GRAVE PLEASURES - Mat McNerney

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Als Musiker solltest du deine Kunst atmen und leben, weil dein Werk zu hundert Prozent DU sein sollte. Ich versuche das, in der Hoffnung den Menschen Freude zu bringen, weil es das ist, was die Musik mir gegeben hat - sie hat mein Leben gerettet. Wenn du dann Feedback von den Fans bekommst, dass du ihnen genauso hilfst, ist es das beste Kompliment das man nur kriegen kann.

Was als konventionelles Gespräch über das neue Album begann, wurde zum sehr persönlichen Einblick in die tiefsinnige Gefühls- und Gedankenwelt hinter der Musik von Mat McNerney.

Veröffentlicht am 15.10.2017

Hey Mat, lass uns über das neue GRAVE PLEASURES Album reden! Wie waren denn die Reaktionen auf „Infatuation Overkill“?

Viele Leute waren überrascht. Es ist ein neuer Ansatz gegenüber dem letzten Album, aber ich glaube es war ein wirklich guter erster Song weil er sehr direkt ist und eine Menge Energie besitzt, sodass er die Aufmerksamkeit vieler Menschen erregt hat. Wir haben großartiges Feedback bekommen, die Leute waren gespannt darauf, mehr vom Album zu hören.

Ich habe Kommentare aufgeschnappt die davon sprachen, dass der Song wieder ein bisschen mehr in Richtung des alten BEASTMILK-Sounds gehen würde. Nervt dich das, so etwas zu lesen?

Nein, überhaupt nicht. Ich finde es großartig wenn die Leute darauf anspringen. Unser letztes Album hat die Fanbase etwas gespalten. Viele Leute mochten es wirklich und andere waren nicht so happy, weil sie wohl bestimmte Erwartungen hatten. Gewisse Dinge sind auch durch den Lineup-Wechsel passiert. Es ist nun wieder eine finnische Band und wir hatten die gleichen Einflüsse wie damals mit BEASTMILK. So hat dieses Album nun einen bestimmten Sound und eine Atmosphäre an sich, die sich wieder in diese Stimmung einfügt. Das Feeling ist ähnlich, also verstehe ich das. Es kann aber ein wenig störend sein, wenn jeder wieder diesen Vergleich mit BEASTMILK einbringt, weil es jetzt in jeglicher Hinsicht eine andere Band ist. Es wäre also schön, wenn man es als das wahrnehmen würde, was es ist, als etwas Eigenständiges.

Wenn du sagst, ihr habt nun wieder die gleichen Einflüsse, welche meinst du dann?

Wir haben jetzt eine Menge finnischen Post-Punk im Sound und ich finde das, was die Band außerdem ausmacht, ist der Umstand, dass ein Sänger aus England auf eine finnische Band trifft. Wir bringen diesen finnischen Post-Punk zusammen mit dem britischen New-Romantic der 80er-Jahre und der dortigen Post-Punk Szene - das ist sozusagen unsere DNS. Da gibt es so eine finnische Prog-Band aus den 1970ern namens WIGWAM, die auch einen englischen Sänger und finnische Musiker hatten und bei ihnen war das genauso Teil des Sounds wie es auch bei uns der Fall ist. Das macht ihn auch besonders. Damals in den 80ern gab es eine wirklich große Post-Punk Szene in Finnland, die heutzutage immer noch viel der populären Musik beeinflusst. Du kannst nicht anders, als davon beeinflusst zu sein. Genauso wie die meisten britischen Musiker heutzutage von JOY DIVISION beeinflusst sind - selbst wenn sie es gar nicht realisieren. Das kommt eben dadurch, dass alle möglichen großen Bands sich ihre Inspirationen auch bei JOY DIVISION geholt haben. Wir sind zurück zu diesen Ursprüngen gegangen als wir unser aktuelles Album schrieben, haben uns eine Menge Gedanken darüber gemacht, was diese Band wirklich ausmacht, wollten den Sound finden, der uns beim gemeinsamen Live-Spielen aufwühlt und haben versucht ein wenig dieser Energie in unserer Musik einzufangen. Ich denke also das, was die Leute hören, ist eine Band, die sich wieder auf ihre Ursprünge besinnt. Wir sind begeistert, wieder miteinander zu spielen und die gute Atmosphäre innerhalb der Band spiegelt sich auch in unserer Musik wieder.

