KARMA RASSA - Nagual, Naar, Albe, Idegen

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“Talks To Innerself” is an infinite dialogue with the universe, with macro- and microcosmos.

KARMA RASSA haben mit ihrem Zweitling "Talks To Innerself" so manches progressive Herz zum Schwingen gebracht. Höchste Zeit also, den vier sympathischen Prog-Philosophen hier und jetzt etwas mehr Platz einzuräumen. Über musikalische Eingaben, textliches Weltverständnis und das gute alte Glas Bier...

Veröffentlicht am 20.02.2017

Zuallererst, für alle Leute da draußen, die KARMA RASSA noch nicht kennen: Stellt euch und die Band doch einmal kurz vor.

Nagual: Wir sind eine Band aus dem grauen und regnerischen und trotzdem unglaublich schönen St. Petersburg. Unsere Musik entspringt dieser Stadt, aber gleichzeitig hilft uns die Musik, in die entferntesten inneren und äußeren Ecken des Universums zu reisen. Wir sind zu viert - Nagual, Naar, Albe und Idegen, und jetzt mit euch in Kontakt.
 
Ihr habt euer zweites Album „Talks To Innerself“ im September digital herausgebracht und jetzt auch auf CD. Das Album scheint wie eine konzeptuelle Arbeit aufgebaut zu sein, oder zumindest drehen sich die Texte um ein Hauptthema, das sich im Albumtitel wiederspiegelt. Könnt ihr uns mehr über den kreativen Prozess und die ganzen Ideen erzählen, die dahinterstecken? 

Albe: Die meiste Arbeit am Kreativprozess hat Nagual, auch wenn die Ideen von uns allen kommen. Nagual nimmt unsere Gedanken und Gefühle auf und bündelt diese wie ein Prisma, um sie in unsere Songs zu projizieren. Auf diese Art funktioniert das Songwriting schon, seitdem wir die erste Scheibe herausgebracht haben. Dabei befassen wir uns intensiv mit den Reflexionen unserer Umwelt, der Natur, der Leute, der Verunsicherung in der Gesellschaft, den Grenzen des Lebens und was darüber hinaus ist – all das sind sozusagen die verschiedenen Themen der Gespräche, mit denen wir uns mit uns selbst auseinandersetzen, die „talks to inner selves“. 
Naar: Wir haben versucht, das Album so komplett und rund klingen zu lassen, ohne dabei monoton zu werden. Jeder Song beschreibt Gefühle, Gedanken, Wünsche und Momentaufnahmen des Lebens – das, was jedem von uns passiert. Jeder Song ist wie ein Aufschrei der Seele, eine Frage oder ein Statement des Lebens, das wir mit der ganzen Welt teilen wollen. Und die Welt antwortet, gibt uns neue Mysterien und Herausforderungen, oder lüftet sogar den Schleier der Wahrheit. “Talks To Innerself” ist ein unendlicher Dialog mit dem Universum, mit dem Makro- und Mikrokosmos. 

Die Texte sind oft sehr philosophisch. Wo kommt die Inspiration her und wer schreibt die Lyrics? 

Nagual: Ich schreibe die Lyrics. Manchmal werde ich von Dingen und Geschehnissen der materiellen Welt inspiriert. Manchmal passiert aber auch etwas in mir, was schwer zu begreifen und schwer fassbar ist, das mich dann zum Schreiben bewegt. Es ist schwierig zu erklären. In jedem Fall gehen diese Ereignisse immer mit einem richtiggehenden Ausbruch von purer Glückseligkeit einher. 
Naar: Ich hoffe, dass unsere Aura und Energie auch einen Teil dazu, sozusagen zum Spirit der Band, beiträgt. Da gibt es natürlich auch einen direkten Einfluss der doch recht düsteren Stadt St. Petersburg – am Ende sind es Reise und Wanderschaft, in denen man etwas Neues entdeckt, neue Gedanken und neue Ideen geschaffen werden. 

Sind die textlichen Themen schwerpunktmäßig auf die menschliche Emotionalität, deren Wünsche und Sehnsüchte ausgelegt oder gibt es auch politische, soziale oder andere Themen, die ihr behandelt? 

Albe: Der Mensch ist ziemlich komplex, ein individuelles Bewusstsein und ein Teil eines sozialen Organismus, also kann man kaum – oder gar nicht – auf nur einer Seite dieses Yin-Yang stehen. So sind auch die Lyrics. Sie berühren beide Seiten der Medaille. 
Nagual: Genau. Es steht auch jedem frei, unsere Texte so zu interpretieren, wie er will. Nebenbei nehme ich diese auch aus verschiedenen Blickwinkel wahr. Es kann auch passieren, dass ich erst während des Schreibens richtig realisiere, worum es wirklich geht und im nächsten Augenblick ist dieser Moment des Erkennens auch schon wieder weg. Dann kann man mit der Bedeutung machen, was man will. 

