CRAZY TOWN - Seth "Shifty Shellshock" Binzer & Bret "Epic" Mazur

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Wir könnten in 5.000er-Arenen spielen, nur wissen die Leute noch immer nicht, dass wir wieder zurück sind. Es liegt jetzt an uns!

Mit "Butterfly" hatten die US-Rap-Nu-Metaller CRAZY TOWN rund um die Jahrtausendwende einen der größten Hits der jüngeren Musikgeschichte. Nach Drogeneskapaden und dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit sind sie 15 Jahre später wieder zurück und haben eine Menge zu erzählen.

Text: Robert Fröwein | Fotos: Andreas Graf
Veröffentlicht am 04.01.2016

Der Erfolg ihrer Jahrhundert-Single "Butterfly" im Jahr 2000 ist eigentlich kaum in Worte zu fassen. Die Nummer erreichte in 15 verschiedenen Ländern den Single-Charts-Spitzenplatz, kassierte fünfmal Platin, viermal Gold und einmal Silber und verkaufte sich etwa eineinhalb Millionen Mal - das dazugehörige Debütalum "The Gift Of Game" bilanzierte nur unwesentlich schlechter. Es folgten ausverkaufte Großkonzerte, bejubelte Festivalshows und für einen kurzen Zeitpunkt haben CRAZY TOWN sogar die langlebigeren Branchengrößen LIMP BIZKIT und LINKIN PARK durchs linke Nasenloch geschnupft. Dass es nicht so weitergehen konnte, war klar. Dass die Band nach dem guten, aber nicht mehr besonders aufregenden Nachfolger "Darkhorse" aber für mehr als eine Dekade in eine drogen-, gewalt- und exzessgeschwängerte Bedeutungslosigkeit verrutschen wurde, war so nicht abzusehen. Erste Festivalshows kündigen es 2014 bereits an, mit dem neuen Album "The Brimstone Sluggers" und die Rückbesinnung auf alte Tage, sind Shifty Shellshock und Epic Mazur, Kreativschmiede und Freundesduo in einem, wieder ins internationale Rampenlicht zurückgekehrt. Oder sollen wir sagen, Rampenlichtchen? Denn statt Stadthalle oder Gasometer musste es Anfang Dezember noch das dunkle Gewölbe des Wiener Viper Room sein, auch wenn die beiden trainierten und tätowierten Berufsjugendlichen sich im ausführlichen Stormbringer-Interview ganz woanders verorten. Im finsteren und kühlen Backstagebereich wurde auch noch über Shiftys Drogensucht, die gewünschte Abgrenzung zum Top-Hit "Butterfly" und diverse Missverständnisse mit der österreichischen Medienwelt diskutiert - bevor das Drei-Mann-Projekt für halb gefüllter Location auf die Bühne ging. Comebacks sind eben keine Kinderjause...

 

Shifty, Epic – nach 13 langen Jahren habt ihr Ende August mit „The Brimstone Sluggers“ endlich euer drittes Studioalbum veröffentlicht. Die Frage ist fad, aber notwendig – wieso hat das so lange gedauert?

Seth „Shifty Shellshock“ Binzer: Wir haben sogar mehrere Male versucht, ein Album zu machen – das letzte Mal zu der Zeit, als unser Freund und Kollege Adam „DJ AM“ Goldstein 2009 an einer Überdosis verstarb. Das war für uns extrem hart und wir haben die beruflichen Pläne zurückgestellt. Wir beide haben immer an Songs geschrieben, aber nicht mehr in der Nähe gewohnt und uns etwas aus den Augen verloren. Ich war selbst lange nicht Herr meiner Sinne und musste erst wieder die Balance finden.
Bret „Epic“ Mazur: Shifty hat lange Zeit seine Solokarriere gefördert.
Shifty: Und meine Drogensucht.
Epic: Und seine Drogensucht. (lacht) Es hat einfach viele Gründe gegeben, warum es nicht geklappt hat, aber jetzt sind wir ja da und motiviert, diesen Weg weiterzugehen.

„The Brimstone Sluggers“ war auch der Name, unter dem ihr lange vor CRAZY TOWN erstmals zusammen Musik gemacht habt. War die Arbeit an diesem neuen Album also eine nostalgische?

