PIKES EDGE - Pike

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Das Leben ist echt zu kurz, um ein Arschloch zu sein.

Frontmann Pike hat mit uns über seinen Weg zur Musik, die Hintergründe der kompletten Neuformierung seiner Band, das aktuelle Album „All Of Our Beauty“ und seine musikalischen und persönlichen Ziele gesprochen.

Veröffentlicht am 24.04.2017

Hallo Pike! Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst. Da schon anhand des Bandnamens klar wird, dass du die treibende Kraft des Projektes bist, ist es zunächst einmal interessant, wie dein musikalischer Werdegang bis zur Gründung der Band aussah. Wie bist du überhaupt zur Musik, zum Metal gekommen?

Hey Daria, ich bedanke mich auch für dein Interesse. Wow, das ist alles schon etwas länger her. Ich war glaube ich acht Jahre alt, als ich IRON MAIDEN hörte. Die Musik hat mich gleich in ihren Bann gezogen und als ich noch auf Videokassetten sah wie Maiden rockt, da wusste ich es sofort... Heavy Metal ist meine Bestimmung. Kurz danach habe ich die Nachbarskinder zusammengetrommelt. Musik konnte man es nicht nennen, was wir damals gemacht haben, aber für Lärm und Ärger in der Nachbarschaft war schonmal vorgesorgt.

Das Gitarrespielen habe ich mir selber beigebracht, aber kurz darauf hat mir leider der Krieg in Bosnien eine Flüchtlingskarriere beschert. Hier und dort habe ich versucht musikalisch etwas zu reißen, aber es war schwierig, vor allem wenn man kein Geld in der Tasche hat. In Deutschland habe ich dann in einem deutschsprachigen Projekt und in ein paar Metalbands mitgemacht, aber das ging mir alles zu langsam und schließlich habe ich mich Ende 2009 dazu entschieden PIKES EDGE zu gründen. Und da sind wir nun.

Bei PIKES EDGE hat sich im Laufe der Jahre dann einiges an der Besetzung geändert. Ein besonders großer Einschnitt geschah während der Europatour mit U.D.O., was ist da passiert? Welche Erlebnisse oder Überlegungen haben zu diesem „Bruch“ geführt?

Ich sehe dass so dass wir auf die Tour als eine unerfahrene Band losgerannt sind. Die Musik ist, wie du sicher auch weißt, ein hartes Geschäft und die Unschuld wird einem durch mentale Vergewaltigung ganz schnell genommen. Als die Tour zu Ende ging war ich der Meinung, dass PIKES EDGE stillgelegt werden sollte, aber mein damals frisch gewonnener Freund Fitty (Bassist von U.D.O.) hat mich überredet dass wir ein neues Album machen müssen und so ist „All Of Our Beauty“ geboren worden. Was mich persönlich aber sehr freut ist, dass die Freundschaft zur Ex-PIKES EDGE Musikern erhalten geblieben ist. Wir haben vieles zusammen mitgemacht und so eine Freundschaft gibt man nicht so leicht auf.

Hast du zu diesem Zeitpunkt gezweifelt, ob es mit PIKES EDGE überhaupt weitergehen soll, oder wusstest du sofort, dass und wie es weitergehen soll?

Ich war mir damals ziemlich sicher, dass es mit PIKES EDGE vorbei ist. Ich bin aber froh dass Fitty nicht losgelassen hat. Damals wusste ich nicht was daraus wird und meine Kreativität und Begeisterung hielten sich in Grenzen. Als der Lukas dazu gekommen ist, dann ist die Kreativ-Ader bei uns beiden explodiert und im Studio zusammen mit Fitty hatten wir eine musikalische Super-Gaudi.

Wie sah dann die Neuformation der Band aus? Wie habt ihr euch im aktuellen Erscheinungsbild zusammengefunden?

Ich wollte dass PIKES EDGE etwas Anderes ausstrahlt. Das habe ich auch versucht, auf Promo-Bildern darzustellen. Der Mann mit Melonenhut, Weste, Hemd, Krawatte, Baseballschläger und Kampfstiefeln soll eine Heldenfigur darstellen, einen Storyteller, der auf gesellschaftlichen Missstände und soziale Ungerechtigkeiten hinweist. Musikalisch aufgestellt sehen wir so aus, dass ich jetzt nicht mehr an der Gitarre bin, sondern mich nur auf den Gesang konzentrieren und somit auch das Publikum viel mehr in unsere Show einbinden kann. Somit sind unsere zwei Gitarristen Lukas und Marin, der Michi ist unser Bassist und am Schlagzeug zerstört unser Rossi.

 

 

Im November 2016 habt ihr dann euer aktuelles Album „All Of Our Beauty“ veröffentlicht, welches dann auch vom schon angesprochenen Fitty Wienhold produziert wurde. Habt ihr bei den Arbeiten am Album sofort eine gemeinsame Frequenz gefunden?

Fitty habe ich während der Tour mit U.D.O. kennengelernt. Nach der Tour blieben wir in Kontakt und daraus hat sich eine wundervolle Freundschaft entwickelt, die ich nicht missen will. Im Studio hatten wir wirklich sehr viel Spaß. Die Chemie hat gleich gepasst und trotz harter Arbeit, die von elf Uhr am Vormittag bis um vier oder fünf Uhr am Folgetag in der Früh jeden Tag ging, hatten wir unglaublich viel Spaß bei der Arbeit.