Ihr habt „Motherblood“ in den Orgone Studios aufgenommen. Mit Jaime Gomez als Producer haben einige von euch bei anderen Projekten schon gearbeitet. Warum habt ihr euch wieder für ihn entschieden?

Ja, Juho hat schon Aufnahmen (mit ORANSSI PAZUZU) mit ihm gemacht und auch ich habe bereits drei Alben mit HEXVESSEL bei Gomez aufgenommen. Als es um das jetzige Album ging, waren wir so zufrieden mit den Songs und wussten genau was wir tun wollten, dass wir keine Risiken eingehen und zu viel bezüglich des Studios ändern wollten. Wir haben beschlossen zu jemandem zu gehen, der sich wie ein Teil der Band anfühlen würde. Ich habe mit Gomez schon seit BEASTMILK-Tagen immer wieder über das zweite BEASTMILK Album gesprochen, das nie entstanden ist und deshalb stand eigentlich immer auf dem Plan mit ihm weiterzuarbeiten. Es fühlte sich einfach richtig an weil er es wirklich auch selbst wollte und sehr engagiert war. Ich finde er hat ein großartiges Stück Arbeit abgeliefert. Ich schätze besonders an ihm, dass er sehr vielfältig und kreativ ist und seine eigenen Ideen einbringt da er ja auch selbst Musiker ist. Es war also letztendlich keine große Frage, wir haben nie darüber gesprochen ob jemand anderes in Frage käme, es gab selbstverständlich nur ihn für diesen Job.

Kurt Ballou und Gomez sind auch beides Producer, die für einen sehr organischen Sounds stehen. Was gefällt dir an ihrer jeweiligen Arbeitsweise?

Nun, beide sind natürlich exzellent aber sehr verschieden in ihrer Arbeitsweise. Ich hatte echt großes Glück, mit beiden zusammenzuarbeiten. Es ist schwierig sie zu vergleichen. Kurt ist ein sehr methodisch vorgehender, mathematischer Typ im Vergleich zu Gomez, der eher ein Freigeist ist, der viel mit Improvisation arbeitet. Obwohl ich damals wirklich mochte, was Kurt mit BEASTMILK hervorgebracht hat, war ich nie zu hundert Prozent zufrieden mit dem Sound und dachte immer, dass man ihn noch verbessern könnte indem man ihn präziser und kohärenter macht und ein bisschen näher dran an dem, wie wir uns live anhören und uns auch gerne anhören wollen.

Würdest du sagen, dass sich nach dem Lineup-Wechsel etwas an eurem Sound oder an eurer Arbeitsweise geändert hat?

Ja, definitiv! Beim letzten Album standen wir unter großem Zeitruck weil BEASTMILK auseinanderbrach, genau als wir eigentlich mit den Aufnahmen beginnen sollten. Wir hatten das Album eigentlich soweit fertig, doch dann mussten wir erst einmal alles ordnen und die neue Band in kürzester Zeit aufbauen. Wir mussten durch wirklich harte Zeiten gehen aufgrund des BEASTMILK-Breakups und die anderen Mitglieder von GRAVE PLEASURES kamen auch gerade aus zerbrochenen Bands. Es war sozusagen ein Breakup-Album und es fühlt sich für mich richtig schmerzhaft an, wie eine Wunde.

