JIMMY GLITSCHY DER EINARMIGE KARUSSELLBREMSER - Gelenksteffen aka Marek

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Außerdem finde ich es spannend, einfach was neues auszuprobieren, auch auf die Gefahr hin, dass einige Leute das ablehnen, weil es eben nicht den szenetypischen Mustern entspricht. Wenn alle immer das Gleiche machen würden, dann würden wir jetzt immer noch auf der Knochenflöte rumalbern!

Verloren in der Wüste, von der Hitze geschunden, hatten JIMMY GLITSCHY DER EINARMIGE KARUSSELBREMSER die Wahl zwischen einer Gallone Wasser und einzigartigem Disco Sound. Sie öffneten sich eine Flasche Schnaps und entschieden sich für die Tanzmusik!

Veröffentlicht am 18.08.2017

Wenn man sich oft und lange in der Desert Area aufhält, kann es so wirken, als würde ein Sandkorn dem anderen gleichen. Wem hier der Sprit ausgeht, verliert schnell die Orientierung. Aber mit etwas Glück kreuzt die STORMBRINGER-Karavane den Weg der Verlorenen! Er wird sie in die Wüste von Jena befördern, wo der Sand pink schimmert und Männerschweiß nach Rosenwasser duftet! Dort haben sich JIMMY GLITSCHY DER EINARMIGE KARUSSELLBREMSER ein eigenes Reich erschaffen!


Amerikaner lieben Abkürzungen. In den USA würde man euch vermutlich "JGDEKB" nennen, aber ich unterschlage einfach das "DER EINARMIGE KARUSELLBREMSER", wenn´s recht ist.

Hi, alles klar. Wär aber geil in allen Ankündigungen etc. immer den vollen Titel zu nehmen, auch wenn das nervt. (lacht)

JIMMY GLITSCHY mixen Stoner Rock mit Disco Sounds (hier und da brummt sogar mal ein Doom-Riff auf). Das ist endlich mal wieder eine neue Idee. Wie kam das?

Tja, das ist mal wieder so eine Geschichte, ich habe durch Zufall in 'ner Kneipe in Schweden den Jimmy, unseren ersten Bassisten, getroffen und bei fünf bis zehn Bier über Mucke und Bands gefachsimpelt, bis dann am Ende des Abends per Handschlag besiegelt wurde, eben eine Band zu gründen. Bedingung war aber, dass auf jeden Fall zwei absolut unvereinbare Musikstile miteinander verbunden werden müssen. Da wir beide auf schwere Riffs stehen, war schon mal klar, dass es irgendwie in die Richtung Stoner/Doom/Blues aber auch anderer „Vorbilder“ unserer Jugend gehen sollte. Das reicht also von SYSTEM OF A DOWN, RAGE AGAINST THE MACHINE über BLACK SABBATH, aber eben auch so Sachen wie DEEP PURPLE, mit denen mein Vater mich quasi an Musik herangeführt hat. Aber irgendwie sollte das Ganze, wahrscheinlich auch etwas dem Bierkonsum an diesem Abend geschuldet, Elemente enthalten, die irgendwie gar nicht gehen, und da fiel uns eben nur „Tanzmusik“ ein.

Irgendwann haben wir uns dann tatsächlich getroffen, das ausprobiert und waren wie weggeblasen vom Ergebnis und merkten: "Hey, das funktioniert tatsächlich". Da war uns auch klar, dass wir den Spaß an Rock’n’Roll und deftiger Musik wieder zurück auf die Bühne bringen müssen. Es war uns auch bei vielen anderen Stilen alles irgendwie zu ernst und mit zu viel Regeln verbohrt. So wie, ja das muss genau so und so klingen, oder sowas. Darauf hatten wir einfach keinen Bock.

Außerdem finde ich es spannend, einfach was neues auszuprobieren, auch auf die Gefahr hin, dass einige Leute das ablehnen, weil es eben nicht den szenetypischen Mustern entspricht. Wenn alle immer das Gleiche machen würden, dann würden wir jetzt immer noch auf der Knochenflöte rumalbern! (lacht)

Der ungewöhnliche Soundclash beginnt auf eurem selbstbetitelten zweiten Release zaghaft, kommt dann aber in Fahrt und übertrifft die Erwartungen sogar. War die Reihenfolge der Lieder bewusst so gewählt, um die Zuhörer nicht zu überfordern, oder waren das vielleicht sogar zwei Sets, die zu verschiedenen Zeitpunkten entstanden sind?

