ASKING ALEXANDRIA - Danny Worsnop

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Es wäre fast noch nett ausgedrückt, wenn man sagen würde, dass ich total besoffen war. Ich habe aber NIE Shows abgebrochen oder ähnliches! Es gab eine Periode, wo ich meine Stimmbänder gerissen habe und es war ZU viel Arbeit, in der wir steckten.

Danny Worsnop is back in business und für uns bot sich die Gelegenheit mit dem charismatischen Sänger zu quatschen!

Text: Sonata
Veröffentlicht am 08.12.2017

Hi Danny! Danke, dass du dir die Zeit nimmst, uns ein paar Fragen zu beantworten. Legen wir direkt los: Was war der Grund, das neue ASKING ALEXANDRIA-Album zu einer selftiled-Platte zu machen?

Wir sehen es als Neuanfang für ASKING ALEXANDRIA. Wir haben viel erlebt über die letzten Jahre hinweg, ich war zwischendurch raus und nun fügt sich das Ganze wieder. Ich habe extrem viel mit Ben darüber gequatscht, wie wir AA nun betrachten und das wir mit dem neuen Album etwas schaffen wollen, das sich auf das besinnt, worauf wir Lust haben und das ist im Prinzip schon der ganze Kern.

Du bist zur Band zurückgekehrt, aber soweit ich weiß ist es diesmal eine Beziehung der anderen Art. Du checkst deinen Terminkalender und sprichst stetig mit deinen Bandkollegen, wenn Recordings oder eine Tour anstehen würden. Also alles quasi nach Absprache. Siehst du dich in etwa so in der Band?

Ich habe eine Methode gefunden, die für mich funktioniert und ich packe das alles in verschiedene Zeitabschnitte, weil wenn ich zu viele Dinge auf einmal versuche, kriegt nicht alles meine volle Aufmerksamkeit. Und aktuell steht AA im Fokus, weil wir das neue Album promoten, Presse haben jeden Tag. Wir sorgen dafür, dass dieses Album so groß wird, wie wir es finden. Alle Videos sind abgedreht für die Singles, der erste Teil der Tour wird vorbei sein im Februar. Das Album wäre für drei Monate draußen und ab dann werde ich an meinem zweiten Soloalbum arbeiten und es promoten. Danach gibt’s vier Filme, die ich abdrehe. Ich portioniere also die Zeit je nachdem, was gerade ansteht und lege meinen kompletten Fokus darauf, bevor ich was anderes tue.

Das klingt absolut vernünftig, denn AA ist natürlich eine große Band, die von dieser Handhabung nur profitieren kann. Wenn du nur halb bei der Sache bist, wird’s nicht funktionieren, da bin ich bei dir.

Absolut!

Das neue Album bringt einige frische Elemente mit sich, die ich positiv betrachte (hier geht's zum Review). Weniger Screams, was dir aber gleichzeitig Raum gibt, deine Clean-Vocals mehr auszukosten. Und um ehrlich zu sein, haben sich deine Clean-Vocals nochmal deutlich verbessert. Denkst du, dass es Fans geben wird, die sich als Hater herausstellen, weil das Album „anders“ ist und nicht wie z.B. das Debüt klingt?

Es ist mir scheißegal, wenn es “Fans” geben sollte, die diese Form von Musik scheiße finden. Dann sollen sie es nicht hören. Die alten Alben existieren, sie müssen sie nur in den CD-Player schieben und fertig. Wir wollten nie das gleiche Album nochmal aufnehmen, das sind einfach nicht wir! Wir sehen einen gewissen Fortschritt und nehmen ihn an, arbeiten damit. Wir waren damals quasi noch Teenager, als wir „Stand Up And Scream“ geschrieben haben.

Wenn es für dich okay ist, würde ich gern ein eher dunkles Kapitel aus deinem Leben ansprechen. Du hattest Alkoholprobleme in der Vergangenheit und es gab AA-Shows, die nicht so optimal gelaufen sind. Manche Shows wurden laut Fanaussagen sogar mittendrin abgebrochen, doch mittlerweile scheinen sich die Dinge verändert zu haben. Du hast volle Kontrolle über deine Stimme, die wirklich einen tollen, markanten Klang hat. Ich hatte bisher noch nicht die Chance, euch live zu sehen, aber die Videos von aktuelleren Auftritten wirken sehr cool. Ich persönlich habe Danny Worsnop noch nicht so stark erlebt! Was kannst du uns über deine Vergangenheit in Relation zum Hier und Jetzt erzählen?

