DEVILDRIVER - Mike Spreitzer

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Als er das erste mal zu mir ins Haus kam, mit seinem langen Bart, dachte ich mir: Er sieht aus wie ein Wikinger, er könnte wirklich gut zu uns passen.

Der kongeniale Partner von Dez Fafara und zweite treibende Kraft hinter DEVILDRIVER im "Kreuzverhör" am Metallberg.

Text: Stefan Karan, Kalti | Fotos: Kalti
Veröffentlicht am 02.12.2016

Kalti: Wir sind hier im „Dom im Berg“ im Schlossberg, der im Zentrum von Graz liegt. Hast du zuvor schon einmal in so einer Location gespielt und gefällt sie dir? Bist du das erste Mal mit DEVILDRIVER in Graz?

Mike Spreizer: Ich glaube, 2004 haben wir in einer ähnlichen Location hier in Österreich gespielt mit IN FLAMES, aber ich weiß nicht mehr genau wo. Aber die Location hier ist definitiv etwas Besonderes und es ist für uns das erste Mal hier in Graz.

Stefan: Lass uns über euer neues Album „Trust No One“ reden. Es ist euer siebtes Album, das zweite unter Napalm Records. War es der gleiche Prozess oder habt ihr etwas an der Produktion und dem Komponieren gegenüber euren letzten Alben verändert?

Es war so ziemlich dasselbe, nur mit anderen Leuten und an einem anderen Ort. Ich bin umgezogen und hab mir ein Tonstudio in meinem eigenen Haus eingerichtet. Daher wusste ich nicht genau, auf was ich mich einließ, ob alles mit der Technik klappen würde, ob es Probleme mit den Nachbarn geben würde und so weiter. Ich habe alleine angefangen am Album zu arbeiten und John Boecklin, der hauptsächlich die Songs mit mir für „Winter Kills“ geschrieben hatte, half noch bei einem Song mit und danach verließ er die Band. Also engagierten wir Neal und Austin, aber ich arbeitete trotzdem alleine an Songs wie zum Beispiel: "Testimony of Truth", "My Night Sky" oder "For What It’s Worth", und bei Letzterem haben wir nur ein Riff geändert, wo Neal noch etwas einfließen hat lassen. Wir drei sind sehr schnell wirklich gute Freunde geworden, haben sehr gut harmoniert und umso besser wir uns kannten, desto öfter wollte ich sie bei mir im Studio haben. Danach habe ich das Material an Mark, unseren Producer geschickt, damit er es sich einmal anhören kann und jeder war damit glücklich. Darauf gelang es erst zu Dez.

Stefan: Wie war der kreative Prozess? War es leichter als bei den letzten Alben und gibt es einen besonderen Song für dich am Album?

Es war um einiges leichter. Es gab keinen einzigen Streit während der gesamten Zeit – einfach großartig. „Testimony of Truth“ ist der Song, an dem ich am meisten gearbeitet und sehr viel Energie hinein gesteckt habe. Wie zum Beispiel das lange Gitarrensolo, für das ich eine Woche gebraucht habe. Und nach einem Monat habe ich es wieder geändert. Neal, zum Beispiel, tut sich da viel leichter und schreibt schnell mal ein fünfminütiges Solo. Es ist cool Neal und Austin um sich zu haben, die dir dann sagen: „Ok, Mike lass es, es ist gut so wie es ist!“ und ein Feedback zu bekommen.

Stefan: Wer hatte die Idee für das Cover des neuen Albums?

Das war die Idee von Dez. Das ist auch nicht so meins, ich bin eher fürs Songschreiben zuständig. Ich hab auch zu Dez gesagt: „Ich vertrau dir, du machst das.“ 

Kalti: Kannst du uns etwas über die neuen Bandmitglieder sagen?

