GIRLSCHOOL - Enid Williams

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Frauen schmeißen sich Männern, vor allem Rock-Stars, aber ganz anders zu Füßen, das passierte im Umkehrschluss bei uns nie in dieser Art und Weise.

Gemeinsam mit ihrem langjährigen Weggefährten Lemmy Kilmister von MOTÖRHEAD zelebrierten GIRLSCHOOL Ende dieses Jahres 40 Years Of Rock'n'Roll. Wir schnappten uns Basserin Enid Williams zum entspannten Small-Talk.

Text: Reini
Veröffentlicht am 26.12.2015

Enid, im Frühjahr 1979 hat euch Lemmy den Support-Slot für die MOTÖRHEAD-Overkill Tour angeboten…

Yeah

Jetzt, 36 Jahre später seid ihr wieder mit Lemmy unterwegs um 40 Jahr Rock’n’Roll mit ihm zu feiern. Wenn man das aber etwas genauer betrachtet ist es auch für Kim und dich ein 40-jähriges Jubiläum wenn wir die PAINTED LADY-Zeiten von euch dazurechnen. Ist es nicht fast schon beängstigend wie die Zeit vergeht?

*Lacht* Ja in der Tat, es ist ein Wahnsinn wie schnell die Zeit vergeht… Wir haben ja in der Vergangenheit immer wieder mit Lemmy getourt, 2005, 2009 zum Beispiel. Es ist unglaublich, am 13. November haben wir in Belgien gespielt, einen Tag bevor unser neues Album rausgekommen ist und die Nacht davor ist ja PhilthyPhil gestorben, das bleibt in deinem Kopf drinnen, dann haben MOTÖRHEAD ja jetzt auch wieder den Bomber mit dabei, das bringt dich unweigerlich zurück in das Jahr 1979. Bei den letzten Tourneen mit MOTÖRHEAD haben wir uns eher um das Jetzt gekümmert, aber dieses Mal ist es schon speziell, 40 Jahre MOTÖRHEAD, Lemmys 70. Geburtstag, der Bomber, die Gedanken an Philthy, da musst du einfach an die alten Tage zurückdenken.

2011 habt ihr ja euer „Hit and Run“-Album neu eingespielt – ist es wahr, dass ihr dies deswegen gemacht habt, weil ihr für die Originalaufnahmen keine Rechte mehr habt?

Es stimmt schon, dass wir über unseren Back-Katalog keinerlei Kontrolle haben, aber das war in der damaligen Zeit auch so. Es ist also ein Faktum aber nicht der eigentliche Grund, warum wir „Hit And Run“ neu eingespielt haben. Jackie war ja damals noch nicht in der Band, wir spielen aber doch viele Songs von dem Album live, es war einfach eine gute Gelegenheit für Jackie, dass sie ihre Duftmarke auf den Songs hinterlässt. Auf dem Originalalbum haben ja Kelly und Ich fast die Hälfte der Songs gesungen, Kim nur einen, aber live singt Kim jetzt natürlich die Songs von Kelly, so war es auch für Kim eine gute Gelegenheit die Songs jetzt noch einmal mit ihrer Stimme aufzunehmen.

Jetzt ist ja mit „Guilty As sin“ sieben Jahre nach „Legacy“ ein neues Album von euch erschienen, ein cooles noch dazu…

Thank You

Für mich ist es ja wahrscheinlich das am meisten abwechslungsreiche Album in euer Karriere – wir haben das Eröffnungstripple „Come The Revolution“, „Take It Like A Band“ und den Titeltrack, alles drei coole Rock/Metal-Tunes im Fahrwasser der NWoBHM, mit „Night Before“ einen verdammt schnellen Song und die mehr emotionalen Stücke wie „Treasure“, „Awkward Position“ oder das sehr relaxete „Painful“, es ist eigentlich alles vorhanden was sich ein Rock-Fan so wünschen kann…