Was ist mit dem musikalischen Prozess? Sitzt ihr zusammen und arbeitet zusmmen an den Songs, eine Art Jammen und Ausprobieren? Oder habt ihr schon vorher Ideen und erste Konzepte und baut die Songs darauf auf?

Albe: Das funktioniert ziemlich gleich wie bei den Texten. Es gibt ein Mastermind – jetzt rate mal wer – Nagual. Zusammen mit Naar komponieren sie den Hauptteil der Musik (und so wie Nagual sagt, ist es wie eine Welle, die ihn erwischt, und schon hat er einen Song in Sichtweite). 
Idegen: So gesehen werden die Harmonien und der umfassende Sound schon anfänglich geformt. 
Albe: Danach mischen wir Idegens und meine eigenen Ideen dazu. Oft verändere ich – oder versuche es zumindest - die drum patterns zu meinem eigenen Geschmack. So formt sich alles und die die endgültige Fassung des Songs kristallisiert sich heraus. Dadurch haben wir am Ende die “eine” Idee mit allen vier Seiten von jedem Musiker in einem Song vereint. 
Idegen: Jeder Musiker, der die Musik einfach fließen lässt, bringt einmalige Aspekte des Sounds mit sich. Auf dieselbe Weise diskutieren wir auch Hauptideen, Konzepte, Design – wir teilen unsere Gedanken von Musik und vom Leben gleichermaßen über einem Glas Bier.
 
Gab es denn Schwierigkeiten während des Entstehungsprozesses von “Talk To Innerself”, die ihr meistern musstet?

Naar: Schwierigkeiten gibt es immer und das ist auch ein Teil des Schreibprozesses. Wir sind das schon gewöhnt und stellen uns schon darauf ein. Beim Entstehungsprozess zu “Talks To Innerself” fallen mir allerdings nur die finanziellen Probleme ein, und die haben wir ja gemeistert und die Platte konnte erscheinen. 
Idegen: Während der Entstehung des Albums war es für uns wichtig, einen neuen Sound zu finden, der aber trotzdem an den Sound des ersten Albums anknüpft. Also nahmen wir die verschiedenen Instrumente in verschiedenen Studios auf, in verschiedenen Städten, und legten dann einen großen Fokus auf das Mixing und Mastering – sodass wir uns entschieden haben, das erneut dem Morton Studio anzuvertrauen. Das Ergebnis überzeugt uns zweifelsohne vollständig. 
Nagual: Für mich erscheinen die Schwierigkeiten erst nachher. Die Arbeit am Album brachte natürlich enorme Freude, aber gleichzeitig laugte es mich auch aus. In der Zeit zwischen Songwriting und dem finalen Ergebnis habe ich mich richtiggehend selbst leer gequetscht und wurde zu einem leeren Gehäuse. In dieser Situation fühlt man sich dann unwohl, weil man nicht weiß, was man nun als nächstes machen soll. Wird es neue Songs geben? Und so weiter. Allerdings, wenn ein Gefäß leer ist, gibt es immer die Möglichkeit, dieses wieder aufzufüllen. Und daran arbeite ich gerade!

Was sind die Highlights oder besondere Momente bei KARMA RASSA bisher, die ihr unbedingt wiederholen wollen würdet?

Nagual: Jeder Moment mit KARMA RASSA ist unvergesslich. Sogar wenn mich alles anpisst, und das kommt vor! Aber alles in allem ist es großartig, gemeinsam Zeit zu verbringen und uns als Team zu fühlen. 
Albe: Mit Sicherheit ist es für alle von uns das "ProgPower Europe Festival"! Das war ein großartiger Eindruck und ehrlich gesagt ein richtiges Abenteuer. Für mich persönlich ist es auch der Moment, wenn ich zum ersten Mal die fertig gemischten und gemasterten Songs höre. Das nimmt mir richtig den Atem – und glücklicherweise wiederholt sich dieser Moment immer, wenn wir ein neues Album oder eine Single herausbringen. 
Idegen: Ich würde mir wünschen, in naher Zukunft wieder große Festivals wie das "ProgPower Europe" zu spielen. Das wäre ein neues, unvergessliches Abenteuer für uns!

Denkt ihr denn, dass es schwieriger für eine russische Band ist, Erfolg mit der Musik zu haben als zum Beispiel für eine westeuropäische oder amerikanische Band?
 