Neal und ich kannten uns nur flüchtig, er war bei ein paar Shows von uns in LA und hing mit Dez im Tourbus rum. Wer mich kennt weiß, dass ich mich nicht gerne im Bus aufhalte, sondern Backstage, aber wir haben nie Zeit miteinander verbracht. Ich war mir auch nicht sicher bei Neal, weil er aus einer Rock-Band kam und nicht von einer Heavy Metal-Band. Jedoch ist er mehr ein Metalhead als Rocker. Ich hab ihn Gitarre spielen sehen und wusste sofort, er würde super zu uns passen. Austin und ich kannten uns auch nicht, er spielte in der Band BLEED THE SKY, also hab ich mit ein paar Videos auf Youtube angesehen. Egal wo wir waren, die Leute haben immer zu mir gesagt: „Oh ihr habt Austin in eurer Band? Du wirst ihn lieben!“ Er ist ein fantastischer Drummer, wir haben ihn nicht einmal vorspielen lassen, es hat einfach geheißen: „Ok, cool! Du bist in der Band!“ Mir war auch wichtig, dass die Bandmitglieder aus der Nähe kamen. Ich möchte nicht quer durch das ganze Land fliegen, um an neuen Sachen zu arbeiten. Neal kam auf Wunsch von Dez  in die Band und ich bin froh, dass er es gemacht hat. Ich hätte wahrscheinlich Nein zu Neal gesagt, weil ich mir einfach nicht sicher war. Man könnte sagen, ich hätte ein Buch nach seinem Umschlag beurteilt, eben weil er aus dem Rock Genre kam. Als er das erste mal zu mir ins Haus kam, mit seinem langen Bart, dachte ich mir: Er sieht aus wie ein Wikinger, er könnte wirklich gut zu uns passen.

Stefan: Wie ist die Tour bislang?

Es ist großartig. Die letzten zwei Touren, die eine in Amerika als Opener von HATEBREED und diese jetzt sind bislang die, die in den letzten zehn Jahren am meisten Spaß machten. Ich mag die alten Bandmitglieder noch immer und wir sind auch noch Freunde, reden ab und zu miteinander, aber es war irgendwie Zeit etwas zu ändern. Es ist schwer mit Leuten zusammenzuarbeiten, wenn sie keine Leidenschaft mehr mitbringen. Und sie wollten einfach etwas Neues ausprobieren, was auch gut ist.

Stefan: Ist die beste Möglichkeit, ein neues Album zu promoten, abwechselnd Festivals und Clubshows zu spielen? Bevorzugst du eines davon?

Ich glaube, es ist egal, solange du nur die Möglichkeit hast irgendwo live aufzutreten. Ich persönlich mag es abwechselnd auf Festivals und in Clubs zu spielen. Es ist cool kleine intime Clubshows zu spielen, wir hatten wahrscheinlich die geilste Show ever, vor Kurzem in Berlin vor 500 Leuten. Ein paar Tage davor hatten wir in Wacken vor tausenden Fans gespielt, wo du hinunter schaust und die Menge hat einfach kein Ende.


Mike Spreizer (DEVILDRIVER) live am Metal On The Hill Festival 2016


Stefan: Was sind die Punkte, die für oder gegen eine Tour sprechen?

Negativ für mich ist auf jeden Fall, dass ich zu wenig Schlaf bekomme. Ich bin nicht mehr 23, sondern 35, und hatte mein ganzes Leben schon Rücken- und Nackenprobleme. Es ist nichts Ernstes, aber es beeinflusst trotzdem deinen Tour-Alltag, wenn du nicht genug Schlaf hast. Wir schlafen immer im Tourbus, bis auf Australien, Südafrika und Japan. Selbst wenn wir in Hotels waren, bin ich zum Schlafen wieder in den Tourbus gegangen. Von deiner Familie so lang getrennt zu sein, ist auch nicht immer leicht, oder einen freien Tag irgendwo im nirgendwo zu verbringen und nicht zu wissen, was du tun sollst. In einer Band ist es immer so ein „Hurry up and wait!"-Muster, das sich durch die ganze Tour zieht. Gott sei Dank kannst du heute schon Filme auf deinem Handy anschauen, was das Warten zumindest verkürzt, leider in Europa nicht. Ein guter Zeitvertreib ist auch Sightseeing zu machen mit meinen Bandkollegen, wenn wir Zeit dafür haben.

Kalti: Hast du Zeit, dir junge Bands anzusehen bzw. kannst du dir etwas abschauen von ihnen?

Mike: Ja. Hin und wieder seh ich mir welche an. Ich kann mich jetzt aber nicht an eine Band erinnern, die mir wirklich gefallen hat. Es ist halt schwer, denn vor einem Auftritt sitze ich meist mit Dez im Tourbus und wir hören uns gemeinsam Musik an von PANTERA oder SATYRICON, trinken vielleicht ein paar Cocktails und versuchen uns auf die Show vorzubereiten.

Stefan: Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Wir werden eine kurze Pause einlegen, aber wir arbeiten daran, nächstes Jahr wieder nach Europa zu kommen bzw. nach Australien und Japan. Es ist aber noch nichts fixiert. In der Zwischenzeit gebe ich Gitarrenstunden und vertreibe mir so meine Zeit.

Kalti: Herzlichen Dank für das Gespräch und wir sehen uns beim Konzert.

Danke euch.


Mike Spreizer (DEVILDRIVER), Stefan Karan

 


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