AYREON - Arjen Anthony Lucassen

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Ich hatte ihn (Tommy Karevik) in meinem Studio und musste immer wieder weinen. Er war so nach dem Motto „Ey du Sissi, was heulst du?“ und ich habe weiter geflennt.

Ein verregneter Tag Anfang März spülte mich nach Köln in die Arme von niemand geringerem als Mr. Arjen Lucassen, seines Zeichens Mastermind des Progressive Metal Projekts AYREON. Der Mann ist nicht nur groß, nein, er hat auch so einiges zu erzählen!

Text: Sonata
Veröffentlicht am 02.05.2017

„The Source“ erscheint am 28. April und verkörpert bereits die neunte Veröffentlichtung mit AYREON…

Ich würde es als Achtes bezeichnen.

Weil du die beiden "Migrator"-Alben zusammen nimmst?

Exakt!

Und um ganz genau zu sein, betrittst du mit „The Source“ einen Pfad, der mit der „01“ Platte ja schon als abgeschlossen galt. Nachdem „The Theory Of Everything“ eine komplett neue Geschichte offenbarte, kehrst du mit der neuen Platte zu deinen Wurzeln zurück, wobei „The Source den Beginn und somit ein Prequel verkörpert. Wie kamst du zu dieser Idee und woher nahmst du die Inspiration?

Ich WOLLTE gar nicht zurückkehren zu dieser Story, weil ich jedem hoch und heilig versprochen habe, dass die Geschichte mit „01“ beendet war und alles zu kompliziert werden würde. Offensichtlich habe ich gelogen und der Katalysator dafür war diesmal das Artwork! Dieses Mal bin ich das Ganze anders angegangen. In der Vergangenheit habe ich mir erst das Konzept überlegt, dann Sänger gesucht und anschließend ein Artwork kreieren lassen. Nun dachte ich mir „Warum nicht mal mit dem Artwork beginnen?“ und mich davon inspirieren lassen. Ich suchte nach coolen Bildern aus dem Sci-Fi Bereich und fand natürlich tausende von interessanten Bildern, bis ich bei Yann Souetre landete. All seine Bilder wirkten wie das, was ich musikalisch fabriziere. Überall diese dunklen Vibes und grellen Lichter. Dann sah ich das Bild mit der Dame, die sich Unterwasser befand in in diesem Gefäß. Ich dachte darüber nach, dass es ein Mensch sein könnte, der gezwungen ist, unterwasser zu leben. Was, wenn das ein „Forever“ (Rasse im AYREON Universum) ist? Quasi das „Aquatic Race“, das ich auf der „Electric Castle“ Scheibe eingeführt habe. Was wenn die Forever Rasse früher menschlich war? Ich dachte, dass das eine coole Grundidee verkörpern würde.

Um auf den Namen zurückzukommen, den du eben genannt hast, Yann Souetre. War sein Artwork von Beginn an so, wie du es dir vorgestellt hattest oder musste er Veränderungen vornehmen?

Er musste natürlich Veränderungen vornehmen. Es existierte nur die Frau als Frontcover und alles drum herum haben wir dann gemeinsam kreiert.

Also war es diesmal nicht der Style von Jeff Bertels (bisheriger Artwork Designer von AYREON), den du als passend empfunden hast. Wolltest du dir quasi neue Inspirationen holen?

Absolut. Ich sehe Jeff als Fantasy Artist wie z.B. bei „Electric Castle“, was ja wirklich unfassbar toll geworden ist. Du hast das Schloss und all diese komischen Monster und anderen Scheiß. Das ist kein Sci-Fi. Diese Geschichte handelt aber nun von Technologie und ich wollte diesen Sci-Fi Look. Ich habe gefühlt, dass Jeff’s Style nicht dazu passen würde, was ich auch schon bei „01“ gedacht habe von wegen „Das ist nicht wirklich ein Sci-Fi Cover.“ Ich wollte dieses mal pure Science Fiction und nichts anderes.

Es gibt ja auch dieses wunderbare Panorama Bild, das du auf deiner Facebook Seite mit uns geteilt hast. Stammt dies auch von Yann Souetre?

