbar war...
und uns hat eben, das ist ja kein Geheimnis, damals der Radiomoderator Gotthard Rieger entdeckt und auch gefördert. Das ist damals noch übers Radio gegangen, dass du diverse Live-Mitschnitte einspielen durftest und das hat so eine Kettenreaktion ausgelöst, dass NO BROS quasi über Nacht DIE Heavy-Metal-Band Österreichs wurde - aber mit Berechtigung. Denn wenn man die anderen gehört hat - tut mir leid, aber das haben sie übersehen und nicht verhindert, weil normalerweise hätte man so etwas unterbunden bei uns. Dann war noch der Rieger mit an Bord, der gesagt hat ich arbeite mit einer Band die etwas kann und nicht mit einer Band, die nichts kann. Das war die damalige Situation, aber die ist heutzutage zweitrangig.
Wenn ich den Fusel heute sehe, dann trinken wir oft sogar ein Bier zusammen. Jetzt sind wir alle im reiferen Alter, also das ist heute nicht mehr so tragisch. BLIND PETITION haben ihre Berechtigung in Wien, weiter kommen sie eh nicht - ist halt so. Was gibt es da Diskussionen über Konkurrenz, NO BROS war eine österreichdeckende Band und hat auch das Umland wie Deutschland, Italien usw abgedeckt. Aber auch BLIND PETITION sind eine gefeaturte Band, eigentlich immer schon gewesen, von diversen Herrschaften in Wien. Muff Sopper, wenn wir ihn schon nennen sollen, der hat ihnen beispielsweise immer geholfen. So gesehen haben sie also auch einen Förderer gehabt. So wie wir den Rieger hatten, haben sie den Sopper gehabt! Nur dass der Rieger wohl besser war! (lacht)
Nein, da gibt es heute überhaupt nichts mehr. Es wird auch schon diskutiert über ein Konzert mit BLIND PETITION gemeinsam. Ob ich das brauche und will, weiß ich noch nicht, das entscheide ich dann, wenn sie an mich herantreten. Schauen wir mal, mehr kann ich da noch nicht sagen. Aber es war damals sehr lustig!

Was mir auch aufgefallen ist: Ich glaube, dass diese NO BROS/BLIND PETITION-Sache auch irgendwo so eine musikalische Glaubensfrage war. Ihr hattet ja doch so ein bisschen diese ausladenden, fast schon progressiven Strukturen und BLIND PETITION eher den einfachen "Street Rock", wenn man das so sagen kann.

Der Vergleich ist super, stimmt total! (lacht) Aber NO BROS waren schon auch eine ziemlich "dreckige" Band, im Benehmen und in allem. Wofür ich mich jetzt nicht schäme, aber das würde ich heute auch nicht mehr tun.

Sex, Drugs and Rock'n'Roll?

Die Drugs haben wir zum Glück immer ausgelassen, bei uns war es eher Sex, Alkohol und Rock'n'Roll, aber da haben wir den Ausstieg geschafft, während andere leider in ihren Problemen hängen geblieben sind.
Das war das einzige, was mich früher wirklich genervt hat, dass du da automatisch, sobald du lange Haare hattest, als Drogensüchtiger bezeichnet wurdest. Das hat es bei mir nicht gegeben. Nie. Okay, nicht dass ich es nicht auch einmal probiert hätte wie viele andere, da brauchen wir gar nicht darüber reden. Wir waren halt eher auf der alkoholischen Seite und haben uns da schon einige Jahre lang Rock'n'Roll-mäßig gedopt - das war ja auch so ein bisschen eine Image-Geschichte. Und bei BLIND PETITION war es ja ähnlich. (lacht)

Im Endeffekt das gleiche in Grün, so wie es überall war zu der Zeit?

Genau. Wir sind halt nicht von der Bühne geflogen. Wobei, da gibt es schon auch so Geschichten... (lacht) Lassen wir das! Der Fusel ist schon ein lustiger Typ! Da gibt es ja auch so ein herrliches Foto von uns beiden... vielleicht veröffentliche ich das sogar einmal irgendwo, in meine Memoiren oder so! (lacht)

Ja, wo wir gerade dabei sind... auf Tour habt ihr auch nicht allzu viel ausgelassen. Gibt es da einschneidende Erlebnisse, an die du dich heute noch erinnerst?