Das ist eine gute Frage (lacht). Eigentlich war das gar nicht so bewusst geplant. Das waren einfach die Songs, die wir zu dem Zeitpunkt hatten und die uns gefielen. Vieles ist auch bedingt durch den Platz auf einer Vinyl, da muss man immer ein bisschen schauen, dass man alle Songs gut verteilt. Aber das war keine bewusste Entscheidung.

Es gab ja 2011, gleich im Jahr der Bandgründung, noch eine EP namens "Dance or Die", mit ein paar Liedern, die später wiederkamen. Das klingt, als hättet ihr gleich gewusst, in welche Richtung es gehen sollte.

Japp, das ist wahr, das ist auch unser Motto bis heute. Wir wollen, dass schwere Gitarrenmusik aus dieser „Wir nicken mitm Kopf und stehen rum“-Ecke rauskommt und die Leute einfach das Gefühl haben, jetzt kann ich einfach mal loslassen und abdancen, egal wie das aussieht (lacht). Warum darf heftige Musik nicht auch zum Tanzen da sein? Wir haben auch schnell gemerkt, dass das live super funktioniert. Es passiert uns immer noch, dass wir an Orten spielen, wo wir vorher noch nicht waren und die Leute geradezu dankbar sind, dass jemand sich das traut. Oft kommen dann Kommentare wie: "Man, auf sowas habe ich schon so lange gewartet" oder so. Das tut sehr gut.

So gegensätzlich wie eure Musik ist auch das JIMMY GLITSCHY-Merchandise. Bei euch kann man sich mit rosarotem Plüsch eindecken, aber die Bandshirts sind klassisch Desert-Style. Mischt ihr auch Cola mit Jägermeister?

Bei uns gibt es keine Tabus und keine „NoGos“, deswegen haben wir es manchmal schwer mit der „Musikpolizei“. Und ja, wir mischen auch mal Cola mit Jägermeister.
Beim Stil der Alben und der Shirts machen wir einfach das, was uns gerade gefällt, das schwankt dann halt auch mal. Oder wenn jemand 'ne Idee hat, dann werden eben auch JIMMY GLITSCHY-Klodeckel ins Merch mit aufgenommen. Die sind dann übrigens auf Tour meistens nach einer Woche ausverkauft.

Ein JIMMY GLITSCHY-Song heißt "Fuzzmatazz". Das klingt ganz danach, als ob einer von euch in die Geschäfte von Fuzzmatazz Records verwickelt ist! Gesteht!

Haha, gut erkannt, ja wir gestehen. Nein, das Label wurde lange nach dem Entstehen des Songs von einem von uns gegründet und passend für den Stil der Bands eben nach dem Song benannt. Ist ja auch eine schöne Hommage.

Erkläre bitte mal einem Außenstehenden wie mir, wann man den Entschluss fasst, ein großes finanzielles Risiko mit der Gründung eines Plattenlabels einzugehen.

Naja, in erster Linie ist es vor allem viel Arbeit. Aber da es sich um ein sehr kleines Label handelt, ist das noch überschaubar. Aber ein Risiko und eine Herausforderung war das schon. Es gab damals zur Entstehungszeit des Labels aber einfach so viel kreatives Potential in Jena, dass der Schritt irgendwie nahe lag. Es war irgendwie sinnvoller, dass solche Aufgaben wie: „Wo lass ich ne Platte pressen?“, „Wie krieg ich die Scheibe bei Spotify rein?“, „Wie läuft das mit der GEMA“ und dieser ganze Orga-Kram in einer Hand liegen und nicht jede Band da als Einzelkämpfer auftreten muss.

Welche Art von Bands sollten sich zwecks Vertragsabschluss idealerweise an Fuzzmatazz Records wenden? Was ist da möglich und was nicht?