Es wird ein 48-seitiges Artbook mit wundervollen Artworks geben! Und es hört ja nicht auf… Ich musste zwischen so vielen verschiedenen Bildern auswählen. Es sind Sachen, die er neu gezeichnet hat, aber auch Sachen, die in den letzten 10 Jahren entstanden sind.

Ein Grund mehr, physische CD’s zu kaufen!

Ja! (lacht)

Das ist der Grund, warum ich physische Sachen bevorzuge, die ich mir schön ins Regal stellen und auch Mal einen Blick darauf werfen kann.

Ich stimme da komplett mit dir überein! Das war für mich beim Heranwachsen auch total wichtig, dass ich mir sowas zulegen konnte.

Wir befinden uns im Streaming Zeitalter mit Spotify und Co., was ja auch okay ist. Klar, ich habe auch meine ganzen Musikdateien auf dem Smartphone, um unterwegs Musik hören zu können, aber es ist dennoch schön, CD’s zuhause in seinem Regal stehen zu haben oder eben auch ein paar Vinyl Platten!

Ich liebe die Tatsache, dass Vinyl quasi den zweiten Frühling erlebt! Keine Möglichkeit zu skippen, du „musst“ zuhören!

So sollte man Musik hören!

So lernst du ein Album erst richtig lieben, Songs, die du vorher z.B. gar nicht mochtest. Wenn du alles nur weiter schaltest, weil es dir im ersten Moment nicht gefällt, kriegen derartige Songs einfach keine Chance mehr.

Gerade bei AYREON ist es wichtig, zuzuhören. Für mich keine Musik, die ich nebenbei höre, wenn ich z.B. was zocke.

Und es WIRD immer Songs bei AYREON geben, die du erstmal nicht magst. Es sind so viele Elemente von Prog über Metal bis hin zu Folk und Electronic.

Das ist das schöne an AYREON Platten. Du hörst so einen 90 Minuten Brocken und findest natürlich erstmal Songs, die dir nicht so zusagen, du wirst ja auch förmlich erschlagen von so komplexer Musik. Dann hörst du das Teil 10-20 Mal und denkst dir plötzlich „Wow, der Song passt perfekt zum Konzept!“

Das ist wirklich cool!

Die Story spielt diesmal in der Andromeda Galaxie, wo Computer die menschliche Rasse verdrängt haben und alles in Chaos endet. Alles wird von Maschinen kontrolliert. Nur am Rande: „Sea Of Machines“ ist mein absoluter Favorit auf dem Album! Was… mir ist gerade tatsächlich der Name des Sängers entfallen!

Michael Eriksen!

Genau! Was er da in den Strophen leistet, ist so berührend und erzeugt eine unfassbare Gänsehaut bei mir.

Ich erinnere mich noch, wo er in meinem Studio saß und den „No satellites, No TV“ Part aufgenommen hat. Ich dachte nur „OH MEIN GOTT MICHAEL! Das ist so unfassbar gut! Das ist perfekt!“, und er sagte nur „Du hast das für mich geschrieben man! Das ist es, was ich singen will!“

Ist die Story um „The Source“ etwas sehr dramatisches für den Zuhörer? Wie würdest du dein Konzept betrachten?

Meine Geschichten handeln z.B. nie von Gut und Böse im Großen und Ganzen. Nicht wie z.B. Star Wars, wo die bösen Jungs mit Laserpistolen (Arjen imitiert ein paar Geräusche) rumballern. Meine Geschichten handeln immer von den menschlichen Emotionen. Das ist es, worum es immer geht. Ursprünglich erstellte Yann diesen „Destructor“, der quasi die gesamte Menschheit ausrottet. Ich sagte ihm sofort „Nein Nein, das ist nicht mein Stil!“ Der wichtigste Song in diesem Zusammenhang ist für mich „Condemned to live“, wo sie den Planet zurücklassen müssen. Der Diplomat kann den Planet verlassen, aber seine Frau und Kinder muss er zum Sterben zurücklassen. Auch er selbst wäre lieber dort geblieben, um zu sterben, aber er ist quasi zum „Leben“ verdammt. Es ist zwar Sci-Fi, aber es geht stets um die menschlichen Emotionen.