Neue Menschen – frische Einflüsse, oder? Stilistisch ist das neue Album erstaunlich vielfältig und damit meine ich nicht nur den Kontrast zwischen aggressiven versus melodischeren und ruhigeren Parts. Ist das deiner Meinung nach auch darin begründet, dass da gerade so viele verschiedene Personen und damit Einflüsse neu zusammengekommen sind?

PIKES EDGE ist mit „All Of Our Beauty“ viel erwachsener geworden. Das Songwriting haben Lukas und ich gemacht und im Studio hat uns Fitty getrimmt, damit alles so klingt wie es jetzt klingt. Die Kombination zwischen mir und Lukas bezüglich des Songwriting funktionierte sehr gut und es ist klar, dass diese Mischung einen Einfluss auf den neuen Sound von PIKES EDGE hat.

Befindet ihr euch stilmäßig deiner Meinung nach noch in einer Findungsphase oder ist eigentlich genau diese Vielfalt eure musikalische Identität, die ihr weiterverfolgen wollt?

Sehr gut erraten. In einigen Reviews wurde uns „vorgeworfen“ dass wir unseren Stil nicht gefunden haben aber genau diese Vielfalt ist unser Stil. Wir wollen uns nicht in eine Schublade pressen lassen. Wir machen „nur“ Metal.

Auf „All Of Our Beauty“ beschäftigen sich die Songs mit gesellschaftskritischen Themen. Welche Themen sind dir momentan besonders wichtig?

Ein Mensch zu bleiben. In diesen Zeiten geht es nur noch darum, wie man schnelles Geld machen kann und dafür ist kein Preis zu hoch. Wir machen uns keine Gedanken darüber, dass ein paar tausend km von uns entfernt Menschen verhungern, im Krieg getötet werden... Es ist furchtbar wie man Politik daraus machen kann. Es ist klar, dass wir in Deutschland alleine die Welt nicht besser machen können, aber man fängt wenigstens so an, indem man selber versucht die Welt ein bisschen besser zu machen, aber uns hindert, dass man immer Angst von irgendetwas hat.

Und genau diese Themen behandeln wir in unseren Songs. Du willst die Welt ändern? Dann ändere erst mal dich selbst. Und wenn mit der Zeit aus diesen Gedanken eine Masse wird, dann werden wir auch eine bessere Welt haben. Da bin ich mir ganz sicher!

Ist der Titel „All Of Our Beauty“ – in Kombination mit dem eher düsteren Artwork – dann also auf die Menschheit bezogen und ironisch gemeint? Sind wir alle „Hypocrite“s?

Ganz genau. Der Titel „All Of Our Beauty“ ist ironisch gemeint und das Artwork ist ein Spiegelbild von unserer Gesellschaft heute. Wir sind leider als Menschheit sehr hässlich geworden.

Den etwas ruhigeren Ausklang „OldBoy“ finde ich interessant. Worum geht es darin?

"OldBoy" beschreibt eine traurige Geschichte, die jeden Tag um uns herum passiert, aber wir nehmen davon keine Notiz, weil wir uns oft lieber um unwichtigen Scheiß kümmern wollen. Es erzählt über den Schmerz von „alten“ Menschen wenn diese Ihren langjährigen Partner verlieren. Die Einsamkeit fällt in dem Fall sehr schwer ins Gewicht.

Geht es dir beim Songwriting hauptsächlich um die Verarbeitung eigener Gedanken, das Ordnen der Gefühle zu diesen Themen, oder willst du wachrütteln? In den Videos zu „Tides Of Time“ und „Denial Of Service“ kann man schon erahnen, wie du dazu stehst – aber das kann ja durchaus auch nur künstlerisches Stilmittel sein.

Ich kann leider nicht prahlen, dass mein Leben sorglos war, ich wünsche das aber jedem Menschen der Erde. Ich spreche die Gedanken an, die mich berühren und versuche dadurch den Mensch zu erreichen. Alle Menschen sind von Geburt an gut. Die Gesellschaft, die Politik und das Umfeld – wenn wir es zulassen – machen uns schlechter. Und genau dann, wenn es uns super geht, sollten wir uns ab und zu in die Lage derer versetzten, denen es nicht gut geht.

Was steht jetzt an für PIKES EDGE? Ich habe gesehen, dass schon vereinzelte Konzerttermine im deutschsprachigen Raum für 2017 geplant sind. Wollt ihr das noch weiter ausbauen und wieder auf Tour gehen? Vielleicht sogar wieder europaweit?

Ja wird sind tatsächlich dabei wieder europaweit unterwegs zu sein. Es wird noch etwas dauern bis wir konkreter werden können, aber zusammen mit Redlionmusic kriegen wir das hin. Wir sind auch auf dem Festival ‚‚Metal Days 2017‘‘ auf der New Forces Stage Headliner dieses Jahr und das ist schon eine große Ehre für uns. Wir versprechen schon jetzt eine fette Show!

Mal abgesehen davon, welche Projekte stehen demnächst noch an, wie soll die Zukunft für PIKES EDGE aussehen, wenn alles so läuft wie du dir das vorstellst?

Ich sehe PIKES EDGE in den nächsten 2 Jahren auf mehreren Touren durch Europa, vorerst als Support und dann hoffentlich danach kleinere Headliner Tour mit einer fetten, langen Show und natürlich mit einem neuen, und somit dritten Album in der Tasche.

Dabei wünsche ich euch viel Erfolg, bedanke mich noch einmal herzlich – und du hast das letzte Wort:

Bleibt gesund, genießt die Musik, habt Spaß im Leben! Das Leben ist echt zu kurz, um ein Arschloch zu sein.


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