LOU BONNEVIE - Lou Bonnevie

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Es ist wahr, dass da überall abertausende aufstrebende Künstler sind. Aber du musst deine Nische finden und die Sache ernst nehmen, bevor du die Karriere anpeilst. Außerdem solltest du auf Herzanfälle und sehr viel Frustration auf dem langen Weg, der dir bevorsteht, vorbereitet sein. Aber das wird dich nur stärker und besser machen.

Eine Folk-Rock Legende, von der Ihr zu Unrecht noch nie gehört habt? Gibt´s nicht? Dann begebt Euch doch einfach mit STORMBRINGER auf die Reise zu den Philippinen!

Veröffentlicht am 19.04.2017

Mit rauchiger Stimme, weiblichem Charme und experimentellem Folk-Rock bezirzt LOU BONNEVIE seit über dreißig Jahren die einheimischen Musikfreunde einer malerischen Inselkette. STORMBRINGER bringt exklusiv das erste deutschsprachige Interview in Eure vier Wände!

Sehr geehrte LOU, es ist mir eine Freude, dich den deutschsprachigen Lesern vorzustellen!

Hallo, Daniel!

Du und dein Ehemann TOTO GENTICA, der Inhaber von DIMITRI PRODUCTIONS, macht seit vielen Jahren einiges für die philippinische Musikindustrie. Hast du dein persönliches Ziel erreicht, das du vielleicht 1984 hattest, als deine Musikkarriere begann?

Wir haben definitiv viel in der philippinischen Szene seit 1984 gemacht. DIMITRI PRODUCTIONS ist jetzt Teil der "Earthday Jam Foundation". Aber ehrlich gesagt, da ich Produzentin und Sängerin bin, gibt es noch viel zu tun.

Du bist auf den Philippinen ein großer Star und gerngesehener Gast in TV-Shows. Du nutzt deine Bekanntheit für Wohltätigkeitszwecke. Die meisten Deutschen kennen dein Land als wunderschönes Urlaubsziel. Erzähle uns bitte, wie das Leben dort aussieht.

Die Philippinen sind ein aufregender Ort mit malerischen Landstrichen, Stränden und unberührter Natur. Aber man findet auch reges Nachtleben, gute Restaurants und große Shopping Malls. Du hast Orte für gehobenere Ansprüche im Einkauf und gute, moderne und günstige Angebote. Filipinos sind gastfreundliche, fröhliche Menschen. Sie betrachten die Dinge positiv, selbst bei Problemen und Unsicherheit. Hier ist es ehrlich sehr sicher, nicht so wie es von den Medien aufgebauscht dargestellt wird.

In Deutschland bist du am ehesten bekannt für den Original Soundtrack des Cyperpunk Kult-Animes "AD Police". In den 1990ern importierten deutsche Einkaufshäuser englisch synchronisierte VHS-Kassetten von "Manga Entertainment". Wie kam es damals zum Vertragsabschluss zwischen dir und dem Musiklabel?

Mein Mann TOTO GENTICA stolperte zufällig über einen japanischen Musikproduzenten, der sich oft auf den Philippinen aufhielt und lokal tätig war. Sie freundeten sich an und als er Totos Arrangements einiger meiner Songs hörte, mochte er sie. Er fragte Toto, ob er nicht einige Segmente eines Animes unterlegen wolle. Das war der Start von all dem. Toto ist ein großartiger Musikkomponist. Er hat etliche Preise für einige gefeierte Filme, wie "Oro, Plata mata", gewonnen. Sein musikalischer Stil ist innovativ und modern, sodass er perfekt zu manchen japanischen Serien passt. Sie haben auch ausgehandelt, dass einige meiner Originallieder verwendet wurden.

Ehrlich gesagt, hatte ich keine Ahnung, dass "AD Police" weltweit vertrieben wurde. Ab und zu erzählen mir Leute, dass sie mich damit verbinden. (SO WIE DU!)

"Cry, Cry, Cry" hat es nicht auf die Soundtrack CD geschafft, aber man kann ihn während des Abspanns von "AD Police" hören. Auf deiner Homepage ist dieser fantastische "Heart Rock" Song gar nicht auf dem selbstbetitelten Debüt angegeben. War er offiziell auf LP oder Musikkassette veröffentlicht? Hast du vielleicht sogar eine Anekdote zu diesem Lied?