Das neue Album klingt musikalisch wieder eine Ecke härter als „The Theory Of Everything“, das durchaus soft wirkte mit den ganzen Keyboardmelodien. „The Source“ erinnert zeitweise an das letzte STAR ONE Album „Victims Of The Modern Age“, insbesondere im Opening Track. Allerdings gibt’s dann auch wieder so viele andere Elemente, Flöten oder sehr modernen Sound bei „Everybody Dies“, wo ich den Part von Tommy und Tommy, den beiden Tommy Typen so unglaublich geil finde. Aber wie würdest du die Platte im instrumentalen Bereich einordnen, was kannst du uns da mitgeben?

Das letzte Album war sehr Keyboardorientiert mit den besten Keyboardern der Welt und als eine Reaktion darauf präsentiert sich das neue Album wieder gitarrenorientierter. Diesmal natürlich mit den besten Gitarristen der Welt! (lacht) Das Album ist auch ohrwurmtauglicher als die letzte Scheibe. Es gibt mehr Refrains wie z.B. bei „Sea Of Machines“ und die Platte ist wieder mehr songorientiert. Prinzipiell fast ein relativ einfach gehaltenes Vers Refrain Vers Refrain Mittelteil Refrain Konstrukt. Also fast ein Popsong! (lacht) Aber dann gibt’s auch wieder Songs wie „The Day That The World Breaks Down“, der nicht wirklich irgendeine Struktur verfolgt.

Es hat gar keinen Refrain würde ich sagen.

Nein, nicht wirklich. Maximal die Zeile „The Day That The World Breaks Down“ (singt). Also ja, definitiv wieder härter, aber immer noch abenteuerlustig genug. „Victims Of The Modern Age“ war z.B. von Anfang bis Ende sehr heavy. Ich denke, dass es kein catchy Album war im Vergleich zum ersten STAR ONE Album, was mehr nach dem Motto „Into galactic Spaaace“ (singt) war. Das neue war modern und heavy.

Diesmal hast du ein paar Sänger an den Start gebracht, die bereits in der Vergangenheit Teil des AYREON Universums waren und sie mit ein paar neuen zusammengeworfen. Was hat dich zu dieser Entscheidung geführt?

Naja, das Album heißt „The Source“, was so viel wie „Der Beginn“ bedeutet und dieses Album verkörperte für mich einen Neuanfang. Ab einem gewissen Punkt habe ich mich einfach dazu entschieden, dass ich die besten Sänger der Welt will. Ich wollte mich also nicht limitieren wie z.B. auf dem letzten Album, wo ich nur mit neuen Sängern zusammenarbeiten wollte. Diesmal wollte ich die besten der Welt, auch wenn ich mit manchen schon gearbeitet habe und ich werde es ohnehin wieder und wieder tun. Es war z.B. so eine Geschichte mit „Planet Y is alive“. Ich war mit meinem Hund im Wald unterwegs und hörte die Liedzeile aus dem Refrain. Ich dachte SOFORT, dass das Hansi singen muss. Und da dachte ich mir, dass ich auch andere wie Russell, Floor oder Tommy Karevik fragen könnte, wenn ich mich schon mit Hansi auseinandersetze.

Für mich ist der beste Sänger der modernen Zeit…

Karevik!

Exakt, er ist wirklich eine Art Wunderkind!

Und die Leute wissen es nicht! Die Leute sind immer so „Heeey Jorn Landeee“, aber Tommy ist der beste der Welt.

Wenn es um Emotionen geht, gibt es für mich keinen besseren Sänger.

Ich hatte ihn in meinem Studio und musste immer wieder weinen. Er war so nach dem Motto „Ey du Sissi, was heulst du?“ und ich habe weiter geflennt.

Es ist eine Schande, dass ihn nachwievor nur so wenige kennen. Ich kenne ihn seitdem er SEVENTH WONDER beigetreten ist und das „Mercy Falls“ ist ein unglaubliches Meisterwerk. Ich kann auf das neue Album echt nicht mehr warten…

Es kommt!

