HATEBREED - Frank „3 Gun“ Novinec

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Schlussendlich ist es die Musik, die Menschen zusammenbringt. Wenn wir uns ehrlich sind, genau um das geht es doch am Schluss des Tages und nicht darum, dass man festlegt, wo welche Band hingehört.

Wir haben uns mit Gitarrist Frank "3 Gun" Novinec über die neue Platte, das "Phänomen" HATEBREED und die Wichtigkeit des "Über-den-Tellerrand-hinausblickens" unterhalten!

Veröffentlicht am 12.05.2016

Mit „The Concrete Confession(zum Albumreview) stellen HATEBREED Mitte Mai eine wahre Abrissbirne in die Plattenregale und Streams dieser Welt. Gitarrist Frank „3 Gun“ Novinec ist seit 2006 fixer Bestandteil der New Yorker Größe. Vielen noch von seinen vorigen Bands wie Terror oder Ringworm ein Begriff, gibt uns der sympathische, in Kalifornien lebende Zeitgenosse per Telefon Auskunft über das neue Werk.

Man könnte jetzt wieder schreiben wie großartig, toll und fett das neue Werk aus den Boxen schallt. Ja, das tut es, aber anstatt wieder runterzubeten wo das Album aufgenommen wurde, ob man demnächst auf Tournee geht oder ob sonstige Gepflogenheiten aus der großen weiten Welt der Interviews zutreffen, haben wir uns entschlossen, eher breitgefächert über HATEBREED zu diskutieren.


Fest steht, dass „The Concrete Confession“ nahtlos an den Vorgänger „The Divinity Of Purpose“ aus dem Jahre 2013 anknüpft, auch wenn sich wieder einiges geändert hat. Die Note „Hatebreed“ im Sound ist aber erhalten geblieben. „Wir probieren immer sehr viele neue Sachen im Sound aus. Es muss dann schon jeder für sich selbst entscheiden, ob es ihm gefällt oder nicht. HATEBREED ist schon lange nicht mehr nur in der Hardcore-Szene zuhause, genau hier liegt die Herausforderung!“, eröffnet Frank das Interview und erzählt weiter: „Musikalisch wie textlich versuchen wir ein Feeling zu erschaffen, das jeden einzelnen abholt. Natürlich bleiben die klassischen Trademarks im Sound erhalten, aber wir experimentieren viel mit Thrash-Einflüssen, was auf dem neuen Album wieder stark hervortritt.


Bassisten sind die besseren Musiker?

Gerade HATEBREED sind in Sachen Sound bekannt für spannende Experimente, die mit wenig, was sonst so in der Szene kreucht und fleucht, zu vergleichen sind. Man blickt quasi gerne über die Moshpit-Crowd in neue musikalische Gewässer. Man geht in Sachen Songwriting komplett eigene Wege - mehr als so mancher vermuten würde. „All die Musik wird von unserem Bassisten Chris Beattie und Sänger Jamey geschrieben! Wir, die Gitarristen, machen dann quasi das Fine-Tuning im Sound. Das mag jetzt für die einen oder anderen eigenartig klingen, funktioniert aber hervorragend. Sie schreiben die Songs zuhause und senden uns dann die Ergebnisse, über die wir dann diskutieren. Wenn wir uns dann treffen, verfeinern wir das geschriebene Material oder verwerfen es, so entstehen im Groben unsere Songs. Aber aufgrund der Vielfalt unserer Fans müssen wir abwägen, wie diese aufgebaut sind. In erster Linie muss es uns gefallen, aber auch den zahlreichen Fans, angefangen vom Hardcore Kid bis zum Hard Rocker. Und das ist nicht wirklich immer einfach für uns! Das dürfte auch der Grund sein, warum wir uns drei Jahre Zeit lassen ein Album zu veröffentlichen“, gibt Frank lachend zu Protokoll. Aber für einen kreativen Geist wie Frank muss es doch auch schwierig sein, nur „halb“ in das Songwriting involviert zu sein? „Nein, nicht wirklich. Die beiden sind Originalmitglieder von HATEBREED. Dieser Sound, den sie erschaffen haben, ist nicht zum rumspielen da. Das überlasse ich den beiden, meine Ideen werden immerhin ja auch zur Kenntnis genommen, und umgesetzt sind sie gut genug. Ich bin mit dieser Art und Weise sehr zufrieden. Das Endergebnis hat für mich schlussendlich immer gepasst."

Wie schon angesprochen sind die Amerikaner keine großen Freunde von Schubladen und lassen sich auch nur ungern in selbige stecken, dafür hat sich die musikalische Ausrichtung in den letzten 21 Jahren zu sehr ausgeprägt. „Für mich persönlich ist es Rock’n’Roll den wir spielen. Schau dir den gesamten Mainstream an: Acts wie Kayne West und Co sind doch ernsthaft der Meinung, dass sie Rockstars wären. Ich meine 'Hallo?! Geht’s noch?!' Da müssen wir doch quasi als Rock’n’Roll Band rüberkommen. Für mich und den Rest der Band ist es auch nicht wichtig, wo wir 'zugeordnet' werden - wofür auch, schlussendlich ist es die Musik, die Menschen zusammenbringt. Wenn wir uns ehrlich sind, genau um das geht es doch am Schluss des Tages und nicht darum, dass man festlegt, wo welche Band hingehört.“ Was uns zu den Lyrics von HATEBREED kommen lässt. 


