TANKARD - Gerre

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Wenn man sich die Nachrichten ansieht, muss man sich schon fragen, was los ist mit der Welt, außerdem kann einem echt Angst und Bange werden.

35 Jahre Jubliäum, dazu ein neues Studioalbum mit vielen kritischen Themen - wenn das keine verdammt guten Gründe dafür sind, TANKARD-Sänger Gerre mit Fragen zu löchern...

Veröffentlicht am 26.05.2017

Stormbringer.at: Servus nach Frankfurt! Erstmal gratuliere ich dir bzw. euch natürlich zum 35-jährigen Jubiläum, das erreicht man ja nicht alle Tage. Und selbstverständlich auch zu dem extrem gelungenen "One Foot In The Grave", das dem Jubiläum mehr als nur gerecht wird und meiner Meinung nach eines eurer besten Alben seit langer Zeit ist. Steht ihr schon mit einem Bein im Grab oder könnt ihr noch?

Gerre: Hallo Pascal! Vielen Dank für die Glückwünsche. Freut uns, dass Dir das Album so gut gefällt. Der Titel ist natürlich etwas selbstironisch gemeint. Frank und ich sind dieses Jahr 50 geworden. Wir machen seit 35 Jahren Metal und mittlerweile zieht es überall... man merkt eben das Alter ;)
Aber der Titel soll kein Ende der Band andeuten – ganz im Gegenteil! Es geht auf jeden Fall weiter mit TANKARD! Auf die nächsten 35 Jahre!


Stormbringer.at: "One Foot In The Grave" ist euer sage und schreibe 17. Album und da stellt sich natürlich unweigerlich die Frage, woher ihr nach all der Zeit überhaupt noch eure Inspiration nehmt. Die Journalisten, die bei der Listening Session vor Ort waren, meinten im Video dazu bereits, dass "One Foot In The Grave" eines eurer aus textlicher Sicht kritischsten und tempomäßig schnellsten Alben sein könnte, was man durchaus so unterstreichen kann. Wie kams dazu, dass eure Lyrics dieses Mal auch zeitpolitischen Bezug haben und von The Donald, dem Syrienkrieg und weiteren ernsteren Themen wie Religion handeln und hat sich das Tempo einfach nur den Themen angepasst? Ihr bringt das ja immer noch auf eure ureigene Art und Weise rüber, aber man hat schon den Eindruck, dass euch diverse Themen (berechtigterweise) richtig anpissen.

Gerre: Wir haben bisher auf allen Alben eine gute Mischung aus ernsten und spaßigen Songs – und so ist es auch auf dem neuen Album. Bisher lag der Fokus der Presse und der Fans meist eher auf den spaßigen Nummern, dieses Mal fallen die ernsten Themen einfach mehr auf. Das liegt vor allem an der krassen Zeit, in der wir im Moment leben. Wenn man sich die Nachrichten ansieht, muss man sich schon fragen, was los ist mit der Welt, außerdem kann einem echt Angst und Bange werden. Und da es vielen Leuten so geht, fallen auch unsere ernsten Texte einfach mehr auf als sonst. Wir hatten allerdings schon immer aktuelle und ernste Texte auf unseren Alben. Musikalisch ist das Album wohl etwas schneller und härter ausgefallen als die Vorgänger. Das kommt aber ganz natürlich zu Stande. Wir machen einfach, worauf wir Lust haben und die Songs entwickeln sich dann von alleine. Es ist auf jeden Fall im Vorfeld einer Produktion nicht wirklich klar, wohin die Reise geht, da lassen wir Alles auf uns zukommen.

Stormbringer.at: In diesem Video von der Listening Session im Februar wurde auch erwähnt, dass im Endmix noch zwei bis drei kleinere Dinge verändert vorkommen könnten. Hat sich seitdem tatsächlich noch etwas am Album getan (und wenn ja, was?) oder war man dann doch komplett zufrieden damit?

Gerre: Es gibt immer Kleinigkeiten, die einem mit etwas Abstand noch auffallen. Es ist aber nichts Gravierendes mehr verändert worden. Die Vocals wurden noch ein klein bisschen angehoben und die Running Order hat sich geändert, aber ansonsten ist alles so geblieben. Wir sind mit der Arbeit von Martin Buchwalter sehr zufrieden, der uns auch einen etwas anderen Sound verpasst hat.

Stormbringer.at: Mit "Secret Order 1516" hat's natürlich auch ein klassischer Bier-Song auf's Album geschafft, aber selbst hier lassen sich kritischere Zwischentöne erkennen. Worum geht's in dem Song genau bzw. hat er mit der bayerischen Landesordnung aus dem Jahre 1516 zu tun?