Weißt Du alles bei GIRLSCHOOL passiert einfach so weil es eben passiert…

Es gibt also keinen Plan

Nein, definitiv nicht, wir sind da sogar ziemlich chaotisch. Bei diesem Album war es ja so: vor ca. einem Jahr wussten wir, dass wir ein Album aufnehmen sollen, wir nahmen an, dass wir wieder mit Tim Hamill, ein begnadeter Produzent übrigens, arbeiten werden, aber unsere Plattenfirma meinte sie wollen was Neues ausprobieren. OK, Give It A Go, dachten wir uns, dann wurde aber Chris Tsangaride wirklich schwer krank und wir lebten halt so unser Leben weiter, zwei von uns haben wirklich sehr, sehr große Gärten, das beschäftigt dich dann sowieso über den Sommer hinweg. Dann kam der September, der Oktober und im November hieß es plötzlich von der Plattenfirma „Ihr seid ab Jänner im  Studio“. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt aber nur jede für sich an neuen Ideen gearbeitet, aber noch gar keine Songs für ein neues Album miteinander geschrieben. Als wir uns dann zu Rehearsals trafen ergab es sich einfach, Kim schrieb ein wenig mit Jackie, Jackie wiederrum mit mir, wir drei haben sowieso alleine diverse Ideen ausgearbeitet, das haben wir dann alles auf einen Haufen geworfen und konnten uns zu Anfangs überhaupt nicht vorstellen wie sich das entwickeln würde. Im Endeffekt hat es aber gut funktioniert und wenn ich es mir jetzt anschaue, für mich ist „Guilty As Sin“ einfach eine Hommage an die Musik die wir immer geliebt haben. Du hörst ein wenig AC/DC, auch MOTÖRHEAD, gerade wenn die Bass-Drums dominiert, das kannte man von GIRLSCHOOL ja schon, aber ich höre auch BOWIE oder IGGY POP hie und da.

Du hast den Chris Tsangaride, euren Produzenten, schon angesprochen. War es vielleicht auch ein Entscheidungsgrund für ihn, weil ihr neue Elemente, neue Ideen einbringen wolltet?

Tim Hamill hat ja das neue Album wieder gemastert, daher war da schon so etwas wie Kontinuität vorhanden, aber du hast schon Recht, wir wollten dieses Mal schon etwas Anderes probieren.

Dieser doch deutlich spürbare Abwechslungsreichtum von „Guilty Of Sin“ ist sicher darauf zurückzuführen, dass mit Kim, Jackie und dir drei Songwriterinnen in der Band sind - ist es nicht hart das Alles unter einen Hut zu bringen?

Oh es ist hart (Enid ballt die Faust und schlägt etliche Male auf ihre Handfläche), bämmm, bämmmm, My Song, My Song!

Aber wenn man das Positive daraus zieht endet es immer damit, dass jede von uns mit dem Gedanken Ich möchte einen noch besseren Song schreiben an ihre Arbeit geht. Mir passiert das öfters, wenn ich einen Song der anderen beiden höre und mir denke „Oh That’s Brilliant“, ich möchte jetzt aber noch einen besseren Track abliefern, das inspiriert uns und es motiviert uns zusätzlich.

Ich habe mir die Lyrics von „Awkward Position“ ein wenig genauer durchgelesen und da heißt es ja …

„Fucking In The Bathroom And Fucking In The Kitchen“

Als du die Lyrics zu diesem Song das Erste Mal gehört hast, bist du da nicht ein wenig rot im Gesicht geworden?

Kim hat diese Lyrics ja schon vor ca. 20 Jahren geschrieben…

In diesem Moment kommt Kim McAuliffe in den Backstage-Raum

Kim: Ich hab nie darüber geredet, aber ich werde heute noch verlegen wenn ich an diese Lyrics denke. Ich hoffe nur meine Mum wird die nie zu Gehör bekommen.

Die Lyrics haben mich auch zur nächsten Frage inspiriert, wir wissen ja Rock-Stars und Groupies, aber gibt es auch Male-Groupies?

Ich bin ja der Meinung, dass hier ein riesiger Unterschied zwischen Männern und Frauen besteht. Zu einem gewissen Grad sehen dich die Leute on Stage ja anders, als du im realen Leben bist. Was ich aber definitiv weiß, Männer sind um einiges schüchterner als Frauen. Auch als wir anfingen, wir waren 20, 21 Jahre alt, unser männliches Publikum war damals jünger, sie stellten uns schon nach, aber sie waren viel zu schüchtern um sich uns zu nähern. Natürlich gab es auch in unserer Karriere Male-Groupies, aber es ist irgendwie anders als bei männlichen Rock-Stars. Die bestimmten Vorteile hatten wir aber natürlich auch. Frauen schmeißen sich Männern, vor allem Rock-Stars, aber ganz anders zu Füßen, das passierte im Umkehrschluss bei uns nie in dieser Art und Weise.


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