MY SLEEPING KARMA - Matte, Norman, Seppi & Steffen

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Von Anfang an alles im Flow.

Kurz bevor das Konzert in der Centralstation in Darmstadt beginnt, finden sich die vier Herren von MY SLEEPING KARMA zu einem Interview in den Katakomben eben dieser Centralstation ein. Völlig entspannt!

Veröffentlicht am 30.03.2017

Für alle, die Euch noch nicht kennen: Bitte stellt euch unseren Lesern kurz vor, wer steht hinter MY SLEEPING KARMA:

Matte: Hi, ich bin der Matte. Ich spiele Bass bei MY SLEEPING KARMA und kurz zur Gründungsgeschichte: MSK gibt es jetzt seit elf Jahren. Wir haben damals angefangen in einer Zweimannbesetzung Riffs zu schreiben. Das war Seppi und meine Wenigkeit. Wir haben uns ganz ungezwungen getroffen und irgendwann kam Steffen dazu und dann war Norman mit dabei. Und dann hat das Ding seinen Lauf genommen. Es gab keine - wie sagt man - Intention, das Ganze als riesen Band voranzutreiben oder als Band zu starten. Sondern: Vier Freunde machen Musik; trinken Bier; essen Chips und quatschen über Fussball.....(Einwurf aus dem Hintergrund)...ja...und ab und an auch über Politik, genau.

Steffen: Dazu muss ich jetzt auch noch was sagen. Matte hat doch schon die ganze Geschichte erzählt (lacht) ... Ich bin der Steffen. Ich spiele Schlagzeug bei MSK und das freut mich dann meistes sehr, dies zu tun. Das machte riesen Spaß...von Anfang an. Seppi und Matte hatten wie gesagt am Anfang in Mattes Keller an Riffs gebastelt. Irgendwann haben wir dann mal angefangen rumzujammen ... und Bier & Chips zu trinken

Norman: Ja, ich bin Norman. Ich spiele Soundboard bei MSK. Ich kam dann quasi auch ganz am Anfang dazu, aber doch als letztes Glied in diese Reihe...(allgemeines, lautes Gelächter). Nachdem mir aus dem Rifflabor und der Lickfabrik suggeriert wurde, es wäre doch ganz schön, ein paar sphärische Klänge und Melodeien einzubauen. Und dann hab ich mich bereit erklärt, einfach mal mitzumachen.

 

Hast du's bereut?

Norman: Nein, ich mach das unheimlich gerne und heute noch. Dankeschön!
Seppi: Ich bin der Seppi, ich spiele Gitarre....ich versuche es zumindest...(grinst)... bei MSK. Sonst ist, glaube ich, schon alles gesagt worden.

 

Neben der allseits bekannten SCHEISSKAPELLE (BOPPIN' B., möglicherweise noch THE INTERSPHERE), seid Ihr die dritte Band aus bayrisch Nizza, die Erfolgsgeschichte schreibt. Wie kommt es dazu, dass man sich derart ins Bewusstsein der Menschen/Fans spielt?

Steffen: Wie Matte schon gesagt hat: Wir hatten das nicht so großartig geplant mit "Lass uns jetzt raus gehen und auf Tour gehen und die Welt erobern". Dergleichen gab es nicht, solche Gedanken. Wir haben so einfach maln unser Ding gemacht und ab und an mal gespielt, auch in ganz kleinen Läden, so wie die Teestube Alzenau. Da passen, keine Ahnung, gefühlt 15 Leute rein. Ja, aber wir haben, denk ich, das Glück, dass es so ein bisschen eine Szene gibt, in dieser Musik, also Stonesrock, der ist ja in den letzten zehn Jahren eigentlich kontinuierlich gewachsen und ich denke, dass das ein bisschen mit der Grund ist, dass wir da mit in diese Schiene rein sind. Psychodelicrock und so was, da gab es ja lange Zeit kaum Bands, aber das Publikum ist nach wie vor da. Die Leute, die früher die instrumentalen Alben von Pink Floyd oder Genisis gehört haben, die sind ja nach wie vor noch da, die leben ja alle noch. Ich glaub, dass die alle ganz glücklich sind, wenn's da wieder ein paar Bands gibt, die so was ähnliches in die Richtung auch machen und da schwimmen wir auch ein bisschen mit auf dieser Erfolgswelle. Da ist auch viel Glück und Kontinuität dabei. Da gibt es viele Bands, die mit uns angefangen haben, die sind halt einfach nicht mehr da, weil sie keinen Bock, keine Lust mehr haben. Weil sie nicht mehr können, was auch immer, weil die Ausdauer nicht da ist.