Shifty: Epic und ich sind seit jeher die besten Freunde und als wir damals mit den BRIMSTONE SLUGGERS anfingen Musik zu machen, war alles so frisch und wir noch extrem jung. Uns war alles rund um die Musik egal – am Wichtigsten war es einfach, dass wir zusammen schreiben konnten, wir brauchten dafür keine ganze Band. Jetzt hatten wir eben auch eine Band dabei und das Album „The Brimstone Sluggers“ ist mehr ein klassisches Studioalbum. Ansonsten haben wir die guten Zeiten von damals projiziert.

Epic, in einem Interview hast du gesagt, dass du deinem Label nicht vertraust, wenn es um die Bewerbung eures neuen Albums geht.

Epic: Das liegt einfach an den heutigen Mechanismen der Musikindustrie. Ich meinte damit, dass du nicht mehr darauf vertrauen kannst, ordentliche Promotion zu kriegen, weil sich das Klima in dem Geschäft drastisch verändert hat. Unsere Fanbase ist weit verzweigt, sie über herkömmliche Mittel zu erreichen ist verdammt schwer, aber das große Geld haben wir auch nicht. Plattenfirmen investieren mittlerweile kaum mehr Geld, außer du bist ein 18-jähriges Pop-Girl, das bereits Millionen von Follower auf ihren Social-Media-Kanälen hat. Wir haben verdammt viele Fans, die noch immer nicht mitgekriegt haben, dass wir wieder zurück sind. Da wir eben heute von keinem Label mehr verlangen können, so viel Geld zu investieren, müssen wir rausgehen und Shows wie hier im Viper Room spielen. Wir müssen einfach hart arbeiten und unseren alten Ruf wieder reanimieren. „The Brimstone Sluggers“ ist der Kampf von uns gegen den Rest der Welt.

Gab es einen bestimmten Moment, wo es klick gemacht hat? Wo ihr genau wusstet, ihr möchtet jetzt wieder zusammen losstarten und die Band von Neuem aufrollen?

Epic: Davon gab es mehrere. Einer davon war in L.A., als wir vor dem Starbucks in meinem Auto saßen und darüber gesprochen haben, unsere unveröffentlichten Songs zu veröffentlichen. Da haben wir auch gleich über eventuelle neue Songs gesprochen.
Shifty: Der erste davon war „Lemon Face“ und das hat uns einfach total mitgenommen. Wir waren wieder aufgeregt, hatten Spaß an der Sache und dann einfach immer weiter aufgenommen.
Epic: Dann gab es den Moment, wo wir 2014 bei Rock am Ring spielten und uns Sorgen machten, wie die Leute uns aufnehmen würden.
Shifty: Dann sind sie aber von den anderen Bühne rübergerannt, um uns zu sehen. Das war einfach der Wahnsinn. Dort haben wir realisiert, dass uns die Leute noch immer hören und sehen möchten.
Epic: Die Leute waren beim Festival völlig außer sich, das war unglaublich. Tags darauf spielten wir eine Clubshow vor 50 Leuten. Was sagt uns das also? Wir könnten in 5.000er-Arenen spielen, nur wissen die Leute noch immer nicht, dass wir wieder zurück sind. Es liegt also an uns, das wieder zu ändern.

Musikalisch seid ihr stark von euren damaligen Rockpfaden abgetreten und habt euch auf dem neuen Album mehr auf Hip Hop und Alternative konzentriert. War auch das eine bewusste Rückkehr zu den Frühzeiten eurer Partnerschaft?

Epic: Wir haben viele Fans, die verschiedene Genres mögen. Wir selbst mögen harte Musik und führen sie auch gerne weiter, wollen aber mehrere Seiten von uns zeigen. Dieses Album repräsentiert im Prinzip die Tatsache, dass wir uns sehr gut entwickelt hätten, wären wir damals nicht vom Business abgedreht. „The Brimstone Sluggers“ wird natürlich einige Nu-Metal-Fans verärgern, die noch immer im Jahr 2003 hängen, aber so werden wir uns nicht wiederholen.
Shifty: Wenn wir hart sein wollen, dann so, wie wir es für richtig finden, mit einem modernen, zeitgemäßen Touch. Wir versteifen uns nicht auf einen Sound aus unserer Vergangenheit.