Mit dem aktuellen Album war es ganz anders. Wir haben noch einmal ganz von vorne begonnen und herausgefunden, was diese Band für uns bedeutet. Im jetzigen Lineup fühlen wir uns miteinander wirklich verbunden. Wir leben alle am selben Ort, während früher der damalige Drummer und der Gitarrist in Berlin wohnten, was es echt schwierig machte, ein Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln. Im Grunde denke ich, dass eine Band in der gleichen Stadt wohnen sollte, die selbe Sprache sprechen sollte und sich auch sonst auf dem gleichen Level befinden sollte. Jetzt scheint es so, dass wir alle auf einer Wellenlänge sind und gleichermaßen Feuer und Flamme. Die Art, wie wir für „Motherblood“ zusammengearbeitet haben war sehr kollaborativ und kreativ lohnend, sodass wir alle überaus begeistert und sehr happy über das Album sind. Ich glaube, das kommt auch in den Songs rüber. Da ist eine Menge Energie und Positivität und Freude enthalten, alles Dinge, die beim vorigen Album gefehlt haben.

Im Kontrast dazu, behandeln eure Lyrics auf „Motherblood“ Themen wie nukleare Zerstörung und postapokalyptische Szenarios. Hat es für dich eine bereinigende Funktion, sich diesen Urängsten der heutigen Zeit durch deine Kunst stellen zu können?

Ja, ganz genau! Es ist eine Art Katharsis, ein kathartischer Prozess, aber auch aus einer eher buddhistischen spirituellen Perspektive gesehen. Es ist ein „sich damit vertraut machen“. Es erlaubt dir, sich daran zu gewöhnen und eine Art Frieden damit zu schließen. Für mich ist es wichtig, sich solchen Dingen zu stellen und anzufangen, sie zu erforschen. Das sind sehr starke Metaphern für die Entdeckung des eigenen Selbst und des eigenen Platzes im Universum. Das sind einfach Dinge, die jeder gerne wissen möchte und damit universale Fragen. Für mich handelt Rockmusik vom ultimativen Durchbruch, wie er in diesem THE DOORS Song beschrieben wird: „Break on Through to the Other Side“ - es sollte um Sex und den Tod und Zerstörung gehen, aber auch darum, das Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Musiker sind diesbezüglich wie Kulturhistoriker, sie sollten den Menschen immer einen Weg heraus aus den dunklen Zeiten aufzeigen. Das ist jedenfalls das, was wir mit den Bands der 80er gemeinsam haben. In der damaligen Post-Punk Szene ging es vorrangig darum zu tanzen, herumzualbern, alles rauszulassen, die negativen Energien in positive umzuwandeln und zu sagen „Ich trage die dunklen Zeiten zur Schau! Das ist ok. Ich bin stolz darauf!“

Hast du schon immer in dieser Weise darüber gedacht oder war das ein Lernprozess?

Nein, ich glaube das ist eine Sache, die ich schon immer durch die Musik gewonnen habe, seitdem ich angefangen habe mich für dunklere oder extremere Musik zu interessieren. Ich habe sie wie eine Art Erlösung erlebt, als einen Ausweg. Es war sehr lohnend für mich und ich habe mich nie davon runtergezogen gefühlt. Ich hatte auch keine andere Fluchtmöglichkeit. Der extremste Metal und so ein Zeug, hört sich für mich einfach nur nach Freiheit an. Das ist wirklich großartig und auch grenzüberschreitend. Es fühlt sich an, als ob alle Mauern einreißen und man sich einfach nur frei fühlt. Dieses Feeling wollte ich unbedingt auch auf unserer Platte rüberbringen. Die Zeiten sind wirklich dunkel, aber daraus kannst du Kraft gewinnen. Das ist eine Denkweise, die ich mit vielen Musikern und Freunden teile. Du hörst dir düstere Musik an um dich wieder aufzurichten. Du hörst dir NICK CAVE an wenn du richtig down bist und fühlst dadurch, dass du nicht allein bist, dass da jemand ist, der dieses Gefühl mit dir teilt.