 

Da öffnen sich auch manchmal Türen?

Steffen: Ja, die Türen, die haben sich für uns ziemlich häufig geöffnet. Da haben wir oft Glück gehabt... der Wechsel zu Napalm Records etwa, das war halt echt großes Glück.


Matte: Da muss man auch sagen, dass wir es bei all dem Glück aber auch geschafft haben, einen Sound zu kreieren, der vielleicht noch gar nicht so da war oder den andere Bands eher weniger haben. Ich glaub, wenn man MSK mag oder nicht mag, wenn du es anschaltest und dann hörst du halt Sleeping Karma.... das ist schon mal, das alleraller wichtigste, weil du kannst Demos von x Bands einlegen und viele klingen halt echt unheimlich gleich, gerade in diesem Stoner- oder Heavyrockbereich. Von daher ist, glaube ich auch, dieser Grundsound, den wir haben, gepaart mit der Leichtigkeit, dass wir eigentlich nichts erreichen mussten, vielleicht auch die Erfolgsformel auch dazu.

 

Es kommt bekanntlich nicht alles von allein zugeflogen. Ist es auch so, dass man sich das Glück auch erarbeitet, erarbeiten muss?

Matte: Ich denke,  das kann man auf jeden Fall so sehen. Weil uns das nicht immer nur alles zugeflogen ist, sondern wir es auch hart erarbeitet haben. Wir haben versucht, richtig gute Studioalben zu machen – zu dem Zeitpunkt. So gut wie wir es halt konnten zu spielen, plus halt noch eine Idee oder ein Konzept umzusetzen. Plus irgendwie ein cooles Cover zu haben. Da steckt halt mehr drinnen, als nur im Proberaum die Songs zu spielen.

Seppi:  Um das Phrasenschwein zu füttern sagt man ja gerne: „Jeder ist seines Glückes Schmied!“ (großes Gelächter)....

 

Jetzt sind 5€ für die Wutz fällig, so wie man es aus diversen Sendung(en) kennt?

Seppi: Nein, bei uns sind es 50 Cent... Wir haben wirklich im Tourbus ein Phrasenschwein, das wird täglich gefüttert – ich bin der Meinung – es ist wirklich fast kurz vor'm Platzen!

 

 

Wo liegen Eure Einflüsse? Gehören Bandmitglieder differenten Glaubenszugehörigkeiten an? Rein aus der musikalischen Sache heraus?

Matte: Wir glauben an die eigene Kraft. Wir glauben, dass man aus sich selbst heraus was erschaffen kann. Und das haben wir mit MSK gemacht. Und religionsbedingt sind wir alle durch die Bank weg Atheisten, sag ich jetzt mal....(vergewissert sich bei den Anderen)....ja, sie nicken alle. (Einwurf)...Also im kirchlichen Sinne, genau! Für uns ist diese Religion, die wir nach außen hin so ein bisschen zeigen, eigentlich so eine Spielwiese, auf der wir uns richtig schön austoben können und die auch richtig zu der Musik hin passt, weil die spirituell ist
Der Buddismus/Hinduismus... Wir wollen auch spirituelle Musik machen. Es kam schon öfter vor, dass uns Leute gesagt haben, "Wenn ich bei euch die Augen schließe, dann schwebe ich erst mal irgendwo anders". Das ist ja auch spirituell. Und somit passt das alles bei uns. Aber große Gläubige sind wir eigentlich nicht.