Ja, das waren die Ostblock-Tourneen - also damals hat es ja noch "Ostblock" geheißen. Da hat es sowas wie AIDS noch nicht gegeben, das war dann schon... (lacht) ziemlich cool. Da hat es massenweise ur-hübsche Mädels gehabt, ob das jetzt in Belgrad war, oder weiter unten... das war einfach immer ein Wahnsinn dort.

Es wird schon einen Grund haben, warum die Pornoszene im Osten ziemlich groß ist...

Ja, ja... (verträumter Blick) Das haben wir natürlich ausgekostet, das ist klar und damals natürlich noch gutaussehend und mit langen Haaren, das hat schon gepasst!
Aber wenn du schon sagst Erlebnisse, an die ich mich erinnere - damals haben wir in Neapel gespielt mit KROKUS, dort haben mich die Veranstalter gewarnt, weil ich am Nachmittag schon herumgeschäkert habe mit den Mädels, dass ich das nicht tun sollte. Auf das habe ich natürlich nicht gehört und dann haben sie mir schon gewunken im Publikum. Da standen dann zuerst die zwei Brüder da, und dann sie... das war schon eine ernste Sache. Das war knapp... aber das kann man dann in meinen Memoiren lesen! Wenn es überhaupt jemanden interessiert, meine Memoiren zu lesen!
Da gibt es schon noch ein paar so Geschichten, aber jetzt spontan... die OPUS haben mir einmal das Leben gerettet, weil ich mich spontan mit einem Telefonkabel abseilen wollte, aus dem sechsten Stock.

Wie das?

Naja, Alkohol ist böse... aber da gibt es noch genügend andere Sachen. Aber OPUS kennt man übrigens heute noch, die müssen also etwas richtig gemacht haben mit ihrem Hit "Live is Life"! Das muss man auch einmal zusammenbringen, dass eine ganze Band heute noch von dem einen Song lebt. Das ist wirklich bewundernswert, auch wenn da immer wieder jemand kommt und sagt, 'hörts auf mit dem Schaß' - also ich hätte den "Schaß" gern gemacht! Unglaublich.

Was hast du aus der "alten" NO BROS-Zeit für dich mitgenommen? Über was freust du dich heute noch und was würdest du rückwirkend lieber anders machen?

Mich hab ich mitgenommen! (lacht) Und was würde ich anders machen... wahrscheinlich gar nichts! Ein paar Sachen, die ich damals gedreht habe, die würde ich nicht mehr tun. Ich war ja doch ein ziemlicher Rebell. Mit Diplomatie bin ich nie durch die Welt gekommen und da hat man sich dann schon ein paar Chancen verhaut. Das ist auch intern in der Band so gewesen, weil wir hätten nach dem "Our Own Way"-Album mit WHITESNAKE auf England-Tour gehen sollen. Aber da hat es schon zwischen dem Freddy und mir so gekracht, dass das dann die Plattenfirma abgesagt hat, weil es keinen Sinn gemacht hätte. Das sind Sachen, die würdest du heute anders angehen, denn inzwischen haben wir ja auch eine Basis gefunden, der Freddy und ich. Wir sind einfach grundverschiedene Leute, da brauchen wir gar nicht darüber diskutieren - vor allem ist es ja sowieso schon ein Problem, ein Gitarrist und ein Sänger... (lacht)

Zwei Diven, hm?

Ja genau, und deswegen habe wir jetzt auch Grundregeln erstellt, wie zb Schubert macht die Songs. Wenn was reinkommt von außen, ja, aber nur einer entscheidet was passiert. Das ist jetzt klargelegt und das akzeptiert auch jeder. Das war früher anders, da hat jeder einfach seine Sachen reingeworfen bis es gekracht hat, und dann ist man eben zum Streiten gekommen. Aber das würde ich jetzt nicht mehr so machen...

