GHOST - Nameless Ghoul

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Willkür und Experimente haben bei GHOST keinen Platz.

The hype is real - die schwedischen Okkult-Poprocker GHOST sind derzeit - zurecht - in aller Munde. Ein mysteriöser Nameless Ghoul gab uns Audienz und beantwortete Gentleman-like alle Fragen mit Stil und Eleganz.

Text: Robert Fröwein | Fotos: Andreas Graf
Veröffentlicht am 03.12.2015

Es gibt momentan niemanden, der sich mit Rock und Metal befasst und nicht in irgendeiner Art und Weise von den Schweden GHOST vereinnahmt wird. Wie bei allen großen und größer werdenden Bands gibt es gleichermaßen positive, wie auch negative Reaktionen. Auch im kaminbeheizten Stormbringer-Loft ist man sich alles andere als einig. Während ich Papa Emeritus III und Co. am liebsten durchgehend mit Glanz und Gloria überschütten würde, schimpft sie mein bärtiger Torpedo-Twin Baumgartner als langweiligen und verzichtbaren Hype, quasi als Modeerscheinung für die metallisch angehauchte Generation Hipster. Ketzer! Wicht!! Banause!!! Natürlich ist dem nicht so, die Show in der Wiener Arena war vom weihrauchgeschwängerten Beginn über die sound- und stimmtechnisch perfekte Darbietung bis hin zum klerikal-abrupten Ende allererste Sahne. Beeindruckend, wie es den Satanspriestern im Internetzeitalter tatsächlich noch gelingt, für offene Münder und staunende Fratzen zu sorgen. So in etwa muss es weiland ALICE COOPER geschafft haben, als die Hippies noch ihren temporären Sieg über das Establishment feierten. Vor der betörenden GHOST-Messe habe ich mich aber ohnehin schon in die hinteren Venue-Winkel verzogen, um mir einen Nameless Ghoul (Rhythmusgitarrist) zu schnappen, und mit ihm über das Phänomen GHOST, die Angst vor der heutigen Tour-Realität, den drohenden Verlust der Anonymität und den Broadway zu sprechen. Die wichtigste Band-Essenz zusammengefasst: hier wird nichts dem Zufall überlassen! Hail Satan!

Vor kurzem habt ihr für euer aktuelles Album „Meliora“ in Schweden Gold bekommen, nur ein weiteres Kapitel einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. War es immer schon euer erklärtes Ziel, mit dieser Band berühmt zu werden?

Ja, exakt. Das war immer die Idee dahinter. Nicht irgendwie, sondern fokussiert auf das, was wir als GHOST ausstrahlen.

Ihr seid nicht nur in Europa extrem erfolgreich, sondern sorgt auch in den USA regelmäßig für ausverkaufte Hallen. Was war bislang eure verrückteste oder überraschendste Erfahrung auf Tour?

Das „Rock In Rio“ zu spielen war wirklich eine ganz besondere Erfahrung und auch die ausverkaufte Show unlängst in New York wird uns lange im Gedächtnis bleiben. Es war eine Riesenshow und da wir nie zuvor im US-Fernsehen aufgetreten waren, hat uns einfach überrascht, wie viele Leute dorthin kamen.

Euren musikalischen Stil habt ihr über die Jahre immer wieder verändert und adaptiert. Das Debüt „Opus Eponymous“ war noch sehr 70er-Rock-beeinflusst, „Infestissumam“ und „Meliora“ gingen stärker in die Pop-Richtung. Ist das eine bewusst gewählte Entwicklung?

Das scheint wohl so zu sein, aber eigentlich versuchen wir nur die Musik wiederzugeben, die uns selbst interessiert und von der wir inspiriert werden. Viele haben uns schon gefragt, warum wir nicht noch einmal ein Album in der Art von „Opus Eponymous“ schreiben, aber das haben wir schon gemacht – warum sollten wir das wiederholen? Das wäre ein Ausverkauf, um Wünsche zu befriedigen, aber wir machen nur, was wir auch machen wollen.

Seid ihr euch beim Songwriting immer einig?

Das Songschreiben geht eher diktatorisch vonstatten, es ist jedenfalls nicht jeder in der Band aktiv daran beteiligt. Es gibt ein paar „Ghoulwriter“, die für Musik und Texte zuständig sind. Das ist ganz klar festgelegt.