Könnt ihr euch dann live noch mit euren alten Nummern anfreunden/identifizieren?

Shifty: Zu 100 Prozent. Das neue Album gibt uns zudem viele Chancen, die verschiedensten Dimensionen der Band zu zeigen. Wir haben harte Songs, sanftere Songs, groovige Songs. Die Mischung aus unseren drei Alben ist einfach Badass – du brauchst nicht die ganze Nacht headbangen, sondern kriegst auch Melodie von uns. Auch unsere Lieblingsbands hatten diese Freiheit. Die BEASTIE BOYS konnten an einem Tag einen totalen Hip-Hop-Track veröffentlichen, am nächsten dann gab es plötzlich „Sabotage“. So machen das auch wir oder die RED HOT CHILI PEPPERS, auch große Helden von uns.

Ihr habt auf „The Brimstone Sluggers“ mit vielen verschiedenen Rappern gearbeitet, aber nicht mit dem berühmten XZIBIT, obwohl du im Internet während der Aufnahmen mit ihm auf einem Foto posiert hast.

Epic: Nein, er ist aber ein guter Freund von uns und wir haben über gemeinsame Ideen gesprochen. Wir wollten noch einen Song mit ihm auf das Album pressen, aber wir hatten einfach keine Zeit mehr. Das Label hatte uns auch schon gedrängt, fertigzuwerden, was auch stimmte, so werden diese Kooperation und viele weitere dann in der Zukunft zu hören sein.

Somit sind weitere CRAZY TOWN-Alben in der Zukunft garantiert?

Shifty: Wir schreiben jetzt schon wieder an neuem Material.
Epic: Wir wollen in näherer Zukunft ein paar EPs veröffentlichen, ich hoffe, das macht Sinn. Anstatt dem System zu folgen, und alle zwei bis drei Jahre ein Studioalbum zu veröffentlichen, wollen wir lieber jedes halbe Jahr sechs, sieben neue Songs produzieren.
Shifty: Wir waren jetzt viel zu lange weg vom Fenster und müssen das Zeug jetzt einfach regelmäßig an die Oberfläche schießen.

Es gibt mit dem Mädchen, das auf dem Cover zu sehen ist, auch eine Fortsetzung, einen roten Faden von euren ersten beiden Alben zur Gegenwart. Ist das eben der kleinste gemeinsame Nenner zwischen Gegenwart und Vergangenheit?

Epic: Sie ist im Prinzip eine Ikone für die Band. Wir wollten einerseits die alten Zeiten festhalten und gleichzeitig unseren Reifeprozess zeigen, den wir durchlebt haben.
Shifty: Wir wollten, dass sich die alten CRAZY TOWN-Fans darüber freuen, sie zu sehen. Sie ist einfach unser Mädchen. Sie hat jetzt mehr Tattoos und sich allgemein verändert.

So wie du auch.

Shifty: Exakt. Du hast es erfasst.

Wie wichtig ist euch nun der kommerzielle Erfolg mit der neuen Platte? Allein schon durch die Veränderungen in den letzten 15 Jahren ist es quasi unmöglich, dass ihr noch einmal so einen Erfolg haben werdet wie früher.

Epic: Keiner verkauft heute mehr viele Alben. Wenn heute jemand Platin bekommt, das sind in den USA eine Million Platten, dann ist derjenige verdammt erfolgreich. Die besten Künstler kassierten früher fünf- oder zehnfach Platin – so etwas passiert heute nirgends mehr.
Shifty: Die Tage von MÖTLEY CRÜE sind vorüber.
Epic: Die Leute saugen sich die Songs kostenlos aus dem Netz und machen sich auch keine Gedanken mehr darüber. Es ist uns auch egal, wie die Leute zu unserer Musik kommen, auch wenn wir lieber hätten, sie würden die Songs kaufen. So nett es hier heute auch ist, aber das Ziel ist ein anderes. Wenn wir das nächste Mal nach Wien kommen und es ist keine Festivalshow, dann wollen wir die 5.000er-Arenen bespielen. Das ist der Plan, auch wenn es etwas länger dauern sollte.

