ZEREMONY - Frank, Ilja, Daniel S.

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Platon hat ja schon 370 Jahre vor Christus Songs über Menschen, Leben, Tanzen, Welt, die Liebe, das Leben und spirituelle Drogenerfahrungen geschrieben. Das wurde dann, was die wenigsten wissen, erst 1970 wieder aufgegriffen und wird sicher 2070 noch Thema sein.

Alle 70ies Platten wieder totgehört? Macht nix! Die fantastische Band ZEREMONY aus Bayern sorgt für Nachschub mit unwiderstehlicher Anziehungskraft. Und STORMBRINGER macht euch gerne miteinander bekannt!

Veröffentlicht am 30.06.2017

ZERMONY lieben Musik, das erkennt man an ihrem Sound und an ihrem gesamten Auftreten. Durch die humorvollen Antworten, die ihre ernsthaften Ambitionen durchscheinen lassen, wird dieses Interview zu einer sehr entspannten und informativen Sache. Und heute Abend läuft dann auch mit Sicherheit "Soul of the Zeremony" durch eure knarzenden Lautsprecher - sofern ihr euch vom Geist der 70er Jahre einlullen lassen mögt.


Ist ZEREMONY eine Band, die besser live kommt oder über die knarzenden Lautsprecher einer verrauchten Kneipe? Wo sind eure Fans eher anzutreffen?

Frank: Unsere Musik kommt auch live oft aus den knarzenden Lautsprechern einer verrauchten Kneipe. Dort treffen wir auch die meisten unserer Fans der ersten Stunde an. Rock´n´Roll gehört einfach auf eine Bühne, sei es ein Auftritt in der Kneipe oder auf Festivals. Die Leute sollen unsere Energie spüren und in sich aufnehmen. So entstehen Momente, die man nie vergisst. Allerdings freuen wir uns natürlich auch, wenn die Leute sich ein Stück unserer Musik mit nach Hause nehmen.

Welche Zeremonien werden denn so im Bayerischen Würzburg abgehalten? Wann habt ihr euch dazu entschlossen, den Geist des Rock heraufzubeschwören - erzählt uns ein wenig über die Band-Historie.

Frank: Ilja und ich haben zusammen angefangen uns zum regelmäßigen Jammen zu treffen und dabei ist der Geist des 70ies Rock wie von selbst aus uns herausgekrochen. Dann wenig später, als Daniel mit seinem Orgelsound dazukam, hat sich der Geist für immer bei uns im Proberaum eingenistet und treibt uns seitdem stetig weiter an, den Sound der 70er heraufzubeschwören.

70er Blues Rock mit Psychedelic Einlagen gewinnt wieder an Boden. Worüber lohnt es sich 2017 zu singen?

Ilja: Bei uns entsteht immer zuerst das Instrumentale. Das Gefühl, das der Song ausstrahlt, wird mit den Lyrics komplettiert. Ich will, dass Musik und Texte eine Symbiose eingehen und artikuliere mich in einer positiven oder negativen Stimmung, je nachdem, ob die Basis düster und heavy klingt oder grooved und gute Laune macht. In unseren Songs thematisieren wir mal mythologische Erzählungen, verrückte Ereignisse, die Liebe oder die magische Power des Rock’n’Roll.

Worüber wird man 2070 singen?

Ilja: Platon hat ja schon 370 Jahre vor Christus Songs über Menschen, Leben, Tanzen, Welt, die Liebe, das Leben und spirituelle Drogenerfahrungen geschrieben. Das wurde dann, was die wenigsten wissen, erst 1970 wieder aufgegriffen und wird sicher 2070 noch Thema sein.


Von li. nach re.: Frank (Drums), Ilja (Vocals, Guitar), Daniel (Organ)

"Soul of the Zeremony" kommt frisch aus der Schmiede und ist noch heiß und scharf wie eine saftige Pizza Diavolo. Mit welchen Zutaten habt ihr die Scheibe sonst noch belegt?