METALLICA haben euch auf ihrem Festival spielen lassen, der einstige PANTERA-Sänger Phil Anselmo hat mit euch die Bühne geteilt und FOO FIGHTERS-Mastermind Dave Grohl hat 2013 eure EP „If You Have Ghosts“ produziert. Das sind sehr viele große Namen in einer noch jungen Karriere.

Das ist natürlich wundervoll, keine Frage. Wir sind sehr glücklich darüber, denn wir waren selber große METALLICA-Fans in unserer Kindheit. Allein schon, dass sie uns so mögen, macht uns sehr stolz.

Dave Grohl hat ja angeblich als Nameless Ghoul bei ein paar eurer Shows mitgespielt.

Das kann ich dir nicht bestätigen.

Wie kann man sich einen typischen Tag von GHOST auf Tour vorstellen?

Sicher nicht so lustig, wie du dir das wahrscheinlich denkst. Wir kommen beim Venue an, die Crew macht stundenlang die ganze harte Arbeit, und wir bis zum Soundcheck was wir wollen, danach sitzen wir herum und warten auf das Konzert, machen einstweilen Interviews und trinken danach ein paar Bier.

Habt ihr eigentlich auch außerhalb der Touraktivitäten viel Kontakt untereinander?

Das ist ganz unterschiedlich. Ich hänge nicht die ganze Zeit mit den anderen ab, sondern bin auch froh, wenn ich nach Hause komme zu meiner Familie.

Das Image von GHOST ist essenziell für alles – ist es manchmal wichtiger als die Musik an sich?

Keinesfalls. Wenn dem so wäre, dann würden wir das nächste Mal nur ein Fotoalbum veröffentlichen.

Paul Bostaph von SLAYER hat mir unlängst gesagt, dass das Image einer Band heute längst nicht mehr so wichtig ist wie die Aura. Was denkst du darüber?

Er hat auf jeden Fall recht damit, dass die Aura ungemein wichtig ist, um den Wert und das Wesen einer Band zu beschreiben. Das Image ist heutzutage auch deshalb so essenziell, weil es mehr Bands als je zuvor gibt und natürlich alle vom großen Kuchen Aufmerksamkeit naschen wollen. Wenn du es nicht schaffst, den Leuten begreiflich zu machen, was du mit deiner Musik aussagen willst, dann hast du schon verloren. Natürlich gibt es viele Bands ohne besonderes Image und das kann auch funktionieren, aber im Großen und Ganzen erreichst du mit einem ausgeklügelten Konzept viel mehr Menschen.

Anonym zu sein war immer euer höchstes Gut, aber je bekannter ihr werdet, umso stärker interessieren sich eure Fans für die Menschen hinter den Masken – wie lange könnt ihr euch noch verstecken?

Wohl nicht mehr lange. Es wird nicht allzu viel Zeit vergehen, bis die Leute wirklich nachweisbar wissen, wer wir sind, aber das interessiert uns nicht. Wir sind nicht interessiert, es geht um die Show und unsere Bühnenpersönlichkeiten. Man sollte GHOST wie einen Film oder eine Theaterproduktion sehen, das ist unsere Intention. Es ist absolut unwichtig, wer ich bin, wir porträtieren nur unsere Gedanken.

Seid ihr eine fixe Band, die immer aus denselben Personen besteht?

Das auf jeden Fall, ansonsten müssten wir mit fünf Bands touren. (lacht)

Ärgert es dich, dass viele Fans euch hauptsächlich wegen des Images schätzen und nicht ob eurer Musik?

Nein, das stört mich wirklich nicht. Viele Leute hören nur PINK FLOYD, weil es für sie die richtige Hintergrundbeschallung zum Potrauchen ist – ich kann niemandem diktieren, warum er uns hört, sondern bin in erster Linie glücklich darüber, dass er uns überhaupt wahrnimmt und schätzt. Wenn es jemand cool findet, dass wir Masken tragen, dann kann ich auch damit leben.

Habt ihr euch schon einmal überlegt, euch zu demaskieren?

Der Gedanke war einmal da, aber es wird nicht passieren. Selbst wenn die Leute unsere Identitäten komplett enttarnt haben, werden wir nicht auf die Masken verzichten. Das ist absolut kein Thema.

Mit jedem Album gab es bislang einen neuen Papa Emeritus, einen neuen Frontmann. Aus welchem Grund vollzieht sich dieser Wechsel ständig?