Es gibt einen Bonustrack namens „There are Powers at Work in this World“ auf „Motherblood“. Ist das ein Kommentar zum gegenwärtigen Stand unserer Welt mit ihren verrückten Anführern?

(lacht) Ja, ich denke dabei handelt es sich um einen treffenden Kommentar zu unserer Welt. Es sind furchterregende Zeiten. Aber das war schon immer so. Ich glaube, wir können dem nie entfliehen weil es ein Teil unserer Spezies ist. Die Idee dahinter auf dem Album ist, dass wir uns selbst durch Tod und Zerstörung definieren. Trotzdem halte ich an der Hoffnung fest, dass wir besser sein können als das. Alle guten Geister und großen Denker sind der Meinung, dass wir uns davon abheben können, wenn wir es nur schaffen uns davon zu lösen. Ich sehe den einzigen Weg davon wegzukommen darin, Akzeptanz zu üben und sich auf Dinge einzulassen. Das größte Problem ist meiner Meinung nach, dass wir davor wegrennen wer wir wirklich sind und alles in Gut und Böse, Schwarz und Weiß unterteilen, denn so simpel ist es nicht. Wir sind eine sehr komplexe, aber auch sehr widersprüchliche Spezies. Wir tragen zu gleichen Teilen Tod und Zerstörung, aber gleichzeitig auch Kreativität und Schaffenskraft in uns. Es ist sozusagen ein Spiegel unseres chaotischen Universums. Ich denke, wenn wir nicht langsam damit abschließen, werden wir weiterhin in einer Abwärtsspirale verbleiben in der es immer schlimmer wird. Ja (lacht) es sieht nicht gut aus, das ist ein ziemlich beängstigendes Thema.

Ja, und es wird umso beängstigender, je mehr man darüber nachdenkt. Lass uns über den kreativen Teil sprechen. Das Artwork von „Motherblood“ zeigt eine Interpretation der hinduistischen Göttin Kali. Welche Message ist damit verbunden?

Ja, das ist Kali, es ist unsere Version von ihr. Mir war wichtig, dass es eine ziemlich realistische Version ist. Kali sitzt an der Spitze des Zyklus' aus Leben und Tod und repräsentiert das Universum. Wir leben und sterben in ihrem Schoß. Der Titel „Motherblood“ steht für mich im Grunde für die ablaufende Zeit, das Blut der Mutter wird vergossen, wir verlieren die Verbindung zu unserer natürlichen Ordnung. Wir ernähren uns von unserer Mutter, es ist die natürliche Form der Selbstaufopferung, dass Kinder ihre Mutter, ihr Fleisch verzehren und ihr Blut trinken. Daraus hat sich auch die moderne Eucharistie entwickelt, die Geschichte von Jesus. Sie haben dabei nur die Frau durch einen Mann ersetzt. Das Ganze ist zudem auch ein sehr kraftvolles Frauenbild, besonders da wir in der Gegenwart dabei sind, das schon erreichte Modell, die Idee von der Frau zu zerstören und wieder zurückgehen. Es war eine Menge Arbeit, die Gleichberechtigung der Frau zu erkämpfen, doch an vielen Orten gibt es diesbezüglich wieder eine Regression. Diese Punkte wollte ich alle ansprechen und auch, dass unsere natürliche Ordnung aus dem Gleichgewicht gerät, weil wir unseren Planeten zerstören - und damit wortwörtlich unsere Mutter.

Das Cover wurde von Tekla Vály realisiert. Wie warst du in diesen Prozess involviert?