Gerre: Der Song handelt von Fracking, das den Bierbrauen das Grundwasser versaut und diese sich dagegen auflehnen, sonst wird es schwer Bier nach dem Reinheitsgebot von 1516 zu brauen. Als wir diese News gelesen haben, war dies natürlich ein gefundenes Fressen für uns. Also ein spaßiger Biersong mit einem ernsten Hintergrund!

Stormbringer.at: Im Gegensatz zu den drei Vorgängern habt ihr auf "One Foot In The Grave" nicht mehr mit Michael Mainx zusammengearbeitet, sondern mit dem Produzenten Martin Buchwalter, der ja vor geraumer Zeit mal euren Klassiker "Two-Faced" remastered hat. Aus der Sicht eines Laien wie mir war das die goldrichtige Entscheidung, da das Endergebnis, passend zur Attitüde des Albums, deutlich druckvoller und bissiger klingt. Wolltet ihr einfach nur einen "Tapetenwechsel", wie man so schön sagt, oder wie kam's zu dieser Entscheidung?

Gerre: Wir waren sehr zufrieden mit der Arbeit von Michael Mainx. Die letzten drei Alben waren aus unserer Sicht auch super produziert. Aber wie das im Musikgeschäft halt so ist: der Produzent, der am meisten Geld bietet, um mit so einer geilen Band wie uns zu arbeiten, der bekommt den Zuschlag haha...
Spaß beiseite, wir wollten einfach mal wieder was Neues ausprobieren. Wir kennen Martin Buchwalter schon sehr lange und es freut uns sehr, dass es dieses Mal geklappt hat. Er hat einen genialen Job abgeliefert, die Produktion ist super geworden und wir haben echt konzentriert zusammengearbeitet!

Stormbringer.at: Zum ersten Mal seit 13 Jahren hat euer TANKARD-Alien wieder seinen Weg auf's Artwork gefunden (das letzte Mal war's bei der "Beast Of Bourbon"). Hat das euer Artworkkünstler vorgeschlagen, oder war es eure bewusste Entscheidung, euer Maskottchen mal wieder auf die große Bühne zu schleifen? Und wer hatte die fast schon karikative Idee für das komplette Motiv?

Gerre: Die Idee für den Albumtitel und das Cover hatte unser Manager Buffo Schnädelbach, quasi das fünfte Bandmitgleid von Tankard. Wir fanden die Idee super, ursprünglich sollte ein Metalhead den Rollator schieben, da kam mir die Idee mit dem Alien. Danach mussten noch ein paar rechtliche Dinge abgeklärt werden und schon war eines unserer Maskottchen wieder da, das ja auch Namensgeber unseres Fanclubs „Maniac Aliens“ ist! Für mich persönlich gehört dieses Cover schon jetzt zu den Top 5 von Tankard.

Stormbringer.at: Eingangs habe ich ja schon leicht humoristisch angefragt, ob ihr noch könnt, aber um beim Thema Zukunft etwas ernster zu werden: Was habt ihr nach dem Meilenstein "35 Jahre" noch so vor, oder macht ihr euch darüber überhaupt keinen Kopf (mehr)?

Gerre: Sagen wir mal so, in unseren Reisepässen gibt es noch einige freie Flächen für Ein- und Ausreisestempel. Sprich: Wir denken noch lange nicht an's Aufhören, sondern wollen noch in vielen Ländern spielen, in denen wir noch nicht unsere Visitenkarte abgegeben haben. Des Weiteren spielen wir so viel Clubshows wie möglich und sind reichlich auf Fesivals vertreten (und endlich mal wieder Wacken nach 16 Jahren). Am 29.12 spielen wir hier in unserer Heimatstadt ein kleines Festival mit befreundeten Bands wie HOLY MOSES, PERZONAL WAR und SAPIENCY. Ein weiteres Highlight findet in gut 10 Tagen statt: Wir werden Im Rahmen des DFB-Pokal-Finales im Berliner Olympiastadion auftreten, um unseren Eintracht-Song zu performen. Ausserdem ist schon eine Menge für 2018 geplant!

Stormbringer.at: Kommen wir mal zu eurem Jubiläum. 35 Jahre sind natürlich ein extrem langer Weg, der wahrscheinlich auch tonnenweise Ereignisse für euch bereitgehalten hat. Was waren für euch, also neben der Veröffentlichung eurer Musik natürlich, die prägendsten Ereignisse über all die Jahre, was war das lustigste und was war das schrecklichste Erlebnis in eurer Karriere?