Wir machen dasselbe wie der Vatikan – dort gibt es alle paar Jahre einen neuen Papst, bei uns eben mit jedem Album. Wir haben uns mit unserem Konzept ohnehin schon selbst in eine Ecke gedrängt, in der wir wenig Spielraum haben, aber wir können zumindest durch die Veränderung der Sänger-Persönlichkeit Frische beibehalten. Das ist eine Dynamik, die wir mit Freude beibehalten werden.

Einer der Nameless Ghouls beim Exzerzieren seines diabolischen Werkes - (c) Andreas Graf

Was ist denn nun das Konzept hinter dem ganzen Projekt GHOST?

Wir wollen einfach mehr als eine gewöhnliche Rockband sein. Es soll mysteriös sein und vor allem auch unsere Gedankengänge wiederspiegeln – auch wenn das nicht auf jeden Einzelnen in der Band zutrifft, ich selbst etwa bin Atheist. Wir sind große Fans von 70er-Jahre Horrorfilmen und spirituellen Bereichen. Darauf haben wir uns festgelegt und das so durchgezogen. Es steckt noch viel mehr dahinter, aber das bleibt unser Geheimnis.

Warum genau der Vatikan und die Religion?

Es hat uns einfach immer interessiert, viel mehr ist da gar nicht dahinter. Auch wenn die Thematik innerhalb der Band nicht jedem gleich wichtig ist, gibt sie dir einfach unzählige Möglichkeiten, eine tolle Show zu vollziehen. Schweden ist ein sehr gläubiges Land, die Religion und die Kirche sind ein essenzieller Teil der Regierung, das habe ich auch während meiner ganzen Kindheit und Jugend so erlebt. Ich habe sehr viele religiöse Freunde und mag sie natürlich trotzdem, aber in dieser reichen Welt muss es auch Platz geben, etwas von diesem Glauben zu stehlen.

Gibt es eigentlich einen roten Faden, der sich durch alle eure bisherigen Alben zieht?

Es ist ein sehr dünner Faden, eine gesamte Geschichte ist es jedenfalls nicht. Wir haben einen großen Plan, der sich aber im Laufe der Zeit immer etwas ändert, weil wir selbst nicht immer stringent geradeaus gehen können. Wir sind heute jedenfalls klüger als vor fünf Jahren und man lernt immer dazu. Wir sind sehr vorsichtig damit, wie wir uns öffentlich bewegen und was wir aussagen. Wir sind extrem anspruchsvoll und überlassen nichts dem Zufall. Alles muss in erster Linie uns gut gefallen, Willkür und Experimente haben da keinen Platz.

GHOST definiert sich nicht zuletzt durch eine irrsinnig durchdachte, perfekt konzeptionierte Bühnenshow. Welchen Stellenwert hat sie zur Musik?

Einen sehr großen, aber da will ich jetzt nicht für alle von uns sprechen. Das hat sich hingegen über die Jahre einfach so ergeben. Würden wir jetzt ein Bandmitglied rauswerfen und ein neues aufnehmen, würde sich das neue mit Sicherheit anders verhalten. Da gibt es keine vorgefertigten Regeln.

„Meliora“ ist das bislang kommerziell erfolgreichste Album, aber viele alte Fans von euch vermissen die Wurzeln des Heavy Metal darauf. Kannst du sie verstehen?

Nur bedingt. Es kann jedenfalls nicht an den Gitarren liegen, denn wir haben mehr kompakte und schwere Riffs als auf den ersten beiden Alben zusammen. Ich glaube das größte Problem liegt darin, dass wir heute keine reine Underground-Band mehr sind und sich viele deshalb von uns abwenden. Wenn mein Nachbar die Band nicht mehr mag, mag ich sie auch nicht mehr – das funktioniert immer nach diesem Prinzip. Ich kann es sogar nachvollziehen, weil ich in meiner Jugend nicht anders war. Irgendwas wächst man da aber raus.

Ist jedes GHOST-Album von anderen Bands inspiriert? Vielseitigkeit war über die Jahre ein wichtiges Gut für euch.