"Cry, Cry, Cry" ist offiziell auf meinem ersten Album "Lou Bonnevie" erschienen, was damals ziemlich experimentell war. Es war einer von vier Songs, den TOTO GENTICA schrieb und produzierte. Darunter war auch "Happy Days are here again". Das war echt neue Musik.

Was fühlst du, wenn du heute Lieder wie "Love me tonight", "What a Fool I am" oder "Lagi Lagi Na Lang" hörst? Was verbindest du mit ihnen?

Es erfreut mich und bereitet mir ein breites Lächeln. Ich singe sie heute noch in meinen Shows. Sie erinnern mich an die Fans in meinen Anfängen. Sie sind sehr emotional. Unabhängig von vergehender Zeit und welchem Ort auf der Welt sie gespielt werden, tragen sie Liebe in sich.

Alle Songs vom 1990er Album "Tisay", welches heutzutage sehr schwer zu finden ist, sind in Filipino eingesungen. Würdest du sagen, man kann in den Texten einen roten Faden erkennen? Wovon handeln sie?

"Tisay" ist ein experimentelles Release. Es war eine Herausforderung in Filipino zu schreiben, da meine vorherigen Alben alle auf Englisch waren. Wir hatten gerade die Produktion für unsere Neo-Ethnic-Rock-Opera "Lapu Lapu" (erster philippinischer Freiheitskämpfer, der den Entdecker Magellan tötete) beendet. Ich denke, ich war davon beeinflusst.

Ich fand, Tagalog (Die auf den Philippinen meistgesprochene Sprache – Anm. d. Autors) könnte eine universelle Sprache sein. Sprache sollte allgemein kein Hindernis beim Schreiben eines Songs sein, besonders bei Weltmusik. "Tisay" ist eine Mischung aus östlichen und westlichen Komponenten – so wie ich es bin. Ich habe spanische und französische Vorfahren, bin aber auf den Archipelen geboren und aufgewachsen. Ich sehe hier viele Filipinos mit unterschiedlichen Wurzeln und manchmal finden wir unser wahres Selbst.

"Tisay" (Slang für "Mestiza", was für Filipina kaukasischer Abstammung, wohl aber auch allgemein für hellhäutige Filipina verwendet wird – Anm. d. Autors) ist ein ziemlich ernstes und prophetisches Album. Die meisten meiner Fans waren von diesem Album sehr verwirrt. Es hat einige Zeit benötigt, um mich von diesem Album zu entfernen und voranzuschreiten.

Soweit ich weiß, hast du noch keine Coversongs aufgenommen, aber auf deinen Konzerten singst du "Come Together" von den BEATLES. Waren sie ein großer Einfluss für dich?

Ich liebe Classic Rock. Das gehört heute zu meinem Repertoire.

Viele Musiker nehmen Coversongs auf, um Übersee wahrgenommen zu werden. Hattest du jemals Ambitionen, den internationalen Markt zu erobern? Wenn nicht, was ist für dich die wahre Bedeutung des Musikerdaseins?

Ich fand, dass ich genügend eigenes gutes Material hatte und dass es für Coversongs zu früh sei. Für mich ist es wichtig, meine eigenen Lieder aufzunehmen und die Originalaufnahmen der anderen so zu belassen. Aber Live ist das was anderes – ich wähle dann auch Lieder, zu denen ich eine starke Bindung spüre und wünschte, ich hätte sie selbst geschrieben. Ich bin als Songwriterin und als Performerin eben eine andere Person.

Verglichen mit den mit rauchiger Stimme eingesungenen englischsprachigen Liedern klingst du auf den Filipino-Songs eher sanft. Ist das nur Zufall, oder mögen die philippinischen Fans eher die zweite Variante?

Ja, sie mögen eher die sanfte Stimmen, die das Mitsingen erleichtern.

Die philippinische Musikszene ist den Österreichern und Deutschen kaum bekannt. Gibt es da eine große Folk- und Rock-Nachfrage, oder tendiert man inzwischen auch eher in die Electro- oder Hip Hop-Richtung?

Es besteht eine große Fanbase von OPM (Original Philippino Musik) im Bereich von Rock, Alternative und Pop. Wegweisend hierfür sei unser "Earthday Jam" erwähnt, wo seit 17 Jahren OPM-Künstler Zuschauer anziehen. In den letzten Jahren verdichten sich auch EDM (Electronic Dance Music) Shows von lokalen und internationalen DJs, mit gesalzenen Ticketpreisen. Aber OPM ist noch die Musik der Leute.