Frank: Eine Pizza ist ja eher ein einfaches Gericht, aber wenn man sie mit ganz viel Liebe macht, wird etwas Besonderes daraus. Ebenso teuflisch wie eine Pizza Diavolo ist auch unsere Scheibe mit scharfen Zutaten belegt. Die Basis bilden natürlich heavy Hammond Orgel-Licks, kiloweise kreischende Gitarrenriffs und wuchtige Drums. Verfeinert haben wir das Ganze dann noch mit Zutaten aus dem Proto-Metal und einer Prise Genre-fremder und progressiver Einflüsse. Dann noch reichlich energetische Vocals darüber gestreut und ab in den Ofen.

Wo und unter welchen Umständen habt ihr das Album aufgenommen?

Daniel S.: Aufgenommen haben wir im ehemaligen Schweinestall auf dem Hof von Franks Oma. Wenn man aufmerksam hinhört, kann man auf der CD vielleicht im Hintergrund das ein oder andere Tiergeräusch hören. Spaß beiseite - der Raum, in dem wir sonst auch proben, hat für den Großteil der Aufnahmen herhalten müssen, für die wir letzten Sommer einige Wochenenden dort verbracht haben. Klar ist das kein professionelles Studio, das hat unser Budget einfach nicht hergegeben, aber wir hatten viel Spaß zu tüfteln, um dabei den bestmöglichen Sound rauszuholen und sind mit dem Ergebnis auch zufrieden.

Was gibt es über Aufnahmetechniken von Hammond Orgeln zu berichten? Hören wir auf dem Album eine echtes Instrument oder sind die Töne mit PC-Programmen entstanden?

Daniel S.: Mit der Aufnahme der Hammond Orgel haben wir lange experimentiert. Ich spiele daheim eine Hammond RT3 (die große Schwester der berühmten B3) mit einem Leslie 760. Mit der haben wir auch Aufnahmen gemacht und ich muss sagen, sowohl vom Spielgefühl als auch vom Klang geht nichts über das analoge Original. Jedoch ist es gar nicht so leicht, den rotierenden Sound des Leslies mit Mikrofonen so einzufangen, dass er auch auf Kopfhörern und im Bandkontext gut und realistisch klingt. Da spielt die Raumakustik eine sehr große Rolle und die hat der Keller, in dem die RT3 steht, schlicht nicht hergegeben, weshalb wir da leider digital nachhelfen mussten. Fürs nächste Album finden wir aber hoffentlich eine Lösung, den wunderbaren Klang von Hammond und echtem Leslie auf Platte zu bannen, idealerweise ohne die über 200 kg schwere Orgel aus den Katakomben zu heben.

Von der im Januar veröffentlichten Demo hat es nur das Lied "You`re evil" nicht auf das Album geschafft. Dieser Song klingt, sobald er in Fahrt gerät, wie eine wütend ausgestoßene Beschwörungsformel. Wovon handelt er? Womit hat er sich für die Weiterverarbeitung disqualifiziert? 

Ilja: Der Song soll auf unserem nächsten Album landen. Es geht darum, wie viel Schreckliches und Böses sich Menschen antun. Und genau dieses Böse verkörpert das angesprochene und beschworene Wesen im Song.

Welche Möglichkeiten bieten sich euch für Auftritte? Ist abzusehen, wann und wo man euch live sehen können wird?

Ilja: Wir wollen Ende diesen, Anfang nächsten Jahres eine kleine Clubtour machen. Die Planung läuft gerade, mal sehen wohin es uns verschlägt. Am besten einfach mal die Facebook-Veranstaltungen abonnieren.
http://www.facebook.com/pg/zeremonyband/events/?ref=page_internal

Gibt es Seventies-Einflüsse jenseits der Musik auf euch?