Norman: Die Frage zu den Einflüssen finde ich immer ganz spannend. Es kommt ja immer auch drauf an, wie du den Einfluss definierst. Du kannst sagen: „Ich bin mit der und der Musik groß geworden. Ich hab die und die Musik in meiner Jugendzeit gehört, die mich dann vielleicht am meisten geprägt hat. Oder ich hör die und die Musik, den und den Musikstil gerade aktuell!“
Von daher ist das mit den Einflüssen immer schwierig. Ich glaub nämlich, dass sich Einflüsse immer verändern mit dem Leben und bei dem Sound, den wir fahren, hab ich manchmal den Eindruck...natürlich haben wir alle irgendwo eine Basis, jeder von uns hat damals mal Maiden gehört, hatte eine Metalphase, die vielleicht bei dem ein oder andern anhält...bei dem anderen nicht mehr so (großes Gelächter)....Aber nicht desto trotz, das ist halt ein bunter Strauß. Bei dem Sound, den wir spielen, hab ich manchmal den Eindruck, der hat sich irgendwie selbst gefunden, auch jedweg irgendwelcher Einflüsse. Ja, klar. Das ist Gitarrenmusik, das ist Rockmusik, das ist sphärische Musik. Da kannst du jetzt sagen: „Ich hab stundenlang vorher Pink Floyd gehört, ich hab stundenlang vorher Metalriffs studiert!“ Aber ich glaube, dass das Quatsch ist. Wir haben einfach ungezwungen angefangen Musik zu machen und dieser Sound war relativ am Anfang. Er hat sich sehr schnell heraus kristallisiert, sich selbst gebildet. Und jeder von uns wusste irgendwie innerlich, unbewusst glaube ich, wie dieser Sound zu klingen hat und das ist irgendwie ein Geheimnis. Das kannst du jetzt als Magie bezeichnen. Und das bringt es sogar viel mehr auf den Punkt als jetzt zu sagen, das ist der Einfluss, der das geprägt hat.

 

Seid ihr Autodidakten oder habt ihr Musik studiert?

Seppi: Ich kann für mich sprechen. Ich bin Autodidakt. Ich glaub...wir sind alle Autodidakten, oder? Ich glaub, der Matte hatte mal Unterricht.....so zwei Stunden, oder so...

Matte: ….bis ich dann zu der Meinung kam: Lieber zwei Sekunden auf der Bühne schämen, als zwei Stunden üben....(allgemeines, lautes Gelächter)

 

Eure Bühnenpräsenz ist enorm. Gab es hier oder da Höhe- bzw. Tiefpunkte?

Matte: Also, eigentlich ist unsere Philosophie, dass wir erstmal versuchen für uns einen guten Gig zu spielen. Uns ist es wirklich, ehrlich egal, ob wir vor einem oder tausend Leuten spielen. Ob wir jetzt auf ner Geburtstagsparty oder sonstwie, versuchen wir genauso den Spaß zu haben wie auf einer Tour oder einem großen Festival. Und ich glaube dieser Grundgedanke, dass wir erstmal für uns gute Musik machen wollen und eigentlich immer versuchen zu 100% alles zu geben für die Anzahl an Leuten, die zuschauen, ist somit unser großes Plus und oftmals schaffen wir es halt, dass der Funke überspringt und die Leute mitgehen. Im Lauf der Jahre kriegst du auch Erfahrung mit dazu. Wir haben jetzt gemerkt, dass es bei Heavy-Metal-Festivals auch funktioniert. Am Anfang dachten wir, als wir das erste Mal beim Hell-Fest waren: Um Gottes Willen.... was soll denn das werden! Zwischen Dath-Metalbands oder sowas zu spielen! Hat dann aber auch gut funktioniert und über die Erfahrung und je mehr Gigs du spielst und je mehr Sicherheit du dann bekommst, wird’s dann in dem Fall auch ein bisschen einfacher. Wobei... bei uns vom spielerischen die Messlatte schon ziemlich hoch liegt und manchmal ein guter Gig von uns schon so als “Wah, das war jetzt nix heute“ empfunden wird. Ja, so die Selbstzufriedenheit ist manchmal schon schwierig.

 

Wie gestaltet sich bei euch das Songwriting? Sammelt jeder Ideen und im Proberaum wird alles zusammengetragen?

Seppi: Bis jetzt war es so, dass ich oft angekommen bin mit Melodien oder Riffideen. Und ich die an die Bandkollegen herangetragen habe und wir das dann probiert haben, ob das so unserem Klangbild entspricht, wie wir das haben möchten. Was zum Glück oft der Fall ist. Manchmal muss man für eine Melodie, die man gut findet, etwas kämpfen... (grinst) Überzeugungsarbeit leisten und dann sind aber auch alle glücklich.