Gerre: Ich glaube, das Prägendste und Wichtigste war, dass wir speziell Mitte bis Ende der Neunziger nicht die Flinte ins Korn geworfen haben, als Thrash Metal ziemlich tot war! Wir hatten immer Spaß an der Musik, haben nie aufgegeben und hartnäckig unser Ding durchgezogen, NOT ONE DAY DEAD! In den letzten 35 Jahren gab es tonnenweise lustige Sachen, die hier alle aufzuzählen, würde echt den Rahmen sprengen. Schrecklichstes Erlebnis war mit Sicherheit die Attacke mit Steinen auf unseren Bus in Serbien, der entglast wurde. Hätte auch nur ein Stein den Fahrer getroffen, hätte das auch anders ausgehen können. Anscheinend wurden wir für verfeindete Hooligans gehalten, da war wohl irgendein Fussballspiel in der Nähe und wir waren zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort...

Stormbringer.at: Die Frage, wie ihr eure 17 Alben selbst seht und in welchem Ranking ihr sie aufstellen würdet, erspare ich dir an dieser Stelle einfach mal, aber gibt es im Nachhinein Alben in eurer Diskografie, mit denen du überhaupt nichts mehr anfangen kannst und welche kannst du auch heute noch ohne jeglichen erkennbaren Verschleiß hören?

Gerre: Wenn ich nach meinen Lieblingsscheiben gefragt werde, so sind das immer „Zombie Attack“ und das aktuelle Album, einfach das erste Album, weil damit Alles losging und das letzte, weil das alles noch relativ frisch ist und man so viel Arbeit reingesteckt hat. Also ich kann nachwievor noch mit allen Alben was anfangen, im Nachhinein würde ich jedoch am Sound von „Disco Destroyer“ und insbesondere „Kings of Beer“ noch was ändern!

Stormbringer.at: Im Grunde feiern heuer auch KREATOR und DESTRUCTION ihr 35-jähriges Jubiläum, SODOM hingegen waren letztes Jahr schon dran. Ist da vielleicht ein größeres Tourpackage in Arbeit, um das gebührend zu feiern, oder lässt/liesse sich das aufgrund der vollgestopften Terminkalender einfach nicht wirklich realisieren?

Gerre: Wir stehen dem ganzen grundsätzliche natürlich positiv gegenüber. Allerdings sind wir alle berufstätig, daher kommt für uns eine große Tour über Monate eher nicht in Frage. Bisher gibt es aber auch noch nichts Konkretes diesbezüglich, daher können wir nicht viel dazu sagen. Wenn der Tag X allerdings kommt, stehen wir natürlich Gewehr bei Fuß! 

Stormbringer.at: Ihr seid dieses Jahr noch auf diversen Festivals sowie auf Clubtour. Was dürfen eure Fans durch den mehr als nur besonderen Anlass von den Shows erwarten?

Gerre: Da haben wir uns ehrlich gesagt nichts Spezielles vorgenommen, wir sind tatsächlich noch am Leben und wollen mit unseren Fans einfach nur eine geile Thrashmetal-Party feiern! Bei der Batschkapp-Show im Dezember in Frankfurt wird sicherlich das eine oder andere Schmankerl mit eingebaut!

Stormbringer.at: Zum Abschluss dieses Interviews möchte ich noch kurz zum Thema Fußball: Wird Frankfurt Pokalsieger und werdet ihr im Olympiastadion zugegen sein? Und wie siehst du die Entwicklung des Vereins seit dem Einstieg von Niko Kovac und seinem Stab?

Gerre: Wie schon erwähnt, wir sind vor Ort und permormen unseren Eintracht-Song eine halbe Stunde vor Spielbeginn vor der Eintracht-Kurve! Wir gewinnen das Endspiel 13-12 nach Elfmeterschiessen, spielen nächste Saison Euro-League und werden mit dem Abstieg nichts mehr zu tun haben! Punkt! Aus! Fertig!

Stormbringer.at: Ich bedanke mich recht herzlich für die Zeit und das Interview und überlasse dir die Bühne für die letzten Worte an unsere Leser und natürlich eure Fans!

Gerre: Wir hoffen, dass allen unsere neue Scheibe gefällt und möchten uns auf diesem Weg ganz bei den Fans ganz herzlich für den Support in den letzten 35 Jahren bedanken! Auf die nächsten 35! Thrash Metal will never die!!!! 

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Natürlich gibt es zu "One Foot In The Grave" auch eine ausführliche Rezension, ihr findet sie hier.


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