Durch KAMELOT kennen ihn natürlich jetzt weitaus mehr Leute, aber er verdient noch viel mehr Aufmerksamkeit meiner Meinung nach.

Und er kann ja auch noch viel mehr leisten! Er kann so viele Dinge tun, die er bei KAMELOT vielleicht nicht tun kann.

Diesmal konnte er leider nicht rüberkommen zu dir ins Studio, richtig?

Nein, leider nicht. Er tourte mit KAMELOT und arbeitete am neuen SEVENTH WONDER Album. Die gute Sache ist, dass er es in seinem Studio machen konnte und genau weiß, was ich von ihm erwarte. Ich habe es mir angehört und dachte nur „Es KANN nicht besser sein..“

Mit wem du diesmal wieder zusammengarbeitet hast, war der gute Tobias Sammet, was mich natürlich brennend interessiert! Um 2008 rum, wurde in den Medien eine Art Duell zwischen euch beiden inszeniert, da ihr jeweils eure „Metal Opera“ am selben Tag veröffentlicht habt. Allerdings hatte ich stets den Eindruck, dass ihr einander sehr respektiert?

Noch ein absolut unterschätzter Sänger! Natürlich ist er auch ein klasse Performer und klasse Songwriter, aber eben auch ein verdammt guter Sänger! Er zeigt auf „The Source“, was er imstande ist zu leisten. Er schrieb mich damals an mit den Worten „Du weißt wahrscheinlich nicht wer ich bin, ich bin Tobias Sammet und wir beide haben unsere Alben gerade draußen, wozu mich die Medien befragt haben. Ich sagte etwas, was ich nicht hätte sagen sollen, was mir im nachhinein leid tut… Wenn du es also jemals in einem Magazin liest, dann möchte ich, dass du weißt, dass es nicht so gemeint war.“ Ich reagierte darauf mit den Worten „Hey Man, ich sage ständig Sachen, die ich vielleicht nicht hätte sagen sollen. Es rutscht dir einfach über die Lippen.“ Anschließend wurden wir sehr gute Freunde, auch wenn wir uns nie gesehen haben. Wir haben extrem oft telefoniert und er ist einfach ein unglaublich lustiger Kerl. Hat einen großartigen Sinn für Humor! Ich habe ja auch auf dem AVANTASIA Album damals ein Solo gespielt. (Beide überlegen, welches Album es war…) Ich glaube „The Scarecrow“…

Hm… Nee, das war auf der Scheibe vor „Ghostlights“. Irgendwie entfällt mir heute alles.

Ja hm…

Naja, du hast da das Solo jedenfalls gespielt!

Genau! Und es gab 2008 noch die „Elected“ Single, die wir zusammen gemacht haben.

„The Mystery Of Time“! war es! Sorry, schoss jetzt gerade in meinen Kopf!

Ah klar, genau! „Elected“ war ja mehr oder weniger wie ein Joke. Sein größer Held ist Bruce Dickinson, mit dem ich bereits gearbeitet habe und mein größter Held ist Alice Cooper, der wiederum mit ihm zusammengearbeitet hat. Also hassen wir uns natürlich! Nein Quatsch… Wir sind sehr gute Freunde und er hat einen Wahnsinnsjob abgeliefert.

Lass uns über ein anderes Wunderkind sprechen, Mike Mills! Ich dachte nur „Wer zur Hölle ist dieser Typ?“ Ich meine, er hat beim Opening Track mit den simplen Lyrics „0101“ und so weiter quasi ein modernes „Bohemian Rhapsody“ kreiert. Wahnsinn!

Er schickt mir sowas nach einer Woche und fragt „Was denkst du darüber?“ (Lacht)

Du hast ihm NUR diese Lyrics geschickt und er hat das fabriziert?

Ich weiß einfach, wie brilliant er ist! Ich habe ihn auf youtube entdeckt, wo er „Bohemian Rhapsody“ auf einer Akustikgitarre gespielt und dazu gesungen hat. Er kann echt alles… Ein guter Drummer, ein kranker Gitarrist. Er spielt unglaublich schnell! Er singt klasse, kann komponieren und wenn ich manche Bands höre, denke ich immer noch „Wieso kennen das nur so wenige?“, was mir natürlich auch bei seiner Band TOEHIDER in den Sinn kam.

