AMON AMARTH - Johan Söderberg

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Es ist großartig, dass es endlich geklappt hat, eine etwas brutalere Musik mit extremem Growlgesang einem breiten Publikum präsentieren zu können.

AMON AMARTH sind zurück. Mit "Jomsviking" haben sie ein bärenstarkes Album im Gepäck, welches sich von der Konzeption her von sämtlichen Vorwerken unterscheidet. Johan Söderberg nimmt sich für uns Zeit, um über Konzept, Recordings und die Zusammenarbeit mit DORO PESCH zu plaudern.

Veröffentlicht am 21.03.2016

ST: Hi Johann, wie geht's dir heute?

Johan: Mir geht's gut, danke!

ST: Toll, dass du ein bisschen Zeit für uns hast. Seit "Deceiver Of The Gods" und dem letzten Tourzyklus sind knapp drei Jahre vergangen. Für AMON AMARTH eine lange Zeit. Was habt ihr in der Zwischenzeit getrieben?

Johan: Ja, also da die Tour so lange gedauert hat, war eigentlich gar nicht so viel passiert. Nach der Tour begann eigentlich direkt der Schreibprozess für das neue Album. Wir hatten gar nicht so viel Freizeit, da so ein Kreativprozess eine sehr lange Zeit beansprucht. Alles in allem hat das Songwriting für "Jomsviking" gute zehn Monate beansprucht.

ST: Das ist ne ganze Weile. In der Zwischenzeit hat euer Sänger Johan Hegg an dem Film "Northmen - A Viking Saga" gearbeitet. Habt ihr davon irgendetwas ins neue Album mit hineingeholt, habt ihr eine spezielle Inspiration hieraus gezogen?

Johan: Ja, eine ganze Menge sogar. Die Arbeit an dem Film hat ihm sehr viel Spaß gemacht. Er wollte sich danach selbst einmal an einem Drehbuch versuchen. Ich hatte eine grobe Story umrissen, und er setzte sich daran und hat diese zu Papier gebracht. Als er damit fertig war, zeigte er das Skript dem Rest der Band und wir alle beschlossen, dass wir hier das Konzept für unser nächstes Album hatten. Daher war der Film eine sehr große Inspiration.

ST: Das glaube ich. Kannst du uns ein bisschen mehr Einsicht in den Songwriting Prozess geben? Du sagtest ja schon, dass ihr zehn Monate gebraucht habt. Wie seid ihr an die Sache herangegangen?

Johan: Natürlich. Also Olavi [Mikkonen, Git.] und ich schreiben ja immer den Großteil der Musik. Dieses Mal hatten wir eine strikte Storyline, an die wir uns halten mussten. Der Ansatz war also der, dass wir uns gesagt haben, wir schreiben nun praktisch zu einem vorgegebenen Skript die Filmmusik. Einen Score. Diese spezielle Herangehensweise war also der größte Unterschied zu den Alben, die wir davor gemacht haben. Normalerweise haben wir immer erst die Musik geschrieben, die Lyrics kamen später dazu. Nun hatten wir eine Story, vorgegebene Worte, zu der wir die Musik schreiben mussten. Ich finde, das Album klingt so wesentlich dynamischer als die letzten Werke. Olavi und ich arbeiteten in unseren Home Studios und haben versucht, einen geregelten Tagesablauf beizubehalten. Also aufstehen, frühstücken, uns daraufhin in unseren Studios einschließen und musikalische Ideen und Melodien sammeln. So ging das dann, wie schon gesagt, gute zehn Monate, bevor wir uns dann schließlich an den Aufnahmeprozess gemacht haben.

ST: Die Recordings sind ein gutes Stichwort, da euer Schlagzeuger Frederik [Andersson] letztes Jahr die Band verlassen hat. Wie seid ihr ohne festen Drummer an die Parts herangegangen?

Johan: Ein guter alter Freund der Band ist Tobias Gustafsson von VOMITORY. Wir kennen seine Arbeitsweise, wissen, dass er ein sehr positiver und energetischer Zeitgenosse ist, und deshalb haben wir ihn gefragt, ob er die Recordings übernimmt. Außerdem ist er jemand, der auch kreativen Input beisteuert, was uns musikalisch natürlich bereichert. Somit war er richtiggehend ins Songwriting involviert.

ST: Wird er euch denn auch für einige Konzerte oder sogar die ganze kommende Tour zur Verfügung stehen?

Johan: Nein, wir proben momentan mit jemandem anderen. Wir sind hier noch in der Entscheidungsphase, deswegen kann ich noch nichts genaues dazu sagen. Aber wir haben jemanden und der wird die ersten Konzerte der kommenden Tour mit uns zusammen spielen. Erst dann sehen wir natürlich, ob er auch persönlich in die Band passt. Wir spielen ein paar Konzerte zusammen und sehen dann weiter. Er ist wer, den wir persönlich bislang nicht kannten, daher lassen wir uns mit der finalen Entscheidung noch Zeit.