Es wäre fast noch nett ausgedrückt, wenn man sagen würde, dass ich total besoffen war. Ich habe aber NIE Shows abgebrochen oder ähnliches! Es gab eine Periode, wo ich meine Stimmbänder gerissen habe und es war ZU viel Arbeit, in der wir steckten. Wir waren für zwei, drei Jahre unterwegs und ich musste jeden Tag singen, habe mich überarbeitet. Das hat Schaden verursacht. Aber wir haben jede Show gespielt und ich habe ein paar Songs gespielt. Den Rest der Songs hat dann eine mit uns befreundete Band teils übernommen, die auch unser Support war zu der Zeit. Aber Shows breche ich nicht ab!

Im Prinzip wollte ich damit auch nochmal verdeutlichen, was für eine Wandlung du durchlebt hast und dass die Dinge nun besser laufen. Du kannst mit deiner Stimme vernünftig umgehen, was die besagten Live-Videos bereits eindrucksvoll unter Beweis stellen und allgemein scheinen die Verhältnisse geordneter zu sein. 

Danke! Ich habe hart gearbeitet und denke, dass ich mich stets gepusht habe und glaube auch, dass die nächste Tour weit über dem stehen wird, was zuletzt geschah. Es wird eine Konstante entstehen und auch Leute, die die letzte Tour genossen haben, werden weggeblasen.

Ich weiß nicht, ob du dir “The Black” angehört hast, was ja die erste Platte war, die ohne dich aufgenommen wurde. Was denkst du über dieses Album, sofern du es gehört hast?

Ich habe “The Black” nicht gehört. Ich selbst höre aber auch nicht wirklich harte Musik.

Dein Solo-Album kommt ja auch mit einem anderen Sound aus, der auch cool ist.

Das ist der Grund, warum ich das mache. Ich will gute Musik in die Welt setzen und so viele Dinge entdecken, wie ich kann. Ich war so beschäftigt und hatte nicht oft die Chance, Musik zu hören. Wenn ich Musik schreibe, höre ich gar keine andere Musik. Es kommt selten vor, dass ich mich hinsetze und ein Album höre. Ich habe die Jungs damals gefragt, ob es ein paar Songs gibt, die ich lernen soll, aber sie wollten dieses Kapitel schließen und daher auch nichts davon live spielen. Aber mein Business ist es ja ohnehin nicht, was dieses Kapitel angeht. Sie sind stolz auf das Album, aber es war eine andere Band für sie. Sie haben es gemacht, es war ein Moment und nun ist er vorbei.

Ich würde mich einen großen Fan nennen seit dem Debüt und präferiere, wenn Bands neue Sachen ausprobieren, anstatt sich zu wiederholen. Und das Selftiled-Album zeigt uns eine neue Seite von AA, die ein paar frische Songs hervorbringt. „When The Lights Come On” ist ziemlich crazy, derartiges habe ich von euch zuvor nicht gehört. Von daher ist es gut, was neues zu hören, anstatt den selben Kram zum wiederholten Male serviert zu bekommen. Die alten Alben existieren bereits und wir brauchen dieses Album nicht nochmal. Und mit deiner Rückkehr hatte ich zumindest die kleine Angst, dass die Band schlichtweg das kopieren würde, was sie schon in der Vergangenheit vollbracht hat. Aber stattdessen haben wir dann noch Songs wie „Empire“ mit 'nem coolen Feature, wo jemand Rap-Strophen aufgenommen hat. Dazu Clean-Vocals im Pre-Chorus. Und deine Stimme komplettiert quasi das Ganze im Chorus, was einen sehr coolen Gesamtsound ausmacht. Ich hätte gar nicht gedacht, dass die Band noch so viel Innovation mitbringt, da ich „The Black“ eher als eine Art Best Of-Album empfunden habe. Es war absolut solide Musik, aber es fühlte sich nicht mehr wie ASKING ALEXANDRIA an.