Innerhalb der Band hören wir alle die unterschiedlichsten Arten von Musik. Metal ist nur ein Teil davon und ich denke, das hört man auch bei uns raus. Es ist nicht so, dass wir uns vor den Aufnahmen hinsetzen und 20 alte Alben durchhören. Auf „Opus Eponymous“ haben wir wohl mehr Okkult-Rock gehört, für „Infestissumam“ mehr Prog-Rock und vor „Meliora“ etwas eingängigere Musik. Wir graben nicht unsere Sammlungen und Regale durch, aber natürlich wird man unweigerlich beeinflusst. Wichtig ist aber, immer die eigene Note zu finden und sich niemals zu stark auf eine bestimmte Art von Musik einzuschränken.

Findest du, dass Künstler und Bands aus den 70er- und 80er-Jahren bessere Songwriter waren als die von heute?

Ich glaube nicht. Du kannst die verdammt beste musikalische Band der Welt sein, wenn keiner gute Songs schreibt, hilft dir das überhaupt nichts. Was die Bands heute oft nicht verstehen, das sind zweierlei Dinge. Einerseits reicht es nicht, nur cool zu sein. Das hilft dir vielleicht kurz am Anfang, aber ohne gute Songs hat das langfristig keinen Sinn. Andererseits versuchen viele der Retro-Rockbands zwingend nach 1974 zu klingen. Was sie dabei aber übersehen ist, dass die Bands damals nur in die Zukunft geschaut haben. Die wollten nach 1975 klingen und nicht anders. Für mich ist das Denken heutiger Bands zu rückwärtsgewandt.

Ist es heute überhaupt noch möglich, etwas bahnbrechend Neues zu erschaffen oder etwas Bestehendes in einem neuen Rahmen zu präsentieren?

Natürlich ist das möglich, ansonsten bräuchten wir keine Musik mehr zu machen. Ich persönlich bin jetzt aber niemand, der zwanghaft nach dem Neuen sucht. GHOST sind eine Hommage an alle großen Rockbands, die uns beeinflusst haben. Wir wollen schon wie die alten Bands klingen, aber in einem zeitgemäßen Mantel. Neues gibt es aber immer zu entdecken. Hast du zum Beispiel schon mal ein echtes Schwein in einer Band singen hören? Deiner Vorstellungskraft sind dahingehend keine Grenzen gesetzt, da gibt es noch genügend Territorien zu ergründen.

Papa Emeritus III und Co. liefern als GHOST die derzeit spannendste Show im Rockbusiness - (c) Andreas Graf

Wie seht ihr die Performance von Papst Franziskus? Er schafft es ja offensichtlich, selbst bei Kirchenkritikern beliebt zu machen – funktioniert das auch bei GHOST?

Nein, so weit würde ich nicht gehen. Oft ertappe ich mich selbst, wie ich ins Internet gehe und kurz davor bin, mich in Diskussionen zu diesen Themen einzumischen, aber das ist natürlich absolut unnötig und ich reiße mich dann zusammen. Ich habe aber keine Meinung zum neuen Papst für dich.

Er hat unlängst mit „Wake Up!“ sogar ein Album veröffentlicht. Ich bewege mich jetzt auf gefährliches Terrain und frage dich, ob es nicht auch mal interessant wäre, eine musikalische Zusammenarbeit zwischen Papa Emeritus und den echten Papst zu planen? Das wäre dann wohl die Übersensation.

Ich glaube weniger. Wir haben unsere eigenen Idee und sind nicht so gut im Zusammenarbeiten. Es reicht schon, wenn wir externe Produzenten und dergleichen haben, das ist genug für uns. Außerdem wollen wir nicht zwingend nur Christen und Katholiken mit Kritik konfrontieren, warum nicht auch Muslime oder Hindus?

Siehst du die Aufgabe von GHOST auch darin verortet, gegen religiöse Strömungen anzusingen?

Nein, das auf keinen Fall. Wir machen Entertainment und sind nicht hier, um die Welt zu retten. Wir sehen uns eher als eine Art kleinen Horrorfilm, Drama oder Theatervorstellung, keinesfalls als Verkünder von Botschaften. Natürlich habe ich als Mensch die Verantwortung, die Welt möglichst nach meinen Vorstellungen mitzugestalten, aber als Rockband sollten wir uns schon eher auf die Unterhaltung konzentrieren.

Wie hat sich das Tourleben nach den Anschlägen von Paris für euch verändert?