Wird man mit fortschreitendem Alter, nachdem man zwei Kinder großgezogen und das Leben abseits von den ganz großen Bühnen gemeistert hat, ruhiger und gelassener?

Auf jeden Fall, ja! Das war früher schon geil, wo du auf jedes Konzert gefahren und dann direkt vor der Bühne gestanden bist... das mache ich auch nicht mehr und auch beim Spielen, da waren wir auch nicht sehr wählerisch. Wir spielen auch gerne kleine Clubs - aber wenn du dir nur mehr denkst, verarsch mich nicht, da steht nur ein Leiterwagerl und ein kleiner Verstärker oben, dann haben wir die Sache schon auch einmal abgeblasen. Deswegen wird das jetzt auch im Vorhinein abgeklärt, weil wir fahren ja nicht irgendwohin wo wir nicht wissen, was da vor Ort auf uns zukommt.

Was würdest du, mit der Erfahrung von so vielen Jahren, den jungen Wilden von heute mitgeben wollen?

Dass sie den Rock'n'Roll spüren! Sich nicht von vorne bis hinten beschenken lassen sollen, mit allem was sie brauchen! Instrumente und Equipment was der Papa checkt, die Mama oder die Oma, die dort anruft, wo sie spielen sollen... selber auf die Beine stellen. Eigeninitiative. Von der Pieke auf alles selber machen und nicht einen, der dir die Gitarrensaiten aufspannt weil er dein Freund ist. Mach dir den ganzen Scheiß selber und wenn du diesen Canossagang durchgebissen hast, dann bist du ein Rock'n'Roller! Wenn du auch den Dreck gefressen hast. Nicht in einem Fünf-Sterne-Hotel untergebracht sein wollen - was ja ohnehin nicht mehr geht - aber viele meinen doch, wenn ihre Band XY jetzt auf Tournee geht, sie kriegen gleich ein Fünf-Sterne-Hotel mit Saunabereich und am besten noch mit Kellnerinnen oben ohne. Das spielt's nicht.

Und ganz zum Schluss noch ein paar Worte von dir an die Liebhaber des markanten, rifflastigen Rocks:

Es ist einfach die geilste Art der Rockmusik für mich! Für viele ist es ja eher so etwas wie.. mir fällt da jetzt spontan gar nichts ein in die Richtung. Sachen wo halt die Doublebass anfängt und nach vier Minuten aufhört und ich muss immer überlegen, ist das jetzt eine Bohrmaschine oder eine Gitarre die ich da höre! (lacht) Ich stehe auf Riffs! So in der Richtung des Riffmasters Tony Iommi - klar hat der mir ein bisschen was beigebracht. Das hat auch der alte Sänger, der Tony Martin gesagt, wenn ich will kann ich wohl ziemlich ähnlich klingen wie er. Oder auch Ritchie Blackmore zum Beispiel, das sind einfach Riff-Leute. Witzigerweise sind wir ja damals auch mit URIAH HEEP verglichen worden, aber das war dann eher wegen dem Chorgesang von Freddy auf der LP. Riffs bringen's einfach, also für mich! Für andere vielleicht Bohrmaschinen, von denen man dann eine gewisse Nackensteifigkeit bekommt. Oder Bandscheibenvorfall, je nach Banging-Methode... (lacht)
Leute reden immer von Gitarristen, der ist ein guter Gitarrist, jener ist ein guter Gitarrist. Ich zum Beispiel bin kein Fan von U2, obwohl das ein herausragender Gitarrist in Sachen Wiedererkennung ist - nur dieses Herumgezupfe geht mir auf Dauer einfach auf die Nerven. Gitarre spielen ist für mich, Riffs zu spielen! Ich spiele Riffs durch, ich baue meine Songs, meine Nummern auf Riffs auf und ich finde, das klingt echt gut.

Dann sage ich herzlichen Dank für das Interview, und viel Erfolg bei eurem Releasekonzert!

Ja, danke! Und danach reden wir weiter! Dann schauen wir, was wir noch anstellen in der Zukunft - wir sind ja noch jung! (lacht)


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