Daniel S.: Mir gefällt das typische Design der 70er, also Muster, Farben und Formen, aber auch Kleidung, die damals “in” war.

Frank: Die Kleidung der 70er ist echt abgefahren und deshalb werfen wir uns auch regelmäßig in Schale, wenn es auf die Bühne geht. Außerdem steh ich total auf die Bartmode (Schnauzer) der 70er.

Könntet ihr euch vorstellen, irgendwann ein Konzeptalbum aufzunehmen, das Vorgänge aus diesem Jahrzehnt behandelt? Oder vielleicht einen musikalischen Blick in die Zukunft wagen, aus der Perspektive von vor 40 Jahren?

Daniel S.: Ich persönlich bin ein großer Fan von Konzeptalben, die eine interessante Geschichte erzählen und diese noch passend musikalisch untermalen. Wir haben zwei Nummern im Programm, die sich inhaltlich und musikalisch ein wenig von den anderen abheben und die als Grundstein für ein Konzeptalbum geeignet sind. Live finde ich Konzeptalben allerdings schwierig, da einerseits etwas verloren geht, wenn man einzelne Songs losgelöst aufführt, andererseits auch beliebte ältere Songs spielen möchte und im Sinne der Dramaturgie sowohl auf Spannungsbogen als auch auf Spielzeit achten muss.

Ilja: Inhaltlich die Vorgänge unserer Zeit zu behandeln finde ich eine interessante Idee. Mir würde es aber schwer fallen aus den Vorgängen aus diesem Jahrzehnt eine Auswahl zu treffen, die möglichst Raum für eine Geschichte bietet und in der Zukunft als typisch für diese Zeit bewertet werden würde. Und irgendwie müsste das dann auch noch musikalisch zu uns passen.

Ich könnte mir vorstellen, dass eure Eltern "Soul of the Zeremony" rauf und runter hören. Ist das so? Wie finden sie das Album?

Frank: Die Eltern sind ja bekanntlich immer die größten Fans und das hat sich auch bei uns bewahrheitet. Das hat aber auch viel damit zu tun, dass sich die Generation unserer Eltern durch unsere Musik in die guten alten Zeiten zurückversetzt fühlt. Das ist natürlich eine wahnsinnige Ehre und es freut uns, dass wir den 70ern wieder neues Leben einhauchen können. Außerdem begeistert es uns, wenn Jung und Alt vor der Bühne stehen und gemeinsam zu unserer Musik tanzen.

Habt ihr euch einen Punkteplan für die nähere Zukunft gemacht? Wie kann man mit einer kleinen Band aktiv und sichtbar bleiben, wenn gerade keine Gigs in Aussicht sind?

Ilja: Wir versuchen natürlich so viel auf der Bühne zu stehen wie möglich. Daneben ist das Songwriting für unser erstes Full-Length Album auch in vollem Gange. Wir haben aktuell ca. 13 neue Songs, die wir bald aufnehmen möchten. Es ist natürlich ideal, dafür die Pausen zwischen Auftritten zu nutzen.

Ansonsten lohnt es sich natürlich, uns bei einschlägigen Social-Media Plattformen zu abonnieren: Wir posten immer wieder Bilder und Videos aus dem Proberaum, stellen neue Songs und Riffs vor und versuchen ganz allgemein, einen Einblick in das zu geben, womit wir uns gerade in der Band beschäftigen.

Wie groß ist euer Ehrgeiz, mit ZEREMONY weiter zu bestehen?

Frank: Wir sind zwar noch am Anfang, aber mich beschleicht das Gefühl, dass der Geist des 70ies Rock noch lange in unseren Adern pulsieren wird. Der enorme Spaß, den wir beim Proben und auf der Bühne haben, wird uns immer weiter antreiben, Musik zu machen und uns neueren, größeren Aufgaben zu stellen.

Vielen Dank für das Gespräch, wir setzen jetzt zum Zeitsprung an!


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