Wir arbeiten meist mit Bands zusammen, zu denen es einen persönlichen Bezug gibt. Generell ist ein Label für eine Band dann sinnvoll, wenn das Organisatorische in punkto Platten pressen, Presswerke, Digital Release, GEMA zu viel wird und man das abgeben möchte. Auch haben die meisten Bands keinen eigenen online-Shop oder sowas. Aber es macht für uns nur dann Sinn, wenn Bands viel live unterwegs sind und selbst sehr engagiert. Die Aufgabe eines Labels ist ja eigentlich nur, den Fans die Möglichkeit zu geben, an die Musik zu kommen, und das möglichst einfach. Man sollte da als Band auch keine Wunder erwarten. (Hier geht's zur Homepage!)

Wie steht es um die Stoner Rock-Szene in Deutschland? Besteht sie nur noch aus Teilzeitfans, die unter Alkoholeinfluss auf Festivals alle Genres der Welt feiern?

Da mach ich mir derzeit überhaupt keine Sorgen. Wer die Festivals und Besucherzahlen beobachtet stellt fest, dass diese Musik derzeit sehr viel Gehör findet, was wir natürlich super finden. Selbst in Wacken durften etliche Größen der Szene wie CLUTCH, RED FANG oder TRUCKFIGHTERS einen zum Besten geben. Das zeigt, dass auch in der Metal-Szene diese Art der Musik mittlerweile ein Zuhause hat.

Zum Glück gibt es ja noch solche Perlen wie das Fuzzmatazz-Festival in Jena! Seit wann gibt es das?

Eigentlich erst seit ein paar Jahren, wir machen das auch eher in unregelmäßigen Abständen, je nach Zeit. Zum Glück haben wir hier einen der besten Clubs für Livemusik in ganz Deutschland, den Kulturbahnhof der Leute von Cosmic Dawn (Kulturverein, Anm. d. Autors).

Worauf legst du bei dem Festival wert? Wann und wie oft findet es statt? Und wie darf, soll und muss sich das in Zukunft entwickeln?

Ich habe da eigentlich keinen Plan, wir laden einfach Bands ein, auf die wir Bock haben und los geht’s! (lacht)

Auf Facebook ist euer neues Album "They Sleep, We Live!" auf "Sexy as hell red translucent Vinyl" angekündigt. Habt ihr weiter am Disco-Stoner gefeilt oder seid ihr diesmal von dieser Idee abgekommen?

Das Album ist etwas luftiger geworden, aber wir bleiben da, glaube ich, immer noch ein gutes Stück bei unserem Sound. Aber es gibt natürlich kein Gesetz, dass Songs so und so klingen müssen. Wenn es uns gefällt, machen wir das einfach. Wir machen da keine großen Pläne oder sowas.

Oftmals passiert das auch in wenigen Minuten, wir sind eigentlich keine Band, die grundsätzlich sehr lange an Songs arbeitet. Wir sind auch immer viel zu ungeduldig und spielen neue Nummern schon liv­e - da würden andere Bands noch Wochen dran feilen. Wir sind da wie kleine Kinder, die einfach nicht drauf warten, bis es den Kuchen gibt, sondern einfach vorher schon naschen wollen. (lacht)

Ist es elektronischer und habt ihr euch auf eine bestimmte Sache fokussiert?

Nein, es ist sogar eher etwas mehr oldschool als die ersten beiden Scheiben. Wir haben diesmal versucht, das Ganze ein wenig zu entschlacken und luftiger zu halten vom Sound her. Also keine Gitarrenwände, sondern live im Studio zusammen aufgenommen. Dann auch möglichst wenig Overdubs oder sowas. Außerdem haben wir während der Aufnahme eine Orgel im Studio entdeckt, die musste dann einfach zum Einsatz kommen (lacht). Vieles passiert auch erst im Studio. Wenn da was rumsteht, das uns interessiert, dann nehmen wir das in die Songs mit auf und so ändert sich ein Song auch mal ganz schnell.

Ich finde, ihr bringt frischen Wind in die Wüste und haltet das Genre mit am Leben. Danke für die Antworten und bis bald bei STORMBRINGER - The Austrian Heavyzine!

Hey Danke, und gerne!


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