Um was geht es bei dem von dir und TOTO GENTICA veranstalteten, sehr erfolgreichen "Earthday Jam"?

Es begann im Jahr 2000. Wir wurden gebeten, eine Veranstaltung zur Feier des internationalen "Earth Day" auf die Beine zu stellen. Wir hatten "Earthborne" außerhalb Manilas organisiert und brachten philippinische Bands verschiedenster Genres dazu, zusammen aufzutreten. Das war der Grundstein für die seit 17 Jahren wiederkehrende "Earthday Jam"-Tributshow. Wir haben dieses für uns wichtigstes Projekt mit dem Bewusstsein gegründet, dass Musik und Kunst von jedem Individuum verstanden werden kann. Mithilfe populärer Musiker, tatkräftiger staatlicher Unterstützung, Nongovernmental Organisations, dem Ausschuss für Umweltfragen, akademischer Institutionen und technischen Hilfsmitteln, wie interaktiver Werbung und ansprechenden Videos, mobilisieren wir tausende Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund, welche zu treuen "Earthjammers" wurden.

Führende Regierungsbehörden unterstützen uns zwar, aber es ist eine wirklich unabhängige und kostenlose öffentliche Veranstaltung. Wir appellieren an ausländische Organisationen, uns zu unterstützen. EARTHDAYJAM 2017 wird am 28. April im Rizal Park (Luneta) stattfinden. Detaillierte Informationen gibt es unter http://www.earthdayjamfoundation.com.

Besteht die Möglichkeit ältere Alben, einfach für die Erhältlichkeit, auf kostenlosen Plattformen wie Bandcamp zur Verfügung zu stellen?

Vielleicht. Das müssen wir mal genauer unter die Lupe nehmen.

Auf deinem letzten Album "Only Human" gab es verschiedene Stilrichtungen zu hören. Resultierte das aus deinen eigenen musikalischen Vorlieben oder wolltest du eine größere Zielgruppe erreichen?

Es war mehr mein eigener Geschmack und ich wollte mich nicht mehr einschränken, aber ich dachte auch, dass meine Stimme genügend Wiedererkennungswert hat, um das zu wagen.

Hast du einen Ratschlag für junge Künstler, die eine musikalische Karriere anstreben?

Musik sollte niemals das Ziel der Kapitalisierung und Kommerzialisierung verfolgen. Du solltest innig spüren, dass du gut darin bist. Es ist wahr, dass da überall abertausende aufstrebende Künstler sind. Aber du musst deine Nische finden und die Sache ernst nehmen, bevor du die Karriere anpeilst. Außerdem solltest du auf Herzanfälle und sehr viel Frustration auf dem langen Weg, der dir bevorsteht, vorbereitet sein. Aber das wird dich nur stärker und besser machen.

"Only Human" erschien 2009. Arbeitest du momentan an neuem Material?

Zwischen anderen Produktionen spiele ich ein wenig mit neuem Material. Vielleicht nehme ich etwas davon Ende des Jahres auf.

Kannst du uns einen Hinweis darauf geben wie das klingen wird? Wird es wieder ein bisschen rockiger? Welche Sprache wirst du wählen?

Es wird eine Mixtur. Eine Fusion. Rock und Blues verwoben.

2007 schätzte das Migration Research Network, dass sich insgesamt ungefähr 60000 philippinische Staatsangehörige in Deutschland aufhalten. Könntest du dir vorstellen, für ein paar Shows nach Deutschland zu kommen?

Ich weiß, dass man in Deutschland auf gute Live-Rock´n´Roll-Shows steht. Und da sind auch ein paar gute Schulfreunde von mir angesiedelt... Ich hoffe wirklich die Chance zu bekommen, da ein paar Gigs zu machen. Meine letzte Show in Australien war eine atemberaubende Erfahrung. Es wäre echt der Hammer, nach Deutschland zu kommen.

Empfehlt mich gerne weiter!

http://www.loubonnevie.com

Vielen Dank! Wir freuen uns auf allerlei Neuigkeiten und zukünftige Alben von dir! STORMBRINGER wird darüber berichten! Wir wünschen LOU BONNEVIE und TOTO GENTICA alles Gute!


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