Fuck the American Dream!

Um es im Sinne von WALLS OF JERICHO zu sagen, im Bezug auf die Zwischenheadline. Gerade auf dem neuen Album ist eine Art von sozialer Kritik in Richtung Heimatland zu vernehmen. Dass der Amerikanische Traum schon quasi Geschichte ist, möglicherweise auch nie existierte, ist kein großes Geheimnis. Ein Zug, auf den Jamey und Co nur zu gern aufspringen. „Zeiten ändern sich, alles wird anders, weißt du - was verständlich ist. Ich denke man sollte sich fragen, was ist der Amerikanische Traum? Der Opening-Track „A.D.“ ist sehr politisch, obwohl das jetzt gar nicht unsere Hauptrichtung in den Lyrics ist. Aber wenn vielleicht junge Kids die Message verstehen und ihre Stimme erheben könnte sich möglicherweise wieder etwas ändern. Es ist schon großartig zu sehen, wie unsere Texte bei den Fans ankommen. Für manche sind sie quasi eine Art Stütze in harten Zeiten. Dieser Gedanke gefällt mir und gibt meinem Schaffen als Musiker mehr Sinn. Etwas in jemandem zu bewegen, rein nur dadurch, dass du Musik machst, ist etwas Großartiges!


Kill the Scenepolice!

Doch es gibt auch kritische Stimmen, die gerade einer Band wie HATEBREED vorwerfen, dass diese alles andere als „real“ sind und es mehr des Geldes wegen machen. Ein Vorwurf, den Frank nicht gelten lassen möchte. „Ich kenne solche Typen genau. Der Großteil von denen ist doch nur angepisst, weil wir nicht mehr nur die Hardcore Fan-Base bedienen - was einfach nur lächerlich ist in meinen Augen. Wie wir schon gesprochen haben, unser Publikum hat sich vermischt und was soll daran schlecht sein? Ich kann mich noch gut an meine Zeit bei Ringworm erinnern. Dort wurden Bands gehasst, weil sie auf einmal einen Labeldeal hatten und nicht mehr Underground genug waren.
Ich dachte mir schon damals: „Was soll die Scheisse?“ Wenn eine Band wächst, größer wird, dann kann jeder im Umfeld davon profitieren. Wenn man sich als Musiker darüber aufregt, dass andere Musiker wachsen, schießt man sich doch selbst ins Knie dabei. Das Ganze hatten wir damals auch bei TERROR wo sich Leute aufregten, dass sie bekannter wurden und auch mit jungen Bands zusammenspielten. Ich hab das nie verstanden“ gibt Frank ausführlich zu Protokoll und auch für die Jamey-Hasser hat der Musiker aus Cleveland noch eine Message: „Gerade Jamey als 'Fake' zu bezeichnen ist das Dümmste überhaupt. Er hat ein eigenes Record Label am Laufen, betreibt einen Podcast, bucht Shows und kümmert sich um die lokale Szene. Ich kenne wenige Typen, die so dahinter sind wie er, ernsthaft!“


Think outside of the box!

Mein Interviewpartner Frank Novinec lebt von HATEBREED. Ursprünglich aus Cleveland stammend, ist er der Musik wegen nach Los Angeles umgezogen. Obwohl schon seit fast 30 Jahren als Musiker aktiv versucht Frank die Band nicht als reinen „Job“ zu betrachten: „Ich versuche immer Abstand von diesen Gedanken zu nehmen. Ich versuche mir auch immer vor Augen zu halten, wie privilegiert ich im Grunde genommen bin. Ich kann die gesamte Welt bereisen, zusammen mit meinen besten Freunden und verdiene gleichzeitig meinen Lebensunterhalt damit - und das seit über zwölf Jahren, was großartig ist.“ Was hat sich dann persönlich verändert? „Ich bin nicht mehr so aufgeregt wie früher, wenn eine neue Platte rauskommt. Ich kann mich gut erinnern, wie ich die Testpressung der ersten Ringworm Platte in der Hand hielt und es nicht glauben konnte. Natürlich ist man mit 44 Jahren ein anderer Mensch als mit 19. Es verändert sich auch die Grundaggressivität mit dem Alter. Früher haben mich Schulkollegen angepisst, heute sind es meine Nachbarn. Die Prioritäten verschieben sich einfach!" - (lacht)

Das Interview biegt in die Zielgerade, bleibt nur mehr die Frage im Raum: Was denkt Frank persönlich über das neue Album?

"Nun, wenn's dir aufgefallen ist, alle unsere Songs sind kürzer als drei Minuten. Es gibt einige Songs, die mir gut gefallen und andere weniger, was ganz normal ist. Ich bin immer selbst so überkritisch mit unseren Aufnahmen. Unsere größten Fans sind ja TERROR und die lieben das neue Album! Das heißt, es dürfte bei den Hardcore Kids auch gut ankommen, haha. Ich bin halt mehr der Typ, der alle anderen happy machen möchte bevor ich auf mich selbst schaue, das gilt besonders für die Musik."


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