Einwand Steffen: Manchmal ist aber auch nicht die richtige Zeit!

Seppi: Ja, das ist richtig! Manchmal ist auch nicht die Zeit für die Melodie oder für den Song, dass er auf das Album passt. Das muss dann irgendwie wo anders verwurstet werden oder es braucht dann noch Zeit zu wachsen. Ich würde mir in Zukunft wünschen, das ein bisschen kompakter zu machen. Wir haben bei uns halt das Problem, dass wir, außer der Steffen und ich, verstreut über der Erdkugel sind. Also wir proben eigentlich nie ... außer wir haben eine Tour, dann treffen wir uns ein bis zwei Mal zuvor und versuchen das, nachdem wir Chips und Bier getrunken haben.... (allgemeines Gelächter) ….und viel Politik und Fußball diskutiert worden ist.... (noch mehr Gelächter) ...dann doch noch die Musik zu spielen. Aber ich würde mir wünschen in der Zukunft, dass wir gemeinsam Ideen herantragen.

 

Wie entstehen Eure Lieder?

Seppi: Melodieführung, die arbeiten wir zusammen aus. Songwriting, das sind wir alle beteiligt. Wir suchen Teile, die zusammenpassen, die zusammen harmonieren, die ein Ganzes ergeben, da sagen wir alle vier, ob das passt oder nicht. Es sagt nicht einer: „Das mach ich jetzt so, weil da hab ich jetzt Bock!“ Nö, geht nicht! Wir sind ein Team und es muss jedem gefallen.

 

Wie viel Zeit benötigt ihr im Schnitt insgesamt für Songwriting und Aufnahme für ein Album, bis es steht?

Steffen: Das ist saumäßig unterschiedlich. Da kommt es darauf an, ob du einen Flow hast. Ich kann mich erinnert, wir haben irgendwo mal bei einem Album so ca. drei Monate lang versucht Riffs zu bauen....es gibt halt so Zeiten, da triffst du dich zehn Mal im Proberaum und da kommt nix dabei raus und manchmal da triffst du dich vier Mal und da kommen vier Songs dabei raus. Je nach dem....ich glaub bei der "Moksha" war das so, da hatten wir den ersten Termin, wo wir das Ding rausbringen wollten, gleich gerissen. Da mussten wir gleich sagen: Hey, das wird nix! Das ist wirklich ganz unterschiedlich. Es kommt darauf an, ob du eine gute Phase hast oder eine schlechte. Es ist wie bei vielen Dingen im Leben.

 

Woher nehmt ihr Eure musikalischen Inspirationen? Wart Ihr in asiatisch- bzw. indischen Gefilden unterwegs um Euch Eure Inspiration(en) zu holen? Wo liegen die Wurzeln Eurer Musik?

Matte: Es ist so, wie wir es vorhin schon gesagt haben. Musikalisch hat es Norman ja schon erklärt. Die Inspiration, warum wir so auf dem Buddismus/Hinduismusding so reiten, kam zu uns. Wir haben uns das gar nicht so direkt ausgesucht. Das hat halt vom musikalischen so am besten gepasst...hab ich ja vorhin schon mal erklärt. Inspiration holen wir uns ….(lacht)... ne, holen wir uns eigentlich ga rnicht! Es muss fließen, die Inspiration kommt von uns heraus. Und da wir, so wie ich das sehe, alle ziemlich eine gleiche Vorstellung haben, wie das zu klingen hat, dann haben wir keine Inspirationsquelle, außer uns selbst.

 

Habt ihr schon mal darüber nachgedacht mit verschiedenen Gast-Musikern zu arbeiten? Oder gar Gesang mit einzubeziehen? Gab es einen Anhaltspunkt, sich ohne Sänger/in auf musikalische Reisen zu begeben?

Steffen: Gastmusiker und Gastsängerin....beides schon gewesen. Auf dem letzten Album hatten wir die ganzen Interluds nicht selbst gemacht, sondern da gab es die Idee, dass wir das an befreundete Bands geben. Die sind von THE INTERSPHERE zum Beispiel. Es sind, glaube ich, fünf verschiedene Interludes, die von fünf verschiedenen Kumpel oder befreundeten Bands, wie z. B. THE INTERSPHERE gemacht wurden.