Ich kannte sie und ihre Arbeit schon eine Weile und wollte gerne mit ihr an dem Artwork arbeiten. Wir haben ungefähr drei oder vier Monate gebraucht nur um das Konzept zu erstellen, zu überlegen, wie wir es umsetzen wollen und die richtigen Akteure für dieses Stück zu finden. Wir wollten, dass die Models wie realistische Frauen aussehen und nicht wie eine seltsame idealisierte Version davon, also starke Frauen, die keine professionellen Models sind. Für das Shooting haben wir einen ganzen Tag zusammen verbracht. Ich wollte sie auch als Künstlerin nach vorne bringen weil ich ihre Arbeit sehr mag, sie aber zuvor noch nie etwas in dieser Größenordnung umgesetzt hatte. Es war sehr interessant, weil wir uns gegenseitig herausgefordert haben weil wir dieses epische und ambitionierte Cover wollten. Diese Platte zeigt, wie wir eine epische Geschichte erzählen, sie ist aber auch episch bezogen auf unseren Sound als Band.

Was meinst du denn damit, bezogen auf den Sound?

Es gibt Stellen in diesem Album, in denen wir wirklich eröffnen, wozu diese Band in der Lage ist. Es wird viel ausladender. Du hast Songs wie „Atomic Christ“, die das Potenzial in sich tragen den Leuten zu zeigen was diese Band wirklich ist und die Sichtweise der Menschen auf diese Band zu verändern.

War es deine Intention zu verändern wie die Band wahrgenommen wird?

Nein, es ist eher so,… wenn du die Debütscheibe einer Band hörst, dann schaust du nur durch dieses eine Fenster und hast nur diesen Blickwinkel. Ich wollte das Fenster öffnen, sodass man mehr von der Umgebung sieht und wie die Geschichte voranschreitet. Die Geschichte bewegt sich weiter vorwärts. Und um das zu erreichen, ist es sehr wichtig einen Song wie „Atomic Christ“ auf dem Album zu haben, eben weil er ziemlich episch wird. Wenn du eine Band vor dir hast, die sonst zwei- oder dreiminütige Songs hat und dann mit so einem Ding ankommt, verändert das wirklich die Wahrnehmung dessen, was wir tun.

Wie du schon erwähnt hast, habt ihr für das letzte GRAVE PLEASURES Album gemischte Reaktionen erhalten. Heutzutage ist es üblich, jeglichen künstlerischen Output im Internet völlig ungehemmt und in ziemlich ungehobeltem Tonfall zu Tode zu kritisieren. Das ist aber auch genau der Ort, wo man sich als Musiker die Anerkennung seiner Fans abholen kann. Wie gehst du damit um? Bist du jemand, der alle Kommentare und Reviews durchliest, der dieses Feedback sucht?

Nun, ich versuche soviel wie möglich zu lesen und pragmatisch damit umzugehen. Ich bin ziemlich offen konstruktiver Kritik gegenüber. Ich verstecke mich nicht davor, allerdings ist es wichtig, dies alles nicht mehr im Kopf zu haben sobald du wieder Musik machst um nicht etwas zu erschaffen was dann darauf basiert, was irgendjemand in einem Review geschrieben hat. Ich distanziere mich auch ein wenig wenn das Album fertig ist, dann ist es sozusagen aus meinen Händen. Ich Arbeite auch daran, mehr und mehr den Schaffensprozess und das Recording zu genießen und immer weniger über das Produkt am Ende nachzudenken. Wenn du das tust, wenn du dich selbst vom Endprodukt abstrahierst, bist du erstens ein glücklicherer Künstler und zweitens sehen die Leute, dass du Dinge reinen Herzens tust. Für mich ist es viel wichtiger, mich selbst herauszufordern wenn Dinge mir wichtig sind. Ich bin der Meinung, dass du dann am Ende auch den Lob und Respekt der Menschen dafür erntest, dass du deinem eigenen Herzen folgst. Das ist im Grunde was ich tue: ich folge meinem Herzen. Wenn die Leute das Album letztendlich dann absolut hassen, hat es offensichtlich eine Menge Gefühle in ihnen aufgewühlt. Du erlebst so etwas heutzutage sehr oft in der Metal-Szene. Da gibt es Bands wie MYRKUR oder WOLVES IN THE THRONE ROOM, die die Leute richtig aufregen und Puristen werden sogar sehr wütend auf diese Art von Bands. Weltoffene Menschen hören sich diese jedoch ohne Vorurteile an. All dies ist Teil von dem, was Musik aufregend macht.