Wie bei allen Künstlern hattet auch ihr Länder, in denen ihr erfolgreicher wart als in anderen. Bemerkt ihr das dann bei den Liveshows? Dass ein gewisses Publikum, bei dem ihr schon früher groß wart, schneller in eure Shows findet als ein anderes?

Shifty: Absolut, das kriegen wir schon mit. Nicht alle reagieren gleich enthusiastisch auf unser Comeback. Wir haben aber so oder so Spaß und spielen jeden Abend die bestmögliche Show – egal, ob die Leute langjährige Hardcore-Fans sind, oder nur wegen „Butterfly“ gekommen sind. Es geht darum, dass wir mitreißen und überzeugen.
Epic: Wir machen mehr als nur eine Promo-Tour, haben jetzt sogar die Möglichkeit, ein DJ-Set zu machen, einfach, weil wir es eben können. Wir könnten uns die ganze Band auf dieser Tour aber auch nicht leisten.
Shifty: Diese Tour ist für unsere langjährigen Fans, die viele Jahre auf uns warten mussten und uns wieder auf der Bühne sehen wollen. Wir geben wieder Gas und sind hochmotiviert. Wir brauchen jetzt einfach die Hilfe von all den Leuten, die immer an uns geglaubt haben, damit wir wieder an die Spitze kommen. Ich weiß, dass es genug von ihnen gibt, wir müssen sie jetzt nur noch abholen.

Shifty, du hast deine Drogenvergangenheit schon kurz angesprochen, warst dann auch in mehreren Staffeln der Rehab-Reality-Shows „Celebrity Rehab“ und „Sober House“ zu sehen, um clean zu werden. Epic, du warst damals nicht glücklich darüber.

Epic: Weil ich ihn liebe und mich um ihn sorgte und mir immer sicher war, dass das der falsche Weg sein würde, darüber hinwegzukommen.

Shifty, warum hast du dich trotzdem für diesen Weg entschieden? Immerhin konnte dich die ganze Welt dabei beobachten.

Shifty: Das war gar nicht so geplant, aber Dr. Drew war ein Freund von mir. Er kam auf mich zu und meinte, dass ich derzeit einfach nicht auf der Spur wäre, er diese Show machen würde und mich dabeihaben möchte. Ich fand die Idee von Anfang an cool und war sofort an Bord. (lacht) Ich hatte nie ein Problem damit, denn es gibt so viele Drogenabhängige, die wirklich total abgefuckt sind, warum also nicht gleich dabei gefilmt werden? Es war ja ohnehin kein Geheimnis, dass ich abhängig war. Was auch ein Mitgrund war, mich dafür zu entscheiden – so viele verdammte Motherfucker haben dasselbe durchgemacht, sich aber feig hinter ihren Vorhängen versteckt und so getan, als ob das alles nie ein Problem gewesen wäre. Ich habe die Vorhänge aufgemacht und allen gezeigt, wie beschissen es mir zu der Zeit ging. Ich wollte nichts verstecken und hatte nichts zu verstecken. Jeder sollte wissen, dass ich aufhören musste. Wäre ich nicht in diesen Shows gewesen, dann könntest du mich jetzt darüber ausfragen und wir müssten alle spekulieren, weil keiner gesehen hätte, wie schlimm es wirklich war. Es gibt Millionen von Abhängigen, die alleine gelassen werden – bei mir hat man gesehen, wie es gehen könnte. Außerdem war es auch gutes Geld, das ich brauchen konnte. Heute bin ich nüchtern, alles ist okay. Damals war ich einfach total irre, das ist vorbei.

Vor drei Jahren bist du für einige Tage ins Koma gefallen – war das eine direkte Folge deines Drogenmissbrauchs?

Shifty: Ich war in einer verdammt vergifteten Beziehung mit so einem Mädchen, das mich dann erpresst hat. Ich war damals bereits nüchtern, aber sie hat mich einfach umgestoßen, tätlich angegriffen. Ich war dann verdammt angespannt und habe die falschen Sachen zusammengemixt und konsumiert. Das hat mich umgehauen.
Epic: Die Schuld lag an den Drogen. Er hat das nicht bewusst gemacht, aber das ist nun einmal Tatsache. Es war halt Zeug, das normale Leute nicht vertragen würde.
Shifty: Es war eine verdammt emotionale Situation und ich habe gelernt, ruhiger zu sein. Ich war nüchtern, aber das Girl hat damals die richtigen Knöpfe gedrückt, um mich wieder dorthin zurückzutreiben.