 

Interlude.... muss ich mal kurz nachfragen, was das ist?

Steffen: Wir haben quasi Zwischenstücke. Zwischen den Songs sind nochmal solche Interludes und die wurden auf dem letzten Album von verschiedenen Musikern gemacht. Wir haben eigentlich immer Interludes, das hat sich ein bisschen so ergeben, um so einen Flow in die Alben reinzubekommen. Das somit keine Pausen zwischen den Songs sind, sondern eine Art verbindendes Element, das überleitet zum nächsten Song. Und wie gesagt, diese Interludes waren beim letzten Album von anderen Bands. Bei der Satya hatten wir auch ein Stück mit einer Gastsängerin. Das hatten wir einfach mal so ausprobiert. Live hatten wir die Gastsängerin zwei mal auf Burg Herzberg mit dabei. Aber eine Person extra mitzunehmen wegen einem Lied ist schon sehr viel Aufwand, sag ich jetzt mal.

Matte: ….und generell möchten wir MY SLEEPING KARMA open minded halten – von der Musik her. Der Zuhörer soll sich seinen eigenen Text, sein eigenes Bild zur Musik machen. Und den ganzen Drive nimmst du raus, in dem Moment wo du Lyrics hast oder einen Sänger/Sängerin, die eine Textzeile hat. Dann gibst du dem Song eine ganz bestimmte Richtung, basierend auf dem Text und das wollen wir eigentlich gar nicht haben. Und deshalb werden wir da zukünftig auch eher weniger die Idee haben, was mit Gesang zu machen.

 

Wie würdet Ihr Eure Musik jemandem beschreiben, der noch nie von Euch gehört hat?

Matte: Öhhhhm, vielleicht....irgendwie...keine Ahnung......(naaah!?!) ….... was ich ganz gut immer fand, ist Hypnotic-Rock. So ein bisschen Rock mit einem tranceigen, chilligen Faktor. Das trifft es vielleicht ganz gut. Das ist immer noch Rockmusik im Kern, aber mit der Chance irgendwie auszubrechen und ein bisschen abzudrifften. Von daher, finde ich Hypnotic ganz cool. Seppi hat auch so ein Rifffing oder wir haben so eine Melodieführung, die dahin führt. Voila!

 

Ratsam wäre hier doch einfach mal die Chance zu nutzen, ein Konzert zu besuchen...?

Matte: ….oder sich einfach eine CD oder Platte kaufen oder MP3 oder alle Formate die es gibt...außer Kassetten haben wir alles am Start......(Das war eine kurze Werbeeinlage!) Aber viele Leute sagen, die uns das erste Mal sehen: „Das ist ja noch viel geiler als auf Platte!“ Was, denke ich, mal nicht ungewöhnlich ist, weil kaum eine Liveband es schafft diese Emotionen genau auf eine Platte zu bringen. In dem Moment, wo du die Musik nicht nur hörst, sonder auch visuell irgendwie auch was sehen kannst, ist das Ganze dann nochmal eine Spur intensiver. Deshalb, lieber zu Livekonzerten kommen.

 

Da kommt ja auch noch das Gemeinschaftserlebnis dazu!

Matte: Das sehe ich auch so. Wobei es immer ganz witzig ist, aus welchen Richtungen wir Mails bekommen, was Leute so gemacht haben. Von wegen: „Oh, ich musste quer durch Europa fahren, hab alle eure Alben im Auto gehabt. Hat mir voll geholfen, musste die ganze Nacht durchfahren, hab alles angehört. Super!“ Andere sagen: „Hatte ne megatraurige Phase, eure Musik hat mir sehr geholfen!“ Wir bekommen wirklich dieses Feedback aus ganz vielen Richtungen und deswegen bestärkt es uns auch darin zu sagen: „Hey, wir bleiben so open minded und instrumental.“ Und machen somit für jeden seinen eigenen persönlichen Soundtrack, so wie er aktuell in sein individuelles Leben reinpasst. Um zu schließen...es muss eine Platte nicht schlechter sein als Live. Das ist aber ein Erlebnis. Es ist was anderes, ob du dir ein Fußballspiel im Stadion oder am Fernsehen anschaust.