Es ist heutzutage einfach extrem schwer, eine große Fanbase aufzubauen.

Jap… Und er ist wirklich ein Genie!

Du hast ja auch mit einem sehr speziellen Sänger gearbeitet, Zaher Zorgatti von Myrath! Er hat nur einen sehr kleinen Part auf dem Album, was mich ein bisschen traurig gemacht hat, weil er ein so charismatischer Sänger ist! Er hätte eine größere Rolle übernehmen können.

Und er HATTE eine größere Rolle! Aber er hat schlichtweg nicht auf meine Mails reagiert. Irgendwann wurde ich ungeduldig, weil er nicht auf all meine Nachrichten reagierte, was ich einfach hasse. Daher musste ich jemand anderes fragen, was seine Rolle angeht. Und als er es dann endlich gelesen hat, hat er sich entschuldigt und wollte natürlich unbedingt diesen Part übernehmen, was zu diesem Zeitpunkt zu spät war. Allerdings haben wir dann eine andere Option gefunden, wo er noch einen kleinen Part in „Deathcry Of A Race“ bekam, der dann keinen Text hatte. Ich wollte unbedingt mit ihm arbeiten, also haben wir das so arrangiert. Und die Zukunft steht uns beiden ja noch offen!

Ich habe das Gefühl, dass „The Source“ diesmal keinen wirklichen Hauptprotagonisten in den Vordergrund stellt wie z.B. Tommy Karevik auf dem Vorgänger. Es wirkt eher wie ein Allstar Album, wo jeder ähnliche lange Parts übernehmen durfte.

Ich wollte diesmal keinen Hauptcharakter. „01“ hatte auch keinen wirklichen Hauptcharakter, „Human Equation“ dann natürlich den guten James Labrie. Vielleicht liegt es ja daran, dass ich die besten Sänger der Welt habe! Wem willst du da die Hauptrolle geben?

Ich war auch wirklich baff… Du hast in der Strophe Russell Allen und kurz danach singt ein Tobias Sammet. Einfach nur krass.

Ja, oder? Ich hatte alle Songs fertig und habe mir die Namen der Sänger ausgeschnitten und auf den Tisch gelegt, um zu überlegen. Jeder Sänger singt in ungefähr 9-10 Songs.

Fragen dich die Sänger eigentlich auch nach dem Konzept oder bekommen sie schlichtweg die Demos und singen?

Sie kriegen Demos mit vorab aufgenommenen Vocals und zumindest die Tendenz, wohin sich die Geschichte bewegt. Ich will sie nicht mit der Geschichte langweilen!

Dieses Mal gibt’s kein klassiches Making of, wo jeder Sänger zu dir ins Studio kam. Die meisten haben ihre Parts glaube ich im eigenen Studio aufgenommen, ist das richtig?

Ja, leider ließ sich das termintechnisch nicht anders vereinbaren bei vielen Sängern. Tommy Rogers hat zuhause aufgenommen, Tommy Karevik oder auch Tobias Sammet waren in ihren eigenen Studios. Michael Eriksen war z.B. bei mir in Holland! Es war also leider nicht wie bei „Human Equation“, wo fast jeder Sänger da war. Das ist also leider anders dieses Mal, aber es sind die besten Sänger der Welt! Sie sind beschäftigt und spielen in großen Bands. DREAM THEATER, BLIND GUARDIAN, KAMELOT, SYMPHONY X oder NIGHTWISH… Es war einfach nicht möglich.

Wie würdest du den Albumprozess als Ganzes beschreiben? Hat es einige Zeit in Anspruch genommen, das Album zu schreiben und aufzunehmen oder „did the source just flow?“ (Kleines extrem lustiges Wortspiel)

Dieses Mal hatte ich ein Gefühl, dass ich bisher nur bei zwei Alben hatte, nämlich „Electric Castle“ und „Human Equation“. Alles kam einfach zusammen. Artwork, der Cast, die Musik… Es war wirklich relativ einfach muss ich sagen. „Theory Of Everything“ hat’s mir da weitaus schwerer gemacht, genauso wie „01“. Da hauptsächlich, weil ich mit Depressionen zu kämpfen hatte. Wo ich einfach keine Musik mehr machen wollte. Dieses Mal war’s wirklich sehr einfach!