Natürlich hat uns dieser Vorfall verängstigt, so wie alle anderen auch. Es war im Prinzip ein Anschlag auf die gesamte Unterhaltungsbranche, nicht nur auf eine spezifische Location mit einer spezifischen Band. Ich habe keine Ahnung, was jetzt wirklich das Ziel des Anschlags war, aber wenn es jemanden tritt, der dasselbe macht wie du, dann packt dich das natürlich umso intensiver. Hätte es einen Spielzeugladen getroffen, hätten alle Inhaber von Spielzeugläden genauso Angst bekommen und ihre Läden für mindestens zwei Wochen geschlossen. Es ist eine sehr traurige und erschreckende Angelegenheit.

Speziell viele Bands aus den USA haben seither ihre Touren in Europa abgebrochen und sind heimgeflogen. Kannst du das nachvollziehen?

Ich kann das sehr gut verstehen. Ist es das Risiko wert getötet zu werden, nur weil du Rock’n’Roll spielst? Ich weiß es nicht.

Ist es aber nicht das falsche Zeichen, klein bei zu geben und damit einen Ausruf der Angst zu vermitteln?

Das ist natürlich der Sinn der Terroristen, keine Frage. Doch warum sollten sich die amerikanischen Bands überlegen, was Terroristen darüber denken? Das ist ihnen egal, sie wollen überleben. Dass bislang nur amerikanische Bands ihre Touren abgesagt haben liegt wohl auch daran, dass sie einen anderen Blick auf Europa haben als wir Europäer selbst. Vielleicht haben sie auch etwas mehr Angst, einem Terrorakt zum Opfer zu fallen. Sie sind auch ein großes Land, das zusammensteht, dieses Gefühl hat man bei den vielen europäischen Staaten nicht immer. Das dürfte ein weiterer Grund für ihre Verunsicherung sein.

Wie fühlst du dich, wenn du mit GHOST unterwegs bist und dir allerorts eine derart kultige Anbetung eurer Fans zuteilwird?

Ich finde es toll, dass die Menschen unsere Musik mögen und sich für uns als Band interessieren, was ich aber nicht verstehen kann ist, warum sie sich so stark für uns als Personen dahinter interessieren. Das verängstigt mich auch in gewisser Weise, denn ein Mitgrund für die Maske ist auch die Tatsache, dass ich außerhalb der Band in Ruhe leben will. Jeder hat seine Interessen, ich kann das schon verstehen, aber irgendwann kommst du an dem Punkt, wo du dir überlegst, ob du damit nicht übertreibst und dein eigenes Leben hintanstellst. Wie viel Energie haben manche Menschen, dass sie sich den ganzen Tag um andere kümmern, nur an ihre Lieblingsbands oder Lieblingsschauspieler denken? Kommt schon Leute, kümmert euch um euer eigenes Leben. Ich kann schon verstehen, dass eine Band einen wichtigen Teil im Leben eines Menschen spielt, aber es gibt Grenzen. Es geht niemanden etwas an, ob ich verheiratet bin oder nicht, ob ich Kinder habe oder nicht. Warum interessiert das jemanden? Hör dir die Musik an, genieß die Show, aber das reicht auch. Kein Leben kann so leer sein, dass es mich oder uns braucht, um es komplett zu füllen. Das ist aber wohl auch der Preis, den man als Künstler zu bezahlen hat.

Aber du hast es ja schon zu Beginn angesprochen – das Ziel von GHOST war auch der Ruhm und die Bekanntheit. Mit Erfolg kommt auch Druck und irgendwann, wie ja auch bei SLIPKNOT und vielen anderen, das Ende des Versteckspiels.

Nein, ich will, dass die Musik und unsere Bühnenshow berühmt werden. Das ist der große Unterschied. Ich habe kein Interesse daran, als Person ins Rampenlicht gestellt zu werden. Das ist völlig unwichtig. Meist kommt das natürlich Hand in Hand mit dem Erfolg, das ist mir schon bewusst, aber deshalb sind wir auch maskiert. Uns interessiert dieser verdammte Personenkult überhaupt nicht. Ich bin nur ein kleiner Junge aus Schweden, warum sollte sich irgendjemand für mich interessieren? Ich will spielen, ich will touren, ich will Spaß haben – aber das reicht mir auch völlig.

Nachdem man mit dem Konzept GHOST wesentlich mehr machen könnten als bloß reine Konzertabende, sind auch andere Sachen angedacht? Eventuell eine Broadway-Musical?

Ja, definitiv. Es gibt durchaus auch Pläne in die Richtung.

Du willst das jetzt sicher genauer erläutern.

(lacht) Nein.


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