 

Könnt ihr mittlerweile von Euren Auftritten leben oder geht ihr einem regulären Job nach, müsst also zusätzlich arbeiten gehen, wie jeder Ottonormalbürger auch? Müsst Ihr für Eure Konzerte Urlaub beantragen? 

Norman: Leben tun wir davon nicht. Wenn wir davon leben müssten, dann müssten wir uns den Arsch abspielen. Das heißt wir wären also nie zu Hause, sondern ständig unterwegs. Wir haben alle Familien, deshalb hat jeder sein festes Standbein bei der Arbeit und die Musik ist ein Hobby, dass uns alle verbindet und mit der wir viel Zeit verbringen. Ein Großteil unseres Urlaub hält natürlich immer wieder dafür her. Da bist du natürlich auf ein vernünftiges familiäres Umfeld angewiesen. Da müssen alle mitspielen, sonst funktioniert es nicht.

 

Würdet ihr eure Jobs aufgeben, wenn es denn so sein sollte?

Seppi: …..(sehr lautes, ausgiebiges Gelächter)....Nein, es ist wie der Normen sagt. Der Zug ist abgefahren. Man könnte, glaub ich, nicht komplett seine Familie durch die Musik ernähren. Man möchte ja das beste für seine Familie haben und die Musik ist dafür nicht geeignet. Also die Musik schon, aber die Bezahlung nicht. Das würde nicht funktionieren.

 

Bitte schildert die Entstehungsgeschichte Eures aktuellen Albums… Es ist ein Livemitschnitt. Wie kam es dazu?

Steffen: Wir waren letztes Jahr schon auf Tour gewesen, die Up and Smoketour, zusammen mit Green Leaf und Mammut Mammut. Da hatten wir nicht unseren ursprünglichen Soundmann dabei, also der die Technik, den Sound macht. Sondern einen anderen und der hatte Equipment, um live aufzunehmen und hat einfach so randommäßig ein paar Gigs mitgeschnitten. Er hat uns die Daten zur Verfügung gestellt und wir haben das Zeugs dann mal durchgehört. Und zu einem Punkt X haben wir dann gesagt: „Hey, es ist eigentlich ganz cool. Lass uns einfach ein Livealbum draus basteln.“ Es war also eher auch wieder so ein Zufall.

Matte: Wir wollten eigentlich nicht nur ein Livealbum rausbringen und da gab es den glücklichen Umstand, dass wir schon mal so ein WDR Rockpalastmitschnitt aus dem Jahr 2010 hatten. Da haben wir uns die Rechte besorgt und haben dazu eine schöne Dokumentation gebastelt von Backstageimpressionen der letzten Jahre...irgendwelche funny oder strange things, die passiert sind. Und kamen mit einer netten Albumcover-Idee um die Ecke und so hat sich das Ganze so richtig rund angefühlt. Die Aufnahmen waren in Ordnung, das Gesamtpaket hat gestimmt. Da ist für Fans, die schon lange dabei sind oder uns neu entdecken, ein Mehrwert dabei in Form dieser Bonus-DVD. Da kann man nach elf Jahren und fünf Studioalben auch man ein Livealbum rausbringen.

Steffen: ...Das sollte auch ein bisschen eine Zusammenfassung der letzten Jahre sein. Wie so ein kleines Geschenk an die Fans.
Matte: Es sind vier Songs von insgesamt fünf Alben, drauf. Für einen hat es nicht gereicht, der normal auf dem Album war....da war die Aufnahme zu schlecht. Aber die Idee war wirklich, von jedem Album auch Songs auf dieser Liveplatte zu haben, um den Leuten einen kompletten Querschnitt zu geben.
Normen: Wir geben einfach ein Dankeschön an die Fans zurück. Das ist so ein bisschen Value for money, das wir das geschnürt haben. Es ist auch ein Dankeschön an uns für elf fantastische Jahre, die wir mit dem Publikum hatten. Ich kann mich tatsächlich an keinen einzigen Gig erinnern, wo wir schlecht angekommen sind. Wir sind immer ein Stück weit getragen worden und das ist unser Dankeschön!

 

Welchen Song vom aktuellen Album „Mela Ananda" mögt ihr oder spielt ihr am liebsten und warum?

Norman: Wir spielen eigentlich jeden Song gerne. Ein besonderes Gefühl haben wir alle aber bei Ephedra und Psylosyper. Das sind die zwei Songs, die uns innerlich am meisten bewegen während einem Gig.