Der Pre-Chorus ist aber tatsächlich von Ben gesungen! Dieser Song kam zustande als wir gerade in Europa tourten. Wir haben überlegt, wer das Album mixen soll. Wir haben schon mit diversen Leuten gearbeitet, aber Ben schlug vor, einen Hip Hop-Mixer zu holen, weil der Sound dieser Alben einfach so weit und groß klingt. Ich musste ihm nix erklären, denn es gibt ja quasi schon digitale Optionen, die den Sound so fett und wuchtig klingen lassen. Dann hat Ben einen Song geschrieben, der diese Gitarrenline hatte. Er dachte, dass es sehr cool wäre, einen Rapper dafür zu nutzen. Wir haben uns mit verschiedenen Leuten auseinandergesetzt, z.B. Machine Gun Kelly. Aber wir hatten ab einem gewissen Grad keine Zeit mehr, doch dann stießen wir auf Bingx und wir dachten, wenn wir keinen großen Namen kriegen können, der uns Promotion bringt, sollten wir unsere Karriere nutzen, jemand anderem zu helfen. Wir fanden in ihm ein großes Talent, das wir so pushen konnten. Er ist ein super Typ, sehr talentiert und er hat einen super Job abgeliefert.

Gerade im Metal- oder Rock-Genre ist es ja gern mal verpönt, sich mit Rap auseinanderzusetzen und Rap gilt oft als „Schrott“, den man dort nicht hören will. Ich finde solche Fusionen allerdings sehr interessant und der Song zeigt ja perfekt auf, dass es funktioniert. Ich mein, was haben LINKIN PARK denn auch die ganze Zeit gemacht?

Ja, absolut! Es ist einfach gut für Musiker, aus der Komfortzone rauszukommen und neue Sachen zu probieren. Es ist einfach, in der Routine zu verbleiben, aber ich nutze jede Chance, mit Künstlern Musik zu machen, die eigentlich aus einem anderen Genre kommen. Es öffnet neue Türen für mich, allein im Bezug auf den Songwriting-Prozess. Hip Hop-Musiker schreiben anders als Rockmusiker und bringt mir Skills, die ich zuvor nicht hatte.

Also bist du froh, wenn du solche Herausforderungen hast?

Ich will immer herausgefordert werden! Bin ja vor ein paar Jahren nach Nashville gezogen und der beste Rat, den ich dort erhalten habe, war: „Wenn du der beste Schreiber im Raum bist, dann bist du im falschen Raum.“ Ich will nie der beste Songwriter sein, denn das bedeutet, dass ich nicht mehr besser werde. Ich will mich stets pushen und dazulernen. Dazu in der Lage sein, meine Fähigkeiten zu erweitern und neue Tools hinzuzufügen, die ich nutzen kann. Dadurch kann ich noch mehr großartige Musik machen.

Du bist ja noch sehr jung und hast bereits viel erreicht in den paar Jahren. Hast mit AA was aufgebaut, bist bei WE ARE HARLOT und hast dein Soloalbum rausgehauen. Alle verkörpern einen anderen Stil, was ja schon was Großartiges ist für einen Songwriter.

Dankeschön!

Du hast deinen Fans gezeigt, dass du ein Musiker bist, der viele Herausforderungen annimmt und meistert. Du hast bewiesen, dass dich nicht nur AA ausmacht und du stets bereit bist, über den Tellerrand zu schauen. Das macht einen guten Musiker aus!

Ja, da stimme ich dir zu! Ich will mich wie gesagt immer pushen und das Beste tun, was ich tun kann. Viele Künstler versuchen gar nicht, neues zu entdecken und zu entwickeln.

Gerade das Post Hardcore-Genre (wo AA quasi auch zuhause ist) stagniert ja seit Jahren. Eine Band klingt wie die andere und ich sehe bzw. höre selten mal was Neues und Frisches. Ich habe so viele Bands gehört, die quasi das Debüt von euch stumpf kopieren und damit Erfolg haben wollen.

(lacht) Ja!

Ich habe absolut keinen Bock, diese Copy-Paste-Alben zu hören, was mir tierisch auf den Sack geht. Es gibt diese Musik schon exakt in dieser Form. Bitte erforscht euch selbst und schafft euch ein Alleinstellungsmerkmal, das euch das „Recht“ gibt, als diese Band zu existieren. Daher hatte ich auch gehofft, dass ihr mit dem neuen Album wieder Pfade beschreitet, auf denen ihr noch nicht gewandert seid. Exakt das habt ihr getan und darüber bin ich froh.