Und nun hast du ja die Chance, ein so großes Projekt wie AYREON auf die Bühne zu bringen mit vielen Special Guests! Bist du stolz darauf und wie sehen deine Gefühle bezüglich dessen grundsätzlich aus?

Es ist unheimlich!

Unheimlich? Wirst du dein Lampenfieber denn überwinden und auf der Bühne erscheinen oder…?

Ich muss! Die Leute kommen aus der ganzen Welt rüber!

Du hast also keine Wahl! Kein Kurzauftritt wie am Ende von der „Theater Equation“!

Nein, diesmal steige ich nicht nur aus dem „Dream Sequencer“ aus.

Obwohl auch das cool war!

Ja, aber nicht mal DA musste ich groß was machen und war trotzdem höllisch nervös und konnte wochenlang nicht schlafen! Diesmal muss ich spielen! Aber ich muss daran arbeiten und bald die Setlist zusammenstellen, alles für die Shows planen. Die Lichter, die Bildschirme, Effekte und so weiter…

Wir erwarten ein großartiges Bühnenbild, was die Story um AYREON gut in Szene setzen kann! Kannst du uns denn schon was über die Songs verraten, die ihr spielen werdet? Oder zumindest die Dauer der Show?

Die Songs kann ich nicht direkt nennen, aber wir werden von jedem Album mindestens zwei Songs spielen! Es gibt viele Bands, wo drauf geschissen wird, was die Leute hören wollen, aber mich interessiert das! Auf Facebook gibt’s eine Karte, wo man sehen kann, aus welchen Teilen der Welt die Fans zum Konzert kommen. Das ist unfassbar! Wenn du aus Bolivien kommst und dein Lieblingsalbum ist „Actual Fantasy“, wovon wir dann keinen Song spielen… Dann muss das beschissen für dich sein. Deswegen spielen wir Songs von jedem Album. Es sind nicht alles meine Lieblingssongs, sondern eben jene, die gut als Livesongs funktionieren werden. Das ist wichtig für mich.

Also ist es wahrscheinlich auch eine One-time-only Chance, um AYREON live zu sehen. Vielleicht gibt’s so eine Chance nicht mehr in der Zukunft?

Ja, natürlich gibt’s immer die Option, aber es ist nicht geplant.

Wie viele Sänger sind mit dir auf der Bühne?

16.

16!?

Jap! Das wird ne große Sache! Viel Organisatorisches, viel Logistisches…

Ich will nicht in deiner Haut stecken…

Hey, wir hatten zwei Jahre, um das alles zu planen! Wir haben jetzt seit einem Jahr konsequent daran gearbeitet. Es gibt ein komplettes Team dafür von 10 Leuten, die alle ihre eigenen Aufgaben bewältigen.

Wird es denn Aufnahmen davon geben?

Ja, auf jeden Fall! Wir filmen die ersten zwei Shows.

Also kriegen wir Blu-ray/ DVD Zeug und so weiter?

Absolut! Denn die Qualität der „Theater Equation“ war einfach nur schlecht… Totaler Scheiß. Die Kameraarbeit war scheiße, der Schnitt war scheiße.

Die Stimme von James war teilweise kaum zu hören!

Sein Mikrofon war kaputt und er konnte es nicht nochmal singen… Wir mussten also Computertricks anwenden. Die ganze Organisation war für den Arsch. Die Person, die es organisiert hat, ist einfach verschwunden. Er bezahlt die Leute nicht… Es geht um über 200.000 €… Ein Alptraum. Diesmal nehme ich es selbst in die Hand!

Dafür wünsche ich dir alles erdenklich gute! Wir sind schon am Ende des Interviews! VIELEN vielen Dank, es war mir eine riesige Ehre. Ich bin großer Fan deiner Musik!

Cool! Mir hat es auch sehr viel Spaß bereitet!


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