 

 

Wie sehen Eure momentanen Live-Aktivitäten aus?

Matte: Wir haben 17 Shows in 17 Tages. Wir sind jetzt gerade bei der Hälfte angekommen. Es ist schön, nach der Hälfte zuhause zu sein....heute ist unsere Heimatshow. Es kommen viele Freunde vorbei, die Familie war da oder kommt noch. Hoffentlich wird es ein schöner Abend und dann geht es nochmal eine Woche weiter. Am 1. April ist dann das letzte Konzert in Stuttgart. Und dann haben wir es hoffentlich erfolgreich hinter uns gebracht.

 

Wie sieht die weitere Planung aus?

Matte: Wir haben ein paar Festivalauftritte geplant – nicht ganz so viele wie die letzten Jahre, weil wir live jetzt doch sehr aktiv waren. Es geht jetzt eher darum, Kräfte zu sammeln und neue Ideen entstehen zu lassen. Also in die schöpferische Phase zu gehen und dann irgendwann Richtung Herbst, wenn jeder aus dem Sommerurlaub zurück ist, neues Material zu schreiben. Es wird dann nach dem Sommer etwas rarer mit Liveauftritten von uns.

 

Mit welchen Bands würdet Ihr gerne mal auftreten?

Seppi: Die Tour mit Monster Magnet waren schon ein ziemliches Highlight in unserer Karriere. Auch wenn es uns den Arsch gekostet hat, muss man schon sagen. Es war schon sehr nervenaufreibend und wirklich hart. Es ging fast über 3 ½ (dreieinhalb) Wochen am Stück....(tiefer Seufzer) ….wirklich schwerer Stoff....(lacht). Ich denke, einen Wunschkandidaten hätten wir schon...wo es halbwegs musikalisch auch passen würde....das wäre z. B. „Tool“. Das ist unser gemeinsamer Nenner, neben Iron Maiden. Ansonsten wären es nur Bands, die gar nicht mehr existieren.

 

Karma bedeutet, dass es eine (Ab)Folge hat, geistig wie physisch. Es muss nicht alles in der Gegenwart stattfinden, sondern findet angeblich auch in einem späteren Leben, nach dem Leben statt. Oder für eine Nachwelt, für die Ihr etwas geschaffen habt? Warum Sleeping Karma? Wird Euer Karma jemals zum erwachen kommen? Oder sind es Traumphasen von denen Ihr gar nicht erwachen wollt ob der Wahrheit, dass es so ist, wie es ist.

Matte: ...(großes allgemeines Gegrübel).....Oh, das ist megaumfangreich, was wir in einer Minute antworten könnten. Ich weiß auch gar nicht, ob man das auf einen Punkt erörtern kann. Sleeping Karma, es kam einfach alles zu uns....über Bandnamen...wir hatten am Anfang die Musik und der Rest kam dann irgendwie zu uns. Das sagt eigentlich schon alles, warum wir das so tun. Es gibt eigentlich keinen Grund dafür. Vielleicht soll das genau so sein, dass wir das so machen...dass es einfach ...(er lacht)...einfach unsere Bestimmung ist. Wir haben nicht danach gesucht! Wir haben nach nix gesucht!
Seppi: ….es hat uns das Karma geschenkt! Das gute Karma! Das Karma hat uns das geschenkt, weil wir das gute Karma haben. Und es hat so lange geschlafen, bis wir auf der Bildfläche erschienen sind und dann hat uns das Karma alles zugegeben, was wir bis dahin erreicht haben.

 

 

Eure Musik ist, um es in religiöser Sprache auszudrücken, ist wie das Alpha & Omega. Man wird in einen Rausch das Alpha, in eine Spirale, die nicht enden will, hinein gezogen. Der Aufprall, in dem Fall das Omega (Ende) ist ziemlich hart (Hawkwind lässt grüßen). Es bleibt eine gewisse Zeit, bis man realisiert hat, das es wieder weitergegangen ist. Wie schafft ihr es, euren Stücken eine derart hypnotische, tiefgehende, meditative & tranceähnliche Stimmung beizumischen?