Seid ihr eigentlich schon davon genervt, immer wieder mit dem Song „Butterfly“ in Verbindung gebracht zu werden?

Epic: Auf keinen Fall, wir lieben es, diesen Song zu spielen. Was mir an dieser Tour so gefällt, ist die Tatsache, dass die Fans bei Songs wie „Drowning“ oder „Toxic“ genauso abgehen, wie wenn sie „Butterfly“ hören. Ich sah einen Artikel über unsere Show in Wien und dort stand im Titel etwas von einem One-Hit-Wonder, das zurück ist. Wir waren aber nie ein One-Hit-Wonder. „Butterfly“ war so groß und erfolgreich, er hat einfach alle anderen Hits von uns ausgelöscht. Ich glaube nicht, dass es eine Band gibt, die nach so einem Hit jemals wieder einen ähnlichen Erfolg verbuchen könnte. Wir lieben „Butterfly“, aber wenn du dir unsere Shows ansiehst, singen die Leute auch bei den brandneuen Songs mit und genießen die ganze Show mit allen anderen Hits.
Shifty: Epic bekam schon Platin, bevor der Song überhaupt rauskam und auch hatte schon viel Erfolg im Musikbusiness. Dass wir ein One-Hit-Wonder sind, ist einfach absurd.
Epic: Ich war ein Platin-Produzent, bevor wir CRAZY TOWN gestartet haben.

Es gibt aber immer noch viele Leute, die euch die „Butterfly Boys“ nennen.

Epic: Ja, aber das ist so verdammt einfach. Es ist so leicht, zu richten und allen nachzuschreiben.

Ich glaube nicht, dass das von Seiten eurer Fans immer gleich negativ konnotiert ist...

Epic: Da stimme ich dir zu. Wenn das Leute gut meinen, ist das total okay. Aber wenn du als Schreiber nur den Ansatz der „Butterfly Boys“ hast, dann hast du die Band nicht verstanden. Das habe ich schon in jedem Land und in jedem Magazin dutzende Male gelesen, warum macht sich keiner die Mühe, etwas Neues hinzuzufügen? Ich kann mir exakt ausmalen, woraus dieser Artikel am Ende bestand, dafür brauche ich keine Übersetzung.

Aber es ist nun einmal Fakt, dass ihr genau einen richtig großen Hit hattet und nun eben ein Comeback feiert.

Epic: Das stimmt, aber du hattest heute schon zehn bessere Fragen, als alle anderen, die wir in den bisherigen Interviews auf dieser Tour zu beantworten hatten. Dafür bekommst du meinen Respekt.

Ich habe noch ein paar für euch – hattet ihr jemals das Gefühl oder den Gedanken, die Chance, so berühmt zu werden wie LINKIN PARK oder LIMP BIZKIT, ausgelassen zu haben?

Shifty: Wir haben uns nie mit anderen verglichen, das war kein Thema.
Epic: Das wäre unausweichlich so gekommen, hätten wir damals nicht aufgehört. Wir waren kurz davor, die beiden haben vor uns Shows eröffnet und mit uns die Festivalbühnen geteilt. Es kamen dann aber interne und externe Probleme, die uns eben von diesem Pfad abgebracht haben. Keine dieser Bands hatte damals eine Single, die auch nur annähernd so erfolgreich war wie „Butterfly“. Das Label wollte, dass wir in dieser Tonart weitermachen.
Shifty: Wir haben aber rebelliert und ihnen stattdessen „Darkhorse“, den Albumnachfolger, gegeben. Der Präsident unseres Labels wurde damals gefeuert und sie wollten uns zu einem weiteren „Butterfly“ zwingen, das war für uns aber nie ein Thema. Sie haben die Scheibe dann auch nicht promotet.

Nach der stilistischen Veränderung hättet ihr aber damit rechnen können, dass „Darkhorse“ nicht denselben Erfolg haben würde wie euer Debüt „The Gift Of Game“.