So wie ich das betrachte, möchte ich einfach immer ehrliche Musik machen. Ben sieht das genauso. Wir versuchen nicht, uns zu kopieren oder andere zu kopieren. Wir wollen authentisch sein, auch für uns selbst. Wir können “Stand Up And Scream” nicht nochmal machen. Wir waren 17-jährige Kids, die von der Welt angepisst waren, auch wenn wir froh waren, da zu sein, diese Chance zu haben. Aber wir sind nicht mehr diese Leute und es wäre lächerlich, dieses Album nochmal zu machen. Es ist zehn Jahre her! Mit „Reckless and Relentless“ haben wir den Geschmack von Erfolg erfahren und es war Sex, Drugs and Rock'n'Roll. Aber das war dann, es ist einfach nicht mehr der Fall. Wir sind nicht mehr exakt diese Band. Wir haben Familie, sind nicht mehr dieser Part von damals, wollen ein Album machen, das nicht dasselbe verkörpert. „From Death To Destiny“ war z.B. ein Album, das unseren Kampf verkörperte. Wir haben uns gegenseitig gehasst, wollten nicht mehr in dieser Position sein. Wir haben es nicht mehr gefühlt und konnten nicht mehr das selbe machen. Das neue Album trägt endlich mal positive Messages nach außen, was bisher NIE der Fall war. Wie viele Kids haben uns geschrieben, wie sehr wir ihnen geholfen haben mit unseren Songs… Das ist aber einfach Schwachsinn. Die hatten ALLE keine positive Message, es ging nur ums Ficken und um Drogen.

Ihr habt ja vor Jahren auch den Film Through Sin and Selfdestruction gemacht. Ist alles der Lebensstil!

Ja! (lacht) Und dieses Album trägt einige gute Messages. Es war wie eine Operation am offenen Herzen, aber diese Pause tat uns gut und repräsentiert das, was wir heute sind als Menschen.

Ihr habt als Band ja quasi auch schon die nächste Tour vor der Brust, wo ihr mit BLACK VEIL BRIDES auch in Deutschland zu sehen sein werdet. Wie darf ich diese Shows betrachten? Seid ihr Support oder wie läuft das?

Wir wollen nicht mehr wie die Verrückten touren, niemand von uns. Ben hat Kinder, James heiratet bald, Cameron ist verheiratet. Zeit mit der Familie ist wichtig. Wir MÜSSEN auch nicht mehr das ganze Jahr touren. Wir machen das im Januar und Februar, unter anderem auch in Deutschland. Danach haben wir ein paar Monate Pause und machen im Juni alle europäischen Festivals. Anschließend wieder Pause und später im Herbst gibt’s dann Australien und Südamerika. Das ist es für unser Jahr. Ben dreht noch ein paar Filme so wie ich. Er hat ein Soloalbum gemacht und hofft das bald releasen zu können. James hat seine Firma für Unterwäsche und so tut jeder so viele Dinge, sodass uns kürzere Touren bessere Shows ermöglichen und uns noch Zeit geben, unser Leben zu leben. 2019 werden wir die restlichen Märkte abdecken, um daraufhin die nächste Scheibe zu schreiben.

Finale Frage. Du bist zu AA zurückgekehrt und die meisten Fans hoffen, dass diese Geschichte weitergeht. Was sind deine Pläne mit den Jungs und wie stellst du dir das selbst vor?

Wir touren 2018/19 erstmal und nehmen uns dann wie gesagt Zeit, ein neues Album zu schreiben. Der Kreis startet erneut. Ich habe mit Ben sehr viel gesprochen über die Zukunft und was unsere nächsten Schritte sein werden. Wir beide fühlen, dass diese Reise erst begonnen hat. Da ist noch sehr viel Leben, was diese Band ausstrahlen wird und auch die Vergangenheit hat uns geholfen zu lieben, was all das ist, es zu respektieren. Wir können da nun alle 100%ig dahinter stehen. Die Fans müssen sich aber keine Sorgen machen wegen meiner Person. Ich verkaufe mein Haus und kaufe eines in Arizona, wo die anderen Jungs leben. Wir werden nah beieinander leben und so ist es erst der Beginn einer großen Geschichte!

Vielen lieben Dank für deine Zeit Danny! Ich wünsche dir in allen Belangen, ob Solo, mit WE ARE HARLOT oder eben ASKING ALEXANDRIA alles Gute! Hau rein!

Danke Sonata! Wir sehen uns!


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