Matte: Wie wir es schon gesagt haben, wir spielen erstmal für uns, egal wer da ist, und wollen diese Gefühl haben für uns. Und dann glaube ich, schaffen wir das zu transportieren.

 

Ihr wollt erst einmal für euch selbst zufrieden sein, bevor ihr das nach außen tragt?

Matte: Ja, wir sind ja der Urheber des Flows oder der Emotionen der Leute. Deshalb müssen wir, um es glaubwürdig rüber zu bringen, selber drinnen sein. Das schaffen wir sehr oft oder eigentlich immer mit mehr Erfahrungen und mehr Gigs, die wir spielen. Du merkst, du kannst dich in die Musik fallen lassen; du kämpft nicht mehr mit deinem Instrument oder mit dem nächsten Riff oder Break. Du bist drüber, du weißt, was passiert. Du kannst dich selber fallen lassen. Das merken die Leute unheimlich. Das überträgt sich!

 

Von so einer Musik können viele andere Musiker ansatzweise nur träumen, die Leute in solch einen Fluss oder Sog mitzuziehen?

Seppi: Das war ja der Gründungsgrund von MSK , dass wir einen Flow schaffen wollten, um uns von den ganzen anderen Bands abzuheben. Sphärische Musik zu machen, vielleicht so ein bisschen Filmmusik. Was ich manchmal gerne sage, ist: „Wir sind Pinsel und Leinwand." Und die Leute sind die Hand, die ihr eigenes Bild malt!“

 

Gibt es eine von Fans geforderte „Wir wollen hören Liste?“

Matte: Eher weniger. Das gibt es nicht, dass nach einem bestimmten Song gerufen wird oder das Leute uns vor Konzerten anschreiben...“Spielt mal den und den Song“....das kann mal vorkommen, ist aber nicht die Regel. Ich glaube, das hat auch was mit dem Flow zu tun. Ich weiß nicht, ob wir Hits haben, die man unbedingt spielen müssen. Wir wissen, dass ein paar Songs ganz gut bei den Leuten ankommen. Die sind klar ins Set eingebaut, aber ansonsten geht es auch da wieder um den Flow entstehen zu lassen. Wenn der da ist und das Ding fließt, dann ist der Song nicht mehr das Hauptkriterium.

 

Wann sieht man Euch beim Heimspiel im Wohnzimmer von Aschaffenburg im Colos-Saal als Headliner wieder, oder gibt es andere bestimmte Locations, in denen Ihr spielen würdet, aber noch nicht gespielt habt?

Seppi: Colos-Saal haben wir eigentlich immer in unserem Routing drinnen. Da haben wir letztes Jahr erst gespielt. Und von wegen Wünsche...wir haben schon ziemlich viel gespielt...wir haben schon auf einem Schiff gespielt, auf einem Zug....in einer Kirche, am Strand, in der Wüste....wir haben eigentlich schon viel durch. Ja, Flugzeug wäre vielleicht noch so eine Option. Wir spielen eigentlich überall, wo eine Steckdose ist und die Leute uns wohlgesonnen sind.

 

 

Habt ihr noch ein paar abschließende Worte an unsere Leser?

Matte: Wir schließen Interviews wirklich gerne, auch in Bezug zum Livealbum, mit einem Dank an die ganzen Leute, die uns die letzten zehn, elf Jahre oder wie  lange uns die Leute kennen und unterstützt haben. Erfolg oder eine gute Zeit passiert nicht nur auf einer Seite, der Seite der Band, sondern da gehören wirklich die Fans ganz nach vorne. Leute, die von Anfang an mit dabei waren, die immer wieder kommen und die uns schon 20 oder 30 Mal gesehen haben. Es sind über die Jahre immer mehr geworden und es sieht auch so aus, als ob wir noch mehr Leute in Zukunft auch erreichen können. Dafür wollen wir ganz herzlich danke sagen!

Seppi: Ich schließe mich Mattes Worte an, dass wir Danke sagen müssen. Was ich immer wieder überraschend finde, was mich wirklich auch fasziniert und ich richtig, richtig toll finde, dass wir Generationen überschreitend Musik machen. Da sind 16-jährige im Publikum, genauso wie 65-jährige und das ist nicht die Regel bei Bands. Das freut mich ungemein, dass wir da ein Bindeglied sein können zwischen Generationen.

 


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