ST: Wir sind gespannt. Zur Zeit, und das ist ein kaum anstreitbarer Fakt, seid ihr die größte (Viking) Death Metal Band der Welt gemessen am kommerziellen Erfolg. Ihr spielt die größten Festivals mit den größten Bands und seid hier und da die einzige harte Band im Line Up. Wie fühlt sich das an, solch eine extreme Form des Metals auf so ein hohes Erfolgsniveau gehoben zu haben?

Johan: Es ist großartig, dass es endlich geklappt hat, eine etwas brutalere Musik mit extremem Growlgesang einem breiten Publikum präsentieren zu können. Ich denke, das kommt von unserem exzessiven Touren in den vergangenen Jahren. Unser Publikum umfasst inzwischen mehrere Generationen an Hörern. Die Leute, die von Anfang an bei uns dabei waren haben nun Kinder, die sie zu unseren Konzerten mitbringen. Manche sind sogar schon Großeltern. Also haben wir eine enorme Altersbandbreite in unserem Publikum. Ich glaube das hat uns auch geholfen, uns auf das aktuelle Level zu hieven.

ST: In der Tat ist das großartig. Allerdings wächst mit der Größe einer Band auch der Zweifel im Publikum, ob man das gegenwärtige oder vergangene Level halten oder verbessern kann. Habt ihr beim Songwriting dahingehend einen Druck verspürt?

Johan: Ja, ich fühle immer einen großen Druck, wenn ich Musik komponiere. Ich will mich ständig verbessern, das zurückliegende übertreffen.

ST: Meiner bescheidenen Ansicht nach ist es dir, oder besser gesagt euch, dieses Mal auf alle Fälle gelungen. Ich finde, das Album könnte das beste seit "With Oden On Our Side" sein, daher von mir Gratulation.

Johan: Vielen Dank! Ja, wir haben auch dass Gefühl, dass wir uns mit dem neuen Album übertroffen haben. Wir sind wirklich glücklich mit dem Resultat.

ST: Ja. Also "The Pursuit Of Vikings" und "Guardians Of Asgaard" sind vielleicht die bekanntesten Death Metal Stücke (oder besser gesagt, Hymnen), die jemals geschrieben wurden. Was glaubst du? Hat eines der neuen Stücke das Potential, diesen Erfolg zu wiederholen?

Johan: Das hoffe ich doch. Also für mich spielt der Song "Raise Your Horns" in dieser Liga. Das könnte ein neuer, zukünftiger Klassiker für uns werden.

ST: Hatte ich gedacht, dass du den erwähnst. Was mir an diesem Song besonders auffällt, ist, dass Johan (Hegg) zum allerersten Mal eine relativ klare Melodieline singt. Generell finde ich, seine Gesangsleistung auf "Jomsviking" (Albumreview)  ist etwas prominenter in den Vordergrund gesetzt als auf vergangenen Alben. War das beabsichtigt?

Johan: Man kann nicht wirklich von Absicht sprechen. Und es war auch nicht das erste Mal, dass er so etwas ausprobiert hat. Auf dem letzten Album hatten wir als Bonus eine Mini-CD dabei, "Under The Influence". Und da hat er schon das eine oder andere Mal clean Gesungen. Aber es stimmt, dass es der erste AMON AMARTH Song ist, in dem halbwegs klar gesungen wird. Die Mini-CD hat ihn inspiriert, es einfach mal zu versuchen, wie es zu unserem Bandsound passt. Außerdem gibt es in "Raise Your Horn" Backing Vocals von uns allen, die ja auch clean gesungen sind. Das ist in der Tat etwas Neues für uns.

ST: Auch ist der klassische Heavy Metal Einfluss meiner Ansicht nach deutlich höher als noch auf den Vorgängern. Bei "At Dawn's First Light" habt ihr ein richtiges IRON MAIDEN Twin-Gitarrensolo mit dabei. Seid ihr alle große MAIDEN Fans?

Johan: Also für Olavi und mich sind IRON MAIDEN einer der größten Einflüsse überhaupt und einer der Gründe, weswegen wir tun, was wir tun. In der Vergangenheit haben wir das einfach nicht so raushängen lassen, weil wir nicht wie IRON MAIDEN klingen wollten. Aber heutzutage denken wir, dass wir unsere Einflüsse gerne öfters hörbar mit durchscheinen lassen können und sollten. Wenn wir heute einen Song produzieren, der einen gewissen MAIDEN Vibe inne hat, dann lassen wir das so stehen.

