DARK TEMPLE - Ryan

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Ich denke, dass Musik-Alben vor der Zeit der Pro-Tools mehr Charakter hatten, als sie es jetzt tun. Und die Produktion hob den Charakter noch hervor. Aber heute klingt wegen dem Computer-basierten Recording alles sehr ähnlich. Außerdem gibt es für den Musiker keine Einschränkung mehr. In den alten Zeiten musste man sogar darauf achten, wie viele Tracks man aufnehmen konnte und so weiter.

DARK TEMPLE sind deutlich von THIN LIZZY, GHOST und QUEENS OF THE STONE AGE beeinflusst und schaffen es trotzdem, durch Eigenständigkeit etwas Neues zu kreieren! Science Fiction spielt dabei eine nicht unerhebliche Rolle. Wie das zusammenpasst, erfahrt ihr hier!

Veröffentlicht am 29.08.2017

Bei manchen Bands bekommt man als Interviewer das Gefühl, dass den Musikern gar nicht klar ist, wie viel Spaß ihre Musik den Zuhörern bereitet. Ob es nun daran liegt, dass DARK TEMPLE mit ihrem Debüt neu im Geschäft oder die jungen Australier von Natur aus eher bescheiden sind, ihr selbstbetiteltes Album sollten sich Leute mit Faible für handgemachte Musik der letzten Jahrzehnte jedenfalls nicht entgehen lassen! Sänger Ryan klärt uns über die Hintergründe auf.


Ihr kommt aus Melbourne! Sieht aus, als würde die Stoner, Doom und Psychedelic Szene dort wachsen. Man kann eine Menge geiler Bands bei euch finden. Seht ihr das auch so?

Ja, ich denke auf jeden Fall, dass hier in Melbourne diese Szene wächst, aber auch auf der ganzen Welt.

In was für Bands habt ihr vorher gespielt?

Wir haben in den letzten Jahren in ein paar lokalen Band gespielt. Keith, unser Drummer, war in einer Doom-Band, bevor wir zusammen jammten, und Bernard, unser Bassist, spielt noch in einer Stoner Band.

von li. nach re.: Scott (Guitar), Keith (Drums), Ryan (Vox, Guitar, Synth, Theremin), Bernard (Bass) 

Wo habt ihr das Album aufgenommen?

Die Drums wurden bei unserem guten Freund Josh Whitehead in den Crosstown Studios in Melbourne aufgenommen. Er erzeugt wirklich warme Klänge. Wir nahmen "straight to tape" auf, um den Oldschool-Sound zu erzeugen. Gitarren, Synth und Vocals wurden in meinem Haus aufgenommen.

Habt ihr eine besondere Methode zur Vorbereitung oder eine bestimmte Inspiration?

Nein, nicht wirklich. Wir wollten, dass die Drums erdig klingen, also nahmen wir in einem Raum auf, der ihnen zu trockenem Klang verhalf. Wir suchten den frühen THIN LIZZY- und alten Synthesizer-Sound von Prog Bands.

Ihr steht gerade erst am Anfang. Habt ihr die Möglichkeit für eine Club Tour und bekommen wir dann Live-Footage zu sehen?

Momentan versuchen wir lokal Fuß zu fassen, aber natürlich würden wir gerne eine kleine Tour im Landesinneren, in nicht allzu ferner Zeit, machen. Zusätzlich wäre eine Übersee-Tour denkbar, wenn wir die Möglichkeit bekommen. Live-Aufnahmen werden wir auch in Angriff nehmen.

Surrealismus ist aus der Medienlandschaft heutezutage fast gänzlich verschwunden. Alejandro Jodorowsky, H.R. Giger, Moebius, Salvador Dali und viele andere hatten einst auch großen Einfluss auf Musik. Die genannten Künstler haben aber keine echten Nachfolger. Was inspiriert heute junge Bands und was verleitet sie dazu, Mind Music zu kreieren? Was sind euere Hintergründe und eure Motive?

Bei uns ist es definitiv andere Musik. Und ich bin ein großer Film-Fan, ich liebe alte Horrorfilme, Science Fiction aus den 70ern und 80ern. Und ich finde Soundtracks sehr inspirierend. Bücher eignen sich auch hervorragend für neue Ideen bei den Lyrics. Und wie könnte man Youtube nicht nennen?