Nagual: Ich versuche, nicht an solche Dinge zu denken. Alles in allem ist Popularität nicht das Wichtigste für die Band. Ich meine, das ist nicht das, worüber man sich in erster Linie Gedanken machen sollte. Wichtiger ist es, ehrliche Musik zu schreiben, die einem eine Gänsehaut beschert. Mehr noch, Musik sollte genau die Quelle in jedem Menschen klingen lassen, nach welcher sie ausgerichtet ist. 
Naar: Heutzutage ist die Situation von Bands in der ganzen Welt ziemlich hart. An manchen Orten gibt es mehr Probleme, an anderen weniger. Vielleicht sind die ersten Schritte einer russischen Band schwieriger als anderswo, aber richtiger Erfolg ist überall gleich schwierig zu erreichen. 
Idegen: Heutzutage gibt es eine unendliche Anzahl von Bands, deshalb geht der Hörer schnell verloren in dieser Flut an Informationen und somit entgeht ihm vielleicht sogar eine potenziell interessante Band. Also müssen wir unsere Hörer finden und um ihre Aufmerksamkeit kämpfen. 
Albe: Ich glaube, dass das Fehlen der passenden Szene von kleinen Bands und kleinen Konzerten in Russland zu dieser Konsequenz führt. Die Leute ziehen es vor, das zu hören, was sie kennen, anstatt etwas Neues zu suchen – demzufolge gibt es keine oder nur wenig Unterstützung. Also kochen kleine Bands sozusagen in ihrem eignen Kessel, ohne große Chance, gehört zu werden. 

Neben Konzerten in Russland habt ihr wie erwähnt auch das "ProgPower Europe" 2015 gespielt. Sieht man euch denn live irgendwo in der Nähe in naher Zukunft?

Nagual: Wir hoffen auf großartige Gigs, egal wo! Wir lieben es, Konzerte zu spielen und Erfahrung zu sammeln. 
Naar: Bis dahin ist es erst einmal nur möglich, uns in Russland und Estland bei kleineren Gigs zu sehen. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf und versuchen uns den Weg zu interessanten Festivals in Europa freizugraben. 
Nagual: Wir sind offen für jeden Vorschlag! 

Was sind eure nächsten Pläne oder Ziele? 

Albe: Konzerte überall auf der Welt zu spielen und echt und unecht schöne Musik zu machen. 
Nagual: Ich arbeite bereits an neuem Material!
Naar: Wir planen auch, ein paar Videos für unsere Songs zu machen. Wir sind bei kleineren Festen in Russland dabei und versuchen, eine Tour durch die baltischen Staaten eingenmächtig auf die Beine zu stellen. 
Idegen: Und natürlich gutes Bier zu probieren! 
Nagual: Natürlich!
 
Wenn ihr euch – egal was – für die Band und die Musik wünschen könntet: Was wäre es? 

Nagual: Dass wir das nicht verlieren, was uns hält. 
Naar: Dass wir bleiben, wer wir sind und uns selbst treu bleiben. 
Albe: Ich denke, das „sich irgendetwas wünschen“ ist ziemlich ähnlich wie die Frage nach den Zielen und Plänen. Ich weiß, das klingt ein wenig fantastisch, aber trotzdem…
Idegen: Mehr Rückmeldung und Reaktion von den Zuhörern. 

Wenn ihr die Bühne mit irgendeiner Band teilen könntet: welche wäre das? 

Nagual: Mit jeder Band, mit der wir auf derselben Wellenlänge sind – egal, welcher Name oder deren Popularität. 
Naar: Ich würde mir Bands wie OPETH, SÒLSTAFIR; ANATHEMA oder THE GATHERING wünschen. 
Albe: Wenn das möglich wäre – PINK FLOYD vielleicht. 

Sonst noch etwas, was ihr noch anmerken oder den Stormbringer-Lesern mitteilen möchtet? 

Naar: Hört mehr Bands, besucht Konzerte, geht auf Festivals und öffnet euch für neue und faszinierende Musik. 
Idegen:  Unterstützt die Musiker!  
Albe: Genießt jeden Tag und lasst euch in eurem Leben von guter Musik begleiten! 
Nagual: Taucht ein in die unvorhersehbarsten Tiefen, springt vom Gipfel der Welt, geht hinaus in den wildesten Sturm – kreiert eure eigenen Wunder! 

Vielen Dank für eure Zeit!

Herzlichen Dank auch von uns!

(Für Interessierte - und es sollte euch interessieren - geht es hier noch zum Review von "Talks To Innerself")

 


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