Shifty: Ganz im Gegenteil – das Album hätte noch erfolgreicher sein können, aber nachdem unser Rückhalt gefeuert wurde, hatten sie Angst, die neue Platte und Richtung zu bewerben.
Epic: Das war damals genau die Zeit, wo alle rausgeworfen wurden. Die Promoter und A&Rs haben damals Millionen von Dollar verdient, ohne die Bands zu unterstützen. Sie alle hatten fette Kranken- und Sozialversicherungen, die besten Bankaccounts und flogen durch die Welt. Dann wurde der Kopf der ganzen Riege gefeuert und jeder darunter in diesem Pyramidensystem war gefährdet und fiel am Ende. Wenn du von Columbia Records oder Sony gefeuert wirst – wo gehst du dann noch hin, um deinen Lifestyle ähnlich halten zu können? Das ist einfach unmöglich. Selbst ein Typ wie Tim Devine, der BLIND MELON gesignt hat, fand keinen Job mehr im Musikbusiness. Er musste dann zu einem Online-Label und wurde dort wie eine Küchenschabe erschlagen.
Shifty: Hätten sie von uns ein zweites „Butterfly“ bekommen, wären alle auf der sicheren Seite gewesen, aber dadurch, dass wir ihnen „Drowning“ geliefert haben, gerieten sie in Panik.
Epic: Dann liefen sie in ihrer Panik zu den alternativen Radiostationen, weil rundum alles zusammenbrach, bemerkten aber schnell, dass uns dort niemand spielen wollte, weil wir von der Plattenfirma totkommerzialisiert wurden. Sie hatten einfach Angst, uns zu spielen und dadurch an Credibility zu verlieren. Sie mochten unsere Band und unsere Songs, aber als Rock-Radiostation konntest du uns damals nicht spielen. Das Problem war, dass „Drowning“ für eine Pop-Mainstream-Radiostation wie Kiss FM aber wieder zu hart war – es war ein Teufelskreis. Wir waren ein Opfer unterschiedlichster Kausalzusammenhänge.

Sind euch heute dieselben Dinge wichtig, wie wir vor 15 Jahren oder haben sich diverse Verhältnisse verschoben?

Shifty: Wir haben den Fokus gefunden. Früher waren wir jung, hungrig, wussten, wohin wir wollen und hatten glücklicherweise die Chance, ein Rockstardasein erleben zu können. Wir sind heute viel bescheidener, haben keine großen Erwartungen und wollen einfach nur zusammen Musik machen, auf die wir stolz sein können. Wir sind sehr gesegnet, dass wir diese Chance auf ein Comeback bekommen haben und noch einmal versuchen können, groß zu werden. Wir wollen einfach nachhaltig Erfolg haben und wissen, dass wir wohl niemals wieder so großen Erfolg wie mit „Butterfly“ haben werden. Ich will nicht sagen, dass das unmöglich ist, aber die Chance ist verschwindend gering. Wenn wir einfach weiter Musik schreiben können, beständig unsere Fanbase vergrößern und die nächsten zehn Jahre durch die Welt touren könnten, wären wir sehr glücklich. Wenn wir irgendwann von dieser Welt gehen und die Leute sagen, dass CRAZY TOWN eine tolle Band waren, dann habe ich alles richtig gemacht. Das ist mein Ziel. Ich will, dass meine Kinder aus diesem Grund stolz auf mich sein können. Die Leute sollen uns verstehen und schätzen. Die Kids wollen auf unseren Shows auch nicht nur „Butterfly“ hören – sie lieben unsere Songs und Alben, wir sind kein „One-Track-Pony“. Wir haben eine Seite an uns, die viele Menschen nicht verstehen. Auf dem ersten Album hatten wir verdammte Klassiker, auf dem zweiten ditto. Wir wollen noch viele Alben schreiben und mit aufrechten Köpfen von dieser Welt gehen.

Du hast es jetzt schon vorweggenommen, aber was soll den Menschen da draußen in den Sinn kommen, wenn sie an CRAZY TOWN denken?

Shifty: Diese Jungs gingen in die Hölle und wieder retour und sie treten immer noch gewaltig Ärsche.
Epic: Da gibt es nichts mehr hinzuzufügen. Perfekte Ansage!


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