Wer ist für das gelungene Coverartwork verantwortlich?

Bernard Hickey, unser Bassist, hat das Artwork zusammengestellt.

Auf der DARK TEMPLE Bandcamp-Seite ist das unter den Tags "Sci-Fi" neben "Stoner" gelistet. Das beschreibt euren Sound sehr gut, dessen Mixtur dem Zuhörer auch mit altbewährten Zutaten ein ganz neues Feeling verschafft - um nicht zu sagen, dass es ein neues Genre definieren könnte. Wie wird sich das weiterentwickeln?

Davon weiß ich ja gar nichts... Aber wir arbeiten an neuen Songs. Sie befinden sich noch im Entwicklungsstadium, aber sie klingen bereits ein wenig dunkler als das Material auf dem ersten Album. Danke für das Kompliment übrigens!

Letztens unterhielt ich mich mit Freunden darüber, wie oft Fans genervt sind von überproduzierten Alben international erfolgreicher Bands und wie wenig die Künstler davon mitbekommen müssen. Außerdem stellte sich die Frage, ob man beim Stoner-Nachwuchs wieder mehr Einfluss von Urgesteinen wie KYUSS und QUEENS OF THE STONE AGE erkennen kann.

Ich denke, dass Musik-Alben vor der Zeit der Pro-Tools mehr Charakter hatten, als sie es jetzt tun. Und die Produktion hob den Charakter noch hervor. Aber heute klingt wegen dem Computer-basierten Recording alles sehr ähnlich. Außerdem gibt es für den Musiker keine Einschränkung mehr. In den alten Zeiten musste man sogar darauf achten, wie viele Tracks man aufnehmen konnte und so weiter. Bei vielen meiner Lieblingsalben kann man beispielsweise heraushören, dass sie mit simplem Equipment oder kleinem Budget aufgenommen wurden. Ich mag es, wenn ich erkennen kann, dass es nicht perfekt ist. Und zu deiner zweiten Frage kann ich sagen, dass wir von beiden Bands beeinflusst sind.

Jedes Lied auf eurem Debüt weist eine plötzliche Wendung auf, die zum Klang einer bestmmten Epoche führt. Es klingt wie eine Hommage an ehemals populäre Genres. Wie bereits erwähnt, harmoniert es mit den sanften Sci-Fi-Tönen, die sich aber von Retro-Future-Klängen unterscheiden. Hast du eine Vorstellung, wie man das weiter ausbauen könnte?

Nicht wirklich. Wir zollen mit dem Album Tribut an den alten Sound. 70`s Prog-Bands haben den Charakter des Albums bezüglich der Verwendung von Synthesizern definiert, aber auch Psychedelic Rock- und Thrash-Bands aus den Achtzigerjahren.

DARK TEMPLE-Songs fehlt es nicht an coolen Grooves. Sind sie eher bei den Jam Sessions entstanden oder war es eine bewusste Entscheidung während der Produktion?

Ich weiß nicht, ob es zwingend eine bewusste Entscheidung war. Die Lieder entstanden eher intuitiv, aber beim Jammen prüften Keith, unser Drummer, und ich, ob sie live auch eine Wirkung entfalten würden. Ich vermute, es hat zum Groove beigetragen, dass die Songs auf der Gitarre entstanden.

Warum habt ihr eigentlich keine Lyrics auf Bandcamp veröffentlicht?

Um ehrlich zu sein, es war einfach Faulheit. (Lacht)

Wovon handeln sie?

Aliens, Space Cults, Bedrohung, wie uns die Welt schließlich zerkauen und ausspucken wird - die alltäglichen Sachen halt.

Euer Debüt ist gerade erst ein paar Tage alt, aber ich kann es gar nicht abwarten, neues Material von euch zu hören. Vielen Dank, dass ihr uns von eurer Band erzählt habt und auch für den erfrischenden Sound! Wir wünschen euch viel Erfolg und die Fans werden euch bei STORMBRINGER - The Austrian Heavyzine wiedersehen!

Vielen Dank für das Interview!


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