An welche Herausforderungen denkst du, wenn du sagst es sei wichtig für dich, sich selbst musikalisch herauszufordern?

Ich denke an Herausforderungen auf allen Ebenen. Kreativ gesehen. Ich versuche sicherzugehen, dass alles was ich tue mich einen Schritt weiterbringt und damit meine ich, ein besserer Songwriter zu werden. Ich möchte meine Geschichte so gut es geht erzählen. Dazu versuche ich, so viel wie möglich von anderen Menschen zu lernen. Ich höre die Musik anderer Künstler, lese eine Menge Literatur und recherchiere sehr ausgedehnt bevor ich Lyrics schreibe. Das halte ich für sehr wichtig, denn wenn du als Künstler etwas sagen möchtest, solltest du informiert sein und wirklich wissen, wovon du da sprichst (lacht) damit es nicht irgendein Blödsinn ist und du wirklich hundertprozentig dahinter stehen kannst. Was auch immer das dann ist. Ich nähere mich diesem Thema also ein wenig so, als wäre ich ein Filmregisseur und bin immer sehr stark involviert in das, was ich tue. Und genau das will ich noch verstärken. Als Musiker solltest du deine Kunst atmen und leben, weil dein Werk zu hundert Prozent du sein sollte. Ich versuche das, in der Hoffnung den Menschen Freude zu bringen, weil es das ist, was die Musik mir gegeben hat - sie hat mein Leben gerettet. Wenn du dann Feedback von den Fans erhältst, dass du ihnen genauso hilfst, ist es das beste Kompliment, dass man nur kriegen kann.

Mat, wenn es mit der Welt zu Ende geht, und du es vorher wüsstest, was würdest du tun? Feiern?

Ehm,… (lacht) eigentlich sollte ich „feiern“ sagen, weil das ja die Message des Albums ist. Für mich persönlich bedeutet das aber mehr, all das zu genießen was man hat und liebt und zwar so intensiv wie möglich. Jede deiner letzten Minuten im Leben zu genießen. Du weißt ja wirklich nicht, wann es zu Ende gehen wird. Also finde ich, man sollte jeden Tag so leben als ob es der letzte wäre und dabei Zeit mit geliebten Menschen und seiner Familie verbringen und sowas. Für mich ist das das Wichtigste überhaupt, es ist letztendlich Liebe. Ich würde also hingehen und Zeit mit meiner Familie verbringen.

Welche Musik würde die Apokalypse untermalen?

Ich würde vermutlich etwas von JOHN CAGE auflegen… ich erinnere mich gerade nicht an den exakten Albumtitel. Es ist jedenfalls ein chorales Arrangement von JOHN CAGE. Ich würde ein wenig abstrakte, moderne klassische Musik spielen wie PHILIP GLASS…ja, vielleicht etwas von PHILIP GLASS.  

Wenn es nicht zu Ende geht, was sind deine nächsten Ziele mit GRAVE PLEASURES? 

Wir gehen auf Tour mit dem Album, jetzt kommen erst einmal einige Promo-Shows gegen Ende des Jahres und dann versuchen wir soviel rauszukommen wie möglich und soviel live zu spielen wie es nur geht. Wir haben drei Alben, wenn du die BEASTMILK noch dazuzählst, und wir spielen Songs daraus. Es wird also großartig rauszugehen und all diese Songs auf sehr vielfältigen Setlists umzusetzen. So schnell gehen wir also nicht wieder ins Studio, wir wollen erst einmal versuchen ein Jahr oder mehr mit Live-Auftritten zu verbringen.

Ich danke dir herzlich für deine Zeit. Es war mir eine Freude.

Danke ebenfalls! Ich hoffe dich auf Tour zu sehen, auf ein oder zwei Konzerten vielleicht. Take care!

 

 

 

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