ST: Dann lass mich mal die Frage stellen, die dir im Zuge dieses Promozyklus wohl am häufigsten gestellt wird: Bei "A Dream That Cannot Be" arbeitet ihr mit DORO PESCH zusammen. Wie kam das zustande und wie zufrieden bist du mit dem Endergebnis?

Johan: Das hängt vor allem mit der Storyline des Albums zusammen, welche einen starken weiblichen Charakter verlangt. Also brauchten wir auch jemanden mit starken und powervollen Vocals, die den Charakter authentisch darstellen kann. Auch musste sie irgendwie zu unserem Sound passen. Und DORO hat einfach eine ganz charakteristische und starke Heavy Metal Stimme, die zu uns passt. Also haben wir sie zu uns ins Studio eingeladen und ich finde das Ergebnis sehr gut. Für die Aufnahmen kam sie auch extra drei Tage lang zu uns ins Studio, sodass wir gemeinsam mit der gesamten Band am Endergebnis feilen konnten.

ST: Ein weiterer Song, der mir seit dem ersten Hören im Kopf hängengeblieben ist, ist der Abschlusstrack des Albums, "Back On Northern Shores", einer der größten Epen, die ihr je geschrieben habt. Kannst du zu diesem Song ein wenig ins Detail gehen, was hier speziell dahinter steckt?

Johan: Auch hier ist der Song wieder der Vorlage geschuldet, welche ein sehr dramatisches Ende hat [Anm. d. Verf.: An dieser Stelle folgen Spoiler. Falls ihr euch den Verlauf der Handlung nicht ruinieren wollt, überspringt diesen Absatz]. Unser Protagonist macht sich auf den Weg zurück zu seiner Heimat, von der er am Anfang der Geschichte aufgebrochen ist, um Rache zu nehmen. Hierbei wird er getötet. Das verlangt natürlich eine epische und dramatische Vertonung.

ST: Haben wir die Chance, diesen Song zukünftig live zu hören?

Johan: Ich bin mir nicht sicher. Erst einmal werden wir eine kurze Promotour spielen, auf welcher der Song nicht dabei ist. Danach geht es dann für uns nach Nordamerika, um den eigentlichen Tourzyklus für das Album zu starten. Und hier werden wir dann einige Songs ausprobieren und zirkulieren, um zu sehen, wie sie vom Publikum aufgenommen werden und einfach zu hören, wie sie live klingen. Hier könnte "Back On Northern Shores" schon dabei sein.

ST: Als Gitarrist: Welcher Song war für dich die größte Herausforderung auf dem Album?

Johan: Da muss ich überlegen.... . Ich glaube, "Back On Northern Shores" war ein ziemlich schwerer Brocken. Aber das ist schwierig zu sagen, wenn du die Songs nur im Studio spielst. Du gehst beim Aufnehmen ja Stückchen für Stückchen, Part für Part, Spur für Spur vor. Wenn du also mal was versemmelst, setzt du genau dort wieder ein. Ich habe natürlich während den Drum Recordings immer mal mitgespielt, ohne dabei was aufzunehmen, da hat man schon gemerkt, dass der Song recht tückisch ist.

ST: Wie sieht es denn aus, wann seid ihr denn bei uns in Europa wieder auf Tour?

Johan: Direkt nach der Amerika-Tour gehen wir zurück nach Europa, dann startet ja die Festival-Saison, da habt ihr die Chance, uns zu sehen. Danach gehts dann auf große Welttournee und auch Europa wird natürlich ein Stop sein.

ST: Habt ihr denn immer noch eine große Vorliebe für unseren Underberg Schnaps?

Johan: Jap, das ist tatsächlich eines unserer Konzertrituale. Vor unseren Shows trinken wir meistens zusammen einen Underberg, um uns in Stimmung zu bringen. Das pusht uns!

ST: Das freut mich. So, das wars mit meinen Fragen. Noch einmal: Gratulation zum Album, ich wünsche euch viel Erfolg hiermit und natürlich auf der Tour. Hast du ein paar letzte Worte für unsere Leser?

Johan: Vielen, vielen Dank. Es ist schön zu hören, dass dir das Album so gut gefällt. Wir freuen uns einfach riesig, bald wieder "Back On The Road" zu sein, unsere Fans zu treffen und die Bühnen zu entern. Die Livepause war schon sehr lang und wir vermissen es wirklich. Keiner von uns ist groß verreist in der Zeit nach der letzten Tour, wir waren zuhause und haben uns auf das Album konzentriert. Daher ist die Lust jetzt um so größer, es auch live zu präsentieren.

 

Was die Redaktion zum neuen Wikinger-Opus zu sagen hat, könnt ihr in unserem AMON AMARTH-Gangbang lesen.


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